Gedibbers, kapores, Schlamassel
Das Jiddische im Luxemburgischen
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Zurzeit ist es wieder in aller Munde: Jiddisch. Jean-Claude Juncker spricht jiddisch, Angela Merkel und mit ihnen alle Analysten der „Griechenlandkrise“ – zumindest nehmen sie Anleihen aus dem Jiddischen. Von der drohenden „Pleite“ ist die Rede und davon, dass die europäischen Milliardenhilfen „flöten gehen“. Über der Akropolis kreist der „Pleitegeier“. An den Stammtischen fragt man sich, welche „Ganoven“ den großen „Reibach“ gemacht und so den ganzen „Schlamassel“ angerichtet haben und fordert weiter: Schluss mit dem „Schmusekurs“ der EU! Schließlich gebe es auf der Welt nichts „für lau“.
All diese gängigen Ausdrücke der Alltagssprache gelangten über das Jiddische in die deutschen Mundarten und schließlich ins Standarddeutsche und Luxemburgische (siehe Tabelle 1; die Schreibung der Belege richtet sich grundsätzlich nach dem jeweiligen Textzeugen, weshalb sie von der modernen luxemburgischen Schreibung abweichen kann).
Bevor wir uns der Übernahme solcher Ausdrücke widmen, sollten wir zunächst die Sprachen selbst kurz betrachten.
Das Luxemburgische hat sich von einem moselfränkischen Dialekt zu einer modernen Nationalsprache entwickelt. Anfangs galt auch das Luxemburgische als eine Variante des Deutschen, als „Lëtzebuerger Däitsch“ oder „onst Däitsch“, wie es die Schlussverse einer Theateraufführung von 1856 des Dichters Edmont de la Fontaine belegen. Aber nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Luxemburgische ausdrücklich der Abgrenzung vom Deutschen. Seit dem Sprachengesetz von 1984 ist Luxemburgisch alleinige Nationalsprache
des Großherzogtums und wird flankiert von den Amtssprachen Französisch und Deutsch. Durch die historische Territorialbildung und die Lage an der germanisch-romanischen Sprachgrenze haben Elemente der Nachbarsprachen, vor allem des Französischen, Eingang in die Sprache gefunden.
Die Geschichte des Jiddischen beginnt etwa 800 Jahre früher als die des Luxemburgischen. Es bildet sich etwa ab dem 10. Jahrhundert heraus, als größere jüdische Gruppen auf deutschsprachigem Gebiet siedeln und die mittel- und oberdeutschen Mundarten ihrer Umgebung übernehmen. Auch die frühen Jiddischsprecher nannten ihre neue Sprache schlicht „daitsch“. Doch von Anfang an bleiben in ihr Eigenheiten in Wortschatz und Grammatik aus der vordeutschen Periode erhalten, die das Jiddische aus der Sicht der modernen Sprachwissenschaft bereits zu Zeiten seiner Entstehung vom Deutschen trennen. Das sind zunächst Elemente anderer jüdischer Sprachen wie des Hebräischen und Aramäischen aus der Gelehrtensprache des Talmud und der Bibel. Ferner hält sich auch Romanisches aus früheren Siedlungspunkten. Besonders augenfällig ist natürlich das Beibehalten der hebräischen Schriftzeichen, die von Beginn an für das Jiddische ausschließliche Verwendung finden. Nach antijüdischen Pogromen, vor allem während der Kreuzzüge und der Pestzeit, fliehen große jiddischsprachige Gruppen nach Osteuropa und so wird ab dem 16. Jahrhundert der slawische Einfluss auf das Jiddische sichtbar. Die Abwanderungswellen nach Übersee während der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Vertreibung der Juden durch den nationalsozialistischen Terror ließen jiddischsprachige Gemeinschaften in den USA, Mittel- und Südamerika, Australien, Südafrika und
Ane Kleine-Engel
anderen globalen Schauplätzen entstehen und mit ihnen weitere Elemente der jeweiligen Umgebungssprachen ins Jiddische eindringen.
