Der Kleinbürger Tausch

Eine bedrohliche Satire

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Eine bedrohliche Satire

"Nichts schadet den harmonischen Beziehungen zweier Völker mehr als die Ignoranz. Wer vom andern kaum etwas weiss, wer dessen Gepflogenheiten nicht kennt, den fremden Lebensraum nicht erforscht hat, das unbekannte Milieu nicht einschätzen kann, neigt bald zur kläglichen Angst vor dem Brudervolk. Er wendet sich dem entfernten Verwandten nicht länger zu, sondern unternimmt die schlimmsten Verrenkungen, ihn zu verdrängen, ihn unschädlich zu machen, indem er ihn aus seinem Bewusstsein vertreibt." Diese hochkarätigen Sätze schrieb der Tourismusminister von Kleinburg in der Präambel zu einem wahrhaft praktischen "Humanprojekt" (Originalbezeichnung): einen Sommer lang sollte diesem Ent-

Entwurf zufolge die ganze Kleinburger Bevölkerung mit Kind und Kegel, Sack und Pack nach Portugal verfrachtet werden, während umgekehrt das gesamte portugiesische Volk nach Kleinburg verpflanzt und im originellen Flachland-Hügel-Panorama dieses Kleinstaats einquartiert werden sollte.

Die Regierungen beider Länder berauschten sich sogleich an den vermutlichen Auswirkungen dieses monumentalen Projekts. Auf einen Schlag, buchstäblich über Nacht, ohne exzessive Vorbereitung und ohne ausschweifende Belastung der beiden Staatshaushalte, könnte so die Fremdenfeindlichkeit vernichtet, das Unverständnis besiegt, die Völkerfreundschaft

gesichert, der Frieden gefördert und die Menschen-
liebe gefeiert werden. Man muss es im nachherein
als mittlere Sensation werten, dass der Kleinbur-
ger Staat tatsächlich das gewagte Projekt inner-
halb von fünf Monaten in die Praxis umsetzen liess.

Kurz nach dem Osterfest begann der fröhliche Tau-
mel der doppelten Völkerwanderung. Die Kleinburger
Auswanderer hasteten herzklopfend mit allen ver-
fügbaren Vehikeln nach Portugal, mit Luxus-Linern
aus den Häfen von Antwerpen und Rotterdam, mit
Chartermaschinen über Paris, und auf den Landwegen
stauten sich endlose Karawanen aus schweren Mer-
cedes-Modellen, Rover-, Alfa Romeo-, Jaguar- und
Volvokarossen. Aus den batteriebetriebenen Auto-
kühlschränkchen trankes die Kleinburger Kinder pau-
senlos biologisch angebauten Orangennektar, so
sehr liess die Aufregung den Gaumen austrocknen
und die Kehle verdorren. Zur gleichen Zeit brachen
die portugiesischen Landsleute auf, mit klappern-
den Militärbussen aus der angolanischen Kolonial-
zeit, mit vorsintflutlichen Vierradsärgen, mit
roststarrenden Lastwagen ohne Regendach. Nur, wer
sich besonders glücklich schätzen durfte, erwisch-
te in Porto oder Coimbra zufällig einen der voll-
klimatisierten Reisebusse aus Kleinburg, die eben
in diesen Städten ihre monatliche Fracht von por-
tugiesischen Heimkehrern gelöscht hatten.

