Den Bankplatz Luxemburg moralisieren

Ein Gespräch mit Mike Mathias von Alterfinanz asbl

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Ein Gespräch mit Mike Mathias von Alterfinanz asbl.

Erstmals kaufte eine Luxemburger Bank bei forum Paltz für eine Anzeige für ein neuartiges Sparkonto. Die Bank geht also davon aus, daß forum-Leser an ihrem neuen Produkt Interesse haben könnten. Nach einem ersten Hinweis in forum Nr. 171, S. 25f. sprachen wir mit Mike Mathias von der Vereinigung Alterfinanz über ihre Verhandlungen mit der Banque et Caisse d’Épargne de l’État und ihre Beweggründe, eine alternatives Sparkontoanzubieten. Nach dem Gespräch befand die Redaktion, daß in der Tat kein Grund besteht, die Anzeige aus ethischen Gründen abzulehnen. So unterstützt das alternative Sparkonto auch ohne Kreditvergabe indirekt die alternative Presse.

forum: Sie haben also vor, den Bankplatz Luxemburg zu moralisieren?

M. Mathias: Na, ja, unser Anspruch ist es, größere Transparenz ins Bankgeschäft zu bringen. Der Sparer soll erfahren, was mit seinem Geld geschieht. So wie der Käufer einen Dritt-Welt-Laden aufsucht, weil er dort weiß, wo die Produkte herkommen und wer daran verdient, soll auch der Sparer erfahren, wo sein Geld hingeht. Sein gespartes Geld bleibt ja nicht auf der Bank liegen. Diese benutzt es, um Kredite zu erteilen oder um Investitionen zu tätigen. Dann soll der Sparer auch mündig werden und mitbestimmen, wer davon profitiert.

forum: Diese Mündigkeit muß er mit anderthalb Prozent weniger Zinsen bezahlen.

M. Mathias: Das hängt am Mechanismus, den wir uns ausgedacht haben. Es gibt viele Mechanismen alternativen Sparens. Es gibt im Ausland auch Banken, die ohne Zinsabschlag versprechen, in wertvolle ökologische oder soziale Projekte zu investieren, die aber die übliche Rendite für ihre Investition verlangen und somit auch den üblichen Zinssatz an den Sparer weitergeben. Dann braucht der Sparer auf nichts zu verzichten und er weiß trotzdem, was mit seinem Geld geschieht. Es ist natürlich der Kreditnehmer, der dafür aufkommt. Wir haben einen anderen Weg gewählt. Neben der Transparenz sollte unser Sparkonto auch durch Solidarität gekennzeichnet sein. Wir wollen daher vorrangig in Projekte investieren, die wahrscheinlich sonst kein Kredit von einer Bank erhielten und denen dann zu vergünstigten Bedingungen Geld leihen. Daher der Zinsabschlag von 1,5%. Die Transparenz an sich kostet nichts.

forum: Wie kommen Sie dazu anzunehmen, daß ein Interesse für ein derartiges Sparkonto besteht?

M. Mathias: Die ILReS macht regelmäßig eine Umfrage bei der das Publikum zum Thema Banken und Bankgeschäfte befragt wird. Vor zwei Jahren stellte

sie dabei auch Fragen in bezug auf alternatives Sparen. Es ergab sich, daß rund 12-15% der Interviewten ihre Bereitschaft erklärten, zu Inflationsraten zu sparen, also auf einen Teil ihres Spargewinns zu verzichten. Natürlich sind das nur Absichtserklärungen in einer Umfrage. Wieviele tatsächlich ein solches Sparkonto eröffnen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen müssen. Wir haben auch bei der Oeko-Foire drei Jahre lang die Besucher mit einem Stand auf diese Thematik angesprochen und wir waren jeweils erstaunt über die große Kompetenz der Leute, die sich am Thema interessierten und gezielt Fragen stellten. Natürlich ist das Oeko-Foire-Publikum ein sehr selektiv zusammengesetztes Publikum, aber man darf wohl davon ausgehen, daß gerade in diesem Publikum die 12-15% Interessenten in hoher Konzentration zu suchen sind.

forum: Haben Sie den beschriebenen Mechanismus hier erfunden oder greifen Sie auf ein ausländisches Vorbild zurück?

