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Einige Thesen aus: Arbeiterinnen kämpfen um ihr Recht Autobiographische Texte rechtloser und entrechteter "Frauenspersonen" in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz des 19. und 20. Jhr. (hrsg. von Richard Kluscarits und Friedrich G. Kürbisch, Peter Hammer Verlag, Wuppertal o.J.)
Die Herausgeber widmen eine etwa dreissigseitige Einleitung dem Thema "Emanzipation und Klassenkampf", aus der hervorgeht, dass man den Begriff "Emanzipation" je nach der sozialen Herkunft seiner Verfechterinnen, verschieden definieren muss. Sehen die bürgerlichen Frauenbewegungen des 19. Jhr. ihre Hauptziele in dem "Recht der Frau auf Bildung, dem Recht der Frau auf Arbeit, dem Recht der Frau auf freie Berufswahl" und versuchen sie diese Ziele durch Erkämpfung von Studienplätzen für Frauen in Gymnasien und Universitäten, durch Protestversammlungen und Petitionen zu erreichen, stellen sie doch nie das bestehende System in Frage; sie sehen deshalb auch keine Notwendigkeit sich für die politische Mitbestimmung der Frauen einzusetzen. Es bleibt bei "dem Kampf um eine individuelle und höchstens um eine gruppenbezogene Emanzipation, um den Aufstieg einzelner, um die Freilegung des Zugangs einzelner Gruppen zu bestimmten Berufen und zu Ausbildungsstätten" (S.26).
Die Herausgeber kommen zu folgendem Befund über die emanzipatorischen Bestrebungen der bürgerlichen Frauenvereine:
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Die im Zuge der industriellen Entwicklung erfolgte Entlassung der Frau aus der für die Familienerhaltung und -ausstattung notwendig gewesene Produktion setzt Kräfte für gesellschaftlich relevante Arbeit frei.
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Zur Aufnahme gesellschaftlich relevanter höherer Tätigkeiten die Mädchen und Frauen aus bürgerlichen Familien bevorzugt anstreben, fehlen ihnen spezielle höhere Töchterschulen und fachliche Ausbildungsstätten, sowie der Zutritt zu Akademien Hochschulen und Universitäten.
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Nach der Aufnahme gesellschaftlich relevanter höherer Tätigkeiten erweisen sich die Männer als Barrieren für die Karriere der Frauen, ausserdem bestehen gesetzliche Bestimmungen und individuelle Beschränkungen, die sogenannten ungeschriebenen Gesetze der (Männer-)gesellschaft, die Frauen am beruflichen Aufstieg und am Eindringen in die berufliche Elite hindern.
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Bürgerliche Frauenvereine emanzipatorischer Richtung betreiben daher von Anfang an und fast ausschliesslich die Schaffung von Ersatzunterrichtsstätten für noch verschlossenes Gymnasialstudium, die Errichtung höherer Töchterschulen und den Zutritt zu Akademien, Hochschulen und Universitäten. In weiterer Folge bemühen sie sich um die Öffnung bisher verschlossener Berufe und um die Freigabe leitender Stellen für Frauen und Mädchen. Dabei treten sie offen gegen den Mann auf, der in "antifeministischer Einstellung" sich dem Bildungs- und Berufsstreben der Frauen widersetzt.
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Im emanzipatorischen Kampf bedienen sich die bürgerlichen Frauenvereine der Öffentlichkeitsarbeit, der Eingabe von Petitionen an Regierung und Parlament, seltener eines "sanften Druckes" durch Sammeln von Unterschriften und Abhalten von Protestversammlungen. Sie operieren ausschliesslich humanitär, indem sie die Unterdrückung der Frau als unnötig, entwürdigend und als einen Verstoss gegen die philosophisch gewonnene Einsicht vom Gleichsein aller Menschen kennzeichnen.
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Bürgerliche Frauenvereine führen keinen Kampf zur Erlangung der politischen Gleichberechtigung speziell des Frauenstimmrechtes. Sie sehen hierfür keine Notwendigkeit, weil sie sich mit dem Staat, von dem sie die angestrebten Rechte erwarten, voll identifizieren und die herrschende Gesellschaftsordnung grundsätzlich bejahen.
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Bürgerliche Frauenvereine betreiben nicht die Befreiung der Frau insgesamt: sie dienen einzelnen Personen oder bestimmten Gruppen, eben jenen die zur Ausübung gesellschaftlich relevanter Arbeit einer höheren Bildung bedürfen, finanziell sich dieses leisten können und ebenso jenen, die den Zugang zu gehobener Tätigkeit und dortselbst einen Aufstieg anstreben.
