Geburtsbedingungen in Luxemburg

Erste Resultate der Umfrage der "Initiativ Liewensufank"

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Erste Resultate der Umfrage der "Initiativ Lierwensufank"

Von November 1986 bis Februar 1987 verschickte die "Initiativ Lierwensufank" 990 Fragebögen an Eltern, die während dieser Zeit ein Kind bekommen hatten. Unser Ziel war eine objektive, repräsentative Bestandsaufnahme der Geburtsbedingungen in Luxemburg.

Es kamen 477 Fragebögen zurück, womit die Rücklaufquote 48,2% beträgt. Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Eltern, die in der Referenzperiode ein Kind bekamen, erreichten wir 33,9% von diesen Eltern. Die auf diese Weise zusammengestellte Stichprobe entspricht in allen wichtigen Variablen, mit Ausnahme der Nationalität (der Prozentsatz der erfaßten Ausländer war zu gering), der Vergleichsbevölkerung.

Inzwischen sind die Fragebögen ausgewertet (146 Fragen je Fragebogen) und die Resultate werden in den nächsten Wochen veröffentlicht. Hiermit möchte die I.L. eine verstärkte öffentliche Diskussion zum Thema anregen, um die Bedingungen rundum Schwangerschaft und Geburt in Luxemburg zu verbessern. Im nachstehenden Artikel werden die wichtigsten Resultate aus allen Sparten dargestellt, ohne dabei allerdings auf die jeweiligen Zusammenhänge oder Ursachen einzugehen. Letztere können in unserer Veröffentlichung nachgelesen werden.

1. Schwangerschaft

– Arztvisite

Bei einem Drittel der schwangeren Frauen dauert eine Arztvisite durchschnittlich weniger als 15 Minuten. Wenn man bedenkt, wieviel Zeit hiervon allein für die Untersuchung benötigt wird, kann man sich ausrechnen, wie wenig Zeit für Information übrigbleibt. Wir haben untersucht, wie die Frauen die Information des Gynäkologen zu den wichtigen Themen wie Schwangerschaft, Geburt, Medikamente und Eingriffe bei der Geburt, Stillen und Rooming-in einschätzen. Hierbei haben wir festgestellt, daß oft nur sehr mangelhaft informiert wird.

– Ultraschalluntersuchungen

Bei 44,2% der Schwangeren werden mehr als 3 Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft gemacht. Hierbei konnten wir jedoch feststellen, daß die Zahl der Ultraschalluntersuchungen, je

nach dem behandelnden Gynäkologen sehr unterschiedlich ist.

– Geburtsvorbereitungskurse

40,9% der schwangeren Frauen besuchen einen Geburtsvorbereitungskurs. Wir konnten eine ganze Reihe von Faktoren aufzeigen, die die Entscheidung zum Kursbesuch beeinflussen.

Es werden verschiedene Kurse angeboten:

37,9% besuchen einen Kurs in einer Geburtsklinik
30,9% besuchen den Kurs eines Kinesitherapeuten
19,5% besuchen den Kurs beim Gynäkologen
7,2% besuchen den Kurs einer Hebamme.

Beim Vergleichen der üblichen Kurse mit dem Inhalt eines "Idealkurses" und beim Vergleichen der Kurse untereinander fanden wir heraus, daß die einzelnen Kurse sehr unterschiedlich sind, was den Informationsgehalt betrifft.

– Berufstätigkeit und Mutterschutz

53,5% der Frauen sind berufstätig während der Schwangerschaft. Von den Erstgebärenden waren es 77,4%. Wir mußten feststellen, daß die gesetzlichen Bestimmungen zum Mutterschutz auf dem Arbeitsplatz oft nicht eingehalten werden. Diese Resultate wurden schon Anfang Dezember als Leserbrief veröffentlicht. Darin wurden die zuständigen Minister, die Arbeitgeber und die Gewerkschaften aufgefordert für eine bessere Einhaltung zu sorgen. Leider haben wir bis heute noch keine Reaktion von den angesprochenen Stellen erfahren.

