Klima zwischen Untergang und Neustart

Die noch zu schreibende Geschichte vom Wandel

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Die noch zu schreibende Geschichte vom Wandel

Norry Schneider

Die Vermeidung des Klimawandels ist zu einer der großen Menschheitsherausforderungen geworden. In Luxemburg schätzen 74 % der Einwohner, dass der Klimawandel einen Einfluss auf unser Leben in den kommenden 20 Jahren haben wird.¹ Der globale Klimawandel ist ein Warnlicht, dass die „Entgrenzung“ des modernen Menschen die Tragekapazität unseres Planeten überfordert, weil sie jenseits der „Grenzen des Wachstums“ führt. Die Enttäuschung über das Scheitern des Kopenhagener UN-Klimagipfels im Dezember 2009 – trotz größter öffentlicher Aufmerksamkeit und Mobilisierung – hat viele veranlasst, über Alternativen nachzudenken, die den notwendigen Wandel herbeiführen könnten.

Die globale Situation

Die Finanzkrise ist Folge der Tatsache, dass wir über unsere finanziellen Verhältnisse gelebt haben. Die Klimakrise ist Folge der Tatsache, dass wir über die Verhältnisse unseres Planeten leben. (Yvo de Boer, Generalsekretär der UN-Klimarahmenkonvention bis 2009)

Um die Klimaerwärmung mit deren Risiken und Folgen einzudämmen, sollte die Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit keine zwei Grad Celsius überschreiten. Andernfalls riskiert die Menschheit Umweltkrisen mit erheblichen sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen. Bei Nichthandeln wird der Klimawandel uns weltweit mindestens 5 bis 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten. Es ist also billiger jetzt zu handeln als erst in 20-30 Jahren.² Dennoch beläuft sich EU-weit die Rechnung für Ölimporte auf mehr als 500 Milliarden Dollar pro Jahr³, ein Vielfaches von dem was in die Förderung erneuerbarer Energiequellen investiert wird.⁴ Seit Jahren sind die Versuche gescheitert, einen globalen und rechtsverbindlichen

Klimavertrag zu besiegeln. Es gibt zwischen den Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern sehr unterschiedliche Interessen und die Regierungen sind vorrangig mit den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigt.⁵ Dass es sinnvoll wäre, angesichts eines globalen Systemfehlers die Klima- und Wirtschaftskrisen kombiniert anzugehen, scheint den meisten Entscheidungsträgern noch fremd zu sein. Das Jahr 2014 wird entscheidend sein, um den Raum des Möglichen für das globale Abkommen abzustecken, das im Jahr 2015 auf der Klimakonferenz in Paris (COP21) verabschiedet werden und nach 2020 in Kraft treten soll.⁶ Luxemburg wird die Aufgabe haben, während der EU-Ratspräsidentschaft 2015 die Klimaverhandlungen für die gesamte EU zu führen.

Luxemburgs Klima-Steckbrief

Luxemburg hatte mit 23,2 Tonnen CO₂ pro Einwohner im Jahr 2012 mit die höchsten Pro-Kopf-Emissionen weltweit.⁷ Die schlechte Klimabilanz Luxemburgs ist nicht allein dem rasanten Bevölkerungszuwachs (um mehr als 36 % seit 1990⁸) geschuldet, denn es stellen sich bei der Ausgestaltung einer konsequenten Klima- und Energiepolitik viele Grundsatzfragen. Die erste Hürde ist die Abhängigkeit der Luxemburger Staatskasse vom Tanktourismus, wobei dieser praktisch die Hälfte der hausgemachten Treibhausgasemissionen produziert.⁹ Zweitens deckt der Einsatz von Agrokraftstoffen den inländischen Bedarf an erneuerbaren Energieträgern zur Hälfte ab, obwohl ihre schlechte Klimabilanz bekannt ist sowie auch ihr Beitrag zur weltweiten Hungerkrise und zur Verschlechterung der sozialen

Luxemburg hatte mit 23,2 Tonnen CO₂ pro Einwohner im Jahr 2012 mit die höchsten Pro-Kopf-Emissionen weltweit.

