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Schule, Beruf und Umwelt geben uns die Gelegenheit, uns in den meisten Bereichen praktische und theoretische Kenntnisse anzueignen; wir können experimentieren, probieren, Erfahrungen sammeln und aus ihnen lernen oder nicht.

Ein Gebiet aber gibt es, in dem nur ein Teil der menschlichen Bevölkerung praktische Erfahrungen sammeln kann und es ist gerade dieses Gebiet, über das so viele Leute sprechen, die es nie erfahren können: das Heranwachsen eines Kindes im Körper der Frau. Erwartet sie ein Kind von einem Mann, den sie liebt, hat er einen wesentlichen Anteil an seinem Wachstum und seiner Entwicklung, aber letzten Endes wächst es in ihr allein, es lebt durch sie und bildet sich durch ihre Lebenskraft zu einem Menschen. Kommt es zur Welt, ist es in unseren Zivilisationskreisen meistens die Frau,

die es erzieht und pflegt, die also notgedrungen wichtige Teile ihrer eigenen Entwicklung als Individuum zurückstellen muss, um die Entwicklung des Kindes zu fördern. Die Frau ist es, die die Freuden und Schmerzen der Geburt erfährt, sie ist es, die zu Hause bleibt ‚wegen der Kinder‘, die Tag für Tag die Sisyphus-Arbeiten des Haushaltes erledigt und die sehr oft, wenn die Kinder die Familie verlassen, ohne eigenen Lebensinhalt dasteht.

Also müsste sie es auch sein, die allein und frei entscheidet, ob sie überhaupt ein Kind will. In einer gesunden Familie wird diese Entscheidung gemeinsam getroffen. Wie ist es aber mit all den Frauen, die ein Kind erwarten, das sie sich nicht gewünscht haben? An ihrer Stelle bemühen sich Leute – vor allem Männer, und unter ihnen Priester, die das Problem ja wirklich nicht aus eigener, wenn auch nur väterlicher, Erfahrung in seiner vollen Tragweite kennen können, – eine Entscheidung zu treffen über eine Frage, die erstens nur die Frauen als Geschlecht und zweitens jede Frau einzeln betrifft.

Wie der Gesetzgeber muss allerdings auch der Moralist allgemeingültige Entscheidungen treffen, die notgedrungen für einzelne schwer nachzuvollziehen sind oder zu einer Last werden. Kein anderes Gebiet des Rechtes und der Moral aber betrifft in dem Masse alle Frauen wie das Problem, ob sie eine Schwangerschaft austragen sollen oder nicht.

Kann man sich denn heute noch anmassen, im Namen einer überholten Moral und eines traditionellen Heimchen-am-Herd-Frauenbildes zu verallgemeinern, und Frauen dazu bringen ein Kind in die Welt zu setzen, das sie nicht wollten, das ‚man ihnen gemacht hat‘, – wie schön diese Wendung die gewünschte Passivität der Frau unterstreicht. Kann man sich überhaupt ein Urteil erlauben, wenn man nicht ehrlich und ohne Zögern sich selbst folgende Fragen beantworten kann: ‚Was würdest du tun, wenn du ein Kind erwarten würdest, das du nicht willst, das man dir aufgezwungen hat, das deine psychische und materielle Situation belastet, das du letzten Endes in eine Umgebung hineingebären müsstest, in der es sich nicht voll entfalten kann?‘ Erst wenn man auf all diese Fragen mit ja antworten kann, hat man ein Recht über Schwangerschaftsabbruch mitzureden. Gerade über dieses Thema kann und darf man doch nicht theoretisierend und abstrakt diskutieren, da es sich doch für jede Frau und jede Familie so ungemein praktisch und konkret stellt.

Diese Überlegungen sollen absolut nicht als Verteidigungsrede für die Abtreibung gehalten werden, denn sie muss unter allen Umständen der letzte mögliche Schritt bleiben. Keine Frau überlebt ihn nämlich ohne schwere psychische Belastung. Allgemeingängliche Aufklärung und Verhütungsmittel, eine Aenderung des menschlichen und sozialen Status der Frau würden es oft gar nicht so weit kommen lassen. Aber die, die dennoch mit dem Problem einer ungewünschten Schwangerschaft konfrontiert sind, müssen ihre Entscheidung allein treffen können, ohne Bevormundung, denn es betrifft in letzter Instanz nur sie allein. Wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen, sollen sie sie bekommen von Frauen, die das Problem aus eigener Erfahrung kennen und von Männern, die bereit sind, die Frau als Individuum mit selbständiger Entschlusskraft anzusehen, und nicht von Vertretern einer Kirche, die das Problem nur von der Warte einer gewissen Moral, die sehr oft eine Doppelmoral ist, verurteilen können. Oder beruhigt es vielleicht ihr Gewissen, wenn sie auf der einen Seite für die Erhaltung des ungeborenen Lebens eintreten und auf der anderen Seite die Vernichtung des geborenen Lebens wenn nicht unterstützen, so doch dulden?

Simone Baldauff-Beck

Le recours à l’avortement ne peut en aucun cas être assimilé à un moyen de contraception conduisant à la libération de la femme. D’abord parce que l’avortement est toujours un échec. Echec de la maîtrise de la fécondité, échec de la volonté, échec de la maternité. On peut être soulagée d’avoir pu avorter quand on s’était mise dans une mauvaise situation; on ne peut en être fière. Il va sans dire que l’avortement est un recours nécessaire dans bien des cas médicaux et dans des cas sociaux. La répression trop sévère et irréaliste n’éduque pas et conduit à tourner la loi, mais la vraie liberté, pour les femmes, c’est d’apprendre à prévoir et à prévenir, d’un commun accord avec leur compagnon, afin de maîtriser à deux la fécondité; c’est d’attendre un enfant quand il est désiré et voulu.

Mne Evelyne Sullerot sociologue à Paris-Nanterre

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