Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Die Hochkultur der Inka entwickelte sich im Gebiet der heutigen Staaten Peru, Ekuador, Chile und Bolivien. Ihre Blüte begann zwischen 800 und 1000 n. Chr. Das große Inkareich entstand um 1200 aus der Zusammenfassung der kleinen Teilreiche mit der Hauptstadt Cuzco. Inka war die Bezeichnung für die adlige Sippe, aus der die Könige hervorgingen, und zugleich Bezeichnung für den Herrscher. "Staatsoberhaupt" war der Sonnengott, sein Vertreter der König, neben ihm der mächtige Priester der Sonne.

Im Inkareich gab es kein Eigentum. Es gab auch kein Geld. Gold wurde nur als Rohprodukt für Schmuck gebraucht. Die Technik hatte einen hohen Stand erreicht, jedoch waren das Rad sowie Reit- und Zugtiere unbekannt. Das Lama wurde nur zum Tragen von Lasten gebraucht.

Vorzügliche Verkehrserschließung durch den Bau von Straßen, hochentwickelte Steinarchitektur und eine gutorganisierte Verwaltung sorgten für einen ausreichenden Lebensstandard.

Wie die Inka lebten, erfahren wir aus den Berichten der Spanier und aus zahlreichen modernen Ausgra-

bungen. Ein spanischer Geschichtsschreiber berichtet über die Gesetze der Inka:

Sie hatten ein Gemeindegesetz, welches die jedem Stamme oder jeder Provinz zustehende Nutznießung genau regelte; sie besaßen ein Ackergesetz, nach welchem die Felder vermessen und unter die Ortsbewohner verteilt wurden, und beobachteten es aufs strengste. Das Gemeindegesetz befahl allen, mit Ausnahme der Greise, jungen Burschen und Gebrechlichen, für das Gemeindewohl zu arbeiten, Tempel sowie Paläste für die Herrscher und die Vornehmen zu erbauen, Wege zu verbessern und andere ähnliche Arbeiten zu verrichten.

Verbrüderungsgesetz nannten sie ein weiteres, welches anordnete, daß alle Nachbarn eines Dorfes einander beim Ackern, beim Säen, bei der Ernte, beim Hausbau helfen mußten. Das Gesetz verordnete, daß bei allen Bauten und sonstigen gemeinsamen Frondiensten eine jede Provinz, jedes Dorf, jede Familie, jede einzelne Person gehalten war, nur so viel, nicht aber mehr zu arbeiten, als ihr zustand, und daß zwischen den Arbeitsstunden den Arbeitern Zeit zum Ausruhen gelassen werden mußte.

MAT 1

Die Hauptstadt der Azteken

"Wir ritten… über den großen Marktplatz… Dort fanden wir eine unerwartet große Menge Menschen, zahlreiche Verkaufsstände und eine ausgezeichnete Ordnungspolizei… Jede Warengattung hatte ihren Platz. Da gab es Gold- und Silberarbeiten, Juwelen; Stoffe aller Art, Federn, Baumwolle und Sklaven. Der Sklavenmarkt war hier genauso groß wie der Negermarkt der Portugiesen in Genua. Damit sie nicht fliehen konnten, waren sie mit Halsbändern an lange Stangen angeschnallt… Dann kamen die Stände mit einfacheren Waren… mit grobem Zeug, mit Zwirn und Kakao, z.B. ganz Neuspanien (Mexiko) bot hier seine Erzeugnisse an. Ich kam mir vor, wie auf der großen Messe zu Hause. (Es werden dann aufgezählt u.a.: Sisalstoffe, Seile, Strickschuhe, Häute von Raubtieren, Bohnen, Gemüse, Gewürze, Geflügel, Wildbret, Kuchen,

Wurst, Töpfereien, Honig, Leckereien, Möbel, Holz, Kohle, Dünger, Öl, Tabak, Salben, Säme-reien, Heilkräuter, Feuersteinmesser, Salz, Fische, Brote, Messing-, Kupfer- und Zinn-instrumente, handgemalte Tassen und Krüge.) Es gab übrigens eine Art Marktgericht mit drei Richtern und mehreren Gehilfen, die für die Warenschau verantwortlich waren… Kaufleute, welche die Goldkörner aus den Bergwerken verkauften… (Man konnte sie gegen) Sklaven oder Waren eintauschen…

