Ein „forum“-Dossier mit Vorgeschichte

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Eigentlich hatten wir uns als Ziel gesetzt, eine Bestandsaufnahme des luxemburgischen Gesundheits- und Krankenkassensystems zusammenzustellen, um zu einer kritischen Einschätzung der Gesundheitsfürsorge in unserm Land zu gelangen.

Bei den Vorarbeiten kamen wir schnell zur Überzeugung, daß wir von den konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung auszugehen haben, um beurteilen zu können, ob die Institutionen des Gesundheitssystems fähig sind, den Menschen zu der bestmöglichen Gesundheit zu verhelfen, insbesondere, inwieweit Bedrohungen des Gesundheitszustandes, die vermieden werden können, auch wirksam bekämpft werden.

Daher haben wir uns die Frage gestellt, wie die Gesundheit gefährdet wird und was zu Krankheiten führen kann. Selbstverständlich ist nicht jede Krankheit zu verhindern, wie zum Beispiel erbliche Leiden. Dennoch könnte der allgemeine Gesundheitszustand in unseren Ländern erheblich verbessert werden durch vorsorgende Maßnahmen.

So schreibt das Gesundheitsministerium in seinem Bericht zum Staatshaushalt 1984:

"Ces maladies de civilisation qui sont des maladies chroniques et qui frappent des sujets de plus en plus jeunes (p. ex. maladies cardiovasculaires) dépendent pour une large part de notre mode de vie actuel: mauvaise hygiène alimentaire, tabagisme, manque d’exercice physique, stress etc."

Ohne die Wichtigkeit dieser Bedrohungen der Gesundheit bestreiten zu wollen, wurde es uns dennoch immer offenkundiger, daß die Arbeitsverhältnisse in hohem Ausmaß Verschlechterungen des gesundheitlichen Wohlbefindens der Bevölkerung verursachen, ja daß diese sogenannten Zivilisationskrankheiten wesentlich bedingt sind durch die Arbeitsverhältnisse.

Hierzu ein Zitat aus dem Bericht einer offiziellen Forschungsgruppe des Gesundheitsministeriums der Vereinigten Staaten Amerikas:

"Warum ist Zufriedenheit auf der Arbeit vielleicht eines der besten Mittel zur Verlängerung der Lebenszeit? Andere Faktoren sind ohne Zweifel wichtig: Diät, physische Anstrengung, medizinische Fürsorge, genetische Vererbung. Aber Forschungsergebnisse legen nahe, daß diese Faktoren nur ungefähr zu 25 % die Risikofaktoren bestimmen, die zu Herzleiden führen, der größten Todesursache. Das heißt, wenn Cholesterol, Blutdruck, Rauchen, Glukosespiegel usw. vollständig unter Kontrolle wären, dann könnte man nur etwa 1/4 der koronaren Herzleiden vermeiden. Trotzdem Forschungsergebnisse über dieses Problem bisher zu keinen endgültigen Antworten geführt haben, ist es augenscheinlich, daß die Arbeitsrolle, die Arbeitsverhältnisse und andere sozialen Faktoren in hohem Maße beitragen zu diesen "unerklärten" 75 % Risikofaktoren." (Work in America, 1973, S. 79)

In einem ersten Teil dieser forum-Nummer haben wir eine Reihe Erfahrungsberichte zusammenge-

| Arbeitsbedingungen mögliche Belastungen | |
| — | — |
| gesellschaftlich-ökonomische Rahmenbedingungen | – Arbeitsplatzunicherheit aufgrund schlechter wirtschaftlicher Lage – Rationalisierungsmaßnahmen und deren Folgen für Arbeitnehmer – Fremdbestimmtheit durch gegebene Herrschaftsverhältnisse |
| Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalt | – allseitige Muskelbelastung – einseitige Muskelbelastung – statische Muskelbelastung – Konzentration und Aufmerksamkeit – Störungen und Unterbrechungen – Verantwortung – Arbeitsschwierigkeit – Arbeitsumfang – Zeitdruck – Leistungsnormen – unklare, widersprüchliche Arbeitsaufträge |
| Arbeitsmittel Arbeitsplatz | – Handhabbarkeit von Werkzeugen und Bedienelementen – technische Einrichtungen – Werkstoffe – Arbeitsplatzabmessungen – Unfallgefahren |
| Arbeitsumgebung | – Klima – Lärm – Schadstoffe – Beleuchtung |
| Arbeitszeitorganisation | – Verteilung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit – Nacht- und Schichtarbeit – Überstunden – Gleitzeit |
| Kooperation und soziale Beziehungen im Betrieb | – Einzelarbeit – Gruppenarbeit – Konkurrenz – Konflikte mit Vorgesetzten oder Kollegen – fehlende Anerkennung und Unterstützung |

in: Gesundheitsgefahren bei der Arbeit (rororo 4942), S.18f.

stellt, die die Gefährdungen der Gesundheit auf dem Arbeitsplatz veranschaulichen:

Arbeiten in der Schwerindustrie,
auf einer Lokomotive,
in einem Krankenhaus,
Krise und Stress,
Schicht-Arbeit
mit Asbest

Zentrum dieses Teils ist ein Artikel des Psychologen Marc Oberlé über den gesamten Fragenkomplex der Gesundheit auf dem Arbeitsplatz.

Der zweite Teil stellt einige gesetzlichen Regelungen über Sicherheit und Gesundheit in den Betrieben vor. Insbesondere wird das Jugendschutzgesetz unter die Lupe genommen und die Gewerbeinspektion sowie die gewerbliche Unfallversicherung kritisch beleuchtet. Ein Artikel über Arbeitsmedizin in Luxemburg beschließt diesen Teil.

In etwa einem halben Jahr wollen wir ein ganzes "forum"dossier dem Problem "Arbeitsmedizin" widmen. In der Tat hat uns die Vorbereitung dieses Dos-

sisers "Arbeit und Gesundheit" gezeigt, daß die Arbeitsmedizin in Luxemburg als Stiefkind behandelt wird.

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