Heiliger Romero von Amerika
aus: Publik-Forum, 19/1980
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Pedro Casaldaliga, Bischof von São Felix do Araguaia in Brasilien, hat unter dem Titel „Heiliger Romero von Amerika, Hirte und Märtyrer“ den folgenden Hymnus gedichtet:
Der Engel des Herrn verkündete es zur Vigil,
und das Herz des Erlösers
bezeichnete den 24. März und die
Stunde der Agonie.
Du botest das Brot, den lebendigen Leib,
den zerbrochenen Leib deines Volkes,
sein siegreiches Blut,
das bäuerliche Blut deines massakrierten
Volkes,
das wie trunken machender Wein
die beschwörende Morgenröte
färben wird. —
Der Engel des Herrn verkündete
es zur Vigil,
und noch einmal wurde das Wort
zum Tode deines Todes,
so wie es Tag um Tag zum Tode wird
im nackten Fleisch deines Volkes;
und es wurde zum neuen Leben
in unserer alten Kirche.
Von Neuem stehen wir aufrecht,
um Zeugnis zu geben,
heiliger Romero von Amerika,
unser Hirte, unser Märtyrer,
Romero, Bringer des fast unmöglichen
Friedens
auf dieser Erde des Krieges;
Romero, du rote Blume unverletzlicher
Hoffnung
eines ganzen Erdteils;
Romero des österlichen Lateinamerika.
Armer, ruhmvoller Hirte,
gemordet auf Bezahlung — in Dollar,
in harter Währung,
wie Jesus auf Weisung des Imperiums;
armer, ruhmvoller Hirte,
verlassen von deinen eigenen Brüdern
im Hirtenamt und am Tisch.
Die Kurien konnten dich nicht begreifen,
keine wohletablierte Synagoge konnte
Christus begreifen.
Doch mit dir ging die Masse der Armen
in getreuer Verzweiflung,
zugleich Weide und Herde deiner
prophetischen Sendung:
Das Volk hat dich zum Heiligen
erhoben,
die Stunde deines Volkes hat dich
im Kairos geweiht,
die Armen haben dich gelehrt
das Evangelium zu lesen.
Wie ein von soviel Brudertod
wunder Bruder
hast du, einsam, am Ölberg weinen
müssen.
Du kanntest die Angst, wie ein Mann
im Kampf,
doch du wußtest deinem freien Wort
einen Klang wie von Glocken zu geben.
Und du wußtest den zwiefachen Kelch
zu trinken,
des Altares und des Volkes,
mit einer einzigen zum Dienst
geweihten Hand. —
Lateinamerika hat dich bereits zur
Glorie des Altares erhoben,
in den chäumenden Wogen seiner Meere,
in den uralten Gipfeln seiner Anden,
im luftigen Baldachin seiner Wälder,
im Gesang seiner ungezählten Straßen,
am Kalvarienberg
aller seiner Kerker,
aller seiner Gräber,
aller seiner Altäre,
auf dem sicheren Altar der schlaflosen
Herzen deiner Söhne:
Heiliger Romero von Amerika,
unser Hirte und Märtyrer,
keiner wird deine letzte Predigt
je zum Schweigen bringen.
Übersetzung: Hans Kühner
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