2. Die Geburt

Wir haben festgestellt, daß nur 64,5% der befragten Frauen eine normale Geburt hatten. In den anderen Fällen mußte die Geburt per Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt beendet werden. Wir haben nachgewiesen, daß in den verschiedenen Geburtskliniken in Luxemburg signifikante Unterschiede bestehen, was den Geburtsverlauf anbelangt.

Außer dem Geburtsgewicht des Kindes, der Parität (wievieltes Kind?) und auftretenden Komplikationen haben wir untersucht, ob nicht noch andere Faktoren den Geburtsverlauf beeinflussen. So haben wir uns beispielsweise mit der Wirkung des Kreißsaales auf die Gebärende befaßt und dabei sehr unterschiedli-

64,5% der Frauen hatten eine normale Geburt

Geburtseinleitung,
Periduralanästhesie,
operative Geburtsbeendigung, Dammschnitt gehören in manchen Kliniken schon fast zur Routine

che Bewertungen der Räumlichkeiten in den Kliniken erhalten.

Auch der Beistand durch die Hebamme und den Gynäkologen sowie die Rolle des Partners bei der Geburt werden in unserer Untersuchung dargestellt.

Die Bewegungsfreiheit der Frauen während der Eröffnungsphase kann den Geburtsverlauf entscheidend beeinflussen. Die Möglichkeit zur Mobilität während der Wehen ist in den meisten Kliniken nicht ausreichend gegeben. Daß noch nicht einmal die Hälfte der Frauen sich frei bewegen konnten, hängt sicherlich auch mit der technischen Überwachung während der Geburt zusammen. Auch die Tatsache, daß fast die Hälfte der befragten Frauen Wehenmittel erhielten, spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Überhaupt haben wir festgestellt, daß sehr häufig in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird. Geburtseinleitung, künstliche Eröffnung der Fruchtblase, Periduralanästhesie, operative Geburtsbeendigung, Dammschnitt gehören in manchen Kliniken schon fast zur Routine. Daß alle diese Eingriffe nicht ohne Folgen und Risiken sind, versuchen wir eingehend zu erörtern und zu beweisen. Während der Austreibungsphase nehmen die meisten Frauen eine flache Rückenlage (50,6%) oder eine halbsitzende Position im Gebärbett (44%) ein. Andere Positionen zum Pressen (wie z.B. Stehen, Hocken, Seitenlage, auf den Knien) sind die Ausnahme.

Laut unserer Umfrage scheint man in unseren Kliniken sich Mühe zu geben, was die Atmosphäre bei der Geburt des Kindes angeht. Allerdings wird in den meisten Kliniken die Nabelschnur ziemlich früh durchtrennt, was eine abrupte Umstellung für den Atmungsbeginn des Kindes bewirkt.

Was die operative Geburt anbelangt, so haben wir uns in einem separaten Kapitel mit der Anästhesieform bei Kaiserschnitt sowie dem ersten Kontakt zwischen Eltern und Neugeborenen in dieser Situation befaßt. Abschließend zu diesem Thema veröffentlichen wir persönliche Geburtseinschätzungen von Frauen.

Nach der Geburt

Zu diesem Punkt haben wir den Gesundheitszustand der Mütter erfragt, sowie ihr Befinden nach der Geburt und während des Aufenthalts auf der Entbindungsstation. Hierbei konnten wir einige Faktoren aufzeigen, die den häufig auftretenden "Heultag" beeinflussen.

Was die Dauer des Klinikaufenthalts anbelangt, haben wir festgestellt, daß in Luxemburg die ambulante Geburt nicht häufig ist. Am 5. Tag nach der Geburt waren aber innerhin schon 40% der befragten Frauen wieder zuhause. Die Frauen beurteilen ihre Betreuung auf der Wochenbettstation in den einzelnen Kliniken sehr unterschiedlich.

