Vermessene Heimat

Made in Happyland

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Der Hof kündigt ein "freudiges Ereignis" an. Freudig ist es aus drei Gründen: a) die Mutter ist die Frau des Erbgroßherzogs, also aller materiellen und sozialen Sorgen vollends enthoben b) das Kind kommt in einem durch und durch geborgenen Milieu zur Welt, das sich seine exklusive Besonderheit vom Luxemburger Steuerzahler finanzieren läßt c) Eltern und Kind brauchen zu keinerlei Konkurrenzkampf anzutreten, sich keiner Selektion per Leistung zu unterwerfen, sich in keinem Klassensystem zu bewähren, sich in keine existenzielle Notlage zu begeben und selbst bei offensichtlichem, gesellschaftlichem Versagen des Sproßes nicht um dessen gediegene Zukunft zu bangen.

Es fragt sich, wieso der Luxemburger Staat immer nur andachtsgebeugt und starr vor Sentimentalität zur Familie des Monarchen emporblickt, statt sich endlich die politischen Fähigkeiten des großherzoglichen Clans zueigen zu machen. In der Tat ist die Struktur des höfischen Lebens ein Modell für alle Liebhaber der Demokratie. An dieser Tatsache ändern weder die gelegentlich vorgebrachten Stänkereien monarchiefeindlicher Kreise auch nur einen Deut, noch läßt sich die Stabilität des monarchischen Vorbilds durch eventuelle Bocksprünge des Zeitgeists erschüttern. Gehen wir doch endlich dazu über, uns am Hof zu inspirieren, statt im Hof immer nur eine Art unerreichbares Reservat für Begnadete zu sehen!

Vor allem familienpolitisch ist der Hof allen weltlichen Mustern der Kinderherstellung und -verwertung haushoch überlegen. Zu Hof hat man sich frei gemacht von allen ideologischen Zwängen der Demographie-Debatte. Hofkinder werden nicht etwa gezeugt, um den Bestand der Industrie zu sichern, oder um zur Rentenkontinuität beizutragen, oder um am eigenen Leib zu testen, welch irreparabile Schäden zum Beispiel der Luxemburger Schulapparat oder die hiesigen Vertreter der Una Sancta den Kleinsten der Kleinen zufügen können. Hofkinder bewegen sich vom Beginn an außerhalb dieser läppischen Obsessionen.

Der Hof genügt sich selbst. Im Ernstfall braucht er nicht einmal ein ihn umgebendes Volk. Solange die Finanzfrage von irgendwoher gelöst wird – das könnte zum Beispiel

auch eine internationale Stiftung zur Promotion vitaler Monarchien übernehmen – ist die idealistische Genügsamkeit des Hofes nicht in Gefahr. Diese Genügsamkeit kommt in erster Linie den Hofkindern zugute. Sie kommen zur Welt, um Prinzen und Prinzessinnen zu sein. Sie sind vollauf zufrieden mit ihrem Status. Sie formieren sich nicht als Lobby, üben keinen Druck auf andere Bevölkerungsschichten aus, organisieren sich nicht gewerkschaftlich, verfallen nicht weltanschaulichen Extremisten, arbeiten nicht mit den Ellbogen und machen sich nicht unbeliebt durch Ausbrüche sozialen Neids. Ihre einzige, sehr bescheidene, sehr selbstlose Bitte lautet: Laßt uns bitte sein, was wir von Geburt auf sind, nämlich Prinzen und Prinzessinnen! Ist das nicht eine geradezu heldenhafte Absage an jegliches Konkurrenzdenken, eine beispielhafte Abkehr vom schnöden Gerangel um Karriere, Reichtum, irdische Satisfaktion?

Prinzen und Prinzessinnen verzichten auch auf jeden Beruf. Ihr Beruf ist, da zu sein. Das heißt, sie drängen nicht großspurig auf den Arbeitsmarkt und nehmen dem Mann von der Straße nicht die raren Arbeitsplätze weg. Diese vornehme Zurückhaltung wirkt sich wohltuend aus auf das Phänomen der Immigration. Der noble Berufsverzicht der Prinzen und Prinzessinnen – ihre gelegentlichen, unentgeltlichen Jobs absolvieren sie nur aus tiefer Sympathie für die tatsächlich Arbeitenden – fördert die Integration der Ausländer, indem er deren berufliche Situation nicht aufs Spiel setzt. Es ist nur gerecht, daß die Allgemeinheit den Prinzen und Prinzessinnen eine dauerhafte Entschädigung zahlt für ihren Einsatz im Kampf gegen Rassismus, Arbeitslosigkeit, Gettobildung und Klassenkonflikte. Je mehr Prinzen und Prinzessinnen der Hof dem Volk anbietet, umso nachhaltiger wird der nicht-expansive, dem ökologischen Prinzip der "kleinen Einheit" huldigende Lebenswandel der Hofangehörigen die innere Harmonie des Volkes festigen.

Neulich weilte der Großvater des künftig freudig ereigneten Hofkindes zum sogenannten "Weltkindergipfel" in New York. Es wird ihn wohl ein Kopfschütteln überkommen haben, als man ihm mitteilte, daß allein an Unterernährung jährlich 15 Millionen Kinder sterben. Es fällt nämlich auf, daß diese kleinen Todeskandidaten ausnahmslos Kreisen angehören, die noch nie etwas vom sparsamen, effektiven, menschenschonenden Modell der höfischen Familienplanung gehört haben. Der Großvater hat sich vorgenommen, weltweit die Information über sein eigenes, konstruktives Beispiel zu fördern. Es ist anzunehmen, daß es noch vor dem Jahr 2020 auf allen Kontinenten nur mehr "freudige Ereignisse" geben wird.

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