Arbeit mit hirngeschädigten Kindern
Zu Glenn Domans neuem Buch
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Arbeit mit hirngeschädigten Kindern
Glenn DOMAN: Was können Sie für Ihr hirnverletztes Kind tun? Oder für Ihr hirngeschädigtes, geistig retardiertes, zerebral gelähmtes, verhaltensgestörtes, spastisches, hypotones, epileptisches, autistisches, atherotisches, hyperaktives Kind. Freiburg i.B., Hyperion Verlag, 1980*. 335 Seiten. ISBN 3 7786 0380 9
Idealismus, wissenschaftliches Interesse und genaues Studium des Nervensystems brachten Glenn Doman viele Erfahrungen mit hirnverletzten Kindern. Als junger Physiotherapeut gründete er mit seinem Team (Psychologe, Sprachtherapeut und Kinderarzt), 1955 in Philadelphia die ‚Institutes for the Achievement of Human Potential‘, das hirnverletzte Kinder bis zum 16. Lebensjahr stationär und ambulant behandelt.
Der Grundgedanke der Behandlung besteht darin, daß sich das Gehirn durch Tätigkeit und Stimulation aus der Umwelt ständig entwickelt.
Für Doman sind geistige Retardierung, Spastizität, zerebrale Lähmung nur Symptome einer Verletzung des Gehirns, vor, während oder nach der Geburt. Eine erfolgreiche Behandlung besteht nicht darin, die Symptome an Augen, Ohren, Mund, Armen oder Beinen zu kurieren, sondern darin, daß die Störung im Gehirn selbst behandelt wird.
In den Jahren 1956-57 entwickelt Doman, nach langen, genauen Beobachtungen am normalen Kind, eine neue Methode. Dazu teilt er die Entwicklung der kindlichen Motorik in 4 chronologische Stufen (mit 13 Unterstufen) ein: 1. Bewegung ohne Mobilität, 2. Kriechen, 3. Krabbeln, 4. Laufen.
Da jedes gesunde Kind diese 4 Stadien durchläuft ohne eines zu überspringen, muß am hirnverletzten Kind diese natürliche Entwicklung verspätet und angepaßt nachgeholt werden. Ein gelähmtes Kind lernt also zuerst auf dem Fußboden kriechen, dann krabbeln ehe man von ihm Gehversuche verlangen kann. Die Eltern üben das Kriechen mit dem Kind, indem sie das passende Bewegungsmuster von außen an seinem Körper nachvollziehen, bis dieses ins Gehirn aufgenommen und selbstständig vom Kind ausgeführt werden kann. (Die Funktion läßt die Struktur entstehen.)
Wenn Rückstände im sensorischen Bereich entstehen (gestörte Hör-, Seh-, Tastfunktion), werden dem Gehirn des Kindes visuelle, auditive, taktile und sogar Geruchs- und Geschmacksreize vom Betreuer übermittelt. Dies geschieht nach Domans Prinzip der Reizhäufigkeit, Reizintensität und Reizdauer.
Das Übungsprogramm eines 3 jährigen Kindes dessen Sehfunktion z. Bsp. nicht einmal auf der Stufe eines Neugeborenen steht (schwacher Lichtreflex, keine Umrißwahrnehmung), läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die Mutter führt die Übungen jede halbe Stunde durch, also 27 Mal am Tag; sie leuchtet ihrem Kind in einem dunklen Raum mit einer lichtstarken Taschenlampe 2 Sekunden lang in die Augen und läßt dann die Lampe 3 Sekunden lang ausgeschaltet. Diesen Vorgang wiederholt sie 10 Mal bei jeder der 27 Sitzungen. Die Pupillen des Kindes müssen sich mindestens 270 Mal am Tag verengen und erweitern. Domans Beobachtungen erweisen, daß sich durch die-
dieses intensive Training der Lichtreflex entscheidend verbessert und das Kind zur nächsten Entwicklungsstufe gelangen kann, nämlich Umrisse wahrnehmen.
An diesem Beispiel kann man erkennen, wie anspruchsvoll Domans Behandlungsprogramme besonders für die Eltern sind. Doman sieht in den Eltern die besten Therapeuten, da sie ihr Kind am meisten lieben und am besten kennen. Sie werden am Institut in die Arbeitsmethode eingeführt, bringen ihr Kind zu regelmässigen Kontrollen und machen täglich in der Familie die eigentliche Therapie, von deren Disziplin der Erfolg der Behandlung abhängt.
Domans Erkenntnisse über die Ursachen motorischer Störungen gelten heute als selbstverständlich. Er selbst reiht sich ein in eine Gruppe von Therapeuten (wie die Bobaths z. Bsp.), die alle eigene Methoden entwickelten, diese jedoch von der gleichen Grundidee herleiteten: motorische und sensorische Störungen sind, abgesehen von einigen Ausnahmen, Ausdruck einer Verletzung, welche im Gehirn liegt.
Das Buch ist keine vergleichende Studie zwischen den verschiedenen heute praktizierten Methoden. Wie hoch die Erfolgsquote ist, geht auch nicht genau daraus hervor.
Es erscheint unmöglich eine Behandlungsmethode und deren theoretisches Fundament auf Grund eines Buches zu beurteilen oder zu bewerten.
Doman ist ein Wissenschaftler, ein unermüdlicher Forscher auf dem Gebiet der Physiologie; er ist jedoch kein Pädagoge mit entwicklungspsychologischen Kenntnissen. Bedenklich erscheint uns Domans Einstellung zu den kindlichen Leistungen. ‚Das Durchschnittskind leistet nicht halb so viel wie es sollte‘ (S. 312). Dreijährige mongoloide Kinder lesen ganze Bücher in drei verschiedenen Sprachen, ein vierjähriges Mädchen spielt Mozart und Liszt… (cf. S. 315). Leistungen um jeden Preis! Ob die kindliche emotionale Entwicklung diesen außergewöhnlichen kognitiven Leistungen folgen kann?
Manchen Therapeuten mögen Domans Thesen ungenau erscheinen. Wie erklärt er sich z. Bsp. die Vorgänge im Gehirn, wenn das Kind von der Stufe des Kriechens zu der des Krabbelns aufsteigt? Der journalistische Stil mit vielen anekdotischen Details spricht jedoch den Laien (die Eltern) an, dies ist zu begrüßen, denn nicht der Arzt und der Physiotherapeut allein können das hirnverletzte Kind heilen.
Marie-Thérèse und Martin Probst
Et freet mech, dass endlech déi rassistisch Tendenz: (déi Béis = ëmmer identifiziert mat den Amerikaner,) déi sech zënter Joeren an sou villen Zeitungen a Zäitschriften breet gemaach huet, opgi gët. (cf. forum 50,2 Artikeln S. 38+39) Daat mecht mer muenches méi sympathesch, – wann et vun Dauer ass. Näischt fir ongudd. ff.
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