Im Herzen Spaniens, auf der Höhe von Burgos, kreuz-
ten sich die beiden Prozessionen. Obwohl im portu-
giesischen Reisetross nahezu ununterbrochen kurze
Trauerfeierlichkeiten zwischengeschoben wurden,
weil viele Fahrer den Anforderungen der spanischen
Autobahnen nicht gewachsen waren, verbrüderten sich
die beiden Völkerschaften spontan und mit echter
Herzlichkeit. Zahlreiche Kleinburger Damen drück-
ten begeistert die schwarzgekleideten Bauersfrauen
aus dem Tras-os-montes an ihre Nerzstolen und Pelz-
mäntel. Die Kleinburger Herren klopften sich gröh-
lend auf die Schenkel, wenn der knorrige Knecht aus
Famalicão fast an der grosskalibriigen Romeo-y-Ju-
lieta erstickte, die man ihm grosszügig als Frie-
denspfeifenersatz anbot. Die Kleinburger Kinder
liessen auf ihren mitgebrachten Videospielen wi-
derstandslos die portugiesischen Knirpse wahre
technische Debakel veranstalten. Kurz: die gegen-
seitige Freundschaft war überwältigend, und als
die beiden Wagenkolonnen sich wieder in Bewegung
setzten und der berüchtigte Stau von Burgos sich
langsam auflöste, zweifelte kein Kleinburger und
kein Portugiese mehr an der Nützlichkeit und am
Erfolg des vereinbarten Völkeraustauschs. So streb-
ten denn die einen gen Osten, die andern gen Wes-
ten, leichten Gemüts und voll fiebriger Erwartung.

Die zahlenmässige Unterlegenheit des Kleinburger
Volkes sollte sich inmitten der portugiesischen

Landschaft bald als Vorteil erweisen. Entzückt
schwämten kleine Gruppen von Kleinburgern durch
Oliven- und Zitronenhaine, wälzten sich im weissen
Sand der Strände, beschwipsten sich in allen Knei-
pen mit altaglagertes Edelporto, kochten Becalhau
am abendlichen Lagerfeuer, grillten in allen Ecken
und Winkeln der romantischen Stadtkerne frische
Sardinen, beschleunigten die Bolzkohlenglut mit
handgeflochtenen Ströhlächern, schoben wehmütige
Fado-Cassetten in ihre Auto-Recorder. Die abenteu-
erlustigsten Kleinburger stiessen tief in den ge-
birgigen Norden vor, bewunderten die natürliche
Armut der Natur, ergötzten sich an den seltenen
Ziegenböcken und dürren Schafen, die friedlich im
Gestein und Geröll nach essbaren Kräutern fahnde-
ten, lobten den völligen Mangel an elektrischen
Hochspannungsmastern und stiessen Bewunderungs-
schreie aus über die betörend einfache Lebensart
ihrer portugiesischen Freunde: diese lustigen Lehm-
hütten ohne Schnörkel und Firlefanz! Dieser bewuss-
te Verzicht auf Kanalisation und komplizierte Hy-
giene! Diese freiheitsliebenden Hühner und Ferkel,
die ungeniert in den fensterlosen Hütten hausen!
Vor allem bestaunten die Kleinburger die fehlenden
Schulen in den Bergdörfern: wurde nicht hier mit
schöner Konsequenz die Erziehung rückverlagert an
den häuslichen Herd, in den schützenden Schoß der
Familie? Diese raffinierten Naturmenschen, edel
und einfach, unberührt von den Wirren und Wehen
der Zivilisation!

Unterdessen entdeckten die Portugiesen alle Vorzü-
ge der Kleinburger Lebenskunst. Tausende von Lands-
leuten suchten Unterschlupf im nationalen Spiel-
casino. Nach durchzechten Nächten belagerten sie
die angegliederte Heilquelle, bauten an den Black-
Jack-Tischen Türme und Burgen aus farbigen Chips,
stiessen dann im Tresorraum unverhofft auf den
deutschen Casinoverwalter, der sich augenschein-
lich dem Völkertausch entzogen hatte, und riefen
ihm johlend zu: Dinheiro! Dinheiro! Verängstigt
liess der deutsche Casinoverwalter ein festliches
Ofner auftragen: er verstand offensichtlich keine
Silbe der portugiesischen Muttersprache. An den
zahllosen Bankschaltern der Kleinburger Hauptstadt
gab es ein Gedränge und Geschiebe. Mathematisch
begabte Portugiesen liessen auf den Anschlagtafeln
die Börsenkurse der Brasileira Minheira steigen und
purzeln nach Lust und Laune: kein Stahlwerkpräsi-
dent von Kleinburg konnte eingreifen, weil die ge-
samte Kleinburger Stahlwerkprominenz eben im por-
tugiesischen Norden auf einer völlig erfolglosen
Eisenerzprospektionsreise weilte.

