Geschichte der KPL

Ali Ruckert, Geschichte der Kommunistischen Partei Luxemburgs

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RUCKERT, Ali, Geschichte der Kommunistischen Partei Luxemburgs.
Teil 1: 1921-1946, COPE, Luxemburg, 2006, 176 Seiten

Mirko
Biewers

Nachdem in letzter Zeit im universitären Bereich einige Veröffentlichungen über die Kommunistische Partei Luxemburgs erschienen sind¹, hat die KPL nun eine neue „offizielle“ Geschichte ihrer Partei in ihrem eigenen Verlag veröffentlicht. Autor ist der Parteipräsident und Chefredakteur der Zeitung vom Lëtzebuerger Völlek Ali Ruckert. Auf 176 Seiten behandelt das Buch die Geschichte der Partei von ihrer Gründung am 2. Januar 1921 bis Anfang 1947, dem Scheitern der Regierung der nationalen Union, wobei der Hauptschwerpunkt auf den 30er Jahren und den Kriegsjahren liegt: die Absetzung der kommunistischen Lehrer 1934, die KPL im Parlament 1934, der Kampf gegen das Maulkorbgesetz von 1935 bis 1937, die Resistenz während des Krieges sowie die Regierungsbeteiligung nach 1945. Die sehr knapp behandelten 20er Jahre lassen sich dadurch erklären, dass die KPL während der 20er Jahre nicht mehr darstellte als eine kleine Sekte ohne Mitglieder und ohne Einfluss.

An der leider sehr knappen Bibliographie erkennt man, dass der Autor alle Standardwerke, die zum Thema Luxemburger Linke seit 1945 veröffentlicht wurden, verwendet und aufgearbeitet hat. Die meisten dieser Werke sind jedoch schon über 15 Jahre alt, man findet aber auch vereinzelte rezente Veröffentlichungen, wie z. B. Stéphanie Kovacs‘ Arbeit und das Dictionnaire de l’Internationale communiste. Bei der Lektüre des Buches merkt man allerdings sehr schnell, dass die Hauptquellen sowohl die Parteigeschichte von 1960 als auch das zum Anlass des 60. Jahrestags der Gründung der KPL vom Centre Jean Kill 1981 veröffentlichte 1921-1981. Beiträge zur Geschichte der Kommunistischen Partei Luxemburgs waren. Ruckerts reich mit Fotos und Dokumenten illustrierte Werk verdient unter zwei Aspekten Respekt: erstens werden durch diese Veröffentlichungen die alten offiziellen KP-Geschichten auf den neuesten Stand gebracht und zweitens der Öffentlichkeit wieder verfügbar gemacht. In der Tat waren Bücher über die KPL schon lange vergriffen …

Inhaltlich muss zuerst der schwer verdauliche Schreibstil bemängelt werden. Das militante

Vokabular verhindert jedwede neutrale Darstellung der Fakten und ist auf 176 Seiten ermüdend. Henri Wehenkel hat diesen Stil sehr treffend als „Parteikongressrevolutionsstil“ beschrieben. Des Weiteren muss kritisiert werden, dass der Autor eigentlich nur Ereignisgeschichte (histoire événementielle) betreibt. Analysen findet man so gut wie keine, kritische Selbstbetrachtungen auch kaum. Eine Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern ist höchstens zwischen den Zeilen zu finden. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei werden manchmal sehr knapp berührt, zum Beispiel bei der Auflösung der RGO-Gewerkschaft² im Jahre 1934, wo es zu starken Differenzen zwischen der Parteispitze und dem Chef der RGO kam. Leider werden im Buch die Beziehungen zwischen KPL und Komintern auch nicht behandelt.

Die KPL ist eine kleine Partei, deren Bedeutung heute verschwindend gering ist. Ali Ruckert zeigt, dass dies nicht immer der Fall war. Ruckerts Buch kann, trotz mancher Mängel, für sich das Verdienst verbuchen, der Öffentlichkeit die großen Zeiten der KPL in Erinnerung zu rufen: die Regierungsbeteiligung nach 1945 sowie die 30er Jahre, während denen die Partei sich stark machte gegen autoritäre Tendenzen in der Rechtspartei und auf diese Art bei der Sicherung der Demokratie in Luxemburg half. Für heutige Generationen eine lehrreiche Lektüre. Man kann auf den 2. Teil gespannt sein.

¹ Es seien hier KOVACS Stéphanie, Communisme et anticommunisme au Luxembourg 1917-1932, Luxemburg : Rapidpress, 2002, 457 Seiten, sowie BIEWERS Mirko, Le communisme, l’anticommunisme et l’Etat au Grand-Duché de Luxembourg entre 1933 et 1940, Luxemburg : 2005, 278 Seiten [Masterdissertation, nicht veröffentlicht] erwähnt, die sich mit der KPL zwischen ihrer Gründung 1921 und dem Jahr 1940 beschäftigen.

² Revolutionäre Gewerkschaftsopposition.

Die KPL ist
eine kleine
Partei, deren
Bedeutung heute
verschwindend
gering ist.
Ali Ruckert
zeigt, dass dies
nicht immer
der Fall war.

Mirko Biewers hat in Luxemburg und Straßburg Geschichte mit Schwerpunkt Geschichte des Kommunismus und Antikommunismus in Luxemburg und Europa während der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts studiert.

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