Sowohl das Luxemburgische als auch das Jiddische zeigen also deutlich den Einfluss unterschiedlicher Sprachen. Für das Jiddische prägte Max Weinreich den Begriff Shmeltssprakh (Komponentensprache, Fusionssprache). Es spräche einiges dafür, auch das Luxemburgische mit diesem Begriff in Verbindung zu bringen. So lässt sich z. B. in der Häufigkeit von sprachlich mehr oder weniger stark angepasstem französischem Vokabular im Luxemburgischen eine Parallele zu den hebräischen Elementen im Jiddischen erkennen. Denn für beide Sprachen gilt: Je abstrakter und gelehrter (oder administrativer) ein Text wird, umso mehr französische respektive hebräische Elemente sind darin enthalten.
Doch bei aller strukturellen Ähnlichkeit sind beide Sprachen durchaus sehr unterschiedlich. Schon allein ihre schlichte Größe trennt sie deutlich. War Jiddisch vor dem Zweiten Weltkrieg mit ca. 13 Millionen Sprecherinnen und Sprechern die drittgrößte germanische Sprache, so wird es heute in aller Welt noch von ca. 3 Millionen Menschen gesprochen. Das Luxemburgische hingegen ist weitestgehend begrenzt auf das Großherzogtum und die Sprechergruppe ist mit geschätzten 350 000 aktiven Teilnehmern vergleichsweise klein. Im Gegensatz zum Luxemburgischen, welches aus einer dialektalen Varietät des Deutschen hervorgegangen ist, vereinte das Jiddische von Beginn an mehrere unterschiedliche deutsche Mundarten.
Jiddisch und Luxemburgisch können jedoch auch auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblicken,
Tabelle 1
| Verwendung im Deutschen | Belege im Luxemburgischen | Bedeutung im modernen Jiddischen und im biblischen Hebräisch |
| — | — | — |
| Pleite Bankrott Pleite gehen Bankrott gehen Pleitegeier Bankrotteur | LWB: Pläite Pleite P. goen; en as p. To: pläite (pläite) schéiwen (scheffen), sich wegmachen, sterben | Jidd.: הטילה pleyte Flüchtling, Flucht; הטילפ וכ. אכ pleyte makhn fliehen Hebr.: הטילפ, הטיל, פ. plētā Entronnener, Rettung. |
| flötengehen verloren gehen | LWB: fläten, fleten goen: verloren gehen géi mer f.! (abweisend) – mäi schéinen Hutt as f. gaangen (mein schöner Hut ist hin) – d’Suë si f. (bei einer Devaluation) – géi fläten! (mach dich fort!) WLM: fläten […] gei mer f.! pack ein! (Ablehnung). – f. göen, verloren gehen | Durch lautlichen Wandel aus → Pleite |
| Ganeff, Ganove Dieb | LWB: gannéfen betrügen, stehlen. To: Gannef Dieb; gannéfen stehlen. | Jidd.: בנג‘ ganef Dieb Hebr.: בנג‘ gannāb Dieb. |
| Reibach finanzieller Gewinn | LWB: Rebes, Rewes (re-jenisch: Reibach) R. maachen (unredlichen Gewinn einstecken) WLM: Rébes kleiner, unerlaubter Gewinn. To: Reibach Profit, Handel | Jidd.: חוור revekh Gewinn Hebr. ח. ו. ר. rewah Weite, Raum |
| Schlamassel Unglück | LWB: e schéine Schlamassel! | Jidd.: לומ mazel Glück; Sternzeichen Hebr.: ל. ז. מ. mazzāl Sternzeichen, Glücksstern |
| schmusen kuscheln | LWB: Schmu machen schmusen, schmuussen schmusen, schöntun. WLM: Schmu machen, im Handel auf betrügerische Weise Gewinn einstecken; schmusen den Hof machen To: Schmus Rede, Geschwätz, Lakerschmus Lakersprache; schmusen, reden; Schmusert jemand, der gegen Schmusgeld ein Geschäft vermittelt; engem eppes opschmusen aufschwatzen. Schmus lau! Pass auf, was du sagst! | Jidd.: העומש shmué Gerücht, Neuigkeit, וטעומש shmuésn sich unterhalten Hebr.: העומש shmu’ā f. Nachricht, Gerücht |
| für lau umsonst, kostenlos | LWB-V: ‚t ass alles fir lau alles ist gratis, si komme fir l. an gratis ins Theater, Kino To: lau, nichts. Fir lau gratis. Schmus lau! sage nichts. | Jidd.: אל lo nein, nicht (in spez. Ausdrücken) Hebr.: אל lō nein, nicht |
in der der Kontakt zwischen den Sprechergruppen sichtbare Spuren hinterlassen hat. Die oben genannten Beispiele aus der aktuellen Politik waren nur einige wenige Illustrationen dazu.
