Der Osterglaube der Kirche Luxemburgs
Auszug aus der (abgelehnten) A-Vorlage der Synodenkommission 4 über "Die christliche Gemeinschaft"
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Auszug aus der (abgelehnten) A-Vorlage
der Synodenkommission 4
Über ‚Die christliche Gemeinschaft‘
2. Die Kirche Luxemburgs und ihre Herkunft
2.1. Die Herkunft der Kirche Luxemburgs ist keine andere als die Herkunft aller Kirchen. Sie stammt ab von einer Gruppe Menschen, die sich um Jesus von Nazareth versammelt hatten. Als Jesus zum Tod verurteilt und am Kreuz hingerichtet worden war, hatte die Gruppe sich vorerst in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Doch bald kamen sie wieder zusammen und erklärten Jedem, der es hören wollte, Jesus sei der von Gott dem jüdischen Volk versprochene MESSIAS. Doch dieser Messias habe nicht nur Gültigkeit für das Judenvolk, sondern überhaupt für alle Menschen. Er habe allen Menschen etwas zu sagen. Er sei der HERR aller, die Erfüllung der HOFFNUNG aller Menschen, der BEFREIER aller Menschen. Denn Gott habe den Gekreuzigten AUFERWECKT, mit Jesu Auferweckung habe eine NEUE SCHÖPFUNG begonnen. Dies verkündigten sie, und sie fingen an, so zu leben, daß ihre Verkündigung mit ihrem Leben übereinstimmte. Jedem, der diese Jünger Jesu beobachtete, wurde klar: diese Leute glauben, was sie sagen. Der Glaube an den auferweckten Jesus, der OSTERGLAUBE, unterschied sie von den andern Menschen. Für diesen OSTERGLAUBEN standen sie ein mit ihrem Leben.
Nach allen Zeugnissen, die wir besitzen, war der Osterglaube die Triebkraft dieser Menschen der ersten Kirche.
Ohne diesen Osterglauben hätte es nie eine Kirche gegeben. (…)
2.2. Was bedeutet denn nun: OSTERGLAUBE?
2.2.1. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der von Menschen verurteilte Jesus von Nazareth wurde von Gott rehabilitiert, und zwar so total, daß sein Todesurteil wirksam aufgehoben wurde. Der lebendige Gott hat das Urteil, das Menschen über Jesus gefällt hatten, revidiert und sich davon distanziert.
Somit wird eine Kirche, die aus diesem Glauben lebt, zum ORT DER KRITISCHEN DISTANZ ZU ALLEN URTEILEN DER WELT.
Wirkliche Kirche wird demnach jene Gemeinschaft von Menschen, die sich kritisch verhalten zu dem, was man denkt, sagt und tut.
Der Maßstab des kritischen Denkens, Redens und Handelns dieser Gemeinschaft ist das Denken, Reden und Handeln Jesu.
So wird Kirche ein Ort sein, wo Menschen von heute Manipulationen durchschaubar gemacht werden. Und selbstverständlich wird innerhalb dieser Kirche keine Manipulation denkbar sein. Es wird nicht auf dem Register der Emotionen gespielt werden dürfen. Es wird auch keine Informationen geben, die nur einer bestimmten Kategorie von Gläubigen zugänglich sind.
2.2.2. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der von Menschen ans Kreuz genagelte Jesus von Nazareth wurde von Gott befreit, nicht nur von den Fesseln der Nägel, sondern von der Fessel des Todes.