Ein heftiges Gelächter erfüllte die coolen Jet-Set-
Boutiquen rundum den sogenannten Platz Darm im Her-
zen der Hauptstadt. Portugiesische Arbeiterinnen
fanden auf den Regalen Hemden und Blusen, die sie

in portugiesischen Fabriken selbst geschneidert hatten zum kleinsten Stundenlohn und zum lächerlichsten Gestehungspreis: jetzt trugen die Kleidungsstücke am Krageninnern ein gesticktes Pariser ‚Betty Barclay‘-Etikett und wurden zu astronomischen Preisen der Kleinburger Kundschaft angedreht! Oh Wunder der kapitalistischen Verwandlungskunst!

In den Restaurants an der Peripherie des Regierungsviertels spielte sich nicht minder Staunenswerten ab. Beim abendlichen Schmaus entdeckte eine Fischergruppe aus Espinho in ihren Tellern plötzlich jene typischen Meeresfrüchte, die sie an heimischen Küsten tonnenweise ernten: kleine, glatte Muscheln mit würzigen Schwabbellierchen unter der Schale. In jeder portugiesischen Schankwirtschaft werden diese Muscheln dem Gast als kostenlose Appetitmacher angeboten: hier im Kleinburger Nobelrestaurant trugen die portugiesischen Kellner sie in Silberschüsseln auf und verlangten für eine bescheidene Portion den ganzen Wochenlohn eines Fischers aus Espinho! Dieser komische Umstand veranlasste die Fischer zu handgreiflicher Heiterkeit: sie animierten zunächst die Kellner zur Rebellion, verbrannten alle handgeschriebenen Preistafeln aus Büttenpapier, entfachten vor dem Restaurant mitten auf dem Strassenpflaster ein prächtiges Holzfeuer und kochten im Messingkessel alle verbleibenden Muschelreserven. Alsdann tobte in der Kleinburger Altstadt ein artisanales Muschelfest, bis zum Umfallen wurde gemuschelt, und weil der Kleinburger

in: La Croix 14/6/1983

Restaurantbesitzer eben in Lissabon damit beschäftigt war, auf dem Wochenmarkt die Muschelpreise inflationär hochzutreiben (allerdings ohne das geringste Echo), gab es keinen, der dem wollüstigen Treiben ein verfrühtes Ende bereiten konnte. Wie gesagt: die portugiesischen Gäste machten sich schnell mit den Kleinburger Sitten und Gebräuchen vertraut.

Vier Monate lang füllten sich die Kleinburger Emigranten Lungen und Herz mit Seeluft und Tanggeruch, flanierten durch die eigentümlich engen Gassen der Alfama in Lissabon, lernten alte portugiesische Volkslieder, probten das Netzeknäpfeln in den Fischereidörfern, liessen sich von der sengenden Sonne im Douro-Tal Brandmale in die Schulterhaut ritzen, lobten überall den Fleiss und die Unnachgiebigkeit der Landbewohner, und schworen allabendlich beim Vinho verde, immer und ewig in unzerrüttbarer Freundschaft mit dem portugiesischen Volk weiter-

zuleben und nimmermehr kopfschüttelnd auf die zahlreichen Gastarbeiter im eigenen Land hinabzuschauen. Die portugiesischen Gäste besuchten alle Brauereien und Monarchenpaläste (der Kleinherzog von Kleinburg nahm eben an einem inter-monarchischen Pétanque-Turnier in Juan-les-Pins teil und liess sich per Telegramm für seine Abwesenheit entschuldigen, beteuerte aber im gleichen Atemzug, auch er sei portugiesischer Abstammung und eigentlich ein Ur-Immigrant), übernachteten in den gewölbten Kellern der Winzergenossenschaften, schwammen zu Tausenden in den plätschernden Fluten des Stausees, und freuten sich kindisch über die zahlreichen, als Kleinburger verkleideten Portugiesen in den südlichen Städtchen, die mit Kleinburger Fähnchen aus ihren Kleinburger Limousinen mit Kleinburger Kennzeichen winkten. Hüben wie drüben herrschte vier Monate lang eine allesüberflutende Euphorie.