Für die Betrachtung des jiddischen Sonderwortschatzes im Luxemburgischen wurden die lexikographisch erfassten Belege aus den vorhandenen luxemburgischen Wörterbüchern (LLU, WLM, LWB, für diese und andere siehe die Literaturangaben am Ende) über das Internetportal von LexicoLux ausgewertet und mit den Mundarten der Großregion verglichen. Für den modernen Sprachstand kamen zweisprachige Nachschlagewerke hinzu, für historische Belege die Zusammenstellung von Tockert. Referenzwerke für das Deutsche waren die Arbeiten von Heidi Stern und Hans Peter Althaus. Der Abgleich mit dem Jiddischen erfolgte schließlich über den größten jiddischen Thesaurus (OYTSER). Bei der Interpretation der Belege sind jiddische Sprachkenntnisse unerlässlich, denn die luxemburgischen Wörterbücher geben ihre Belege nicht ohne Weiteres preis. Nur zwölf der in den Lexika identifizierten Wörter jiddischer Herkunft sind auch als solche gekennzeichnet. Alle anderen sind ohne einen entsprechenden Verweis als Stichwort aufgenommen. Umgekehrt gibt es auch im Luxemburgischen Pseudo-Jiddismen. Dabei scheint für das Luxemburgische wie für das Deutsche oft die Faustregel zu gelten: Alles was komisch klingt, muss Jiddisch sein … „Es zieht wie Hechtsuppe“ (es geht ein starker Luftzug), „die grüne Minna“ (Polizei), „Kokolores“ (Unfug), „blau machen“ (der Arbeit fernbleiben), der „gute Rutsch“ (Neujahrswunsch) und andere Ausdrücke sind für das Deutsche solche Kandidaten, die, entgegen hartnäckiger Gerüchte, nicht nachvollziehbar dem Jiddischen zuzuordnen sind. Im Luxemburgischen gehören in diese Kategorie wohl: „Droht“ (Bargeld), „Schineejel“ (Arbeit), „Spraussen“ (Möbel), „Tack“ (Groschen) u. a., denen in Wörterbüchern solch ein falscher Zusatz beigegeben wird.
Darüber hinaus sind die jiddischen Lehnwörter im Luxemburgischen und Deutschen von denjenigen zu trennen, die durch eine andere Vermittlung in die Sprache gelangten. So etwa das luxemburgische „Simchen“ als familiäre Form von „Simon“. Das anlautende „S“ weist es eindeutig der christlichen Vermittlung aus griechisch-lateinischen Textversionen zu, denn nur dort ist der alttestamentarische Held als „Simon“ bekannt. Die hebräische und jiddische Form ist „Schimon“ bzw. „Schimen“. Ähnliches gilt für Lautungen wie „Amen“, „Messias“ oder „Sabbat“ u. a., die jenseits der Semantik ganz christlich daherkommen und keineswegs über jüdische Vermittlung (wo sie zu „Omen“, „Moschiach“ und „Schabes“ würden) ins Luxemburgische eingewandert sein können.
Ein handgeschriebener Brief auf Jiddisch
Was bleibt übrig? Insgesamt konnte ein Korpus von ca. 80 Jiddismen im Luxemburgischen identifiziert werden; acht Belege davon wurden oben bereits vorgestellt. Das scheint wenig zu sein, im Vergleich mit dem Rheinischen, Pfälzischen oder Elsässischen Deutsch. Jedes einzelne dieser Mundartwörterbücher verzeichnet deutlich mehr Jiddismen als alle luxemburgischen Wörterbücher zusammen. Ein ähnlicher Befund wie im Luxemburgischen zeigt sich allerdings im Lothringischen Wörterbuch, und zwar sowohl hinsichtlich der Menge als auch bei einem Vergleich der Bedeutungen und Bedeutungsnuancen.