Norry Schneider arbeitet bei Caritas Luxemburg an entwicklungspolitischen Themen und hat die Initiative Transition Minett mitbegründet.

und ökologischen Bedingungen im Herstellerland.$^{10}$ Drittens wurde die Förderung größerer Photovoltaikanlagen erheblich gekürzt, was Bürgerinitiativen voll ausbremst.$^{11}$ Viertens erfüllt Luxemburg den Löwenanteil seiner Klimaschutzverpflichtungen auf dem Papier durch den Einkauf möglichst billiger Emissionsrechte. Und fünftens ist das gewünschte hohe Wirtschaftswachstum mit einer nachhaltigen Entwicklung Luxemburgs unvereinbar. Ohne eine dringende Drosselung des auf Erdöl und anderen knappen Ressourcen basierenden Wachstums wird der Luxemburger ökologische Fußabdruck noch größer werden.$^{12}$ Bereits heute bräuchte es 6 Erden, wenn alle Menschen den gleichen Ressourcenverbrauch wie Luxemburger hätten.

Die NGOs der Luxemburger Plattform Votum Klima fordern folglich die Erstellung einer verbindlichen Klimaschutzstrategie, darunter die Festlegung nationaler und im Inland zu realisierender Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen in den einzelnen Sektoren. Außerdem fordern sie eine kohärente und nachhaltige Energiepolitik sowie die Unterstützung der Entwicklungsländer bei ihren Reduktions- und Anpassungsmaßnahmen.$^{13}$ Dem Argument, dass Klimaschutz und die damit verbundene Energiewende hohe Kosten verursachen, halten die NGOs entgegen, dass eine „Begrünung“ des Finanzplatzes, die Stärkung der „Solidarischen Ökonomie“, die Förderung einer klimafreundlichen biologischen Landwirtschaft, der Ausbau des öffentlichen Transportes und der sanften Mobilität sowie die Festschreibung einer klimafreundlichen Bautenpolitik große Potentiale bergen, grüne Jobs zu schaffen und einen wirtschaftlichen Aufschwung zu bewirken. Laut einer Umfrage im Vorfeld der Nationalwahlen 2013 sind 77 % der Befragten der Meinung, dass Maßnahmen im Energie- und Klimabereich eine Chance für Wirtschaft und Arbeitsmarkt sein könnten.$^{14}$ Dass eine solche Energiewende erfolgreich sein kann, zeigt unser Nachbar: Die Region Trier hat kürzlich den europäischen Wettbewerb „Renewable Energy Sources Champions League“-Preis 2013 gewonnen. Die Vision ist, die Region langfristig von einer energieimportierenden Region zu einer energieexportierenden Region zu entwickeln, die Abhängigkeit von externen Energielieferanten zu verringern und gleichzeitig mit Hilfe der eigenen Energieerzeugung regionale Wertschöpfung zu generieren.$^{15}$

Wachstum: Gegenwart konsumiert Zukunft

Die Kritik am alles dominierenden Paradigma des Wirtschaftswachstums ist mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre gesellschaftsfähig geworden. Der Klimawandel, die japanische Nuklearkatastrophe, Kriege und der Welthunger werfen

Do-it-yourself-Workshop (Transition Minett / V. Cardile)

grundlegende Fragen auf: Kann unsere Wirtschaft tatsächlich ewig weiterwachsen und ist unser Konsum zukunftsfähig? Diesen Fragen geht der Sozialpsychologe und Publizist Harald Welzer in seinem Essay Mentale Infrastrukturen nach.$^{16}$ Bei der Wachstumsfrage geht es um die Infragestellung des gegenwärtigen Gesellschaftsmodells, das auf einer grenzenlosen Ressourcennutzung einiger Wenigen auf Kosten aller Anderen basiert. Heute, wo immer mehr Gesellschaften der kapitalistischen Wirtschaftskultur und ihren Verbrauchsmustern folgen, schrumpfen die Räume zur problemlosen Ressourcenentnahme, was wiederum eine wachsende Konkurrenz um seltene Erden, Öl, Agrarflächen, und CO$_{2}$-Ablageplatz in der Atmosphäre mit sich bringt.

