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Unter diesem Namen stellte sich am 11.3.1982 auf einer Pressekonferenz eine neue Friedensbewegung vor, zu deren Gründern auch ‚forum‘-Mitarbeiter zählen. Damit ist jedenfalls der von der ‚forum‘-Redaktion mehrmals ausgedrückte Wunsch, dass es hoffentlich gelingen werde, eine einheitliche Friedensbewegung in Luxemburg zu schaffen, leider misslungen. Neben dieser ‚Aktioun fir de Fridden‘ (AfF) gibt es nämlich bekanntlich das ‚Lëtzebuerger Friddenskomitee‘ (LFK), dessen Verdienst es ohne Zweifel ist, schon früher die Abrüstungsdiskussion lanciert und mit öffentlichen Konferenzen, einer Demonstration in Esch und schriftlichem Propagandamaterial eine Sensibilisierungskampagne eingeleitet zu haben. Der Friedensappell des LFK wurde denn auch schon im ‚forum‘-Dossier (Nr. 51-52, S.38) analysiert.
Dieser Appell war es aber, der leider eine einheitliche Bewegung verhinderte. Zahlreiche Luxemburger bis hin zur sog. linken Szene, konnten ihre Unterschrift nicht daruntersetzen, weil er zu einseitig den NATO-‚Nach’rüstungsbeschluss betreffend die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa aufs Korn nimmt, die Rüstungsanstrengungen des Warschauer Paktes (WP) aber etwas zu schnell als Reaktion auf die westliche Herausforderung erklärt. Vor allem missachtet dieser Appell den Bewusstseinsstand der übergrossen Mehrheit der Luxemburger Bevölkerung, deren USA-Anhänglichkeit und NATO-Sympathien völlig unterschätzt werden. Bei der definitiven Verabschiedung dieser Plattform wurden im übrigen kritische Stimmen völlig ignoriert. So kam es, dass organisatorisch heute eigentlich nur KPL und KPJ, LCR und die ‚Perspektiv‘-Redaktion hinter dem LFK stehen.
Als daraufhin von anderer Seite Versuche anliefen, eine Friedensbewegung mit breiterer Basis zu schaffen, musste man fürchten, die parteipolitische Rivalität werde auch die Friedensdiskussion in Luxemburg zerreden und grosse Einheitskundgebungen wie sie uns in Bonn oder Brüssel vordemonstriert wurden, verhindern.
Soweit ist es Gott sei Dank doch nicht gekommen. Neben dem LFK gibt es nun eigentlich nur die AfF. Als Personenkomitee gegründet, so dass keine Partei- oder ähnliche Rücksichten nötig sind, gehören ihr Menschen aus Kreisen von LSAP, OGB-L, LCGB, CSJ, NATURA, Mouvement écologique, ‚forum‘, Centre chrétien d’éducation des adultes, Centre de pastorale ouvrière, JOC, La Vie Nouvelle, usw. an. Und wenn es den ‚forum‘-Vermittlern auch nicht gelang, eine strukturelle Einheit von LFK und AfF herbeizuführen (obschon die Ursachen für dieses Scheitern u.E. keiner Seite zum Ruhm gereichen), so soll es nichtsdestoweniger zumindest punktuelle Zusammenarbeit geben. Man darf sich sogar fragen, ob es nicht publikumswirksamer sein wird, wenn eine Organisation das linkere Meinungsspektrum und eine zweite die gemässigteren Sensibilitäten abdeckt, und dass bei einzelnen Veranstaltungen beide zusammen eine um so grössere Menge mobilisieren.
Diese Zusammenarbeit hat sich inzwischen übrigens schon ein erstes Mal bewährt: auf Vorschlag des LFK wird am Samstag den 15.Mai 1982 eine grosse Friedenskundgebung stattfinden, für die beide Komitees sich auf folgende Forderungen einigen konnten:
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- Keine neuen Massenvernichtungswaffen in Europa und in der Welt; sofortiger Stop der Entwicklung und Stationierung neuer und Verhand-
in: La Monde, 15/11/1980
lungen zum Abbau bestehender Waffen; progressive Überführung der Rüstungsausgaben in sozial nützliche Produktion
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- Schaffung eines atomwaffenfreien Europa
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- Gegen die Militarisierung Luxemburgs
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- Fortsetzung des Prozesses der Entspannung auf der Grundlage der KSZE-Schlussakte
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- Gegen die Missachtung der Menschen- und Völkerrechte.
Jetzt schon lädt die "forum"-Redaktion alle Leser ein mit möglichst vielen Freunden an den Demonstration teilzunehmen.
Luxemburg darf nicht abseits stehen bei der Friedensbewegung, die ganz West- und Osteuropa erfasst hat, denn als NATO-Mitglied ist auch unser Staat am wahnsinnigen Rüstungswettlauf aktiv beteiligt (vgl. "forum" Nr. 51-52, SS.18-21; das LFK hat diesen "forum"-Beitrag übrigens in grossen Auszügen auf einem Faltblatt nachgedruckt: ein Beweis mehr, dass Zusammenarbeit möglich ist.)
m.p.