M. Mathias: Natürlich gibt es im Ausland Vorbilder, aber es gibt keinen Mechanismus im Ausland, der mit dem unsrigen absolut identisch ist. In Belgien bietet die CGER das ‚épargne-cigale‘ an. Hier arbeitet ebenfalls eine klassische Bank mit einer asbl zusammen und bietet ein Sparbuch an, bei dem die Sparer freiwillig Zinsen verzichten können.

Die Bank verzichtet auf 1% ihrer Gewinnmarge. Diese 2% fliessen als Spenden an diverse gemeinnützige Organisationen. Die Spareinlagen der Kunden jedoch fließen in den Gesamtfonds der Bank. Diese hat nur die Auflage, in gleicher Höhe Gelder in sozialverträgliche Kredite zu investieren. Dazu zählen beispielsweise der Wohnungsbau und damit die Baukredite. Eine Bank wie die CGER ist sehr stark im Baukreditgeschäft präsent, so daß sich die Kreditpolitik der Bank in keinster Weise ändern mußte. Dieser Sparmechanismus ist also weder zweckgebunden noch transparent (jedenfalls nicht transparenter als

Neben der Transparenz sollte unser Sparkonto auch durch Solidarität gekennzeichnet sein. Wir wollen daher vorrangig in Projekte investieren, die wahrscheinlich sonst kein Kredit von einer Bank erhielten und denen dann zu vergünstigten Bedingungen Geld leihen.

andere Geschäfte auch). Dieser Unterschied scheint uns am Luxemburger Modell so wichtig. Bei uns bleibt die Kooperation zwischen asbl und Bank auch bei der Kreditvergabe bestehen. Das soll aber im CGER-Modell jetzt auch ausgehandelt werden.

forum: Wie sollen die Projekte ausgesucht werden?

M. Mathias: Die Auswahl der Projekte verläuft auf zwei Ebenen. Zuerst begutachtet das Kreditkomitee der Alterfinanz, welche Projekt aufgrund unserer Kriterien in den Bereichen Ökologie, Sozialarbeit, internationale Solidarität in Frage kommen. Anschließend macht die Bank bei den Projekten dieser Liste ihre Solvabilitätsprüfung und vergibt dann die Kredite zum verbilligten Zinssatz.

in: Votre argent a du caractère

Wir hoffen, vor allem solche Projekte unterstützen zu können, die keinen anderen Zugang zu Bankkrediten hätten, Kredite die Arbeitsplätze schaffen, oder innovative Projekte, die von der Bank noch mit Skepsis beurteilt werden. Kredit werden vorrangig an Gruppen, Vereine oder Betriebe vergeben, nicht so sehr an Individuen. Das soll aber nicht ausschließen, daß sich z. B. Leute zusammentun, um eine Wärme-Kraft-Koppellungsanlage für ihr gemeinsames Wohnhaus von uns finanzieren zu lassen. In dem Fall müssen dann eben andere Kriterien besonders "intensiv" erfüllt werden.

Wir hoffen, daß die Bank sich mehr Zeit nehmen wird, um im sozialen und ökologischen Bereich innovative Projekte genauer zu studieren und dann doch eine Kreditzusage zu erteilen, obwohl diese Bereiche der Bank nicht gängig unter die Augen kommen. In jedem Fall müssen sich die Projekte wirtschaftlich tragen, das Investitionsrisiko darf also nicht zu hoch sein. Auch in dieser Hinsicht hoffen wir auf dem Bankplatz etwas bewegen zu können, nämlich aufzuzeigen, daß man auch andere Kriterien anwenden kann, um ein Projekt als glaub- und kreditwürdig zu bezeichnen als die klassischen Kriterien der Banker, z. B. die starke Identifikation von Initiatoren mit ihrem Projekt, die eine Garantie für sein Gelingen bietet. (siehe Kasten)

forum: Wie wollt ihr denn in Nord-Süd-Projekte investieren?

M. Mathias: Das ist in der Tat zur Zeit noch schwierig. Wenn wir in Luxemburg eine sehr niedrige Inflationsrate haben und dafür auch niedrige Zinsen, so sind in den Dritte-Welt-Ökonomien Zinssätze bis zu 50% oder noch mehr keine Seltenheit. Dafür ist dann die Inflation auch in etwa dementsprechend. Es ist also schwierig, Kredite von einer Geldsphäre in die andere zu vergeben, denn Kredite müßten in diesem Fall in unserer Landeswährung zurückgezahlt werden. Mittelfristig denken wir jedoch auch über Mechanismen nach, die diese Schwierigkeiten überwinden. Vorerst gibt es aber auch Nord-Süd-Projekte, die in Luxemburg oder in Europa ablaufen (z. B. die Dritte-Welt-Läden im alternativen Handel).

