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Die vollständigen Resultate der in Nr.53 lancierten "forum"-Umfrage können wir noch nicht vorlegen. Unser EDV-Fachmann Jupp Wagner hat sie noch nicht ganz auswerten können. Einige Resultate und Kommentare seien heute aber schon veröffentlicht, dann brauchen wir nicht alles in einen Beitrag zu verpacken.

Zuerst möchten wir auf die Antworten zu Frage 16 betreffend Vorschläge für kommende Dossiers eingehen. In einem 2.Teil werden desweiteren einige "freie Bemerkungen" (Frage 20) kommentiert.

Obschon nicht alle Leser Vorschläge für Dossiers machten, gab es deren wegen mehrfacher Vorschläge über 50! Sie seien hier gruppenweise zusammengefasst:

a) JUGENDPROBLEME: Schulpolitik, Rechte und Pflichten der Schüler und Studenten, Sexualerziehung, Jugendkriminalität, Freizeitgestaltung, Jugendvereine, Internate;
b) SOZIALE PROBLEME: Drittes Alter, Familienpolitik, Generationskonflikte, Homosexualität, Prostitution, Armut, Auslander in Staatswohnungen;
c) WIRTSCHAFTSKRISE, ARBEITERPROBLEME: Arbeitslosigkeit (insbes. von Jugendlichen), Krisenbekämpfung, ARBED-Finanzierung, Gewerkschaften, Sozialpolitik, Arbeitnehmerstatute, Akademiker im Berufsleben;
d) KULTURpolitik, kulturelle Situation, Literatur in Luxemburg, Filmzensur, Fernsehen, Werbung;
e) ZUKUNFTSFRAGEN: Ökologie und Wirtschaft, Atomenergie, Umweltschutz, Mensch-Wissenschaft-Technik -Umwelt, Pestalozzi, Perspektiven für die Welt, engagierte Gruppen in Luxemburg;
f) NORD-SUD-KONFLIKT: Entwicklungshilfe, unsere Essgewohnheiten und ihre Folgen;
g) RELIGIOSES: Die Bibel-Gottes Wort?, Evangelium heute, Kirche in der 3.Welt, moderne Heilige, Laien/Frauen in der Kirche, Küng, kirchliche Institutionen und Organisationen in Luxemburg, der Skandal der 1.Kommunion, Ehevorbereitung;
h) GESUNDHEITswesen, Spitäler, alternative Medizin
i) EINZELTHEMEN: Parteiensystem, Politik und private Bereicherung, Steuerpolitik, Polizei und Privatpolizei, Liberalitätsprobleme in Luxemburg.

Bei manchen Vorschlägen müssen wir zugeben, uns nichts Rechtes drunter vorstellen zu können. Andere, insbesondere solche die mehrfach genannt wurden, werden wir sicher berücksichtigen (z.B. Drittes Alter, Jugendfragen). Einzelne Vorschläge haben wir eher vor, in unsern Rubriken zu behandeln (z.B. Kulturpolitik, Krisenbekämpfung, Nord-Süd-Konflikt,…)

Manche Vorschläge haben uns auch gewundert, weil wir dem Thema schon mal ein Dossier gewidmet haben, wenn ihm nicht sogar eine ständige Rubrik zusteht. Wir nehmen an, dass sie von Lesern stammen, die "forum" erst vor kurzem kennengelernt haben. Für sie wollen wir deshalb nachstehend eine Liste aller schon behandelten Themen veröffentlichen. Solche die mit einem Asterix * versehen sind, sind

nur noch in kleinen Mengen vorhanden, solche mit zwei ** sind völlig vergriffen. Sie sind in der Nationalbibliothek nachzulesen. Alle anderen kann man aber noch bei der Redaktion anfordern (bis Nr. 26 zum Preis von 25 F, ab Nr 27 je 30 F; Mengenrabatt von 10% ab 10 Stück von einer Nummer). Neuen Abonnenten werden wir diese Liste in Zukunft aktualisiert jeweils zustellen, sozusagen zur Begrüssung.