Um diesen Befund zu erklären, muss man zunächst der Frage nachgehen, wie jiddische Lehnwörter überhaupt ins Luxemburgische gelangten. Grundsätzlich ist von unterschiedlichen Vermittlungsszenarien auszugehen. Alle setzen einen Kontakt zwischen Sprechergruppen voraus, der allerdings unterschiedlich intensiv gewesen sein kann.
Einen ersten Hinweis geben sicherlich demographische Daten: Die Siedlungsschwerpunkte der Jiddischsprecher lagen auf deutschsprachigem Gebiet entlang des Rheins. Der Atlas Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den Südalpen weist zwar für luxemburgisches Territorium eine jüdische Siedlungskontinuität bis in die frühe Neuzeit aus. Diese ist jedoch beschränkt auf wenige Städte. Ferner kam es immer wieder zur Ausweisung der ohnehin schon wenigen ansässigen Juden. Die luxemburgischen Territorien machen da keine Ausnahme gegenüber den rheinischen, elsässischen oder lothringischen Gebieten. Wenn in solchen Phasen der direkte Sprachkontakt abriss, verblieben noch andere Vermittlungswege. Hier sprangen das Rotwelsche, das Jenische und die Sprache der Händler, v. a. der Viehhändler, ein. Betrachtet man die einzelnen Belege sprachwissenschaftlich, so ist sogar davon auszugehen, dass dies der bevorzugte Weg für die
„malauchen“ (Foto S. Muckel)
Vermittlung von Jiddismen ins Luxemburgische war. Während jiddischstämmige Ausdrücke im Rheinischen und Pfälzischen eher noch zu einer neutralen Bedeutung neigen, so zeigen sie in den Luxemburgischen Wörterbüchern oft deutlich negativere Begriffsinhalte. Meist geht dieser Befund einher mit einem reduzierten Bedeutungsspektrum.
Ein Beispiel hierfür ist das Wort „malochen“. In den deutschen Mundarten, wie in der deutschen Standardsprache, ist es weit verbreitet mit der Bedeutung „schwer arbeiten“. Wie sieht es in der Großregion aus? Zunächst die Belege aus dem Rheinischen und Pfälzischen Wörterbuch, wo es als „schwer arbeiten, schuften“ gelistet ist. Das entspricht grob der Bedeutung des hebräischen Substantivs „melakhä“ (Arbeit) bzw. dem jiddischen Substantiv „melokhe“ (Arbeit; Handel, Gewerbe) und der standarddeutschen Verwendung. Dagegen erklärt das Luxemburgische Wörterbuch zum Eintrag „malauchen“: „schwarze Punkte auf die Zähne älterer Pferde einbrennen, um sie jünger erscheinen zu lassen“.
Diese sehr spezifische Bedeutung von „arbeiten“ im Viehhändlermilieu findet sich in ähnlicher Form auch im Elsässischen Wörterbuch, wo es u. a. aufgelöst wird mit der Erklärung „einer Kuh die Hörner stutzen und Klauen verkürzen, um sie jünger erscheinen zu lassen“. Im Lothringer Wörterbuch ist nur noch die Bedeutung „fälschen“ übrig geblieben.
Darüber hinaus geben uns die luxemburgischen Wörterbücher aber auch selbst Argumente für die Abwesenheit jiddischstämmigen Wortguts an die Hand. Vermutlich entsprachen zu viele dieser Ausdrücke nicht dem Empfinden eines „gehobenen Luxemburgs“ und blieben daher in den älteren Wörterbüchern unberücksichtigt. Zudem hatten es sich ganz besonders jene älteren Wörterbücher zur Aufgabe gemacht, „typisch Luxemburgisches“ aufzunehmen. So fanden zwar zahlreiche romanischstämmige Wörter Eingang in die Stichwortlisten, die jiddischstämmigen klangen aber wohl zu fremd. Es mag vielleicht Ironie des Schicksals sein, dass
Jiddismen im Luxemburgischen oft genug als „typisch deutsch“ empfunden werden. Ein Phänomen, das bis heute beobachtet werden kann.