Auf der Suche nach möglichen Lösungen warnt Harald Welzer allerdings vor dem naiven Fortschrittsglauben einer „dritten industriellen Revolution“: Ökonomische Innovationen, Solarpanels und Ökosteuern alleine reichen nicht. Bei der notwendigen „großen Transformation“ ist neben technischen und politischen Lösungen vor allem eine sozialpsychologische und kulturelle Dimension gefordert. Die Umsetzung einer Postwachstumsgesellschaft kann nicht alleine an Experten und Politiker delegiert werden.

Es geht also auch darum, Angst und Hemmschwellen abzulegen – im sozialen Miteinander und im Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen Neues auszuprobieren. Beispiele von Plattformen zur Postwachstums- und Post-Carbon-Gesellschaft sind in Deutschland, Frankreich und England zu finden.$^{17}$

Gesellschaftsvertrag für eine „Große Transformation“

In der Entwicklung technischer und sozialer Errungenschaften hat die Menschheit in den letzten 150 Jahren ein phänomenales Innovationsvermögen bewiesen, dabei jedoch die Energieverbrauchskurve rasant steigen lassen. Der nun notwendige Umbruch des weltweiten fossilen ökonomischen Systems hin zu einer ressourcenschonenderen Gesellschaft wird als „Große Transformation“ zu einer nachhaltigen Gesellschaft verstanden.¹⁸ In einem Gutachten zeigt der Wissenschaftliche Beirat der [deutschen] Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) explizit, dass die technologischen Potenziale zur umfassenden Dekarbonisierung vorhanden sind. Er skizziert Geschäfts- und Finanzierungsmodelle, um den Wandel zu gestalten, und verdeutlicht, dass politische Instrumente für eine klimaverträgliche Transformation bereits vorhanden sind. Der Beirat erläutert auch, dass der erforderliche Wandel tiefgreifende Änderungen von Infrastrukturen, Produktionsprozessen, Regulierungssystemen und Lebensstilen sowie ein neues Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft umfassen muss. Um die Dekarbonisierung zu erreichen, müssen Fehlanreize wie die Förderung fossiler Energieträger oder nicht einberechnete Umweltkosten beseitigt werden. Zwar erfordern verschiedene blockierende Faktoren hohe Anstrengungen, doch viele für die Transformation notwendigen Technologien stehen bereit.

Der Entwurf eines neuen Gesellschaftsvertrags für eine klimaverträgliche und nachhaltige Weltwirtschaftsordnung soll kombiniert werden mit einer Kultur der Achtsamkeit (aus ökologischer Verantwortung), einer Kultur der Teilhabe (als demokratische Verantwortung) sowie mit einer Kultur der Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen. Kernstück der Transformation ist die Dekarbonisierung der Energiesysteme. Dabei sind der gestaltende Staat und die Pioniere des Wandels die zentralen Akteure. Diese Pioniere testen die Optionen für die Überwindung einer auf der Nutzung fossiler Ressourcen beruhenden Ökonomie und treiben neue Visionen voran, an denen sich der gesellschaftliche Wandel orientieren kann.

Soziale Energie spart reale Energie

Im Kultbuch Neustart Schweiz geht es um ein Gesellschaftsmodell mit Nachbarschaften, Basisgemeinden und Regionen, das Selbstversorgung anstrebt.¹⁹ Der Lebensstandard soll auf ein Niveau reduziert werden, das eine welt- und umweltverträgliche Schweiz ermöglicht. Da mit erneuerbaren Energien und

Sparmaßnahmen allein die notwendigen Treibhausgasemissionsreduktionen nicht zu leisten sind, und der Bedarf nach Mobilität erheblich reduziert werden muss, macht der Züricher Autor P. M. mit Neustart Schweiz einen schlüssigen Vorschlag. Er setzt in der Nachbarschaft an, dort wo das Zusammenleben mit anderen Menschen, die Gesellschaft an sich beginnt. Anstatt die Nachbarschaft auf Treppenhausgespräche und ein gelegentliches Quartierfest zu beschränken, gibt er ihr eine soziale Struktur und eine wirtschaftliche Funktion.²⁰