Hier die Liste vergangener "forum"-Dossiers (zu Anfang gab es nicht in jeder Nummer ein eigentliches Dossier):

1976 Nr 4: Entwicklungshilfe/ UNCTAD **

Nr 9: Strafjustiz unter Anklage **

Nr 10: Atomenergie **

1977 Nr 12: Aufrüstung/Waffenhandel **

Nr 13: Le logement, marchandise à problème**

Nr 14: Unser Glaube an die Auferstehung **

Nr 15: Kirche, Synode und L.W. **

Nr 16: Immigrés – intégrés? **

Nr 17: Teufelsangst aktuell? **

Nr 20: Atomdossier II **

1978 Nr 21: Freiheit in der BRD **

Nr 22: Privatschulen **

Nr 23: Marienverehrung **

Nr 24: Abtreibung **

Nr 25-26 Arbeitslosigkeit **

Nr 27: Strafjustiz und Strafvollzug *

Nr 28: Geschenkmanie **

1979 Nr 29: Sanierung von Stadtgrund **

Nr 30-31: Demokratie in Luxemburg: Wahlen ohne Wahl?

Nr 32-33: Frauen

Nr 34: Drogen **

Nr 35: Verkehrspolitik I (national) **

Nr 36: Scheidung **

1980 Nr 37: Küng-Affäre *

Nr 38: Erziehungsheime **

Nr 39: Verkehrspolitik II (Stadtverkehr)

Nr 40: Jugend und Kirche

Nr 41: Sport

Nr 42: Kino in Luxemburg

in: Le Monde, 5/7/81

Nr 44: Spracherziehung in der Primärschule**

1981 Nr 45: Kirche und Staat

Nr 46: Lärmbelästigung
Nr 47: Droit de vote aux immigrés
Nr 48: Behinderte
Nr 49: Demokratie in den Gemeinden
Nr 50: Presse in Luxemburg
Nr 51-52: Friede und Abrüstung*

1982 Nr 53: Wohnungsnot*

Nr 54: Arbeiter und Kirche*

Schon in allernächster Zukunft werden einige Leser ihren Wunsch in Erfüllung gehen sehen. Nicht nur das Thema dieser Nummer steht ja auf obiger Vorschlagsliste, auch das Dossier der Nr.56: Armut in Luxemburg ist dort genannt (Redaktionsschluss für eventuelle Mitarbeiter: 15.4.1982!). Nr. 57 wird dem Thema der "nationalen Identität" gewidmet sein: Beiträge unserer Leser sind dringend erwünscht: "Mir wëlle bleiwe wat mer sin" oder …? Voraussichtlicher Redaktionsschluss: 10.6.82.

Wir wollen anschliessend kurz auf die persönlichen Bemerkungen eingehen, die über die Hälfte der 56 Antwortbögen enthielt. Sie reichten von: "forum" ist die qualitativ BESTE Publikation Luxemburgs! Weiter so!" bis zu: "Guter Wille übersetzt in unleserlichen Quatsch"; von 32 persönlichen Antworten sind allerdings 25 überwiegend bis ausschliesslich positiv.

Vor allem eine Kategorie wollen wir jedoch herausgreifen, die sich z.B. (in Auszügen) so liest: "Nur steigt manchmal in mir die Frage hoch, ob manche Leute nicht einfach Kritik um der Kritik willen üben. Ist ihnen genausoviel an einem positiven Beitrag zu einer besseren Welt, einer christlicheren Kirche gelegen? Kritik ja, aber auch (ich sage nicht, dass sie in ‚forum‘ ganz fehlen!) mehr Denkanstösse, wie man es auch im einzelnen besser macht, und wenn die Schritte auch noch so klein sind."

"Quelle est la suite à un dossier dans ‚forum‘? Résultat pratique?"

"Der Kraftaufwand, um nur oder hauptsächlich Negatives zu bearbeiten ist viel zu hoch. Ein Teil könnte zur Ausarbeitung konkreter Lösungen verwendet werden. Leider gewinnt man den Eindruck als würden hauptsächlich enttäuschend und unzufriedene (frustrierte) Mitarbeiter ‚forum‘ gestalten und vertreiben".

"Gibt gute Denkanstösse …"

"J’ai fort apprécié votre dossier ‚Spracherziehung‘ même et surtout pour ses conclusions: vous avez montré des voies en indiquant clairement leurs avantages et leurs désavantages. Des conclusions pareilles n’auraient-elles pas été pos-

possibles pour d’autres (pas tous!!!) dossiers? d’autres dossiers à venir?"