Auf halben Weg (zum Tempel) stieg der Fürst (Montezuma) aus der Sänfte, denn er hielt es für unehrerbietig, sich den Götzen anders als zu Fuß zu (nähern). Die ersten Männer seines Hofes führten ihn unter den Armen, andere gingen vor ihm her und trugen zwei Stöcke, die wie Szepter aussahen und die Nähe des Fürsten ankündigten. Er bestieg den Tempel und brachte dem Huitzilopochtli, dem Kriegsgott, Rauchopfer dar…

Wir sahen die drei Dammstraßen, die nach Mexiko führten: die…, über die wir einzogen, die, über die wir acht Monate später unter großen Verlusten fliehen mußten, und die von Tepea-quilla. Wir sahen die große Wasserleitung… und die langen hölzernen Brücken…, die die Verbindung zwischen den vielen Teilen des Sees ermöglichten. Auf dem See wimmelte es von Fahrzeugen, die Waren und Lebensmittel aller Art geladen hatten. Wir stellten…fest, daß man Mexiko nur über die Zugbrücken oder in Kähnen erreichen konnte. Aus allen Orten ragten die weißen Opfertempel wie Burgen über die Häuser mit ihren Söllern, über kleinere, kapellenartige Bauten und über Befestigungstürme hinweg… Leute, die Konstantinopel und Rom gesehen hatten, erzählten, daß sie noch nirgendwo einen so großen und volkreichen Marktplatz gefunden hätten."

Denkwürdigkeiten des Hauptmanns Bernal Diaz de Castillo, hrsg. und bearbeitet von G.A. Narciß, Bibliothek klassischer Reiseberichte, Steingruben Verlag, Stuttgart 1965, S. 257ff.

Sie hatten auch Gesetze über ihre Lebensbedürfnisse. Eines verbot allen Staat an den Alltagskleidern, ebenso das Tragen von Gold, Silber und Edelsteinen, auch Überfluß von Speisen bei Gastereien, verordnete dagegen, daß alle Bewohner einer Ortschaft zwei- oder dreimal im Monat im Beisein der betreffenden Kreisvorsteher ein gemeinschaftliches Mahl abhalten und sich dabei mit Volks- und Kriegsspielen belustigen sollten, damit Feinde sich aussöhnen und Frieden schließen, Hirten und andere auf dem Felde Arbeitende sich erfrischen und erheitern möchten. Ihrem Armengesetze zufolge mußten Blinde, Lahme, mit Aussatz und langwierigem Siechtum Behaftete, Greise, Gebrechliche und andere Unglückliche, welche weder Felder bebauen noch durch ihrer Hände Arbeit Nahrung und Kleidung sich verdienen konnten, aus öffentlichen Vorratshäusern ernährt und gekleidet werden.

Ein anderes Gesetz befahl, daß aus denselben Speichern Fremde, Pilger und Reisende unentgeltlich gespeist und in den Staatsherbergen bewirtet sowie die obengenannten Unglücklichen zu den zwei- bis dreimal im Monat zu veranstaltenden öffentlichen Gastmählern eingeladen würden, damit sie bei der allgemeinen Belustigung ihr Elend vergessen möchten.

Das sogenannte Hausgesetz verordnete, daß niemand müßiggehe. Schon fünfjährige Kinder mußten ihrem Alter angemessene Arbeiten verrichten; Blinde, Taube, Lahme, wenn sie sonst an keinem anderen Übel litten, wurden ebenfalls zur Arbeit angehalten, mußten z.B. Maiskolben auskörnen oder Baumwollflocken von ihrem Samen befreien. Alle Gesunden beschäftigten sich mit ihrer Arbeit, mit ihrem Handwerk oder Gewerbe, und es galt als großer Schimpf, wegen Faulheit öffentlich ausgepeitscht zu werden. Dasselbe Gesetz befahl, bei offenen Türen zu essen, damit die Beamten ohne Hindernis jedes Haus betreten und die Befolgung der Gesetze überwachen könnten. Sie lagen sorgfältig ihrem Amte ob und sahen fleißig nach, ob Männer und Frauen ihr Haus in Ordnung hielten, die Kinder

beschäftigt, Kleider, Schmucksachen, Gefäße reinlich gehalten würden. Familien, welch genau nach den Gesetzesvorschriften lebten, wurden öffentlich gelobt, die Ungehorsamen ebenso öffentlich mit Rutenstreichen gezüchtigt. Bei solchen Einrichtungen und Gesetzen herrschte überall Wohlstand und fand sich Überfluß an allen Lebensbedürfnissen.

aus: Geschichte für morgen. Ausgabe für Hauptschulen, 2, Frankfurt am Main, 1981, S. 12f.

aus: Chronik des Poma de Ayala

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code