Somit hat jede Kirche, welche diesen Namen beansprucht, ORT DER BEFREIUNG UND FREIHEIT zu sein, jener Befreiung und Freiheit, wie Gott sie schenkt. Gott schenkt Befreiung von allen Mächten des Todes. Mächte des Todes sind nicht nur Exekutionspelotons, sondern alles, was zu Exekutionspelotons führt. Menschen stellen sich zusammen zu Exekutionspelotons durch den Neid der Besitzlosen genau so gut wie durch die Raffgier der Besitzenden. Menschen werden zu Terroristen durch die nicht zu sättigende Machtgier der Mächtigen genau so gut wie durch den Haß der unterdrückten Machtlosen. Haß und Neid, Habsucht und Herrschsucht, Unwissenheit, Lüge und Verleumdung sind Fesseln des Todes. Von all diesen Fesseln will Gott befreien, um endgültig von der Fessel des tatsächlich erlittenen Todes befreien zu können. Kirche muß also Gemeinschaft von Menschen sein, die sich von all diesen Fesseln befreien läßt, und so auf dem Weg in die Freiheit ist.
Konkreter Maßstab ihrer Freiheit ist das Verhalten Jesu. Darum unterscheidet es sich von allen Vorstellungen, die Freiheit ansehen und anstreben als Lösung von allen Bindungen. Jesus war gebunden an den Willen seines Vaters. Aus dieser Bindung heraus hatte er einen Standpunkt, der seinen Blick freimachte: vom
Irrtum zur Wahrheit; der sein Urteil freimachte: vom Vor-urteil; der seinen Willen freimachte: von der Eigen-sucht zum Dasein-für-andere; von der Furcht zum Mut.
Zu dieser Freiheit wollte er auch seinen „Schülern“ verhelfen.
In der Gefolgschaft Jesu ist Kirche darum nicht bloß Gemeinschaft von Menschen, die sich selbst auf dem Weg in die Freiheit wissen, sondern die auch andern auf diesen und auf diesem Weg in die Freiheit helfen wollen.
2.2.3. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der von Menschen verworfene Jesus von Nazareth wurde von Gott zum ersten richtigen Menschen gemacht, zum ersten Menschen der neuen Schöpfung.
Somit hat jede Kirche, die diesen Namen beansprucht, ORT DER WAHREN HUMANITÄT zu sein.
Maßstab dieser Humanität ist der Mensch Jesus, dem nichts Menschliches fremd war: er konnte lachen und weinen, ernst sein und fröhlich; er brauchte Freunde und hatte welche; er lernte Treue kennen und Verrat; er konnte wütend werden und niedergeschlagen; er wurde hungrig und durstig . . . , darin glich er uns allen. Doch er war uns allen ein gutes Stück voraus. Er war nämlich imstande, all das Ungute, das ihm über den Weg lief, aufzufangen, zu „sieben“ und dann nur mehr das Gute weiterzugeben; er war imstande, Entscheidungen herauszulocken, ohne zu vergewaltigen; er predigte die Nicht-Aggression und handelte dementsprechend: bei ihm stimmten Wort und Tat überein.
In der Gefolgschaft Jesu ist Kirche darum Gemeinschaft von Menschen, die versuchen, zusammen aufzuzeigen, durch ihr Wort und durch ihr Leben, wie wahre Menschlichkeit aus der Perspektive Gottes aussieht. Sie wird sich darum besonders den Isolierten, Armen, Verworfenen, Deklassierten und Abgeschriebenen verbunden wissen, um all diesen nicht nur theoretisch die Chancen zur wirklichen Menschwerdung zuzugestehen, sondern sie ihnen auch in Wirklichkeit zu ermöglichen.
2.2.4. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der von Menschen geächtete Jesus von Nazareth wurde von Gott in den Mittelpunkt der ganzen Menschheit gestellt.