Ein wenig mag aber auch die gegenwärtige lexikographische Praxis dazu beitragen, dass es diese großen Unterschiede in der Zahl der verzeichneten Jiddismen gibt. Denn entgegen tatsächlicher Verwendungsnachweise scheinen deutsche Wörterbuchproduktionen – je jünger sie sind – umso mehr Jiddischstämmiges berücksichtigen zu wollen. Das steht bisweilen diametral entgegen der tatsächlichen Lebendigkeit dieses Wortschatzes. Doch scheint eine großzügige Aufnahme jiddischen Wortguts politisch gewollt zu sein und ein deutsches Mundartwörterbuch zu „adeln“.
Luxemburg blickt auf die jüngere Geschichte in erster Linie aus der Perspektive der Besetzten unter einem nationalsozialistischen Terrorregime. Die Geschichte der Jüdinnen und Juden im Land stand angesichts des Schicksals der Gesamtbevölkerung Luxemburgs bisher kaum im Fokus – weder in einer historischen Aufarbeitung noch in einer sprachlichen. Nur einmal ist es in den 1990er Jahren zu einer intensiven Auseinandersetzung mit antijüdischen Tendenzen in der luxemburgischen Sprache gekommen, als anlässlich der Neuauflage des Luxemburger Wörterbuchs 1995 eine breite öffentliche Debatte u. a. in forum 1997 geführt wurde.
Dennoch kann man nicht übersehen, dass es für das Luxemburgische im Vergleich zum Deutschen tatsächlich erstaunliche Lücken gibt. „Meschugge“ (verrückt) scheint so ein Lieblingswort der Deutschen zu sein. In der luxemburgischen Lexikographie ist es jedoch unbekannt. Ebenso verhält es sich mit „Mischpoche, Mischpoke“ (Familie) oder „Schmiere stehen“ (bei einer illegalen Aktion Wache halten). Auffällig ist erneut, dass auch das Lothringische Wörterbuch sie nicht verzeichnet.
Die luxemburgische Lexikographie schweigt zu der Frage nach der Gebräuchlichkeit seiner Jiddismen. Das heißt aber nicht, dass es sich bei den Funden ausnahmslos um heute gebräuchlichen Wortschatz handelt. Man muss beinahe sagen: im Gegenteil. Die meisten Funde aus der Lexikographie scheinen heutigen Sprechern gänzlich unbekannt zu sein, andere wiederum werden aus dem Deutschen verstanden, nicht aus dem Luxemburgischen. Daher beschränkt sich dieser Artikel auf die gebräuchlichsten Jiddismen im Luxemburgischen, wenn wir abschließend noch eine Übersicht (Tabelle 2) bieten, die für eine weitergehende Beschäftigung mit der aktuellen Tagespolitik gegebenenfalls Verwendung finden können … ♦
Literatur
Althaus, Hans Peter: Chuzpe, Schmus & Tacheles. (2. durchges. Auflage) München: Beck 2006.
Althaus, Hans Peter: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. (2. durchges. Auflage) München: Beck 2006.
Althaus, Hans Peter: Mauscheln. Berlin: de Gruyter 2002.
Althaus, Hans Peter: Zocker, Zoff und Zores. München: Beck 2002.
D-LWB: Deutsch-Luxemburgisches Wörterbuch. 35 000 Stichwörter & Wendungen. Red.: Liette Derrmann-Loutsch. Luxemburg: Saint-Paul.
EWb: Wörterbuch der elsässischen Mundarten (1899-1907), Bearb. v. E. Martin u. H. Lienhart, 2 Bd. Strassburg. Nachdruck: Berlin, New York 1974.
„Gehören antijüdische Vorurteile in ein Wörterbuch? Ein Gespräch mit Alain Meyer vom jüdischen Konsistorium“, in forum 175, 1997, S. 33-34.
Haverkamp, Alfred: Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den Südalpen, 3 Bd. Hannover: Hahnsche Buchhandlung 2003.