Basis einer solchen Neuorganisation der Schweiz wäre eine neue Kooperation von Stadt und Land: Landwirtschaftsbetriebe mit je rund 100 ha versorgen Nachbarschaften von etwa 500 Personen mit den nötigen Lebensmitteln. Die Landwirtschaftsbetriebe verfügen über eigene Verarbeitungskapazitäten und beliefern kleine Läden, die von den Nachbarschaften genossenschaftlich geführt werden. Die Nachbarschaft trifft sich im Begegnungszentrum mit Großküche und anderen Dienstleistungen, die das Leben vereinfachen und lebendiger machen. Was man im Pantoffelbereich erledigen kann, spart Energie, sagt P. M., der geistige Vater der europaweit beispielhaften Siedlung Kraftwerk¹ in Zürich. Obwohl diese Siedlung mit 250 BewohnerInnen nur halb so groß ist wie eine ideale Nachbarschaft, ist das Interesse an Mitarbeit groß. Warum 500? Die ideale Größe einer Nachbarschaft von 500 Personen ergibt sich einerseits aus Forschungen des Instituts für Agrarökonomie der ETH Zürich, die 500 als minimale Größe für eine dörfliche Ökonomie ermittelt hat. Andererseits hat die Kommunikationsforschung in Gruppen gezeigt, dass in kleineren Gruppen die Nebenwirkungen unvermeidlicher individueller Konflikte mehr Gewicht haben als in größeren Gruppen, die über vereinsähnliche Strukturen verfügen.

Das Leben in einer Schweiz nach dem Modell Neustart Schweiz bräuchte nicht nur wesentlich weniger Energie, sondern auch weniger Geld. Der Umbau der Schweiz würde nach Schätzungen des Autors mit aufgerundet 100 Milliarden nicht viel mehr kosten als die vorläufige Rettung der UBS. Zudem bleibe das Geld in der Schweiz und zirkuliere in der realen Wirtschaft.

Energiewende in Bürgerhand: Beispiel „Transition Towns“

Wenn wir auf die Regierungen warten, wird es zu spät sein. Wenn wir alleine handeln wird es zu wenig sein. Aber gemeinsam werden wir rechtzeitig und richtig was bewegen können. (Rob Hopkins, Dozent und Mitbegründer der Transition Town Bewegung)

Trotz des Wissens über nie da gewesene Herausforderungen wie Klimawandel und globales Ölfördermaximum verhalten sich nur wenige Menschen umweltbewusst.

Urban Gardening (Transition Minett)

In der Schweiz steht die Neustart-Schweiz-Plattform der Transition-Town-Bewegung sehr nahe. Ausgehend von Großbritannien in 2006, breitet sich die Transition-Town-Bewegung („Städte im Wandel“) allmählich wie ein Lauffeuer aus. Heute gibt es bereits mehr als 1 200 solcher Initiativen in 45 Ländern. Besonders nach dem Fiasco des Kopenhagener Klimagipfels 2009 hat die Bewegung der „Städte im Wandel“ großen Zulauf gefunden. „Transition“ heißt den Wandel von der Erdölabhängigkeit zur lokalen Resilienz$^{21}$ zu gestalten.

Angesichts der ökologischen, energetischen und wirtschaftlichen Krisen geht es darum, die Menschen zu ermutigen und Neues auszuprobieren. Der Ansatz hat meistens eine lokale oder regionale Ausrichtung: Aufbau von lokalen Märkten und (Wieder)eröffnung von Quartierläden, Gründung von Gemeinschaftsgärten, Organisation dezentraler Energieversorgung, Experimentieren von Tauschkreisen und regionale Währungen.

Nach der Lancierung von CELL (Centre for Ecological Learning Luxembourg) 2010 wurden verschiedene Aktionsgruppen geschaffen, darunter Ende 2011 eine Gruppe in Luxemburg-Stadt mit der Gründung eines Gemeinschaftsgartens und eine im Süden des Landes namens „Transition Minett“. Letztere hat eine ökosolidarische Einkaufsgruppe, eine Energiekooperative, und ein Quartiergarten ins Leben gerufen.$^{22}$ Mittlerweile tut sich auch was im Westen und Norden Luxemburgs und Vernetzung

findet statt über die Grenzen hinweg mit lokalen Gruppen in der Großregion.