Wir hoffen auch, möglichst bald dem alternativen Sparkonto einen Garantiefonds nachschalten zu können, der dann zum Teil Sicherheiten bieten kann für Projekte, bei denen die Bank Schwierigkeiten hat, sich zum üblichen Zinssatz mit einem Kredit zu beteiligen. Bei uns sind die Zinssätze ja an und für sich eher niedrig, weil ein Kreditnehmer immer eine Garantie mitbringen muß, damit die Bank sich im Notfall schadlos halten kann. Diese Garantie soll mittelfristig ein ebenfalls von uns geplanter Garantiefonds übernehmen können.

forum: Werden eigentlich nur Kredite vergeben oder auch Anteile an neuen Firmen gekauft?

M. Mathias: Die Bank vergibt nur Kredite, es ist kein Investitionsfonds, sondern ein Sparkonto und so werden also auch keine Anteile an Firmen erworben.

forum: Was geschieht, wenn mehr Kreditanfragen kommen als gespartes Geld zur Verfügung steht?

M. Mathias: Es wäre schön, wenn wir von der Nachfrage überrannt würden denn im Ausland zeigt die Erfahrung eher, daß die alternativen Sparmechanismen mehr Zulauf an Sparern haben als Absatzmöglichkeiten.

Trotzdem, haben wir uns auch darauf vorbereitet. Zunächst sind unsere Kriterien ja keine absoluten Grenzen. Sie sind relativ: je kollektiver das Projekt, umso günstiger stehen die Chancen eines Kredits, usw. Im schlimmsten Falle fallen die weniger interessanten Projekte weg (die können sich dann jedoch noch zu

Epargne alternative

Alterfinanz

Société de l’Alternatif

Finanzierung e.V.

Le compte d’épargne alternative: l’intérêt de l’écologie et de la solidarité

Vous êtes de ceux pour qui solidarité et développement écologique ne sont pas de vains mots et vous voudriez donner une nouvelle finalité à votre épargne.

La Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat, en coopération avec la "Initiativ fir Alternativ Finanzierung (ALTERFINANZ) a.s.b.l." vous propose désormais le compte d’épargne alternative (Den alternative Spuerkont); grâce à cette nouvelle formule d’épargne vous pouvez soutenir activement, par votre épargne, des entreprises et projets engagés dans la réalisation de modèles sociaux, économiques et écologiques durables et solidaires.

Un taux de rémunération inférieur* au taux de rémunération du compte d’épargne normal en LUF/BEF de la BCEE permet que les crédits octroyés aux projets sélectionnés bénéficient de la même réduction* du taux d’intérêt.

Et bien sûr – transparence oblige – vous serez tenu au courant sur les destinataires et la finalité de ces crédits.

  • réduction de 1,50 % au 01.01.97

SPUERKEESS

den normalen Bedingungen bei der Bank um einen Kredit bemühen). Das hieße dann jedoch auch, daß wir die Werbung für unser Produkt verstärken müßten und mehr Spareinlagen sammeln sollten.

Andererseits können Projekte auch Teilkredite bekommen. Wenn es an Kapital fehlt, um den gesamten angefragten Kredit zu honorieren, kann ein Projekt, das von Alterfinanz einen verbilligten Kredit erhält und damit ja auch allgemein kreditwürdig geworden ist, den notwendigen Rest auf dem normalen Kapitalmarkt leihen. Das wird mit Sicherheit besonders am Anfang bei sehr großen Projekten wie den Windkraftanlagen oder ähnlichem der Fall sein.

forum: Macht denn die Bank ein gutes Geschäft, wenn die Gelder nicht investiert werden und sie trotzdem 1,5% weniger Zinsen zahlt?

