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vor langer Zeit, als wir alle noch viel jünger waren (und die Zukunft noch ungewiss), standen einmal an dieser Stelle* folgende Sätze:
„Der Ehrlichkeit halber muss man erwähnen, dass Jean-Claude Juncker sich die Situation (seine geringen Chancen auf den Posten des EU-Präsidenten) selber zuzuschreiben hat: Juncker ist sowohl Blair als auch Sarkozy in einer Weise öffentlich über den Mund gefahren, die unter politischen Alpha-Tieren nicht zu verzeihen war. Am Ende der luxemburgischen Präsidentschaft 2005 hatte Juncker auf das Scheitern seiner Verhandlungsbemühungen über die Finanzperspektiven der EU mit dem Satz reagiert, dass er sich für die Briten ‚schäme‘! Nicolas Sarkozy hatte er hingegen gleich in den ersten Tagen seiner Präsidentschaft wie einen Schuljungen zurechtgewiesen (…).“
Dieser Hinweis auf die Geschichte führte uns dann zu folgenden Spekulationen:
„Die innenpolitische Diskussion könnte sich deshalb einer ganz anderen Frage zuwenden, die viel heikler ist: Was passiert eigentlich, wenn Jean-Claude Juncker dem Land erhalten bleibt? Erste Antwort auf diese Frage: Die gesamte politische Klasse (der Betroffene inbegriffen) wird in Ermangelung irgendeiner Perspektive in eine tiefe Depression verfallen. Zweite Antwort: Die unproduktive, zu allgemeiner Ohnmacht führende Fixierung auf den Premierminister wird weitergehen und das Land dürfte eine ganze Weile in der derzeitigen Starre beharren, die sich darin ausdrückt, dass alle auf Entscheidungen von ganz oben warten, obwohl alle wissen, dass diese Entscheidungen nicht kommen werden.“
Vielleicht gibt es aber eine dritte Antwort, vielleicht zeigt die Abfuhr so etwas wie eine kathartische Wirkung bei den Akteuren und den Zuschauern. Denn die Geschichte könnte im Sinne der griechischen Tragödie gedeutet werden mit Finanzkrise, Aufhebung des Bankgeheimnisses, Einbruch der Staatsfinanzen, Verlust von Villeroy und Boch, Probleme bei Cargolux und drohende Einschränkung unseres CO₂-Ausstoßes als düsterem Hintergrundchor. Für Aristoteles bewirkt die Tragödie beim Zuschauer eine lustvolle Reinigung der von der tragischen Handlung erregten Affekte Furcht und Mitleid. Ein Vorgang, der dadurch zur sittlichen Vervollkommnung des zoon politikon beiträgt, dass er die beiden Affekte wieder in ihre Normallage zurückversetzt … das stellvertretende Miterleben des Unglücks soll das zoon politikon vor Gefühlsduselei bewahren!
Ergebnis dieser Enttäuschung könnte also sein, dass wir unsere kindischen Illusionen von Allmacht und Unverletzlichkeit ablegen und uns endlich an die Arbeit machen.
Wir wünschen Ihnen schon heute ein in diesem Sinne erfolgreiches und nachhaltiges Jahr 2010, es grüßt Sie
Ihre (schon weihnachtlich gestimmte) forum-Redaktion
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