Sport für den Einzelnen und die Gesellschaft

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Die das Dossier illustrierenden Photos entstammen, wenn nicht anders angegeben, dem vom C.O.S.L. herausgegebenen Bildband: "Sport. Das Buch" von Remo und Patrick Raffaelli

Sport für den Einzelnen und die Gesellschaft

Die Tour de France macht’s möglich: Wie 1990, als die Grande Boucle erstmals von Luxemburg aus startete, bekommen auch diesmal Luxemburgs Straßen einen neuen Teerbelag. Die Autofahrer werden ’s den Radrennfahren zu danken wissen. Schade, dass die Fußballweltmeisterschaft nicht auch bei uns stattfindet: so mancher öffentlicher Spielplatz, der zumindest zum Training genutzt werden könnte, hätte auch eine Verjüngungskur verdient. Aber immerhin sehen die Arbeiten an der nationalen Sporthalle auf Kirchberg nach 20jähriger Dauer ihrem Ende entgegen, auch dank Tour de France, obschon die Radfahrer das Fahren in der freien Natur eigentlich bevorzugen. Und sogar forum lässt sich von den Sportsereignissen der nächsten Wochen anstecken: Nach Juli 1991 beschäftigt sich erstmals wieder ein forum-Dossier mit dem Sport. Wohlgemerkt nicht mit individuellen oder kollektiven Leistungen und Resultaten, sondern mit dem sozialen Phänomen Sport oder zumindest

dest mit Teilaspekten desselben. Aber in der Redaktion ging es so kontrovers zu wie an manchen Stammtischen …

Ein erster Leitfaden der Beiträge ist die Frage der Professionalisierung. Die Luxemburger Sportwelt befindet sich in einer Übergangsphase vom reinen Amateurismus zum Berufssport bzw. Semi-Professionalismus. Viele Verbände haben ungeheuere Anstrengungen unternommen, um ihrem Nachwuchs verbesserte bzw. professionelle Rahmenbedingungen zu bieten. Beachtliche Leistungen in den Einzelsportarten zeugen von diesem Mentalitätswandel. Fast alle Beiträge befassen sich dann auch mit den Gefahren bzw. Schwierigkeiten dieser neuen Herausforderung. Im Gespräch mit Luc Decker wird der Alltag eines Hochleistungssportlers beleuchtet und die Frage gestellt, wie man Studium und Sport auf hohem Niveau vereinen kann. Dr. Charles Delagardelle befasst sich in einem sehr persönlichen Ansatz mit den Grenzen

menschlicher Leistung in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang und nähert sich auf diese Weise dem Doping-Problem. Mit Marc Theisen, dem Vorsitzenden des C.O.S.L. (Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois), haben wir uns über die Berechtigung staatlicher und privater Unterstützung für den Sport unterhalten. In seiner Kritik des von der Regierung vorgelegten Entwurfs eines neuen Sportgesetzes stellt Daniel Da Cruz die fundamentale Frage nach dem Sinn sportlicher Aktivität überhaupt.

Leistungssport ist nämlich nur möglich, wenn es auch Breitensport gibt. Zwei Beiträge von Jean-Paul Barthel bzw. Hubert Eschette beschäftigen sich mit dem Schulsport, dem interessanterweise gerade nach den katastrophalen Ergebnissen der PISA-Studie ein neuer Stellenwert zukommt. Alex Bodry, Präsident der Leichtathletikföderation, zeigt ein Jahr nach der sog. „Année du Volontariat“ die Grenzen des Benevolats auf, ohne das keine sportlichen Großveranstaltungen durchführbar sind. Das Phänomen Massensport hat auch zunehmend Eingang in die Sportpresse gefunden: Pierre Gricius, Leiter der Sportredaktion im Luxemburger Wort, erklärt, wie gerade Großereignisse in der geschriebenen Presse an Stellenwert verlieren.

Zu guter Letzt geht Delfina Beirao über das sportliche Ereignis hinaus und setzt die Fußballweltmeisterschaft in einen weltpolitischen und wirtschaftlichen Zusammenhang, den die ASTM anhand eines Klassenwettbewerbs auch Schülern klar machen möchte.

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