Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Gerade diejenigen evangelischen Theologen, die in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil für eine unbefangenere Würdigung der Ansprüche des Papstes auf eine gesamtchristliche Lehrautorität plädiert haben, wie auch der Verfasser dieser Zeilen, werden durch die gegen Hans Küng gerichtete Entscheidung in ihren Bemühungen gleichsam desavouiert. In der Diskussion um Küngs Beiträge zur Unfehlbarkeitsfrage ist die mögliche ökumenische Tragweite seiner Interpretation der Unfehlbarkeit als eines der Kirche verheißenen Bleibens in der Wahrheit, die sich in ihrem Amt in besonderer Weise konkretisiert, kaum beachtet worden. Diese Diskussion ist als eine konfessionelle Binnenangelegenheit geführt worden, obwohl der Anspruch des Unfehlbarkeitsdogmas sich doch auf die ganze Christenheit richtet. Küngs Interpretation, die keine Ablehnung des Dogmas selbst darstellt, hätte zur Grundlage einer Verständigung zwischen katholischen und evangelischen Christen über den „Petrusdienst“ des römischen Bischofs werden können. Daß aber die mit der höchsten Autorität des kirchlichen Lehramts erfolgenden Erklärungen auch in allen Einzelheiten irrtumsfrei sein sollen, trotz der heute von der katholischen Kirche zugestandenen Zeitbedingtheit der Sprache und Denkform auch solcher Äuße-

rungen, das bleibt für den historisch gebildeten Christen, in solcher Allgemeinheit, eine Zumutung, die die Verleugnung vernünftiger Einsicht fordert.

Die Freiheit und Pluralität der Glaubensgedanken ist eine Bedingung des wachsenden Respekts zwischen den verschiedenen christlichen Überlieferungen und damit auch eine Bedingung des Fortgangs ökumenischer Verständigung. Diese Freiheit und Pluralität des Glaubensdenkens äußert sich in besonderer Weise in der Theologie. Wird sie ohne allgemein ersichtlich zwingenden Grund so eingeschränkt, wie das durch die Maßregelung Hans Küngs geschehen ist, dann muß dadurch für die (noch) nicht mit Rom vereinten Christen die Autorität des Lehramts der römischen Kirche aufs neue und in beklemmender Weise in den Geruch der Lehrgesetzlichkeit geraten. Man muß deshalb um der Freiheit der Theologie und um der Zukunft der ökumenischen Verständigung willen hoffen, daß es doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung des „Falles Küng“ kommt, die nicht in einer bloßen Unterwerfung des Theologen besteht.

Professor Dr. Wolfhart Pannenberg D.D.,
Vorstand des Instituts für
Fundamentaltheologie und Ökumene an
der Evangelisch-theologischen Fakultät
der Universität München in: FAZ, 5.1.80

Bei aller
Umstrittenheit mancher Thesen ist meines Erachtens zu bedenken, daß

  1. Hans Küng von den Anfängen seines theologischen Arbeitens her eine Theologie nach außen betreibt, insofern er das Gespräch mit den Christen anderer Konfessionen (und den Nichtchristen überhaupt) sucht. Dieser Grundsatz ist auch als Verpflichtung in seinem Lehrauftrag an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen enthalten: ökumenische Theologie. Aufgrund einer solchen Aufgabe muß er zwangsläufig kirchentrennende Hindernisse aufgreifen wie das Problem der Rechtfertigung oder den Primat bzw. die Unfehlbarkeit des Papstes, und ihre Behandlung in der wissenschaftlichen Theologie kann nicht nur im Blick auf die innerkirchliche Dogmenentwicklung erfolgen. Der Vertreter einer ökumenischen Theologie bewegt sich von seinem Auftrag her im Grenzbereich der katholischen Dogmen und er gelangt so auch zu Anfragen an die eigene Kirche, gelegentlich zu unbequemen. (…)

Prof. Dr. P. Stockmeyer,
in: Süddt. Zeitung 12.-13.1.80

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code