Nun nahte allerdings mit Riesenschritten der Termin, an dem die beiden Völker wieder in ihre angestammten Landstriche zurückkehren sollten. Als der Herbst mit mahnendem Finger an Zaunpfähle und Holzstämme klopfte, war die Zeit des Aufbruchs gekommen. Die Kleinburger stopften ihre Fahrzeuge bis unters Dach voll mit handgeformtem, irdenem Geschirr, mit Holzfiguren, Portoflaschen, Weidenkörben, Riesenschüsseln voller Leitão assado, Bolas de peixe, Morasto de galinha, Bolo de bolacha und Caldo verde mit gewürfelten Presunto-Stücken, klemmten ihre Kinder zwischen die Knie, da alle Hintersitze mit sperrigen Souvenirs und kulinarischen Raritäten besetzt waren, und traten den Heimweg an mit dem festen Vorsatz, dies liebliche Portugal nie mehr aus ihrer Erinnerung zu streichen. Im Herzen Spaniens, auf der Höhe von Burgos, wunderten sie sich, dass der portugiesische Heimkehrerzug noch nicht eingetroffen war. Sicher hatten die Portugiesen den reizvolleren Umweg gewählt, entlang der Bucht von Biscaya, hinauf nach dem Wallfahrtsort Santiago de Compostela, um unterwegs noch kurz eine mitgebrachte Dankeskerze an einem der zahlreichen Altäre dieses Sanktuariums zu befestigen. Man kennt ja die Vorliebe der Portugiesen für alle dreifaltigen Figuren, und die Kleinburger Heimkehrer gönnten ihnen gern diesen kleinen, katholischen Abstecher.

Eine grausige Überraschung erwartete die Kleinburger Heimwärtsstrebenden an den südlichen Zollschranken ihrer Heimat. Alle Grenzen waren hermetisch verriegelt. Freundliche portugiesische Zöllner verteilten rote Nelken und Handzettel mit einer Botschaft an die Heimkehrer: "Verehrte Freunde! Weil das Kleinburger Volk uns über Jahrzehnte selbstlos aufgenommen, herzensgut bewirtet und in den Kleinburger Industrieanlagen mit den krisensichersten Posten versorgt hat, haben wir in echt brüderlichem Geist beschlossen, zum Dank dem kleinen Kleinburger Volk das riesige Territorium Portugals ohne Gegenleistung zu schenken. Dankbar, wie nun einmal Südländer sind, wollen wir uns im engen Kleinburger Gebiet drücken und quetschen, die kleinen Villen mit Hunderten von Betten, bestücken, und es unseren Kleinburger Freunden überlassen, nach Herzenslust die romantischsten Flecken in den weiten Ebenen ihrer neuen portugiesischen Heimat austauschen. Alle Portugiesen werden fortan demütig und bescheiden entweder im Kleinburger Bankensektor arbeiten, oder in den wenigen verbleibenden Stahlwerken, oder gar in den unsicheren amerikanischen Niederlassungen. Den Kleinburgern hingegen steht in Portugal eine unübersehbare Auswahl offen: von den Kleiderfabriken bis zu den

