Kultur in der Presse

Interview mit Pilo Fonck (RTL) und Fernand Weides (tageblatt)

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Fortsetzung des Interviews mit Pilo Fonck (RTL) und Fernand Weides (t) aus ‚forum‘ Nr. 50

forum: Eben wurde gesagt, auf kulturellem Gebiet liege in der Presselandschaft noch manches brach. Seid ihr alle beide dieser Meinung? Es gibt eigentlich in keiner der bestehenden Tageszeitungen eine seriöse kulturelle Sparte.

F.W.: In keiner?

forum: Nein, denn auch ‚Die Warte‘ im ‚Luxemburger Wort‘ richtet sich nur an einen sehr beschränkten Leserkreis und spiegelt sicher nicht das gesamte Kulturleben unseres Volkes wider.

F.W.: Mein Satz war eigentlich eher aufs Ausland gemünzt. Aber es stimmt, dass die Presse das kulturelle Leben nicht optimal widerspiegelt. Andererseits ist zu bemerken, dass das ‚kleine‘ lokale kulturelle Leben eher in den Lokalspalten unserer Zeitungen Platz findet. Solche Veranstaltungen werden in der gesamten Presse kaum mehr vernachlässigt als etwa Sportsvereine.

forum: Es beschränkt sich eben auf eine reine Ankündigung und Berichterstattung über solche kulturelle Manifestationen. Aber in der Presse wird die kulturelle Tätigkeit selbst kaum ausgeübt. Wo soll z.B. ein Luxemburger Schriftsteller schreiben?

F.W.: Tja, ich hatte vor einiger Zeit im t eine Feuilletonseite eingeführt und an die Leser appelliert, Texte einzusenden. Aber das Echo war sehr dürftig. Und wenn Autoren Texte einsenden sind diese Leute oft sehr mimosenhaft. Eine Redaktion möchte selbst bestimmen, was sie in ihre Zeitung setzt, auch gegenüber Kulturschaffenden. Wenn sie dann einen Text zu lang findet und um Kürzung bittet, wird sofort von Zensur geredet, Da wird m.E. öfters übertrieben. Auch die freien Mitarbeiter, so willkommen sie sind, müssen sich bestimmten Zwängen unterwerfen.

*forum: Habt ihr bei RTL und im t ein bestimmtes Konzept von Kultur? Manche Ereignisse figurieren in

den Zeitungen ja, wie eben erwähnt, nicht unter Kultur, sondern in der Lokalrubrik, z.B. Konzerte, Musikwettbewerbe, Theateraufführungen.. Vor einigen Monaten gab es in der Presse eine Diskussion über Kultur mit grossem oder kleinem K. Hatte diese Diskussion konkrete Folgen in euren Redaktionen? Oder gilt die Kulturseite immer noch ausschliesslich für die Kultur mit grossem K, die sich an Akademiker richtet, wie etwa in der ‚Warte‘?*

F.W.: Diese Überlegungen spielten mit, als 1976 die t-Beilage ‚Phare‘ abgeschafft wurde, weil sie ‚en vase clos‘ funktionierte, sich nur an einen begrenzten Leserkreis wandte. Wir wollten diesen Rahmen sprengen. Pilo Fonck hat das ja auch fürs Radio unterstrichen: Eine Zeitung ist ein Ganzes, auch die Kultur muss darin integriert werden, obschon RTL wieder eine eigene Kultursendung eingeführt hat …

P.F.: … ohne die kulturellen Nachrichten innerhalb der allgemeinen Informationssendung zu vernachlässigen!

F.W.: Auch wir sind wieder dazu gekommen, trotzdem Sonderseiten zu veröffentlichen, weil ein Teil des kulturellen Lebens sich nicht in den normalen Rahmen pressen lässt. Aber im Prinzip soll das integriert bleiben. Und zur Schreibweise bleibt noch zu sagen, dass auch im kulturellen Bereich in einem Stil ge-

schrieben werden soll, den alle verstehen, und nicht nur eine esoterische Minderheit. Das gilt fürs t wie für RTL oder das L.W., die alle eine populäre Leserschaft haben. Aber es bleibt noch ein ganzes Stück Weg zurückzulegen.

P.F.: Unser Ziel war es schon, das Kulturelle populärer zu machen. Wir sind wahrscheinlich jene Redaktion, die sich in den letzten 3 Jahren am meisten Mühe gegeben hat, mehr Kultur anzubieten. Man könnte aufzählen: Das ‚Concerto‘ sonntagmorgens, das ‚Neue Forum‘, ‚Frequenzen‘ am Mittwochabend, jeden Monat eine Kinosendung usw. Aber es happert ohne Zweifel an der Bequemlichkeit unserer potentiellen kulturellen Mitarbeiter. Unser Problem ist es aktuell zu bleiben. Wir haben eine Unmenge Leute angesprochen um etwa am selben Abend nach einer Theatervorstellung noch einen Beitrag zu besprechen, der am darauffolgenden Morgen gesendet werden könnte. Das heisst natürlich, dass sie noch spät abends im Studio vorbeikommen, den Beitrag verfassen und auf Tonband sprechen. Es war enorm schwer Leute zu finden, die dazu bereit wären. Einmal habe ich 11 Professoren zwischen 8 und 9 Uhr ange-

angerufen, um für die 12.30 Uhr-Nachrichten einen Beitrag über Sartre zu machen. Das sind meistens dieselben Leute, die gerne den Vorwurf erheben, RTL tue zu wenig für die Kultur!

F.W.: Da gebe ich Pilo Fonck völlig recht. Wir haben dieselbe Erfahrung auch in andern Bereichen gemacht. Wir haben 1980 im Herbst bei potentiellen t-Mitarbeitern eine grosse Offensive gestartet, um zu Sachthemen Beiträge zu bekommen, und zwar möglichst spontan. Etwa so, dass wir morgens jemanden anrufen können, um für den nächsten Tag einen Hintergrundbericht für eine aktuelle Information zu bekommen. Das Echo war sehr gering.

forum: Und über die kulturellen und sportlichen Aktivitäten eines Viertels der Bevölkerung, nämlich der Ausländer, wird die luxemburgische Bevölkerung schon gar nicht informiert.

F.W.: Da fehlt es uns einfach an spezialisierten Mitarbeitern … Und zum Teil liegt das auch an finanziellen Grenzen.

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