„Kirchenvolks-Begehren“

3. bis 25. Juni 1995, getragen von der Plattform "Wir sind Kirche"

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  1. bis 25. Juni 1995, Getragen von der Plattform "WIR SIND KIRCHE"

Wir leiden darunter, daß der Zugang zur eigentlichen Botschaft Jesu Christi durch manche Gegebenheiten in der gegenwärtigen katholischen Kirche für viele Menschen erschwert wird. Eine Krise kann den Keim zum Untergang, aber auch die Chance zu einem zukunftsweisenden Neubeginn enthalten.

Die Unterzeichneten erwarten, daß die derzeitige schwere Krise der katholischen Kirche für eine längst überfällige Reform genützt wird.

1. Aufbau einer geschwisterlichen Kirche:

  • Gleichwertigkeit aller Gläubigen, Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien (Nur so kann die Vielfalt des Begabungen und Charismen wieder voll zur Wirkung kommen.)

  • Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirchen bei Bischofsernennungen (Bischof soll werden, wer das Vertrauen des Volkes genießt.)

in: Kirche intern, Nr.6/95 2. Volle Gleichberechtigung der Frauen:

  • Mitsprache und Mitentscheidung in allen kirchlichen Gremien
  • Öffnung des ständigen Diakonates für Frauen
  • Zugang der Frauen zum Priesteramt

(Die Ausschließung der Frauen von kirchlichen Ämtern ist biblisch nicht begründbar. Auf den Reichtum an Fähigkeiten und Lebenserfahrungen von Frauen kann die Kirche nicht länger verzichten. Das gilt auch für Leitungsämter.)

  1. Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform

(Die Bindung des Priesteramtes an die ehelose Lebensform ist biblisch und dogmatisch nicht zwingend, sondern geschichtlich gewachsen und daher auch veränderbar. Das Recht der Gemeinden auf Eu-

charistiefeier und Leiter ist wichtiger als eine kirchenrechtliche Regelung.)

  1. Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen:
  • Anerkennung der verantworteten Gewissensentscheidung in Fragen der Sexualmoral (z.B. Empfängnisregelung)

  • Keine Gleichsetzung von Empfängnisregelung und Abtreibung

  • Mehr Menschlichkeit statt pauschaler Verurteilungen (z. B. in bezug auf voreheliche Beziehungen oder in der Frage der Homosexualität)

  • Anstelle der lähmenden Fixierung auf die Sexualmoral stärkere Betonung anderer wichtiger Themen (z.B. Friede, soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung…)

  1. Frohbotschaft statt Drohbotschaft:
  • Mehr helfende und ermutigende Begleitung und Solidarität anstelle von angstmachenden und einengenden Normen

  • Mehr Verständnis und Versöhnungsbereitschaft im Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen, die einen neuen Anfang setzen möchten (z.B. wiederverheiratete Geschiedene, verheiratete Priester ohne Amt), anstelle von unbarmherziger Härte und Strenge.

Die genannten Punkte sind Zielvorstellungen, die die Kirche aufgrund ihres Auftrages, der Botschaft Jesu und der Erfordernisse unserer Zeit möglichst rasch verwirklichen sollte. Wir erhoffen uns, daß eine Umsetzung dieser Ziele schrittweise möglich sein wird. Dadurch könnte verlorenes Vertrauen wieder zurückgewonnen werden.

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

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