Somit ist jede Kirche der ORT, DESSEN ZENTRUM JESUS CHRISTUS IST. Kirche ist demnach ein Kreis von Menschen, die kein anderes Zentrum haben als Jesus Christus. Alle Punkte dieses Kreises sind fundamental gleich. Es gibt nur einen HERRN der Kirche, und alle andern sind BRÜDER. Außerdem ist dieser Herr nicht Herr der Kirche und der Menschheit, weil er sich selbst dazu gemacht hätte, sondern weil er von Gott, zu dem er „Vater“ sagte, dazu gemacht worden ist. Er wurde Herr, weil er einen
Meistertitel trägt: den Meistertitel im „Beruf des Dienens“. In der Gefolgschaft Jesu ist Kirche somit zum Dienen da, und nicht zum Herrschen. Herrschaftsstrukturen sind darum in keiner echten Kirche zu verantworten, da sonst für die Augen der Menschen der einzige Herr durch andere Herren, Väter und Lehrer derart verdeckt wird, daß er, insbesondere für Außenstehende, kaum noch sichtbar oder erkenntlich ist. Und dann kann er nicht zum Mittelpunkt der ganzen Menschheit werden.
2.2.5. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der von Menschen ungerecht behandelte Jesus von Nazareth wurde von Gott in seine Rechte eingesetzt.
Kirche hat somit ORT DER GERECHTIGKEIT zu sein. Maßstab der Gerechtigkeit ist Jesus Christus, der „sich selbst entäußerte“, also auf kein angestammtes Recht pochte. In der Gefolgschaft Jesu wird die Kirche Gemeinschaft von Menschen sein, wo niemand auf sein Recht pocht, sondern wo jeder grundsätzlich zuerst dem andern seine Rechte zugesteht. Bereitschaft zum Teilen, Gesprächsbereitschaft, Versöhnungs- und Friedensbereitschaft gehören darum zur Grundausrüstung jeder Kirche, wie auch jedes Einzelnen, der sich zu einer derartigen Kirche bekennt.
Kirche kann darum keine Gerichts-, sondern nur Versöhnungsstrukturen haben. Genau so, wie sie keine Besitz-, sondern nur Schenk-strukturen haben kann. Denn alles, was sie „hat“, ist ihr geschenkt und zwar nicht, um daraus einen Kirchenschatz anzulegen, sondern um es weiterzuschenken.
2.2.6. Der Osterglaube der Kirche besagt:
Der als gottverlassen angesehene Jesus von Nazareth ist alles andere als gottverlassen, er ist von Gott angenommen wie kein anderer.
Kirche ist somit ORT DER BEGEGNUNG MIT DEM LEBENDIGEN GOTT. In der Gefolgschaft Jesu nimmt sie deshalb Abstand von allen Götzen, sei es vom Lückenbüßergott, sei es vom Versicherungsagentenliebergott, sei es vom Polizistenliebergott, sei es vom Märchenbuchliebergott . . .
Kirche ist in der Gefolgschaft Jesu Gemeinschaft von Menschen, die den Willen desselben Vaters tun, dessen Willen auch Jesus getan hat. Kirche betet darum denselben Gott an, der den toten Jesus zum lebendigen gemacht hat. Jenen Gott betet sie an, der keine menschliche Freiheit vergewaltigt, der nicht einmal zum Schutz seines erstgeborenen Sohnes einschritt, da solches nicht möglich war, ohne Menschen zu vergewaltigen. Kirche betet den Gott an, der niemanden durch seine Allmacht blendet, weil seine Allmacht nicht Willkür oder Laune ist, sondern Liebe, die überzeugen will.
2.2.7. Jede Kirche hat ORT DES OSTERGLAUBENS zu sein. Gerade hierdurch muß sie auszumachen sein. Sie muß sich abheben von ihrer Umgebung.
Sie muß auszumachen sein als jener Kreis, der sich um den auferweckten Jesus Christus bildet; als die Gemeinschaft, wo wirkliche Freiheit geprobt wird und brüderliches
Teilen; wo echte Gerechtigkeit versucht wird und aufrichtiges Miteinanderreden; echte Kirche muß sich abheben von all den Orten, wo Götzen angebetet werden anstelle jenes Gottes, der den Gekreuzigten auferweckte. Die Spannkraft, alles dies in unserer Welt auszuhalten und durchzustehen, wird der Kirche geschenkt in ihrem Osterglauben.
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