Fördern statt auslesen

Der technische Unterricht am Scheideweg

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Der technische Unterricht am Scheideweg

74 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen haben keine Berufsausbildung. Über hundert Lehrstellen stehen offen. Hat die berufsbildende Schule versagt?

Kurz vor den Neuwahlen und dem Koalitionswechsel von 1979 hatte die Abgeordnetenkammer mit breiter Mehrheit den "Enseignement secondaire technique" geschaffen, der die alten Mittelschule, Handwerkerschule und Berufsschule ersetzte. Angesichts nicht abreißender Kritik, vornehmlich aus Kreisen des Handwerks und des Handels, hat der aktuelle Erziehungsminister schon öfters am EST herumreformiert. Trotzdem sind die Berufskammern nicht zufrieden. Auch der Unmut der Lehrer, die den Leistungserfall der Schüler beklagen, wächst stetig. Grund genug für "forum", diesen Schulzweig, den die Mehrzahl aller Postprimären-Schüler besuchen, einmal unter die Lupe zu nehmen.

Angesichts seiner sehr komplexen Strukturen ist es aber nicht leicht, die Realität des EST zu erfassen. Hier wird das auf zwei Wege versucht: Ein erster Beitrag trägt statistisches Material über unser Schulwesen zusammen, während ein zweiter dem Phänomen auf erzählerische Art und Weise nahezukommen versucht. Er beschreibt die Schule, indem er einige fiktive, aber typische Schülerlaufbahnen verfolgt. Ein dritter Artikel setzt sich mit der Stellung und der Rolle der Lehrer im EST auseinander und macht sich Gedanken über deren Ausbildung.

Fördern oder Auslesen – Chancengleichheit oder An-

passung an den Arbeitsmarkt? Zwischen diesen beiden Polen pendelt jede Berufsausbildung. Dieses Dilemma wird mit dem Engagement des Praktikers diskutiert. Mit der Kritik der Berufskammern setzt sich ein weiterer Artikel auseinander und zeigt, daß man die Schule nicht für alle Probleme verantwortlich machen kann. Abschließend wird versucht, positive Leitgedanken zu entwickeln, wie es im EST anders weitergehen könnte.

Obschon das "forum"-Dossier sehr umfangreich geworden, wurden einige Aspekte der Problematik bewußt ausgeklammert: Es fehlt z.B. die Frage der Ausländerkinder im EST. Wer hier liest, mit welchen Schwierigkeiten die Luxemburger Kinder zu kämpfen haben, kann sich deren um so kompliziertere Situation leicht ausmalen. Doch dazu bedarf es eines eigenen Dossiers. Es fehlt hier auch die Auseinandersetzung mit dem Modell der Gesamtschule (und den Erfahrungen mit dem "Tronc commun" in Düdelingen). Auch die betriebliche Lehre wurde nicht untersucht. Hingewiesen sei aber noch auf das Dossier in "forum" Nr.69/Jan. 1987 (noch erhältlich) über die "Filière III und verbarrikadierte Berufschancen"; die dort angeprangerten Mißstände wurden seither nur teilweise behoben.

Die Autoren hoffen auf eine breite Diskussion ihres Dossiers, nicht nur in den Kreisen des EST. Auch der klassische Sekundarunterricht mit seinen elitären Bildungsvorstellungen ist angesprochen. Und letzten Endes muß Erziehungspolitik Resultat einer gesamtgesellschaftlichen Debatte sein. Wir hoffen, dazu beigetragen zu haben.

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