Die Argumentation des Erziehungsministers

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Durch das grossherzogliche Reglement vom 11.8.1982 wurde festgelegt, dass kein Jugendlicher eine Handwerkslehre beginnen kann ohne erfolgreichen Abschluss der 9 ST fil.III.

Um diese Massnahme zu verstehen, muss man wissen, dass die 3 "filières" des technischen Sekundarunterrichtes drei Niveau-Unterschiede im Unterricht

bedeuten, dass die Programme von Fil I zu Fil III fortschreitend erleichtert werden und dass zunehmend praktische Fächer auf Kosten allgemeinbildender und sprachlicher Fächer unterrichtet werden. Entspricht die Fil I mehr oder weniger der früheren Mittelschule (sie liegt also schon eine Stufe tiefer als das klassische Lyzeum), so entspricht die Fil II der früheren Berufsschule, während die

Fil III in etwa die Schüler des Komplementarunterrichts aufnehmen soll. Diese Klassen könnten dann eines Tages verschwinden: es soll keine Schüler mehr geben, die nicht mindestens eine 9 ST fil III geschafft haben. Das aktuelle Problem rührt aber daher, dass 1. es immer noch Komplementarklassen gibt und auch noch eine Weile geben wird, 2. deren Schüler offenbar die in 9 ST fil III zur Zeit gestellten Anforderungen nicht schaffen, weil das Niveau vielleicht noch zu hoch ist, 3. die Berufskammern auch darauf halten, dass dieses Niveau nicht zuweit absinkt, 4. viele Lehrer den Zweck des neuen Unterrichtssystems noch nicht verstanden haben und "übertriebene" schulische Leistungen fordern, weil das Unterrichtsministerium sie schlecht oder gar nicht über die Finalität des Systems aufgeklärt hat.

Was die Zielsetzung der Unterrichtsreform und des bemängelten Reglements vom 11.8.1982 ist, geht – wenn auch manchmal nur zwischen den Zeilen – aus einem Artikel hervor, den Minister F. Boden am 22.4.1983 im LW veröffentlichen liess. Auch seine Argumente seien in diesem Dossier (auszugsweise) vorgestellt:

Eines der Hauptziele des Gesetzes vom 21. Mai 1979 über den technischen Sekundarunterricht ist es, eine auf hoher Stufe stehende Berufsausbildung zu garantieren. Nun kann dieser hohe Leistungsstand bei CATP-Inhabern aber nicht erreicht werden, wenn die Kandidaten nicht ein Minimum an allgemeinen und theoretischen Kenntnissen mitbringen.

Trotz der bereits in der Vergangenheit verlangten Bedingungen mußte Jahr für Jahr festgestellt werden, daß Hunderte von Lehrverträgen gekündigt wurden, weil die Kandidaten einfach nicht genügend Kenntnisse hatten, um der Berufsausbildung zu folgen.

Sehr wenig profitieren die unmotivierten Jugendlichen vom Komplementarunterricht. Sie machen keine Anstrengungen in der Schule und warten lediglich auf das Ende der obligatorischen Schulzeit, um arbeiten zu gehen. Obwohl die Klasseneffektive niedrig sind und hochqualifiziertes Lehrpersonal zur Verfügung steht, machen die Schüler keine Fortschritte und erreichen in den seltesten Fällen ein Niveau, das für einen erfolgreichen Abschluß der Berufsausbildung unerläßlich ist.

Das Ziel des Unterrichtsministeriums ist es, einem Maximum von Schülern zu erlauben, eine berufliche Qualifikation abzuschließen.

Beachtenswerte Anstrengungen wurden unternommen, um den Komplementarunterricht zu reformieren. Die Orientation der Komplementarschüler zum technischen Sekundarunterricht hin wurde vereinfacht. Nach jeder Klasse des Komplementarunterrichts kann ein Schüler in den Sekundarunterricht aufgenommen werden. In Betracht gezogen werden dabei die Leistungen eines ganzen Jahres und nicht die bei einem Examen erzielten Resultate. Die Entscheidung trifft eine Kommission, der nicht nur Vertreter des Sekundarunterrichts angehören, sondern ebenfalls der Lehrer und der Inspektor der vorigen Schule, die den Schüler kennen.

