Im Schatten der Geschichte
Monument zur 1300 Jahr-Feier der Irminschen Schenkung des Ortes Echternach an Willibrord
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Monument zur 1300 Jahr-Feier der Irminschen Schenkung des Ortes Echternach an Willibrord
Dieses Jahr schicken die Echternacher sich an, das 1300jährige Bestehen ihrer Stadt zu feiern. Man kann zu Recht behaupten, daß Luxemburg einen großen Teil seines Kulturgutes der Gründung Echternachs verdankt.
Im Jahre 698, nachdem er das Bistum Utrecht gegründet hatte, begegnete der englische Missionar Willibrord anläßlich einer Reise nach Trier der Äbtissin des Klosters Oeren. Im gleichen Jahr bekam er aus den Händen Irminas den Schenkungsakt, der ihm ein kleines Kloster wandernder Mönche, das wahrscheinlich am Ort der heutigen Peterskirche stand, zusprach. Mit der Schenkung angrenzender Gebiete durch Pippin und Plectrudis kannte die Echternacher Abtei schnell ein bemerkenswertes Wachstum, nicht zuletzt wegen ihres Skriptoriums.
Die Geschichte Echternachs und seine einzigartige Bedeutung in der Geschichte des Landes haben die Verbundenheit der Echternacher mit ihrer Stadt geprägt. So ist es selbstverständlich, daß die Feierlichkeiten anläßlich des 1300. Geburtstags der Schenkung die gesamte Bevölkerung einbeziehen werden.
Auf der Suche nach einem geeigneten Symbol für die Identifizierung der Einwohner mit der Vergangenheit ihrer Stadt beschloß der mit der Organisation der Feierlichkeiten beauftragte Ausschuß, ein öffentliches Denkmal errichten zu lassen.
Die Autoren des Projekts
Der luxemburgische Bildhauer Alex Reding studierte angewandte Kunst an der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne und machte sich mit der Bildhauerei in Stein in den Ateliers von Semme Ghilardini in Pietrasanta (Italien) und Jean Car-
dot an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris, wohin er einer Einladung folgte, vertraut. Zur Zeit studiert er an der Kunstakademie Düsseldorf. Der deutsche Götz Arndt ist im Departement der Ile-de-France ansässig. Er begann seine Laufbahn mit einer Ausbildung zum Steinmetz/Bildhauer in Deutschland, die ihm die Türen der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris öffnete. Desweiteren verdankt er seinem Fachkönnen mehrere öffentliche Auftragsarbeiten in Deutschland und Frankreich.
Beide Künstler haben sich in persönlicher und kollektiven Ausstellungen in Frankreich, Deutschland und Luxemburg ausgezeichnet und dabei gelegentlich zusammengearbeitet.
Die Vergangenheit im Licht der Moderne
Die Komplexität der Faktoren, die bei einem solch wichtigen Projekt wie jenem in Echternach zu berücksichtigen sind, erforderte eine präzise Überlegung zu mehreren Punkten. Wie sollte man den historischen, künstlerischen und schließlich feierlichen Aspekten einer solchen Skulptur Rechnung tragen?
Vor allem mußte das Ereignis, die historische Begebenheit, deutlich hervortreten. Doch über den Akt der Schenkung hinaus ging es darum, den historischen und kulturellen Rahmen zu setzen, der der Stadt ihren europaweiten Ruf einbrachte. Gerade im Fall der Echternacher Abtei und angesichts der Bedeutung des benediktinischen Skriptoriums, erscheinen kultureller und wirtschaftlicher Aufschwung unzertrennlich. Der Blick in die Vergangenheit läuft jedoch Gefahr, von unangemessener Nostalgie verklärt zu werden. Den Künstlern war also daran gelegen,
gleichzeitig die Stadt in ihrer glorreichen Vergangenheit zu verankern und ihre zukunftsorientierte Haltung zu bezeugen.
Diese Ansichten gingen einher mit ungleich technischen Überlegungen zu den Eigenschaften monumentaler Skulptur, sowie des Denkmals und ihrem zeitgenössischen Ausdruck.
