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Edition liberación – der Name ist ein Programm. Seit 1983 besteht in Münster ein Verlag, der sich im Umfeld der Bewegung "Christen für den Sozialismus" um die Verbreitung der Theologie der Befreiung, der "materialistischen Bibellektüre" und anderer alternativer Theorienansätze im theologischen Feld bemüht.

Unter den bislang erschienenen, durchwegs sehr sorgfältig und ansprechend gestalteten Werken seien hier zwei hervorgehoben:

  • Varios Caminando – Machen wir uns auf den Weg, Campesinos der peruanischen Anden machen sich auf den Weg um ihr Leben auf der ökonomischen, kulterellen und religiösen Ebene in die Hand zu nehmen. Dabei schreiben sie ihre Überlegungen auf und so entsteht das authentische Glaubensbuch einer Volkskirche. Eine ausführliche Besprechung findet sich in ‚forum‘ Nr.48. Edition liberación legt eine vervollständigte und neugestaltete Auflage vor mit 125 Fotos und 57 Zeichnungen (45o Seiten, 27DM, ISBN 3-905575-02-7)

  • José Aldunate … Hrsg. PRIMAT DER ARBEIT VOR DEM KAPITAL Kommentare zur Enzyklika ‚Laboram exercens‘ aus der Sicht der Kirche Lateinamerikas

Der vorliegende Sammelband, von unserem Landsmann Franz Marcus mustergültig übersetzt, vereinigt vier mehrheitlich chilenische Beiträge, die den Anspruch erheben, uns Europäer vertraut zu machen "mit der Lektüre (der Enzyklika) aus der Sicht der Armen und Unterdrückten". Das Mindeste, das man dazu sagen kann, ist, daß diese Sicht sich in einigen Punkten sehr stark unterscheidet von der in Europa geläufigen.

So besteht eine von allen Autoren vorgebrachte These in der Behauptung, diese Enzyklika vertrete einen neuen Kurs in der kirchlichen Soziallehre (während viele europäische Kommentatoren eher der Meinung waren, das Rundschreiben verlasse kaum die traditionellen Wege). Worin sehen sie diesen ‚Bruch‘?

Erstens wird dem Papst zugute gehalten, nicht mehr "aus einer vom liberalen Westen beherrschten Situation heraus" zu sprechen, sondern von einem "übergreifenden Standpunkt" aus. Sodann wird die biblische Sicht des Menschen, im Gegensatz zu der in der Soziallehre üblichen philosophischen, gewürdigt.

Vor allem aber sehen die Autoren des Buches das Neue darin, daß Johannes Paul II. das Privateigentum nicht mehr als ein Naturrecht deklariert. Dies hat mehrere Folgen: Die Arbeit, und nicht mehr der Besitz, wird nun zum Interpretationsschlüssel der sozialen Frage. Die Personwerdung des Menschen wird nicht mehr vom Eigentum, sondern von seiner Arbeit her gesehen. Schließlich wird so der Weg frei für den Gedanken einer Sozialisierung des Eigentums.

Endlich wird auch der Ansatz einer Theologie der Arbeit als einer Theologie des arbeitenden Menschen als Vorzug angesehen. Von da her läßt sich zudem eine Brücke schlagen zur sozialen Problematik. "Die Erfahrung der Arbeit als Ort der menschlichen Unterdrückung und des Leidens steht am Ursprung der Exodusgeschichte, der Geschichte der Befreiung und der Begründung der Identität des Volkes Israel… Auf diese Situation eines durch die Arbeit unterdrückten Volkes, das gezwungen wird, für andere statt für sich selbst zu arbeiten, bezieht sich die Entscheidung des befreienden Gottes (Ex. 3,7 f.)… (Das befreiende Handeln Gottes) setzt an bei der Unterdrückung durch die Arbeit und strebt eine Situation an, in der das Volk frei und für sich selbst am Aufbau seiner eigenen Realität arbeitet. Das ist auch der Sinn des göttlichen Versprechens von einem ’schönen, weiten Land‘ … Das ‚verheissene Land‘ bedeutet … die Gesamtheit der Bedingungen, unter denen der arbeitende Mensch sein eigenes Schicksal bestimmt … Die Theologie der Propheten zeigt uns – genau wie das Buch Exodus -, daß die Wurzel des biblischen Verständnisses der Armen als Privilegierten vor Gott in das Problem der aufgrund der herrschenden Arbeitsbedingungen in der Gesellschaft verarmten Arbeiter hinabreicht. Arme, Schutzlose, Schwache sind das Ergebnis sozialer Beziehungen, die den ursprünglichen Sinn der Arbeit zerstören und aus ihr ein Mittel der Unterdrückung machen." (S. 98-99)

Gewiß bleiben die Autoren des Sammelbandes nicht unkritisch. Begriffsunklarheiten, Lücken, Inkonsequenzen, Verhaftung in traditionellen Gedankengängen der kirchlichen Soziallehre werden aufgezeigt. Aber im Ganzen ist die Haltung der Enzyklika gegenüber sehr positiv, viel positiver jedenfalls, als man das in Europa findet. In diesen Arbeiten sieht man die Theologie der Befreiung konkret am Werk, und man kann nicht anders, als sich wieder einmal bewußt werden, wie verschieden doch dieselben Dinge, ein Text in unsern Fall, aussehen, wenn man von einer andern (sozialen) Lage aus an sie herangeht.

Hubert Hausemer

(Jupp Wolter): "Was ist das schon wieder für eine gewerkschaftliche Netzschrift?"

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