Einleitung ins Heft

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das Jahr 2010 geht zu Ende und das ist eigentlich ganz gut so! Beim besten Willen kann man nicht behaupten, dass es ein besonders erfolgreiches Jahr war. Für die großen Probleme dieser Welt sind keine Lösungen gefunden worden. Angesichts der schieren Maßlosigkeit der Herausforderungen ist das auch nicht verwunderlich: die zweite Welle der Finanzkrise, der angekündigte Zusammenbruch der europäischen Staatsfinanzen und der Gemeinschaftswährung, der Rückzug von Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechten weltweit, die Situation in Ländern wie Haiti, Afghanistan und Irak, dann Klimawandel, Artensterben und Ressourcenverknappung… All das ist mittlerweile einfach eine Nummer zu groß für das von uns für derartige Rettungsaktionen beauftragte Personal.

Aber auch dort, wo die Probleme noch recht überschaubar sind, kommt keine rechte Freude auf. In Luxemburg dürfte das Jahr 2010 tatsächlich als schwarzes Loch in die Geschichte eingehen, politisch gesehen gewissermaßen als non-lieu. Nachdem schon das Jahr 2009 eigentlich nichts gebracht hat, könnte man sich also langsam daran gewöhnen.

Ein Resultat muss man aber den letzten Monaten lassen: Regierung, Patronat und Gewerkschaften, diesen Pfeilern des hiesigen Wohlstandsarrangements, ist es gelungen, sich sowohl selbst als auch gegenseitig die Glaubwürdigkeit nachhaltig zu zerstören. Das Publikum weiß heute tatsächlich nicht mehr, wo es dran ist bei so spannenden Fragen wie Haushaltsdefizit, Steuergerechtigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. An sich ist das eine gute Voraussetzung, damit die Menschen sich wieder einfacheren Fragen zuwenden — dem Radsport zum Beispiel.

Die Gefahr, dass die Bürger sich von der Politik abwenden, lässt sich auch an oberster Stelle belegen: Der Wirtschaftsminister hat angekündigt, dass er es nicht mehr so frustrierend kompliziert haben möchte und mit dem Gedanken an einen Wechsel in die private Wirtschaft spielt, wo Männer der Tat gebraucht werden. Für seine berufliche Zukunft tippen wir auf Bauwirtschaft (Vorbild Roland Koch, CDU) oder Energiewirtschaft (Vorbild Gerhard Schroeder, SPD). Dass er einen eigenen Betrieb aufmachen könnte, halten wir für ausgeschlossen.

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