Eis Landwirtschaft, eist Iessen, eis Natur
déi jonk gréng
Rund 30% vom Haushaltsmüll in Luxemburg sind Lebensmittel, die oft noch in der Originalverpakkung und sogar noch vor dem Verfallsdatum weggeworfen werden. Jährlich werden damit rund 68.000 Tonnen Lebensmittel zerstört, das sind 60 Millionen Euro pro Jahr, die in die Tonne wandern! Zeitgleich findet ein dramatisches Artensterben statt. Immer mehr Pflanzen-, Insekten- und Vogelarten verschwinden. Prominentestes Beispiel für diese verheerende Entwicklung sind die Bienen. Herbizide, wie zum Beispiel Glyphosat, lassen Blütenpflanzen verschwinden und damit auch die Bienen und Schmetterlinge. Pestizide vergiften zusätzlich die Insekten, die die Nahrungsgrundlage vieler Vögel bilden.
Landwirte bewirtschaften und pflegen einen Großteil der Luxemburger Landschaft, aber oft mit zu viel Dünger- und Pestizid-Einsatz auf Monokulturen.
Wir überkonsumieren, ruinieren dabei gleichzeitig unsere Natur – und die Landwirte verdienen immer weniger.
Wir brauchen geschützte Flächen und zusammenhängende Lebensräume für alle Arten. Naturschutzgebiete, Brachen und Hecken verschönern die Landschaft und sind gleichzeitig Rückzugsgebiete für die Natur. Diese ergeben aber nur einen Sinn, wenn die umliegenden Felder nicht großflächig totgespritzt werden.
In den Medien und in der Politik wird oft versucht die verschiedenen Akteure gegeneinander auszuspielen: Naturschutz gegen Landwirtschaft, Biohöfe gegen konventionelle Höfe. Ich habe manchmal das Gefühl, dass bewusst sinnlos aneinander vorbeigeredet wird.
Bei genauerem Hinsehen wird erkennbar, dass wir alle die gleichen Grundinteressen teilen. Keiner will den internationalen Multis unsere Ackerböden überlassen, wie das schon in vielen Entwicklungsländern und in den USA geschehen ist. Wir haben nur ein Land mit sehr begrenzten natürlichen Ressourcen. Die Landwirtschaft ist auch in Luxemburg noch zu industriell und am Weltmarkt ausgerichtet, statt sich mehr am eigenen Markt zu orientierten. Nüchtern betrachtet kann Luxemburg von der Größe her gar nicht mit den oft riesigen Anbauflächen im Ausland konkurrieren. Warum sollen wir das denn überhaupt versuchen?
Lokale und nachhaltige Produktion
Würde Luxemburg sich als kleines Land nicht perfekt dazu eignen, auf eine nachhaltige Landwirtschaft zu setzen und dabei eine Vorbildfunktion für andere Länder und Regionen einzunehmen? Als positiven Nebeneffekt hätten wir zusätzlich saubere Bäche sowie gesünderes und billigeres Trinkwasser in sicheren Mengen, ohne umständliches und kostenintensives Aufbereiten.
Oft wird der jungen Generation vorgeworfen, nur auf Konsum aus zu sein. Das stimmt so nicht. Keine andere Altersgruppe umfasst mehr Vegetarier und Veganer. Meine Generation entscheidet sich auch ganz bewusst für luxemburgische Produkte. Das zeigt sich am Erfolg, den regionale Produkte, wie zum Beispiel luxemburgischer “Cider“, vor allem bei jungen Leuten haben.
Die Lebensmittelverschwendung zeigt, dass wir als Verbraucher keinen realen Bezug mehr zur Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion haben. Dabei könnte es gerade in Luxemburg anders sein, wo dank der überschaubaren Größe des Landes Produzent und Verbraucher nah beieinander sind. Diese geografische Nähe muss genutzt werden, indem die landwirtschaftliche Produktion gezielt auf die Bedürfnisse der hiesigen Verbraucher ausgerichtet wird. Wenn wir Konsumenten in Luxemburg nicht Lebensmittel im Wert von 60 Millionen wegwerfen, sondern dieses Geld gezielt für regionale Bio- und Fairtrade-Produkte ausgeben, unterstützen wir gezielt regionale Kreisläufe, die Bauern müssen wieder ihre Futtermittel selbst anbauen und keine genmanipulierten Sojabohnen aus den Tropenwäldern Asiens und Südamerikas importieren. Durch Energieerzeugung aus Gülle kann unsere Landwirtschaft zum Klimaschutz beitragen und dabei hochwertigen Dünger produzieren. Denn Landwirtschaft und Natur sind keine Gegner, sondern brauchen sich gegenseitig.
Da die EU Kommission jetzt die Agrarsubventionen kürzen will, muss unsere Regierung handeln. Dies kann sie tun, indem sie zum Beispiel transparente Handels- und Produktionsketten von den Äckern und Wiesen bis auf den Teller fördert, damit lokale, nachhaltig erzeugte und qualitativ hochwertige Bio-Lebensmittel zur Verfügung stehen und in öffentlichen Kantinen vorrangig verwendet werden. So können unsere bäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe und unsere Natur erhalten bleiben, unsere Trinkwasserversorgung abgesichert werden und für uns alle gesunde und regionale Lebensmittel zur Verfügung stehen.
Es darf in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelproduktion nicht soweit kommen, dass multinationale Monopole uns kontrollieren, manipulieren und abzocken, wie es im Internet durch Facebook, Amazon und Google bereits der Fall ist. Damit wird unsere Zukunft verspielt.
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