Ehrlich gesagt, wir hatten mehr solcher Bemerkungen erwartet, (insgesamt 7 Leser schneiden das Thema an), vor allem, da wir auch in der Redaktion öfter ähnliche Überlegungen anstellen. Zu Frage 13: "Ich finde ‚forum‘ zu negativ im Ton", antworteten 12 Leser manchmal, 2 gewöhnlich, keiner oft und drei schrieben die Bewertung nie zu negativ hinzu. Viele Leser scheinen schon die Fragestellung zu negativ empfunden zu haben. Doch darüber später mehr.

IST ‚FORUM‘ ZU NEGATIV?

Der Vorwurf, nur oder fast nur Negatives zu zeigen wird nicht nur ‚forum‘, sondern der ganzen Presse, sogar dem Fernsehen, oft gemacht. Wir finden, dass tatsächlich vieles in unserer Gesellschaft verbesserungswürdig ist, vieles, was ausserdem in der grossen Presse kaum angesprochen wird. Die Probleme sind schon mit den Themen aller rezenten forum-Dossiers gegeben. Dazu war es unmöglich, Zufriedenheitsidylle zu schildern. Gegenfrage also: War eines dieser Dossiers überflüssig? Die aufgeworfenen Probleme belanglos? Oder die Aussagen in der Sache falsch? Oder besser nicht gemacht? Wir suchen sie aus nach unsern Arbeitsmöglichkeiten und ihrer Wichtigkeit und meinen deshalb, Heile-Welt-Malereien einem andern Teil der Presse überlassen zu müssen, schon aus Platz- und Zeitmangel.

Damit ist der Einwand der Leser jedoch keineswegs entkräftet, wäre jedoch besser formuliert in der Frage: Macht ‚forum‘ mutlos? Könnte man diese Frage bejahen, gäbe es jedenfalls unsere Zeitschrift besser nicht. Wir wollen, wie schon gesagt, nämlich nicht einfach Schlechtes beschreiben sondern Verbesserungswürdiges. Und damit wären wir bei der zweiten Frage:

MACHT ‚FORUM‘ NICHT GENUGEND LOSUNGSVORSCHLÄGE? Nein. Und deshalb ist auch die Redaktion oft frustriert. Nicht von Geburt aus, wie ein Leser freundlicherweise meint, sondern weil wir bei so vielen Problemen sehen, wie wenig wir ausrichten können. Nur: Wer es besser kann, der werfe den ersten Stein. Wir sind für jeden Lösungsstein dankbar. Schön wäre es, wenn ‚forum‘ in einer Art Denkfabrik zu jedem "negativen" Artikel die Lösungen mitliefern könnte. Wir könnten damit Regierung und Gewerkschaften ersetzen. Aber wir sind frustriert …

Doch im Ernst: Da, wo wir uns kompetent fühlen, da, wo kompetente Mitarbeiter es können, machen wir Vorschläge, wenn es uns nur möglich ist. Ein Beispiel dazu war das Sprachendossier, da verschiedene Mitarbeiter in diesem Bereich tätig sind und auch jetzt noch darin arbeiten. Und wenn

bis heute schon Positives zu vermelden wäre, hätten wir es getan.

Wir müssen uns notgedrungen meist auf das beschränken, was trotzdem unserer Meinung nach eines der gewichtigsten Argumente für unsere Daseinsberechtigung ist: Instrument sein, Probleme bewusst zu machen und zu erfassen, dadurch, dass wir sie möglichst strukturiert vor die Öffentlichkeit tragen. Also Instrument sein öffentlicher Kommunikation, lies Forum! Das ist eine erste Etappe zur Lösung. Auch "forum" schreiben ist also Aktion. Was darüber hinaus möglich ist, ist meist genau so Sache der Leser wie der Schreiber!

Wir wollen nicht den Lesern die Welt madig machen.

Dans la révolte, l’homme se dépasse en autrui … Je me révolte, donc nous sommes."

Albert Camus,
L’Homme révolté, 1951

Aber das, was madig ist, auch madig nennen, damit es (vielleicht) besser gemacht werden kann. Denn man muss zuerst die richtigen Fragen stellen, ehe man die richtigen Antworten geben kann. "forum" wirft viele Fragen auf. – Mehr können wir oft leider nicht. Ein Leser fordert uns auf, auch Aufrufe zur Aktion zu publizieren. Gerne! Schreiben wir! Lösen wir! Packen wir’s an! Wir brauchen eine Armee von Weltverbesserern!

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