So kann ein fähiger Schüler in der siebten Klasse in einem auf den technischen Sekundarunterricht basierten Programm unterrichtet werden und ohne ein Examen abzulegen in die achte Klasse des Sekundarunterrichts aufsteigen. Die Schüler, die diesem Unterricht nicht folgen können, erhalten in der siebten, achten und neunten Klasse eine Ausbildung, die ihren intellektuellen Fähigkeiten angepaßt ist und sie sowohl auf die neunte Klasse

"Um mal auf dem BODEN der Tatsachen zu bleiben: ohne das Gesetz vom 11. August 1982 wäre ich wahrscheinlich bald arbeitslos!"

"Filière III" als auch auf das aktive Leben vorbereitet. Unter verschiedenen Bedingungen und zum Preis, ein Jahr zweimal zu machen, können letztgenannte Schüler ebenfalls in die "Filière II" und sogar die "Filière I" aufsteigen.

Das Konzept der neunten Klasse "Filière III" des technischen Sekundarunterrichts wurde demjenigen der achten Klasse des Komplementarunterrichts angepaßt, und die Programme basieren auf den in der achten Komplementarklasse erlangten Kenntnissen.

M. Britz (LSAP): "E Virspillen vu falschen Tatsachen"

Zum Komplementarunterricht steet am Exposé introductif folgendes: ‚Il est à prévoir que les réformes en cours faciliteront le choix d’une profession à ceux qui quitteront l’école à la fin de leur scolarité obligatoire.‘ Dat as schlicht an einfach gesot: Virspillen vu falschen Tatsachen. Déi Schüler aus dem Complémentaire, déi keen Zougang zum EST fannen, déi kënnen emol keen CCM méi machen, well och dofir mussen si eng 9ième Filière III gepackt hun. Dës Schüler verloossen d’9. Schouljoer wuel mat enger klenger praktischer Virberedung op d’Beruffsliewen, mä ouni jeglech berufflech Qualifikatioun. (…)

Wat awer wierklech oeschitt as e Verrot un de Komplementarschüler. Fir bal 800 Schüler pro Joergang, déi aus der 9ième complémentaire, der Section de fin d’études an de Classes spéciales, as keng solid a motivant Zukunftsperspektiv méi dran. Si wëssen spéitstens mat 12 Joer, dass se nët méi zu enger Berufsausbildung zouge-looss gin. Wéi wëllen dann och déi bescht intentionnéiert Komplementarlehrer dës Schüler nach zu Leeschtungen a Fläiss motivéieren? Hei drot Der eng grouss Responsabilitéit, Här Minister, well bei den Schüler handelt et sech zum gréissten Deel ëm Jugendlicher aus finanziell a kulturell défavoriséierte Milieuxën. Dir huelt hinnen eng Chance ewech, ouni hinnen awer eppes an d’Plaz ze gin." Débata budgétaires à la Chambre des Députés, décembre 1982

Direktiven wurden herausgegeben, damit die Kriterien für einen erfolgreichen Abschluß der neunten Klasse "Filière III", den minimalen Erfordernissen für den Eintritt in die Lehre eines Handwerks, bei dem die manuellen Aktivitäten bestimmend sind, entsprechen.

In die Wege geleitet wurde eine pädagogische Zusammenarbeit zwischen dem technischen Sekundar- und dem Komplementarunterricht, um die nötige Koordination zu erreichen, die zum Erlangen der gesteckten Ziele notwendig ist.

Seit der Durchführung der ersten Maßnahmen ("7e préparatoire", Übergang zur achten Klasse des technischen Sekundarunterrichts, Besichtigungen von Werkstätten und Lehrgänge in Betrieben) wurde eine bessere Motivation bei den Komplementarschülern festgestellt. In vielen Klassen sind die Disziplinprobleme stark zurückgegangen.

