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Im Interview bezeichnet Romain Hilgert, Redaktionsleiter vom d’Lëtzebuerger Land unsere Methode, betroffene Leute selber zu Wort kommen zu lassen, als journalistische „Todsünde“. Wenn etwa der Präsident von irgendeiner NGO, die Kaffee verkauft, einen Artikel über fairen Handel schreiben darf… In dieser forum-Ausgabe versuchen wir das noch auf die Spitze zu treiben und lassen Journalisten über Journalismus reflektieren…

In Luxemburg sind mehr als 500 Personen im Besitz einer Pressekarte und dürfen sich „Journalist“ nennen (und gratis Zug und Bus fahren). Es handelt sich um eine Gruppe, die vielen Vorwürfen ausgesetzt ist: Der Luxemburger Journalismus sei zu angepasst, zu oberflächlich und zu uninformiert. Sein Umgang mit der Politik wäre zu leichtfertig und nahezu familiär, die Deontologie der Redaktionen kaum existent (schönes Beispiel in den letzten Wochen: Ein RTL-Journalist, der angekündigt hat, dass er in die Dienste der CSV tritt, darf noch über einen Wahlkongress der DP berichten…).

Und trotzdem: Was die Kritik außer Acht lässt, sind die materiellen Bedingungen der Berufsausübung. In ein paar Stunden hat der Journalist tagtäglich seine Beiträge zusammenzutippen, zu schnippeln oder zu recherchieren. Dass dies kaum Raum lässt für einen hintergründigen oder gar investigativen Journalismus, ist klar. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die

in Luxemburg kein Recht auf Informationszugang bei den Verwaltungen vorsehen und Quellenschutz nur unzureichend verankern, machen eine seriöse Arbeit schwer.

© haley: (flickr.com)

Der Journalist hat es tatsächlich nicht einfach. Meistens unterbezahlt und überarbeitet, schleppt er sich von einer völlig inhaltsleeren Pressekonferenz zur nächsten, springt im Stundenrhythmus vom Thema X zum Thema Y und entscheidet schließlich nach fünf Jahren aufreibender Redaktionsarbeit entnervt und von seinen Illusionen befreit, Unternehmens-, Partei- oder Gewerkschaftssprecher zu werden. Das Ergebnis ist, dass sich die Berufssparte mittlerweile extrem verjüngt und interna-

internationalisiert hat, aber auch professioneller geworden ist.

Auf den folgenden Seiten findet der Leser also ein Dossier zur journalistischen Praxis in Luxemburg. Den Autoren gaben wir als Richtlinie vor: „Rester au plus près de votre travail journalistique quotidien.“ Das Ergebnis enthält einige sehr aufschlussreiche Beiträge, die einen guten Überblick geben – nicht über die Presselandschaft in Luxemburg (siehe dazu stattdessen die forum-Nummer 200 von Mai 2000) –, sondern über das Selbstverständnis und die Arbeitsbedingungen einer Berufsgruppe, die im Begriff ist, sich angesichts technologischer Umbrüche und neuer Informationsbedürfnisse neu zu erfinden.

Das Dossier soll aber auch als Warnung dienen für all jene, die den Berufswunsch Journalismus hegen: In der Realität ist das Leben in den Redaktionen offenbar weder besonders spannend, noch besonders sinnstiftend und führt bei den Betroffenen nicht selten zu einem ungesunden, verqueren Zynismus. Und doch: Die Leute, die wir befragt haben, sind Journalisten aus Leidenschaft. Es scheint etwas an diesem Beruf zu sein, das (viele) mitreißt und (einige) erfüllt. ♦

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