Was die Besuchszeit betrifft, so konnten nicht alle Väter ihre Frau während ihres Klinikaufenthalts uneingeschränkt besuchen, die Gepflogenheiten sind von Klinik zu Klinik sehr verschieden. Überall jedoch durften die älteren Kinder der Familie ihre Mutter besuchen. Ob Vater und Geschwister Kontakt zum Neugeborenen haben, hängt von einer Reihe von Faktorenab, wobei die Wahl der Entbindungsklinik der ausschlaggebende ist.

Das gleiche gilt für Mutter-Kind-Kontakte. So wurden im Landesdurchschnitt 73% der Babys gleich nach der Geburt auf den Bauch der Mutter gelegt. Leider aber konnten die meisten von ihnen nicht sehr lange dort verweilen. Die Faktoren, die diesen Hautkontakt und dessen Dauer beeinflussen, haben wir herausgearbeitet und kommentiert; dies trifft ebenfalls zu, was das Zusammensein der Eltern mit ihrem Baby (nachdem es gewogen, gemessen, gebadet und angekleidet wurde) angeht. Der Mutter-Kind-Kontakt auf der Wochenbettstation ist auch sehr unterschiedlich: 24% der Mütter hatten Rooming-in, dagegen konnten 10% der Babys überhaupt nicht zu ihrer Mutter aufs Zimmer. Selbstverständlich wurden auch zu dieser Begebenheit Ursachen und Einflüsse herauskratzalisiert.

Stillen

75% der erfaßten Frauen wollten ihr Kind stillen und begannen auch damit. Wir haben ermittelt, wer zum Stillen ermuntert oder davon abrät. Wir haben festgehalten, wann die Kinder zum ersten Mal an die Brust gelegt wurden und nach welchem Prinzip sie fortan gestillt wurden. Der Einfluß dieser beiden und anderer Faktoren (wie z.B. Stillschwierigkeiten, Zufüttern, Werbegeschenke) auf die Dauer des Stillens wurde ermittelt. Interessant dürften hierbei auch die Vergleiche mit den aufgeführten ausländischen Statistiken sein.

Was die Stilldauer betrifft, so wurde schon 29% der Säuglinge im ersten Monat nach der Geburt abgestillt. Ende des dritten Monats waren 65,4% der Babys abgestillt. Am Ende des 6. Monats wurden noch 15,9% der Kinder gestillt; als die erfaßten Babys 1 Jahr alt waren, wurden noch 4,2% von ihnen gelegentlich an die Brust gelegt; 4 von ihnen fanden

noch nach ihrem 2.Geburtstag Geborgenheit und
Nahrung an der Mutterbrust.

Durch die Longitudinalstudie über die Stilldauer
konnten wir ermitteln, welche Faktoren den Stiller-
folg begünstigen. Durch entsprechende Zitate und
Kommentare entwickelte sich das Kapitel über das
Stillen zu einem Ratgeber für jede stillende Mutter,
der aufzeigt, was sich negativ bzw. positiv auswirken
kann.

Für die "Initiativ Liewensufank":
Maryse Lehners, Corinne Lauterbour,
Christiane Thommes.

Die Resultate, die Zusammenhänge und Kom-
mentare zu der gesamten Umfrage sind ab
April als Buch unter dem Titel "Kinder kriegen
in Luxemburg" erhältlich bei der Initiativ Lie-
wensufank.

Sie können sich jetzt schon Ihr Exemplar zum
günstigen Vorbestellpreis sichern durch Über-
weisen von 250F +40F/Porto auf das Konto
CCP 48465-62 der "Initiativ Liewensufank" mit
dem Vermerk: Kinder kriegen in Luxemburg.

Das Buch wird ihnen dann gleich nach Er-
scheinen zugeschickt. Später wird es 320F +
40 F/Porto kosten.

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