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Für Luxemburg ist das Problem neu. Seit dem 2.Weltkrieg hatte es hier keine Arbeitslosen mehr gegeben. Seit 2 Jahren aber steigt ihre Zahl wieder, zuerst in die Hunderte, nun schon über Tausend.

Was denkt man über Arbeitslosigkeit? Über ihre Ursachen? Über mögliche Massnahmen? Wir befragten die sonntäglichen Kirchengänger einer Pfarrei im Einzugsgebiet der Hauptstadt. Recht verschiedene Meinungen waren zu hören. Wir baten zwei Schülerinnen, die in einem Jahr unter Umständen ganz konkret das Gespenst vor sich haben, um ihre Stellungnahme. Arbeitslose selbst fragten wir nicht; ihre Stimme war in andern Presseorganen schon öfters zu hören. Die Lage der Frauen, der Jugendlichen, der Gastarbeiter wollten wir aber kurz umreissen, weil sie besonders hart betroffene Gruppen darstellen.

Dass es bei unserer Mini-Volksbefragung recht unterschiedliche Meinungen gab über die Ursachen der Arbeitslosigkeit, ist eigentlich nicht verwunderlich. Selbst die Wirtschaftstheoretiker machen recht verschiedene Analysen. Und da unsere Regierungen noch nie ein Problem an seiner Wurzel angepackt haben, sind ihre Massnahmen bislang auch dementsprechend oberflächlich. Auch die luxemburgische Kirche hat leider die Frage kaum tiefer reflektiert.

Und doch: ein mit Anmerkungen von Hubert Hausemer versehener Beitrag von Prof.DDr. Walter Kerber in der "Orientierung"(Zürich) weist uns auf den unschätzbaren Wert der Arbeit für die Menschlichkeit des Menschen hin. Auch die katholische Soziallehre hat spätestens seit Johannes XXIII. eindeutig die Arbeit über das Kapital gestellt (vgl. den Beitrag von Prof.Dr.F.Klüber).

Hier scheint nun auch der zentrale Ansatzpunkt für mögliche Lösungen zu liegen: die Logik des individuellen Profits muss durchbrochen werden zugunsten einer Überordnung

der menschlichen Arbeit über das Kapital. Die JOC hatte diesen Gedanken schon 1976 in ihrem Manifest zu popularisieren versucht. Es wird immer dringender, dass er konkret durchdacht wird und zu praktischen Lösungen verarbeitet wird. Der tschekoslowakische Wirtschaftler Richta hat dazu wertvolle Anstösse geliefert; seine Arbeit wurde leider von den Russen abgebrochen. Statt des immer höher gesteigerten Wachstums unserer Wirtschaft – symbolisiert z.B. in der Atomenergie – wird man auf einen Wirtschaftstypus umsteigen müssen, welcher die Grundbedürfnisse des Menschen vorrangig zufriedenstellt. Das wird vor allem deutlich, wenn man die Dritte Welt nicht aus den Augen verliert. Dieser Aspekt ist uns ungemein wichtig, und wir sind z.B. der französischen Kommission "Justice et Paix" dankbar, dass sie das Vorurteil zurückweist, die billigen Importe aus der Dritten Welt gefährdeten unsere Arbeitsplätze. Im Vergleich zu Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in den armen Ländern sind die entsprechenden Zahlen bei uns ja noch lächerlich gering. Die Hauptstossrichtung einer auf die Befriedigung der Grund-

bedürfnisse ausgerichteten Politik müsste u.E. zum Beispiel öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheitsdienst, Sozialfürsorge, Wohnungsbeschaffung, Umweltschutz wesentlich verbessern. Gleichzeitig wäre die Knappheit der Nahrungs- und Rohstoffreserven zu lösen, die durch unsere Wachstumsphilosophie verschwendet werden. Dass hier noch gewaltige Arbeitsplatzpotentiale zu erschliessen sind, zeigt z.B. ein Beitrag von R.Hertle aus der "Zeit". Doch es stellt sich natürlich die Frage der Finanzierung.

Unsere Leser werden verstehen, dass hier die "forum"-Redaktion auf Probleme stiess, die sie nicht mehr bewältigen konnte. Einerseits fehlt ihr immer noch der Wirtschaftsfachmann im ständigen Mitarbeiterkreis (Avis aux amateurs!), und andererseits wäre es sicher vermessen auf einem Gebiet Lösungen vorzuschlagen, auf dem Fachleute seit Jahren nichts Zufriedenstellendes realisiert haben. Nichtsdestoweniger hoffen wir mit dieser Nummer z.B. Kriterien für mögliche Lösungen geliefert zu haben, die uns bei den jetzigen Lösungsansätzen zu wenig beachtet scheinen, so dass nicht nur der arbeitslose Mensch zu kurz kam, sondern die Ansätze auch unwirksam blieben.

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