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Bürgerliche Frauenvereine betreiben nicht die Emanzipation der Frau an sich: weder hinsichtlich einer Veränderung der Rolle der Frau in der Familie, noch hinsichtlich der Aufhebung des "Zölibats" für weibliche öffentliche Angestellte und auch nicht hinsichtlich der gesellschaftlichen Stellung der Mutter unehelicher Kinder; erst spät setzen sie sich für den Schutz der Mütter und Kinder sowie der Arbeiterinnen, für Freiheiten im Vereins- und Versammlungsrecht und für die Beseitigung anderer, die Frauen diskriminierender Gesetze aus dem bürgerlichen und öffentlichen Recht ein. (S.27-29).
Dass der Emanzipationskampf der Arbeiterinnen, der zeitlich später erfolgt, sich auf einer anderen Ebene ansiedeln muss, ist evident, denn "für die Arbeiterin ist nicht ihr Geschlecht der Ansatz für die Emanzipation, sondern ihre Stellung in der Produktion" (S.29).
"Von unserem Standpunkt fällt diese Frage zusammen mit der Frage welche Gestalt und Organisation die menschliche Gesellschaft sich geben muss, damit an Stelle von Unterdrückung, Ausbeutung, Not und Elend die physische und soziale Gesundheit der Individuen und der Gesellschaft tritt. Die Frauenfrage ist also für uns nur eine Seite der allgemeinen sozialen Frage, die gegenwärtig alle denkenden Köpfe erfüllt und alle Geister in Bewegung setzt; sie kann daher ihre endgültige Lösung nur finden durch die Aufhebung der gesellschaftlichen Gegensätze und Beseitigung der aus diesen hervorgehenden Uebel." (August Bebel, Die Frau und der Sozialismus, Einleitung). Die Arbeiterin kann also nur im grossen Kontext des Klassenkampfes des Proletariats für ihrer Emanzipation kämpfen, denn, so Clara Zetkin auf dem Gründungskongress der II. Internationalen: "Die Emanzipation
Sogenannte Klassefrauen
Sind sie nicht pfui teuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die „Klassefrauen“,
weil es Mode ist, die Nägel rot!
Wenn es Mode ist, sie abzukauen
oder mit dem Hammer blauzuhauen,
tun sie’s auch. Und freuen sich
halbtot.
Wenn es Mode wird, die Brust zu
färben
oder, falls man die nicht hat, den
Bauch …
Wenn es Mode wird, als Kind zu
sterben
oder sich die Hände gelbzugerben,
bis sie Handschuhn ähneln, tun sie’s
auch.
Wenn es Mode wird, sich schwarz-
zuschmieren …
Wenn verrückte Gänse in Paris
sich die Haut wie Chinakrepp
plissieren …
Wenn es Mode wird, auf allen
Vieren
durch die Stadt zu kriechen, machen
sie’s.
Wenn es gälte, Volapük zu lernen
und die Nasenlöcher zuzunähn
und die Schädeldecke zu entfernen
und das Bein zu heben an
Laternen —
morgen könnten wir’s bei ihnen
sehn.
Denn sie fliegen wie mit Engels-
flügeln
immer auf den ersten besten Mist.
Selbst das Schienbein würden sie
sich bügeln!
Und sie sind auf keine Art zu
zügeln,
wenn sie hören, daß was Mode ist.
Wenn’s doch Mode würde, zu
verblöden!
Denn in dieser Hinsicht sind sie
groß.
Wenn’s doch Mode würde, diesen
Kröten
jede Öffnung einzeln zuzulöten!
Denn dann wären wir sie endlich
los.
Erich Kästner
in: Publik-Forum Nr. 11/1978
Die auf den SS. 12 und 18 eingefügten Kästen bringen Quellenauszüge von Arbeiterinnen aus dem 19.Jh. selbst, die dem besprochenen Buch entnommen sind.
Arbeiterfrau Hoffmann (1850-1900)
Auch die Frauen haben es heute besser. Sie erhalten heute 1 Mark pro Tag, während sie früher nur 60 Pfennige eroberten. Und dabei laufen sie noch von ihrer Arbeit nach Hause, um das Essen und die Kinder zu besorgen. Ein Mann schafft mehr als eine Frau. Das Geld, das der Mann verdient, verschlägt auch mehr als das der Frau: Die Kinder zerbrechen im Hause allerlei, das muß die Mutter von ihrem Verdienst ersetzen. In die Fabrik kann ich nicht gehen, ich vertrage die Luft dort nicht. Da verdient man aber auch als Frau ein schönes Stück Geld. Die Männer haben noch mehr. Ich halte das auch für recht, daß die Männer besser bezahlt werden als die Frauen.
Was das Verhältnis der Ehegatten in dem ehelichen Leben anbelangt, so soll der Mann das Haupt, die Frau die Krone sein. Dem Mann kann man nichts tun. Ich frage in allem meinen Mann. Wenn einer „hüh“ zieht, der andere „hot“, dann geht es nicht. In mancher Ehe hat die Frau die Hosen an. Das ist nicht recht.
