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Der Grünewald ist mit seinen mehr als 4000 ha die größte zusammenhängende Waldfläche Luxemburgs. Dadurch hat sich hier das typische Waldklima, gekennzeichnet durch Windstille, hohe Luftfeuchte, Schatten, … mit einer charakteristischen Fauna und Flora entwickeln können. Der Grünewald stockt auf dem Luxemburger Sandstein, mit gut durchlüfteten, mäßig sauren und frischen Böden, Rotbuchengesellschaften prägen das Waldbild. Urkundlich seit Ermesindes Zeiten (13. Jahrhundert) erwähnt, gehört dieses Waldmassiv zu den sogenannten "historisch alten Wäldern" (ancient woods). Diese Waldgesellschaften sind die letzten Zeugen der ursprünglichen Vegetation Mitteleuropas. Auf Grund dieser Eigenschaften ergibt sich, daß der Grünewald einen unersetzlichen Lebensraum darstellt. Nach einer Zerstörung wäre es daher unmöglich diese Lebensgemeinschaft kurzfristig durch z. B. Neuapflanzung zu ersetzen. Seit dem 29. April 1966 steht der Grünewald auf der Liste der klassierten Kulturdenkmäler. Der Grünewald ist der größte und älteste Zeuge unserer Geschichte. Hier finden sich nämlich nicht nur erhaltungswürdige Biotope und Landschaftsteile, sondern ebenfalls sehr viele Zeugnisse, welche weit in unsere Geschichte zurückreichen. Ein Blick auf die archäologische Karte zeigt denn auch, wie viele kulturhistorische und wissenschaftlich bedeutsame Werte hier noch verborgen liegen. Nur die wenigsten sind bekannt und erforscht.
Hervorzuheben ist des weiteren die Bedeutung des Grünewaldes als natürliches Trinkwasserschutzgebiet, welches mehr als 8000 m3 bestes Trinkwasser an die Stadt Luxemburg und die Alzettealgemeinden liefert.
Der Grünewald bleibt jedoch trotz der stichhaltigen Einwände seitens der Naturschützer akut durch den Straßenbau gefährdet.
Seit den 60iger Jahren wird an einer Nordautobahn herumgeplant mit dem Ziel, die N7 zu entlasten, das Ösling an das internationale Straßennetz anzubinden und die ökonomische Entwicklung dieser Region zu fördern. Bis 1991 wurden nur verschiedene Trassen durch das Alzetteal bzw. über das Steinseler Plateau genauer studiert. Alle diese Straßen suchten ihre Anbindung an die bestehenden Autobahnen in Höhe von Straßen-Bartringen. Erst im Sommer 1991 tauchte urplötzlich die Grünewaldvariante auf. Wegen der herausragenden Bedeutung und dem Symbolcharakter dieses Waldmassivs sollte sich sehr schnell eine
breite Opposition seitens der Natur-und Umweltschutzbewegungen formieren.
Die asbl. "Fir de Grengewald" koordiniert die Aktivitäten der L.N.V.L., des Mouvement écologique und der Natura zum Schutz des Grünewaldes. Dieses Aktionskomitee tritt nach wie vor mit aller Entschiedenheit für den integralen Erhalt des Grünewaldes ein, so wie er in der Absichtserklärung des Ministerrates vom 24. April 1981 festgeschrieben wurde. In diesem Text wird die Bedeutung des Grünewaldes als Grüngürtel der Hauptstadt, als Schutzzone mit Erholungscharakter, als Forstmassiv von besonderem Interesse mehrmals ausdrücklich unterstrichen. Nachdrücklich wird hier auch vor der Gefährdung durch den Straßenbau gewarnt. Wie wenig sich die Regierungsmitglieder um derartige Zusagen scheren, wurde leider nur zu oft belegt. Erinnern wir in diesem Zusammenhang an die Klage, welche der Mouvement écologique wegen Nicht-Beachtung der EG-Impaktdirektive von 1985 beim Bau der Südumgehung von Luxemburg-Stadt eingereicht hatte. Dieser Rekurs wurde zwar aus formalen Gründen abgewiesen, war jedoch berechtigt, wie das Koblenzer Urteil betreffend ein Teilstück der Eifelautobahn nachträglich bewiesen hat. Auch in diesem Fall hatten betroffene Bürger we-
In der Absichtserklärung des Ministerrates vom 24. April 1981 wird nachdrücklich vor der Gefährdung des Grünewalds durch den Straßenbau gewarnt.