LLU: Lexicon der Luxemburger Umgangssprache (wie sie in und um Luxemburg gesprochen wird) mit hochdeutscher und französischer Uebersetzung und Erklärung. Hg. v. J. F. Gangler, Luxemburg 1857.
LoWb: Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundart (1909), Bearb. v. M. F. Follmann. Leipzig 1909; Nachdr. Hildesheim, New York 1971.
Luxdico. Lëtzebuergesch-Däitsch – Deutsch>Luxemburgisch. Hg. v. Myriam Welschbillig, François Schanen, Jérôme Lulling. Esch/Alzette: Schortgen 2008.
LWB: Luxemburger Wörterbuch (1950-1977). Hg. v. der Luxemburgischen Wörterbuchkommission, 5 Bd. Luxemburg.
OYTSER: Stuchkoff, Nahum: קִרְשִׁיתִי רֶעֶשִׁי רֶעֶשִׁי רֶעֶשִׁי רֶעֶשִׁי der oytser fun der yidisher shprakh. New York: YOVO 1950.
PfWb: Pfälzisches Wörterbuch (1965-1997), Begr. v. E. Christmann, bearb. v. J. Krämer u. R. Post, 5 Bd. Wiesbaden.
RhWb: Rheinisches Wörterbuch (1923-1971), Bearb. v. J. Müller u. H. Dittmaier, 9 Bd. Bonn, Berlin.
Stern, Heidi: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. (Lexicographica; 102) Tübingen: Niemeyer 2000.
To: Tockert, Joseph: „Das Weimerskircher Jenisch, auch Lakersprache oder Lakerschmus genannt. Eine Händlergeheimsprache“. In: Vierteljahresblätter für Luxemburgische Sprachforschung, Volks- u. Ortsnamenkunde 3/4, H. 12/13., 1937-1938, Luxembourg: Linden, S. 8-39. (1989 in durchgesehener Ausgabe neu herausgebracht)
Weinreich, Max: History of the Yiddish Language. New York: YIVO 1980.
WLM: Wörterbuch der luxemburgischen Mundart, Druck v. M. Huss, Luxemburg 1906.
Tabelle 2
| Verwendung im Deutschen | Belege im Luxemburgischen | Bedeutung im modernen Jiddischen und im biblischen Hebräisch |
| — | — | — |
| Gedibber Geschwätz | LWB: dubberen Vorwürfe absetzen Gedibber Geräusch, bedubberen betrügen, Gedubbers anhaltendes Schelten WLM: bedubberen betrügen, überlisten, dubberen poltern, er-dubberen eine Strafpredigt halten, iwerdubberen übertreffen, Gedibber Geräusch LLU: Dubberen, gedubbert Lärm machen, poltern, stampfen, iwerdubberen übertreffen, zuvorkommen, bedibbern beschwatzen, zureden To: dibberen, sagen, Dibber nobés, sage nichts! | Jidd.: זָכַר dabern plappern, sprechen Hebr.: רָב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב |
| kapore kaputt | LWB: kapores, daneben, entzwei; bankrott; e geet, en as k. er stirbt, ist gestorben; kappe goën. WLM: kapores hin, zerbrochen, tot. | Jidd.: הָרַף, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב |
| (nicht) koscher (nicht) einwandfrei | LWB: kauscher, koscher nach dem jüdischen Gesetz in Ordnung, rein, geheuer, normal, regelrecht – ‚t war (mer) nét k., soën ech – ech mengen, deen do as nét k. WLM: kauscher dem jüdischen Ritus gemäß (koscher) rein. LLU: Kauscher, gut, ächt, bon. | Jidd.: רָשָׁ, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב, ב |
| Kluft Kleidung | LWB: Kluft, Kloft verächtlich für feine (Herren-, Knaben-)Kleidung WLM: Kloft f., Kluft. To: Kloft, Kleidung. Hiervon ein populäres klaften, in den Geschäften umhergehen, meist ohne zu kaufen, und ein seltsames *kluffen, anziehen. Luxdico: kluffen sech anziehen, geschmacklos anziehen | Jidd.: – Hebr.: לֵךְ, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה, בֵּה |
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