Die Frau muß auch ihr Recht haben; aber der Mann hat mehr Rechte. Er muß ja das Geld verdienen. Es ist noch einmal so schön, wenn der Mann der Herr im Hause ist, wenn er auch einmal mit der Faust auf den Tisch schlägt.
Einer rechten Arbeiterfrau darf es nicht an Kindern fehlen. Der Jude sagt: „Je mehr Kinder, desto besser.“ Jedes Kind bringt ein Stück Brot ins Haus. Die Armen haben meist viele Kinder. Was kann man gegen Gott machen! Aber die Frau bleibt nicht gesund, wenn sie viele Kinder bekommt. Dafür kann kein Mensch. Besondere Pein haben die Mütter durch Zwillinge. Dazu, daß sie den Kindern dienen, sind die Mütter geboren … Wenn keine Kinder wären, wo wollte der Kaiser seine Soldaten hernehmen? Darum sorgt er auch so für die Kinder, und zwar nicht bloß für seine eigenen. Darum läßt er Schulen bauen usw.
Adelheid Popp (vor 1890)
Als ich die Stufen zum Rednerpult hinaufging, flimmerte es mir vor den Augen, und ich spürte es würgend im Halse. Aber ich überwand diesen Zustand und hielt meine erste Rede. Ich sprach von den Leiden, von der Ausbeutung und von der geistigen Vernachlässigung der Arbeiterinnen. Auf letztere wies ich besonders hin, denn sie schien mir die Grundlage aller anderen rückständigen und für die Arbeiterinnen selbst schädigenden Eigenschaften zu sein. Ich sprach über alles das, was ich an mir selber erfahren und an meinen Kolleginnen beobachtet hatte. Aufklärung, Bildung und Wissen forderte ich für mein Geschlecht, und die Männer bat ich, uns dazu zu verhelfen.
Der Jubel in der Versammlung war grenzenlos, man umringte mich und wollte wissen, wer ich sei; man hielt mich zuerst für eine Branchengenossin und forderte mich auf, so, wie ich gesprochen habe, solle ich für das Fachblatt einen Artikel an die Arbeiterinnen schreiben. Das war nun freilich eine böse Sache. Ich hatte ja nur 3 Jahre die Schule besucht, von Orthographie und Grammatik hatte ich keine Ahnung, und meine Schrift war wie die eines Kindes, da ich ja nie Gelegenheit gehabt hatte, sie zu üben. Doch versprach ich, mich zu bemühen, den Artikel zustande zu bringen.
Ich war wie in einem Taumel, als ich nach Hause ging. Ein unnennbares Glücksgefühl beseelte mich, ich kam mir vor, als hätte ich die Welt erobert.
der Frau, wie die des ganzen Menschengeschlechtes, wird ausschliesslich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein."
Weil die "Damen" der bürgerlichen Frauenvereine sich eher für "die Befreiung der einzelnen Frau in ihrem individuellen Schicksal" (S.30) einsetzen und somit auch keine Politik zu machen brauchen – wird Politik in der Behördenpraxis des 19.Jhr. doch folgendermassen definiert: Politik ist alles, was nicht die einzelne Person, sondern die ganze Öffentlichkeit angeht – stösst ihre Öffentlichkeitsarbeit auf keinerlei Hindernisse. Die Organisationen der "Mannweiber, Frauenspersonen, Emanzipationshyänen, Petroleum" (Amtsdeutsch des 19. Jhr.) aber sind ständig von Auflösung bedroht, weil sie sich der politischen Tätigkeit nicht entziehen können. Sie verlangen deshalb als erstes das Frauenstimmrecht, ferner einen ausreichenden Arbeiterschutz, die Abänderung aller die Frauen diskriminierender Gesetze. Sie verfolgen ausserdem weitgestrecktere Ziele: Abbau des Militarismus, des Rassismus, Sicherung des Friedens, international verbürgte Wahrung der Menschenrechte. Nach Analyse der vorliegenden Dokumente kommen die Herausgeber bezüglich des Emanzipationskampfes der Arbeiterinnen zu folgendem Befund:
- Da die Löhne der Arbeiter im Zuge der industriellen Entwicklung die zu einer Konkurrenz auf dem Arbeits- und Absatzmarkt führt, laufend sinken und den Unterhalt der Familie nicht mehr sichern, sind Frauen und Mädchen zu einem "DAZU-Verdienst" durch Heimarbeit oder ausserhäusliche Erwerbstätigkeit gezwungen. Durch ihren Eintritt in die Produktion gerät die Arbeiterin in die gleiche soziale Abhängigkeit zum Arbeitgeber wie der Mann, was eine Gleichstellung der Geschlechter im Arbeitsleben bedeutet.