Da Transition Initiativen ein konkretes Beispiel des Prinzips „Denke global, handle lokal“ sind, findet der Einzelne Wege, die eigene Ohnmacht angesichts dieser gigantischen Probleme zu überwinden und im Kollektiv Inspiration und Mut zu finden. Eine wichtige Komponente der bisher gesehenen Transformationsansätze ist, dass „der innere und äußere Wandel zusammenhängt“, so Gerd Weßling, Mitbegründer der Transition Town Bielefeld.

Transformation außen und innen

Die Glocken der Achtsamkeit rufen uns zu, versuchen uns aufzuwecken, sie erinnern uns daran, genau hinzuschauen, welche Auswirkungen unsere Lebensweise auf diesen Planeten hat. (Thich Nhat Hanh, buddhistischer Mönch)

Trotz des Wissens über nie da gewesene Herausforderungen wie Klimawandel und globales Ölfördermaximum verhalten sich nur wenige Menschen umweltbewusst. Psychologen, Pädagogen und Risikoforscher befassen sich daher immer häufiger mit der Frage, wie man dies ändern kann. Ein Problem ist, dass der Klimawandel noch kaum spürbar ist, so dass er Menschen abstrakt scheint. Und allzu drastische Prognosen, mit denen vor allem in den Anfängen der Umweltbewegung in den 1980er Jahren hantiert wurde, vergrößern nur die Hilf- und Tatenlosigkeit.

In der Postwachstumsdiskussion knüpfen sowohl Harald Welzer als auch der französische Agrarökologe und Philosoph Pierre Rabhi²⁸ an vier Jahrzehnte Diskussion über nachhaltige Lebensstile, Suffizienz und ethisches Konsumverhalten an und heben die Lebensstil-Debatte auf eine neue Ebene. Es reiche nicht, gut gemeinte Ratschläge zu erteilen und Auto- und Fleischverzicht zu predigen, wie es die postmodernen „Lohas“ („lifestyle of health and sustainability“) tun, die zwar oft ein hohes Umweltbewusstsein jedoch einen hohen Konsum (i-Geräte, weite Reisen) aufweisen. Wenn die große Transformation gelingen soll, dann muss eine tiefere Ebene der Selbstreflexion einbezogen werden: Wir müssen die Mechanismen und Prinzipien „in uns drinnen“ durchschauen, auf denen unsere Ideale und Wünsche, unsere Vorstellungen und Empfindungen von Zufriedenheit fußen. Denn diese werden durch unsere mentalen Infrastrukturen ein gutes Stück vorgegeben. Womöglich werden wir dann dem Wunsch nach „Weniger ist mehr“ näher kommen oder die Frage „Wie viel ist genug für ein gutes Leben?“ anders beantworten können.

Was wir neben vielen umweltpolitischen Maßnahmen brauchen, ist vor allem ein neues Denken und Fühlen, ein neues Bewusstsein und Verständnis in Bezug auf Mensch, Erde und die einzelnen Naturreiche. Die „inneren Wege“, die eine seelische Entwicklung und Verwandlung anstreben, können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Als der Co-Präsident des Club of Rome Anders Wijkman nach seinem Vortrag in Luxemburg gefragt wurde, welche Pisten er anzubieten hätte, um den notwendigen Bewusstseinswandel herbeizuführen, erklärte der gestandene EU-Politiker und ehemalige UN-Direktor ohne zu zögern, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, in der Regel einen respektvolleren Umgang mit ihrer Umwelt pflegen.

Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh popularisiert die Praxis der Achtsamkeit und wendet sie mitunter auf die Themen Ökologie, globale Erwärmung und die Auswirkung des menschlichen Konsumverhaltens auf den Planeten Erde an. Er betont in seinen Schriften, dass wir akzeptieren müssen, dass die menschliche Zivilisation sich selbst zerstören kann. Diese Tatsache zu erkennen, sollte nicht zu Verzweiflung führen, sondern dazu, alles zu tun, um dies zu verhindern.²⁴ In dieser weltumspannenden Achtsamkeit geht es auch darum, sich den Auswirkungen des egozentrierten Bewusstseins auf den einzelnen Menschen wie auch auf das Verhalten der Menschheit insgesamt bewusst zu werden.

