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"Ja, wissen Sie, eigentlich fühle ich mich sehr unsicher, da ich ein paar Jahre nicht mehr gearbeitet habe. Und ich hoffe, daß es mit meinen Kindern klappen wird. Bis jetzt waren sie eigentlich selten krank, aber man weiss ja nie… und dann hätte ich niemanden, der auf sie aufpassen könnte." So stellte sich Nadine, 38 Jahre, bei einem Vorstellungsgespräch dar und bekam prompt eine Absage.
Natürlich, die will ja gar nicht arbeiten, meint jetzt vielleicht dieser oder jener Leser. Aber ganz so einfach ist es nicht.
In unseren Diskussionsrunden, dir wir jeden Mittwoch im Centre de Formation pour Familles Monoparentales mit Frauen zum Thema Arbeit haben, dreht sich vieles um die Art und Weise, wie man sich bei einem Arbeitgeber vor- und darstellt. Es stellt sich heraus, daß die meisten Frauen dieses Gespräch mit sehr vielen Unsicherheitsgefühlen, manchmal Angst angehen. Sie betreten hier eine unbekannte Sphäre und tragen, bewusst oder unbewusst, alle Vorurteile, welche gegenüber arbeitenden Frauen und Müttern bestehen und die da heissen: Frauen nehmen Männern die Arbeitsplätze weg, Frauen, die arbeiten und eine Familie haben, sind Rabenmütter; ihre Kinder werden früher oder später im Leben scheitern,…
Das schlechte Gewissen der Frauen taucht immer wieder in unseren Diskussionsrunden auf: sind meine Kinder gut versorgt im Kinderhort, bei der Tagesmutter? Werden sie es mir nicht einmal übelnehmen, daß ich arbeite? Ist noch genug Brot für heute abend zuhause? Muß ich nicht mehr und besser arbeiten, damit ich auf meiner Arbeitsstelle für voll genommen werde?…
Durch den Erfahrungsaustausch kann in der Gruppe die Erfahrung gemacht werden, daß diese Fragen nicht nur mich allein aufreiben, sondern auch andere Frauen, die in der gleichen Situation sind, beunruhigen. Schon allein diese Feststellung kommt einer gewissen Erleichterung nahe, obschon damit die Probleme selbst noch nicht gelöst sind.
Es ist nun mal eine Tatsache, daß unsere Gesellschaft auf die ideale (real existierende?) Familie aufbaut, wo der Vater das Geld anschafft, die Mutter zwischen Haushalt, Schule, Kaufhaus und Kinderarzt pendelt. Für all jene, die nicht in dieses Bild passen, beginnt der Spiessrutenlauf. "All jene" – das sind viele: das sind Witwen, das sind ledige Mütter, das sind geschiedene Frauen. Und da sie sich nunmal von der "normalen" Familie dadurch unterscheiden, daß ein Elternteil allein da ist, klebt an
ihnen oft ein Stigma, das sie irgendwann, wenn auch widerwillig, als selbstverständlich und gottgegeben ansehen.
In unserer Arbeit kommen wir in Kontakt mit den verschiedenen Kategorien von Alleinerziehern. Niemand wird ausgeschloßen, denn die Schwierigkeiten sind die gleichen für alle.
Es fällt natürlich auf, daß bis jetzt nur rund ein Dutzend Männer, die Alleinerzieher sind, uns kontaktiert haben. Die Ursache dieses Tatbestandes liegt unseres Erachtens darin, daß die Gesellschaft anders auf einen alleinerziehenden Vater zugeht als auf eine alleinerziehende Mutter. So wie auch die Tatsache, daß der Vater in den meisten Fällen im Berufsleben steht, ihm vieles vereinfacht. (siehe dazu Artikel: Die Emanzipation der Väter).