Maquette en pierre d’Udelfangen, vue générale
Welches ist heute der Stellenwert der Plastik im öffentlichen Raum? Wie kann sich eine Idee in einem gegebenen Raum artikulieren und den Raum ihrerseits neu definieren? Sollte ein Monument nicht gleichermaßen die Zeit – mittels eines ausgewählten Moments (der 1300. Geburtstag) – und den Raum, – indem sie sich in einem bestimmten Gebiet einschreibt – markieren? Viele Fragen, die die Autoren des Projekts mit einer Skulptur im Geist der Moderne vor dem Hintergrund einer bedeutenden Vergangenheit zu beantworten versuchen.
Das Ornament als Zeichen der Vergangenheit
Betrachtet man Bilder aus den Handschriften, die von den Echternacher Kopisten des Mittelalters angefertigt wurden, genügt ein kurzer Blick um die erstaunliche Qualität der Darstellungen festzustellen. In seinem Beitrag zum Sammelband "L’Art au Luxembourg" ("Die Kunst in Luxemburg") durfte Joseph-Emile Muller sie "parmi les oeuvres les plus attachantes de leur temps" ("zu den fesselndsten (anmutigsten) Werken ihrer Zeit") zählen.
Der lineare und ornamentale Stil der irischen Buchmalerei wurde in Echternach in der Folge Willibrords eingeführt, dessen in Irland hergestelltes Evangeliar die Mönche seines Skriptoriums stark beeinflußte. Die Autonomie des Ornaments auf Kosten der naturgetreuen Nachbildung ist ihr Hauptmerkmal. Schon im Evangeliar des heiligen Willibrord (um 690) fand sie ihren bemerkenswerten Ausdruck: das Symbol des heiligen Matthäus, der Mensch ("imago hominis"),
gibt sich ganz in geometrischer Ornamentik, die von gleichmäßigem Flechtwerk umwoben ist. Es sind diese Verflechtungen, die man auf vielen Artefakten aus dieser Zeit findet, welche die Aufmerksamkeit der Künstler auf sich zogen.
Das Ornament als Zeichen der Gegenwart
Das Ornament als Zeuge der Vergangenheit wurde als sichtbares Zeichen gewählt, um an die herausragende Rolle des Abteigründers und Initiators der Buchmalerei in Echternach zu erinnern. Doch im Sinne der Modernität verweist das Flechtwerk auch auf die Wiederverwendung des Ornaments in der modernen Kunst.
Von der im Jugendstil geprägten Neuentdeckung der Ornamentik, über seine Bedeutung in Henri Matisses Werk, bis hin zu einer neuen Auslegung des Ornamentzeichens, wie sie etwa Daniel Buren oder Leni Hoffmann vorschlagen, hat das Ornament, in ständig wechselnden Bedeutungen, einen festen Platz in der künstlerischen Tradition der Moderne errungen. Im Falle der Echternacher Skulptur drängt es sich als Zeichen im Raum auf, dem es gelingt, sowohl auf die Geschichte der Stadt hinzudeuten, als auch eine skulpturale Autonomie zu erlangen
Raum-Skulptur-Publikum: ein offener Dialog
Vier Elemente von verschiedener Höhe, die eine flache Ebene auf einem unebenen Platz zeichnen, sind die Tragflächen für die Reliefs des Flechtwerks. Da ihre Form sich ebenfalls an der geometrischen Anordnung der Miniaturen orientiert, werden sie entlang zweier rechtwinklig zueinander stehenden Achsen verteilt. Diese Aufteilung der vier Volumen in zwei Diagonalen erzielt zwei Effekte: einerseits werden die Blöcke, ähnlich den Ornamentstreifen, die die Symbole der vier Evangelisten umschließen, einen leeren Raum eingrenzen. Andererseits gliedern sie den Platz, den sie besetzen, wie auch die Ebene in der Höhe. Sie legen die Grenzen eines realen Raums fest, den der Zuschauer frei besetzen kann. Auf diese Weise öffnet die Skulptur sich dem Publikum, also der zeitgenössischen und zukünftigen Welt.
Es ging den Künstlern darum, eine einfache und dennoch komplexe, weil offene Ikonographie zu benutzen. Es war dies eine Möglichkeit ein Werk zu schaffen, das sich nicht auf sich selbst bezieht, das heißt ein Werk, das sich nicht darauf beschränkt, seine eigene Monumentalität gegen die Geschichte der Stadt und die Geschichte ihrer Kunst zu entfalten.
Das Monument soll den Dialog mit der Vergangenheit suchen. Es schickt sich ebenfalls an, die Diskussion mit der Gegenwart anzuregen.
P.K.
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