Gréngewald
gen des Fehlens einer öffentlichen Impaktstudie gegen den Staat geklagt und im Gegensatz zu den Luxemburger Naturschützern Recht bekommen. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, daß jetzt endlich nach 10jähriger Verspätung die EG-Impaktdirektive in Luxemburger Recht umgesetzt wurde. Gleichzeitig legte die Abgeordnetenkammer im Sommer 1995 fest, daß eine detaillierte Impaktstudie die Folgeschäden der Nordautobahn im Grünewald analysieren sollte. Zwar versucht der Straßenbauminister noch immer die entsprechenden Rechte der Bürger und der natürlichen Umwelt zu beschneiden. Allerdings ist es dank dem verbissenen Einsatz der Naturschützer gelungen, einige der größten Winkelzüge seitens des Bautenministers zu entlarven. Es würde zu weit führen, alle diese zähen Kämpfe im einzelnen aufzulisten.
Inzwischen reichte die asbl "Fir de Grengewald" eine Klage bei der ständigen Vertretung der Berner Konvention in Straßburg gegen die Luxemburger Regierung ein. In der Tat hat sich Luxemburg durch die Unterzeichnung dieser Konvention verpflichtet, den Lebensraum bzw. die Migrationsplätze einiger im besonderen aufgelisteten Arten unter Schutz zu stellen. Der Bau einer Straße durch den Grünewald dürfte wohl kaum mit den Zielen der Berner Konvention in Übereinstimmung zu bringen sein, schließlich sind hier so extrem störanfällige wie auch gefährdete Arten, z.B. der Schwarzstorch, nachgewiesen. Weitere Rekurse wegen Nicht-Beachten der EG-Direktiven von 1979 (sog. Vogelschutzdirektive) und 1992 (Habitatdirektive) sind bei der Brüsseler Kommission anhängig.
Wie bereits erwähnt, wird augenblicklich eine Impaktstudie betreffend den Zerschneidungseffekt der geplanten Trasse auf das Grünewaldmassiv durchgeführt. Bislang besteht nur eine relativ grobe Abschätzung der Auswirkungen dieser Autobahn, welche von der asbl "Fir de Grengewald" in Auftrag gegeben wurde.
Letztere Studie, durchgeführt vom deutschen Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN Baden-Württemberg) unter der Federführung des bekannten Forstexperten W. Bode, kommt zum Schluß, daß der Grünewald ein für Luxemburg einmaliges Waldmassiv ist. Ein Autobahnbau durch dieses sehr seltene Waldökosystem würde den Verlust von wenigstens 600 ha Wald, d.h. 20 % des Grünewaldes bedeuten. Dieser Eingriff ist laut Auffassung der Experten nicht kompensierbar. Weiterhin bestehen gravierende Bedenken hinsichtlich einer Gefährdung des Trinkwasserschutzes bei dieser Trassenführung. Ob die jetzt laufende Umweltverträglichkeitsprüfung zu vergleichbaren Erkenntnissen kommen wird, ist auf Grund des enormen Bauwillens und dem entsprechenden Druck seitens des Bautenministers fraglich. Am Beispiel der geplanten Zerschneidung, sprich der Zerstörung des Grünewaldes zeigt sich nur zu deutlich der verschwenderische Umgang dieser Konsumgesellschaft mit ihren natürlichen Grundlagen. Daß dabei nahezu alle Mittel, nicht nur legale, Recht sind, ist leider ein zusätzlicher, schmerzhafter Punkt für diejenigen, die ihr Vertrauen in die Demokratie setzten.
Roger Schauls
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