Tabelle 1
Population totale ayant un emploi par statut socio-économique et par sexe
| Statut socio-économique | Population totale | | |
| — | — | — | — |
| | Les deux sexes | Sexe masculin | Sexe féminin |
| TOTAL | 150 720 | 100 764 | 49 956 |
| Exploitants agricoles-employeurs | 314 | 296 | 18 |
| Exploitants agricoles-indépendants | 3 200 | 2 793 | 407 |
| Autres travailleurs agricoles | 4 143 | 1 938 | 2 205 |
| Employeurs et indépendants dans les professions libérales et assimilés | 1 434 | 1 196 | 238 |
| Employeurs dans l’industrie, la construction, le commerce, les transports et les services | 4 831 | 3 861 | 970 |
| Travailleurs indépendants dans l’industrie, la construction, le commerce, les transports, les services | 4 611 | 2 503 | 2 108 |
| Directeurs, membres des corps législatifs, cadres supérieurs de l’administration publique | 2 483 | 2 034 | 449 |
| Salariés des professions libérales et assimilées | 16 276 | 10 010 | 6 266 |
| Chef de groupes d’employés de bureau, chef des ventes et chef de groupes de travailleurs spécialisés dans les services, agents administratifs (administration publique) | 4 685 | 4 223 | 462 |
| Personnel administratif, commercial, vendeurs et travailleurs spécialisés dans les services | 50 009 | 18 536 | 31 473 |
| Chef d’équipe et contremaître (salariés) | 2 998 | 2 943 | 55 |
| Ouvriers qualifiés et semi-qualifiés | 40 086 | 37 999 | 2 087 |
| Manoeuvres | 6 598 | 5 998 | 600 |
| Forces armées | 645 | 613 | 32 |
| Personnes ayant un emploi non-classées ailleurs | 8 407 | 5 821 | 2 586 |
Source: Statec
Tabelle 2
Alleinerziehender zu sein geht meistens mit einem Einkommensverlust einher, oft mit einem Wohnungswechsel und dem dazugehörigen Schulwechsel für die Kinder, mit einer gewissen gesellschaftlichen Isolation und für die Frau mit dem eventuellen Wiedereintritt ins Berufsleben. Welches nun sind die Arbeitsplätze wo Frauen arbeiten? Welches sind die fachlichen Voraussetzungen, die Frauen mitbringen?
Rémunération mensuelle moyenne des salariés à temps plein par branche d’activité et sexe (oct. 1978)
| Branche d’activité (Nace) | Sexe | Unité: franc | |
| — | — | — | — |
| | | Total | |
| Commerce de gros | M | 37 796 | |
| | F | 23 161 | |
| | T | 31 346 | |
| dont: | | | |
| Commerce de gros de combustibles, de minéraux et produits chimiques industriels | M | 47 866 | |
| | F | 31 562 | |
| | T | 44 106 | |
| Commerce de gros du bois et des matériaux de construction | M | 36 046 | |
| | F | 26 274 | |
| | T | 34 536 | |
| Commerce de gros de machines, de matériel et de véhicules | M | 40 508 | |
| | F | 27 439 | |
| | T | 37 877 | |
| Commerce de gros de meubles, articles de ménage et quincaillerie | M | 38 747 | |
| | F | 25 438 | |
| | T | 35 681 | |
| Commerce de gros de denrées alimentaires, boissons et tabacs | M | 36 729 | |
| | F | 24 966 | |
| | T | 33 072 | |
| Commerce de détail (Automobiles et carburants) | M | 36 043 | |
| | F | 21 861 | |
| | T | 26 640 | |
| dont: | | | |
| Commerce de détail de produits alimentaires, boissons et tabacs | M | 34 529 | |
| | F | 19 542 | |
| | T | 24 482 | |
| Commerce de détail d’articles d’habillement | M | 40 132 | |
| | F | 22 537 | |
| | T | 24 899 | |
| Commerce de détail de chaussures et de maroquinerie | M | 45 793 | |
| | F | 21 177 | |
| | T | 22 891 | |
| Commerce de détail d’appareils et matériel pour l’équipement du foyer | M | 35 959 | |
| | F | 25 003 | |
| | T | 31 745 | |
| Banques | M | 52 798 | |
| | F | 34 664 | |
| | T | 44 940 | |
| Assurances | M | 55 400 | |
| | F | 34 725 | |
| | T | 47 351 | |
Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, arbeiten in Luxemburg Frauen hauptsächlich im Dienstleistungsbereich.
Abgesehen von den Banken und Versicherungen, wo die Arbeitszeiten geregelt sind, verlangen die anderen Arbeitsplätze in diesem Bereich (z.B. Putzfirmen, Krankenhäuser) eine zeitliche Mobilität, die für Alleinerzieher nicht mit der Erziehung der Kinder vereinbar ist.