M. Mathias: Nein, die Bank macht keine guten Geschäfte mit überschüssigem Sparkapital. Sie zahlt an die Sparer 1,25 % an Zinsen, der Kreditnehmer erhält eine Vergünstigung von 1,5 %. Das sind zusammen 2,75%, zur Zeit der gängige Zinssatz der Sparkonten in Luxemburg. Das Geld, das nicht investiert werden kann, weil z. B. 10% der Gesamtparsumme in Reserve bleiben müssen, damit die Sparer auch jederzeit ihr Geld zurücknehmen können, wird von der Bank zu dem gängigen Zinssatz, also zur Zeit 2,75%, vergütet. Davon erhält der Sparer wiederum 1,25% und die restlichen 1,5% fließen an Alterfinanz.

forum: Dann macht die asbl ein gutes Geschäft, wenn nicht alles Geld in Kredite fließen kann?

M. Mathias: Nein, auch nicht. Unser Budget geht davon aus, daß 90% der Spareinlagen investiert werden. Das wird uns aller Wahrscheinlichkeit auch gelingen. Sollte es dennoch anders kommen, so werden die 1,5% entweder in Form von Subsidien an die diversen Kreditträger weitergeleitet oder an den zu schaffenden Garantiefonds weitergeleitet. Es bleiben für

die asbl also höchstens 1,5% der 10% der Reserveneinlagen übrig. Und das ist nicht sehr viel.

forum: Und davon soll Personal bezahlt werden?

M. Mathias: Das würde dazu sicherlich nicht genügen. Das Personal wird zum Teil aus Eigenmitteln der asbl bezahlt. Alterfinanz besteht ja nur aus Vereinigungen (ASTM, Cercle des ONGD, Fondation Caritas, Stiftung Ökofonds, Veräin für biologisch-dynamisch Landwirtschaft), die den recht hohen Jahresbeitrag von 25 000 Franken entrichten. Individuen haben jedoch die Möglichkeit durch einen wesentlich günstigeren Beitrag Ehrenmitglieder zu werden. Hinzu kommt eine Entschädigung, die die Bank an Alterfinanz zahlt für die Vermittlungsarbeit, die diese leistet. Dies ist vergleichbar, mit der "mutualité des artisans", die auf einem anderen Gebiet eine ähnliche Arbeit leistet und ebenfalls dafür einen Teil der Gewinnmarge der Sparkasse erhält.

forum: Welche Erwartungen hegen Sie denn in Sachen Spareinlagen?

M. Mathias: Das ist natürlich schwer zu sagen. Wir sind vorsichtig und hoffen, bis Ende des Jahres ein Sparvolumen von 100 Millionen zusammenzubekommen und dann in einem zweiten Schub auf 200 Millionen zu kommen. Wir möchten ja auch den Garantiefonds gründen, der ebenfalls dotiert werden muß.

forum: Kann man nun an jedem Sparkassenschalter dieses alternative Sparkonto eröffnen?

M. Mathias: Ja, seit dem 7. Januar 1997 ist das möglich. Die Filialleiter sind alle geschult und kennen das neue Produkt. Man kann auch ein bestehendes Sparkonto oder Sparbuch in ein alternatives Sparkonto umwandeln lassen. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Firmen und Vereine.

Critères généraux de sélection des projets (extrait)

  1. Priorité aux demandes de crédit destinées à des projets déterminés, de préférence aux demandes de crédit destinées au financement des activités en général du bénéficiaire

  2. Priorité aux projets nouveaux (créateurs d’emploi), de préférence aux projets en cours.

  3. Priorité aux projets innovateurs (projets pilotes), de préférence aux projets mettant en œuvre des expériences d’ores et déjà confirmées.

  4. Priorité aux projets de création par opoposition aux projets de consommation.

  5. Priorité aux projets collectifs, de préférence individuels.

  6. Priorité aux projets du secteur associatif et de l’économie sociale, de préférence aux projets de l’économie privée à finalité plus exclusivement lucrative.

  7. Priorité aux projets et entreprises ayant des difficultés d’accès aux ressources financières dont elles ont besoin, de préférence à celles qui peuvent se procurer ces ressources par les circuits traditionnels.

  8. Meme lorsque le credit est destiné à un projet déterminé, compte devra

être tenu, outre des caractéristiques du projet en tant que tel, de celles du demandeur de crédit et de ses activités.

(…)

  1. Alors que l’appréciation porte essentiellement sur la qualité intrinsèque du projet, sa viabilité économique doit également faire l’objet d’un premier examen.

Des critères particuliers afférents aux secteurs solidarité internationale, promotion sociale et culturelle et protection de l’environnement seront arrêtés par le Conseil d’administration.

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