Alle diese positiven Indizien lassen den Schluß zu, daß die Zahl der Jugendlichen, die keine Hoffnung haben, eine berufliche Qualifikation zu erlangen, zurückgeht.

In der Vergangenheit hatten die Jugendlichen die Illusion, alles erlernen zu können, ohne vorher Anstrengungen in der Schule gemacht zu haben. Für viele endete diese Illusion mit dem Verlust von drei Schuljahren und einem nicht wieder gut zu machenden Mißerfolg. Die jetzt erstellten Strukturen zerstören keine der bisherigen reellen Chancen der Jugendlichen, doch sie verhindern eine falsche Hoffnung.

Sicher werden die getroffenen und in Ausarbeitung befindlichen Maßnahmen nicht allen Jugendlichen es erlauben, ein Niveau zu erreichen, das ihnen Zugang zur Lehre verschafft. Dafür sind die Forderungen des Handwerks, der Industrie und des Handels zu hoch gesteckt, und eine Berufsausbildung, die diesen Gegebenheiten Rechnung trägt, muß Bedingungen unterworfen sein. Die Aufwertung der handwerklichen Arbeit könnte ebenfalls nicht mit einer sinkenden Berufsausbildung in Einklang gebracht werden.

Was geschieht aber mit den Jugendlichen, die die festgelegten Zulassungsbedingungen nicht schaffen? Auch sie werden am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit nicht einfach aufgegeben.

Wenn die vorerwähnten Jugendlichen keine Arbeit nach ihrem Schulabschluß finden, werden sie von den "Centres d’Orientation et d’Initiation Professionnelles (COIP)" aufgenommen. Die COIP wurden dezentralisiert, die Dauer der Ausbildung verlängert und die verschiedenen Ausbildungsbereiche die eine oder mehrere Berufsgruppen umfassen, wurden erweitert, um die Möglichkeit der Einstellung der Kandidaten zu erhöhen. In den COIP haben die jungen Menschen gleichfalls die Basis, um sich auf einen erfolgreichen Abschluß der neunten Klasse "Filière III" vorzubereiten, ohne aber die

M. R. Krieps (LSAP) …
Dobai däref darn natiirlech nët vergiess gin, dass Äre Règlement grand-ducal vum 11. August 82 onbedëngt muss iwwerpréift gin, wat déi Filière dräi ubelaangt a wat den Accès zu der Formatioun ubelaangt.

Dir fant et an dem Avis vun der Chambre des Fonctionnaires et Employés publics; déi soen ausdrécklech:

"Cet état des choses" – dee se virdru kritizéiert hun – "se trouve encore renforcé par les dispositions du règlement grand-ducal du 11 août qui sort ses effets depuis la rentrée 1983 …" A si soen: "Cette disposition discriminatoire qui a suscité à juste titre un mécontentement général dans les organisations de la jeunesse et dans certains milieux d’enseignants, dégrade définitivement la classe terminale des classes complémentaires à une voie sans issue."

M. Boden, Ministre de l’Education Nationale.-
Dir hätt nach gäre méi gehat. Ech géing da gäre wëssen, wat dann Är Menung derzou as. Soll ee guer keng Konditioune setzen fir den Accès an den Apprentissage an esou virufuerren, dass eng ganz Rei vu Kontrakter gebrach gin?

M. R. Krieps (LSAP)
Här President. Den Här Minister huet mer eng pertinent Fro gestallt, niewent denen impertinenten, déi hie mer alt schon eng Kéier gestallt huet, an ech him och. Ech géing soen, de Problem as ugeschnidde gin an der Resolutioun, déi d’Chamber gestëmmt huet iwwer de Problem vun der Immigratioun. Mir sin eis jo eens, dass de Gros ënner d’Kapitel Immigratioun gehéiert, dass déi, déi haut nach d’Populatioun si vun de Classes complémentaires, zu 80% Immigréierter sin, wann nët esouguer méi.