- Die gegenüber dem Mann geringere Schulbildung und geringere körperliche Kraft, die durch die Maschine nicht immer wett gemacht wird, sowie ihre durch die Bindung an die Familie geringere Mobilität, zwingen die Arbeiterfrauen und -mädchen zur Annahme jeder Arbeit und unter jeder Bedingung, was sich in einem geringeren Lohn niederschlägt. Diese von der Arbeiterin als ungerechtfertigt empfundene Schlechterstellung weckt in ihr den Wunsch nach einer Veränderung, die sich gegen den Verursacher (das ist die Gesellschaftsordnung) richtet, nicht gegen den Mann.
- Uebereinstimmende Erfahrungen, die Arbeiter und Arbeiterinnen im Erwerbsleben gewinnen und in gleicher Weise als gegen beide gerichtet erkennen, führen zu ihrer Solidarisierung; gemeinsam geführte Arbeitskämpfe fördern die Einsicht, dass nur gemeinsames Handeln die angestrebte Veränderung des Gesellschaftssystems herbeiführt und tragen zur Bildung des Klassenbewusstseins bei.
- Emanzipatorische Bestrebungen der Arbeiterinnen und Arbeiter erschöpfen sich daher nicht im Kampfe um eine augenblickliche und partielle Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebenssituation, sondern richten sich insgesamt gegen die herrschenden Machtverhältnisse, die der politischen, ökonomischen und sozialen Entfaltung der Arbeiterklasse entgegenstehen. Die solcherart angestrebte totale Emanzipation die durch den Klassenkampf herbeigeführt werden soll, ist notwendigerweise revolutionär und auf die Arbeiterklasse bezogen, kollektiv.
- Der durch die ökonomische Lage bedingte Zwang zur Arbeit trifft – anlagebedingt – die Arbeiterfrauen und -mädchen besonders schwer. Sie fordern
(Dessin de CHENEZ.)
daher aus existenziellen Gründen über den allgemeinen Arbeiterschutz hinausgehende Bestimmungen die bei der Erwerbsarbeit ihre Lage als Frau und Mutter berücksichtigen und damit erst die volle Gleichstellung beider Geschlechter auf diesem Sektor gewährleisten.
- Die Heimarbeit und noch stärker die ausserhäusliche Erwerbsarbeit bringt der Arbeiterin als Frau und Mutter eine doppelte Belastung: die auf ihr lastende "traditionelle" Hausarbeit, der sie nach Arbeitsschluss nachgehen muss, führt zwangsläufig ihre frühe physische und psychische Erschöpfung herbei und im weiteren die Auflösung der proletarischen Familie. Die emanzipatorische Forderung der proletarischen Frauen nach einer rechtlichen Sicherung ihrer Stellung als Frau und Mutter, durch die sie im familiären Bereich die volle Gleichstellung mit dem Mann erhalten würde, ist in theoretischen Diskussionen versandet und für die Zeit nach Erlangung der sozialistischen Zukunftsgesellschaft zurückgestellt worden.
- Bei den gegebenen Herrschaftsverhältnissen erblickt die proletarische Frauenbewegung in dem Frauenstimmrecht, dem sie eine eminent emanzipatorische Wirkung zuspricht, eine geeignete Waffe, in allen einschlägigen Gremien die Interessen der erwerbstätigen Frauen zu vertreten und in Parlamenten, zusammen mit den Männern, die Forderungen der Arbeiterklasse insgesamt und die speziellen Wünsche der Arbeiterinnen (Aenderung des Ehe- und Familienrechtes, gesetzlich gesicherte Schwangerschaftsberatung und -abtreibung, nach Aufhebung des § 218 u.a.m.) zum Durchbruch zu verhelfen.
- Die Revolutionen in Deutschland und Oesterreich im Jahre 1918 haben den Frauen das Frauenwahlrecht und alle sonstigen politischen Rechte gebracht. Mit der politischen Gleichberechtigung ist das Ziel des proletarischen Emanzipationskampfes jedoch nicht erreicht … (S.35-37)
Zusammenfassend kann man also festhalten, dass die bürgerlichen Frauenvereine eine individuelle, gegen den Mann als Berufspartner gerichtete Emanzipation angestrebt haben, jedoch nie und unter gar keinen Umständen das bestehende Sozialgefüge in Frage gestellt haben. Die Proletarierinnen dagegen erstreben eine kollektive Emanzipation, zusammen mit dem Mann, der genauso wie sie dem Arbeitgeber ausgeliefert ist. Revolutionär ist ihre Emanzipation auf jeden Fall, denn conditio sine qua non für diese kollektive Emanzipation ist die Beseitigung der herrschenden Macht- und Klassenverhältnisse.
Simone Baldauff-Beck
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