2012, der Weltuntergang war gestern. Auf geht’s in ein neues Zeitalter. ♦

1 CSDD (2013). La vie au Luxembourg aujourd’hui et demain, Sondage réalisé par TNS-lires sur mandat du CSDD en 2013. Conseil supérieur pour le développement durable: www.csdd.lu.

2 Stern, Nicholas (2007). The Economics of Climate Change. The Stern Review.

3 International Energy Agency (2012). Europe’s oil bill is set to reach USD 500 billion in 2012, http://www.iea.org/newsroomandevents/news/2012/may/name,27221,en.html (letzter Zugriff am 24.4.2014)

4 Frankfurt School-UNEP Centre/BNEF (2014). Global Trends in Renewable Energy Investment 2014, http://www.fs-unep-centre.org Frankfurt am Main.

5 Brunnengräber, Achim (Hrsg.) (2011). Zivilisierung des Klima-regimes: NGOs und soziale Bewegungen in der nationalen, europäischen und internationalen Klimapolitik. Aus der Reihe: Energiepolitik und Klimaschutz. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien.

6 Heinrich-Böll-Stiftung (2013). Nach der COP 19 in Warschau. Schachmatt für die internationale Klimapolitik. 10.12.2013. http://www.boell.de/de/2013/12/10/after-cop-19-warsaw-checkmate-international-climate-politics#ftn1.

7 European Environment Agency (2013). Climate and energy country profiles. Key facts and figures for EEA member countries. EEA Technical report No 17/2013. S. 111-114.

8 Bevölkerungsdaten von www.statistiques.public.lu.

9 Ewringmann, Dieter; Gerhards, Eva; Jung, Anna; Thöne, Michael: Hintergrundpapier für die Initial- und Grundsatzgruppe im Rahmen des Partenariat pour l’environnement et le climat. FiFo Köln, Mai 2010.

10 De Schutter, Olivier (2010): Large-scale land acquisitions and leases: a set of minimum principles and measures to address the human rights challenge. Report presented to the Human Rights Council [A/HRC/13/33/Add.2]. www.srfood.org.

11 Vgl. www.mecoskop.lu.

12 Vgl. www.myfootprint.lu.

13 Votum Klima (2013). Luxemburg braucht endlich eine Klimaschutzstrategie! Offener Brief an die Koalitionsparteien vom 15. November 2013. Siehe http://caritas.lu/Actualit%C3%A9s/Votum-Klima-Offener-Brief-an-die-Koalitionsparteien-Luxemburg-braucht-endlich-eine-Klimaschutzstrategie (16.2.2014).

14 CSDD (2013). La vie au Luxembourg aujourd’hui et demain – Sondage réalisé par TNS lires sur mandat du CSDD en 2013. Conseil supérieur pour le développement durable: www.csdd.lu.

15 Vgl. www.res-league.eu und www.energieagentur-region-trier.de.

16 Welzer, Harald (2011). Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt kam. Schriftenreihe der Heinrich-Böll-Stiftung. Bd. 14

17 siehe www.postwachstumsoekonomie.de, www.postcarbon.org, www.institutmomentum.org.

18 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2011). Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. Zusammenfassung für Entscheidungsträger, www.wbgu.de.

19 P.M. (2010). Neustart Schweiz. So geht es weiter. Edition Zeitpunkt, 2. erw. Auflage.

20 Siehe auch www.neustartschweiz.ch.

21 Gemeint ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber den grundlegenden Änderungen die sich aus den aktuellen Krisen ergeben.

22 siehe www.cell.lu, transitiontown.lu, www.transition-minett.lu.

23 Rabhi, Pierre (2010). Vers la sobriété heureuse, Actes Sud, 2010.

24 Thich Nhat Hanh (2009). Die Welt ins Herz schließen. Buddhistische Wege zu Ökologie und Frieden. Aurum in J. Kamphausen, Bielefeld.

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