Generell stellen wir fest, daß die Frauen (ob in Banken oder anderswo) weniger verdienen als Männer, was sich natürlich auf die Lebensqualität der Familie niederschlägt. (vgl. Tabelle 2)
Da uns gegenüber eine Reihe von Frauen ihren Wunsch zum Wiedereinstieg ins Berufsleben oder ihre Bereitschaft zu einer Weiterbildung, resp. Umschulung äußerten, setzten wir uns vor rund einem Jahr mit Verantwortlichen der Abteilung Erwachsenenbildung des Erziehungsministeriums zusammen. Wir konnten erfreut feststellen, daß hier die Bereitschaft bestand, uns beim Umsetzen von Worten in Taten behilflich zu sein.
Die Eröffnung unserer Dienststelle ‚Krank Kanner Doheem‘ bot uns die Gelegenheit, erstmals auf dieses Angebot zurückzukommen. Wir suchten die Kandidaten aus und informierten die Verantwortlichen des Centre de Formation Professionnelle Continue in Walferdingen über die anzusprechenden Themen (Hygiene, Psychologie des Kleinkindes, Freizeitbeschäftigung für kranke Kinder, Medikamenteneinnahme, erste Hilfe,…). Die konkrete Umsetzung geschah auf eine unbürokratische, positive Art und Weise unter der Regie der erwähnten Verantwortlichen.
Auf dieses positive Resultat hin informierten wir sie über unseren Wunsch, noch dieses Jahr eine Ausbildung in die Wege zu leiten, welche es Frauen ermöglichen sollte, in der Büroarbeit mit den Erfordernissen der Zeit gleichziehen zu können und so wieder ins Berufsleben eintreten zu können.
Unser Projekt erinnert in seinen Modalitäten an ein europäisches Projekt ‚Retravailler‘. Die Ausbildung soll sich über mindestens 6 Wochen hinstrecken (wenn möglich zwischen 2 Schulferien) und jeweils montags bis freitags vormittags ablaufen, um den Müttern die Möglichkeit zu geben, die Erziehung der Kinder und ihre eigene Ausbildung so harmonisch wie möglich zu verbinden.
Wir wissen, daß Frauen, darunter viele Alleinerzieherinnen, an dieser Ausbildung interessiert sind und daß der Wirtschafts- und Sozialrat vor kurzem darauf hingewiesen hat, daß unsere Wirtschaft in den nächsten Jahren verstärkt Frauen im Bürobereich brauchen wird.
Wir haben schon jetzt jene Frauen kontaktiert, welche uns ihre Bereitschaft zu einer Ausbildung kundtaten, damit wir für September/Oktober wieder den Worten die Taten folgen lassen können.
Wir sind uns bewußt, daß diese Ausbildung wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein der mangelnden Berufsausbildung der luxemburgischen Frau ist und daß für kommende Generationen die geschlechtsspezifische Berufsausbildung endlich überwunden werden sollte. Aber die individuellen, veränderten Lebenswege der Frauen und ihrer Familien, die materiellen Verbesserungen, das gewachsene Selbstvertrauen und das bessere Meistern von Lebenssituationen geben uns die Gewißheit, daß unsere Projektarbeit sich gelohnt hat.
So wie bisher wird sich auch in Zukunft unsere Arbeit auf verschiedenen Ebenen bewegen:
- individuelle Basis (Gespräche, Informationen, Wichtigkeit der realistischen Selbsteinschätzung in Hinsicht auf Potentialitäten und Grenzen; praktische Arbeitssitzungen und -aufgaben)
- Gruppenarbeit (siehe Diskussionsrunden betreffend die Arbeitswelt)
- "Oeffentlichkeitsarbeit" d.h. Vermitteln unserer Erfahrungen und Informationen an die
zuständigen Instanzen zwecks Verbesserung des institutionellen Rahmens unserer Gesellschaft.
Hier seien nur einige Punkte erwähnt:
*Das "Fonds de l’Emploi"-Gesetz sollte auch jene Frauen, welche keine Arbeitslosenentschädigung erhalten, von den vorgesehenen Maßnahmen zwecks Wiedereingliederung ins Berufsleben profitieren lassen. Wir möchten hier nur darauf hinweisen, daß in der BRD Erwerbstätigkeit und Hausfrautätigkeit gleichgesetzt sind, was die Inanspruchnahme der Hilfen des Arbeitsamtes anbelangt.
- Zu diesem Zeitpunkt werden Frauen, soweit sie Kinder unter 4 Jahren zu Lasten haben und Mindesteinkommenbezieher sind, von den Möglichkeiten der Wiedereingliederungsmaßnahmen ins Berufsleben ausgeschlossen.
Ginette Jones
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