Sardinenverpackungsanlagen, von den landwirtschaftlichen Kooperativen bis zu den archaischen Schreinereien, von der Touristenindustrie an den südlichen Praias bis zu den Muschelsammlerkollektiven an den tiefblauen Seerändern, von den Bergbauersiedlungen bis zu den fröhlichen Arbeitslosengruppen in den exotischen Slums vor den Toren Portos. Alle Portugiesen sind bereit, in Kleinburg jedes Bankbeamtengehalt, jeden Lehrerlohn, jede Parlamentarierentschädigung aufzuspalten und durch zehn, oder gar durch zwanzig zu teilen, um alle Landsleute über die Runden zu bringen. Die Kleinburger hingegen können aufgrund ihrer zahlenmässigen Geringfügigkeit in der neuen Heimat die Berufe nach Lust und Laune kumulieren und ebenso die Gehälter addieren: jeder Ziegenhirt kann zugleich auch Nachtportier in einem Lissaboner Feudalhotel sein, und zusätzlich noch Traubenverkäufer auf einem dörflichen Markt, und Hühnerzüchter auf einer immergrünen Plantage, und Strassenfeger in den anmutigsten Vierteln der Metropolen, kurz, der beruflichen Selbstverwirklichung sind keinerlei Grenzen gesetzt. Durch unser Geschenk ist auf einen Schlag das Problem der Arbeitslosigkeit in Portugal gelöst, während in Kleinburg endlich die Reichtümer millionenfach dividiert und pedantisch gerecht an das neue Volk verteilt werden können."

Das heimkehrende Kleinburger Volk, im Umgang mit Revolutionen eher scheu und ungeschickt, dachte sogleich an Krieg und Vergeltung, ganz im Sinne der eingeimpften Nato-Doktrin. Aber die Vorwärtsverteidigung der atlantischen Allianz versagte aus gutem Grund: das Kleinburger Land sei nun einmal, ganz abgesehen von der jeweiligen Volksbesetzung, ein unabkömmlicher Teil des Bündnisses, und niemand habe das Recht, einen militärischen Partner mit militärischen Mitteln aus einem militärischen Verteidigungsstreifen zu vertreiben. Das Kleinburger Volk wandte sich dann tränentriefernd an das Europaparlament, an den Europäischen Gerichtshof, an die Menschenrechtskommission, sogar an die türkische Militärjunta, aber kein Mensch weit und breit hatte den plötzlichen Volkswechsel in Kleinburg bemerkt. Da blieb dem enttäuschten Kleinburger Volk nichts anderes übrig, als die Trösterin der Betrübten anzurufen, sie möge, umgekehrt wie anno dazumal, das Kleinburger Land mit Pest und Scharlach überziehen und die Eindringlinge mit dem himmlischen Schwert ratzekahl vernichten.

Aber so sehr sich die Himmelsmutter auch anstrengte, ihre Doppelgängerin aus Fatima erwies sich als weitaus athletischer und produktiver: sie liess

D’"forum"-Redaktion seit de Mataarbechter un diesem Dossier villmvols merci: Et woren des Kéier Fränk BOUR, Bob GOERENS, André MOUSSET, Gaby MÜLLER, Edith OTH, Vv. REICHERTS a Guy REMENIG deen och d’Gespräch man John GOLDSCHUIT redaktionell verschafft huet. Den John och Merci für d’Fotven.

nicht einmal einen harmlosen Fall von Läuseepidemie in den portugiesenbesetzten Kleinburger Schulen zu. Da zogen die Kleinburger mit Sack und Pack, Kind und Kegel, tiefbetrübt und seelisch ermattet, zurück nach Portugal und versuchten, an den Ufern des Tejo eine Zweigstelle des Kleinburger Stahlkonzerns einzurichten. Da es aber katastrophal an Eisenerz und vor allem an portugiesischen Arbeitskräften mangelte, brach das Unternehmen kläglich zusammen. Widerwillig nahmen die Kleinburger Portugiesen -oder muss man sagen: die portugiesischen Kleinburger?- das Joch der Maiszüchterei auf sich, lernten den Maisbrothbäckerberuf und die Maissalat-mischkunstfertigkeit, und seither heisst Portugal in der internationalen Bildersprache immer häufiger "O pais do milho": jedenfalls ernährt der Mais das ganze zweihunderttausendköpfige Volk. Kleinburg hingegen gilt als eines der dichtestbesiedelten Länder des Erdballs, und die Wirtschaft floriert in einem Mass, dass die Kleinburger Regierung sich mit dem Gedanken trägt, demnächst einige Tausend Gastarbeiter im Milho-Land anzuheuern.

Guy Rewenig

AN DAUN OCH NACH
MANN EN ERDF FÄLLT,
ETT ASS JO NËT MÄ
FLIGER.

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