P.S. Ich kann nicht umhin hier eine Praxis zu verurteilen, der die AfF von Seiten eines L.W.-Journalisten zum Opfer fiel. Der besagte Journalist war fast von Anfang an an den Diskussionen um eine gemeinsame Plattform beteiligt. Seinetwegen wurde ihre endgültige Verabschiedung mehrmals aufgeschoben, wurden mehrere Formulierungen entschärft, um eine möglichst breite Konsensfähigkeit des Textes zu garantieren. Er meinte als erster in Sachen Einheitsdemonstration, Luxemburg könne sich unmöglich zwei Friedensmärsche leisten. Und dann… unterschrieb er die Plattform nicht und behauptete sogar im L.W., "die Linke" sei ihm nachgelaufen, damit er mitmache bei der AfF. Ich empfinde dieses perfide Verhalten als Dolchstoss in den Rücken des ehrlichen Meinungspluralismus, der bei den Diskussionen der AfF den Ton angab.
Rüstung im Minutentakt
Die Militärausgaben auf dem Erdball sind zwanzigmal höher als die gesamte Entwicklungshilfe. Für 1980 nennt man die Zahl von 550 Milliarden Dollar, d. h. es wurden pro Minute eine Million Dollar in die Rüstung gesteckt. Manche Länder wie Brasilien, Chile oder Haiti gaben 25 bis 30 Prozent ihres Budgets fürs Militär aus. Das Welt-Militärbudget entspricht dem Jahreseinkommen von 1,8 Milliarden Menschen in den 36 ärmsten Ländern. Durchschnittlich werden für jeden Soldaten 14 800 Dollar ausgegeben, für die Ausbildung eines Kindes im Schulalter jedoch nur 230 Dollar. Ein Prozent der weltweiten Militärausgaben würde genügen, um allen Menschen ein Grundschulprogramm zu bieten. Und das gesamte Spendenaufkommen von Brot für die Welt zwischen 1959 und 1980 entspricht nur dem Fünftel des Preises für ein Atom-U-Boot der Trident-Klasse.
in: P.-F. 3/82
Überall Frieden
Es wird erwogen, daß …
Es wird besprochen werden …
Es wird getagt …
Es wird vertagt …
Es wird verschoben …
Es wird geschoben …
Es wird abgebrochen …
Es müssen zunächst Schritte eingeleitet werden.
Es werden Schritte eingeleitet.
Es werden kleine Schritte eingeleitet.
Es haben sich Schwierigkeiten ergeben.
Es sollen Vorgespräche geführt werden.
Es werden Absprachen abgesprochen,
es werden Aussprachen abgebrochen.
Es werden Pausen eingelegt,
die zur Stunde noch andauern.
Es wird auf unbestimmte Zeit festgesetzt.
Es wird um Einsicht gebeten, es wird Ausdruck verliehen, es werden Hoffnungen ausgesprochen, es werden Meinungen ausgetauscht.
Es werden Unterschriften ausgetauscht.
Es werden Reden gehalten.
Es werden Kommentare abgegeben, es wird zu bedenken gegeben, es wird rundweg abgelehnt.
Es werden neue Schritte eingeleitet.
Es wird erwogen, daß …
Es wird beschlossen, daß zunächst …
Es wird hinter verschlossenen Türen … es werden Eingaben gemacht, es werden Ausgaben gemacht.
Es wird verhandelt werden müssen.
Es wird darüber verhandelt werden müssen, daß verhandelt werden muß, daß gehandelt werden muß, weil die Jugend auf der ganzen Welt mit großen Schritten auf den Korridoren auf und ab geht und wartet und wartet und wartet und wartet und wartet und wartet und wartet.
Es wird um Ruhe gebeten.
Es werden Menschen geschlagen.
Es wird um Ruhe gebeten.
Es werden Menschen getötet.
Es wird um Ruhe gebeten.
Es werden Städte verbrannt.
Es werden Völker vernichtet.
Es wird um Ruhe gebeten.
Es wird um Ruhe und Ordnung gebeten.
Ordnung ist das halbe Leben.
Lerne Ordnung, übe sie!
Ordnung spart dir Zeit und Mühl!
Dann wird es auch Frieden geben.
Frieden wie nie
Ueberall Frieden
Frieden östlich, Frieden westlich
Aeußerer Frieden, innerer Frieden
Kalter Frieden
Häuslicher Frieden
Ueberall Frieden
Seelischer Frieden
Tiefster Frieden
Ueberall Frieden
Friedensglocken, Friedenstauben, Friedenspreise,
Friedensfeiern, Friedensfahnen, Friedensorden,
Friedenssoldaten, Friedenserklärung, Friedensangriff, Friedensschauplatz, Friedensgefangene,
Friedensbomben, Friedensopfer, Friedensverletzte,
Friedensblinde, Friedensgräber
Ueberall Frieden
Frieden, Frieden, Frieden, Frieden, Frieden,
Überall Frieden
Hanns Dieter Hüsch
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