Et as also an deem Kontext, wou een de Problem muss gesinn. Ech sin der Menung dass d’Chambre des Fonctionnaires et Employés Publics Recht huet, op d’allermannst an deem nächste Kapitel wou se seet: Loosse mer huertag de Complémentaire nationaliséieren. Loosse mer en eraushue- len aus der Kompetenz vun de Gemengen a loosse mer en nationaliséieren. Loosse mer un unhän- ken un dee grousse, vasten Zyklus, dee mer elo hun, an dee mer mëglecherweis deem engen oder deem aneren Artikel müssen änneren, fir där besonnescher Problematik entgéintzekommen.

in: compte rendu des séances publiques de la Chambre des Députés, No 7/ 83-84 p. 952

Einführung in verschiedene Aktivitäten zu vernachlässigen.

Hingewiesen werden kann auch auf die sogenannten "sekundaren" Handwerke, deren Zugang nicht den gesetzlichen geregelten Bedingungen für die Berufslehre unterworfen ist.

Für die Jugendlichen, die auf der Suche nach Arbeit sind, wurden des weiteren Anstrengungen unternommen. Das Arbeits- und das Unterrichtsministerium haben Kontakte mit der Föderation der Industriellen (FEDIL) aufgenommen, um rund 200 jugendliche Arbeitslose unterbringen zu können.

Die jungen Menschen, die ohne berufliche Qualifikation in das aktive Leben treten, sind nicht

definitiv von einer Lehre ausgeschlossen. Sie können von den Abendkursen für Erwachsene profitieren, um ein CATP zu erlangen.

Analysiert wird z.B. die Möglichkeit in einigen Berufen, als Zwischenetappe zum "Certificat d’Aptitude Technique et Professionnelle (CATP)" ein "Certificat de Capacité Manuelle (CCM)" einzubauen, für die Schüler, die die schulischen Bedingungen, die beim CATP erfordert sind, nicht erfüllen.

Bestätigt hat der Minister diese Aussagen fast wortwörtlich, in der Rede, die er in der Abgeordnetenkammer bei Gelegenheit der Diskussionen über das Budgetkapitel des Erziehungsministeriums gehalten hat.

Was den letzten Punkt anbelangt, gab er noch einige zusätzliche Präzisionen.

"Ech sin awer der Menung, dass trotz allen Opfangnetzer, déi mir geschafen hun, déi aktuell Modalitäten, wat den Accès an den Apprentissage ubelaangt, revidéiert solle gin. Ech hu Kontakter opgeholl mat den Beruffschämberen, besonnesch wat

den Accès an den CCM ubelaangt.

Fir zum CCM zougelooss ze gin muss een de Moment fir d’éischt den Accès an ee CATP erméiglecht kréien. Dat heescht, et muss een eng vun denen dräi Filiëren réusséiert hun an da muss een am CATP en Echec kréien, dann eréischt duerf een an den CCM eriwwer wiesselen.

Ech sin der Menung, dass een doniewent misst enger Rei vu Jongen a Medercher erméiglechen, och wann se nët eng vun denen dräi Filiëren vum Secondaire technique gepackt hun, awer en Accès an den CCM ze kréien.

D’Konditioun as, dass se bewisen hun, dass se praktesch Fähegketen hun. Ech sin der Menung, dass ee soll no der 9.Klass een Jor dertëschent schalten. Entweder een Jor am COIP oder een Jor, wou se bei engem Patrön schaffen, dass se zertifiéiert kréien, deen do deen huet déi nëideg praktesch Virkenntnisser, fir kënnen mat seriöse Chancen den CCM ze packen. Ech sin der Menung, ët soll een d’Gesetz vum 21.Mee 1979 ofänner an dësen Accès an den CCM erméiglechen.

Et schéngt mir, dass en Accord mat den Beruffschämberen méiglech as."

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