Le courrier de la grogne
Zum Boeing-Abschuss
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ZUM BOEING-ABSCHUSS
Liebe Forum-Redaktion!
Unter Ihrer Unterschrift, spricht die letzte Forum-Nummer (Anmerkung S. 31) von einem "barbarischen Verbrechen der Sowjetunion" im Zusammenhang mit dem Abschuss des koreanischen Zivilflugzeuges. Mit dieser Darstellung und Beurteilung steht die Forum-Redaktion nicht allein da. Während Wochen wiederholte Herr Reagan mit fast sämtlichen westlichen Regierungen und Pressemedien – auch den luxemburgischen –, wie unmenschlich, brutal und absichtlich die Sowjetunion die 269 Besatzungsmitglieder in den Tod abschoss.
Es bedurfte nicht dieses tragischen Zwischenfalls, um das sowjetische Regime zu kennen und zu kennzeichnen. Dennoch, sind wir im wahrheitsliebenden Westen nicht dazu gehalten, auch solche Zwischenfälle möglichst objektiv, sachlich und unpolemmisch zu untersuchen, ehe wir über Schuldigkeit befinden? Zugegeben, die völlige Aufdeckung der Tatsachen werden wir wahrscheinlich nie erfahren.
Weil die Sowjetunion dies eben nicht will. Prinzipiell oder aus sturen Sicherheitsgründen. Trotzdem, ist auf Grund des bestehenden Informationsmaterials, nur die Sowjetunion schuldig?
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Ich finde es erstaunlich, dass sich bis jetzt so wenige bereit fanden, sich über das Verhalten der Piloten der abgeschossenen KAL 747 einige sich aufdrängende Fragen zu stellen. Wie war es möglich, dass sie während 2 Stunden feindliches Gebiet überfliegen konnten, ohne dies zu merken? Ohne den Kurs zu korrigieren? War dies kein Fehler, nicht wenigstens ein schwerwiegender Irrtum? Zumal es sich um ein Gebiet handelt, das stets internationalen Spannungen ausgesetzt ist, wo die USA regelmässig Spionageflugzeuge, etwa vom Typ R-135 herumfliegen lassen. Bereits mehrere Male wurden in der Vergangenheit US-Spionageflugzeuge von der Sowjetunion im asiatischen Raume abgeschossen. Wovon die Weltöffentlichkeit natürlich nichts erfuhr. George Kennan, früherer Us-Botschafter in Moskau schreibt am 12.10.83 in der International Herald Tribune (IHT): "Es bedarf bloss der unerklärlichen Hartnäckigkeit des südkoreanischen Piloten, der auf provozierende Art und Weise nachts mehrere hundert Meilen weit empfindliches Sowjetterritorium und Einrichtungen überflog, sowie der Unzulänglichkeiten im sowjetischen Abwehrsystem, um den Zwischenfall herbeizuführen.
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Am 08/09.10.83 berichtete die IHT, US-Experten verfügten, ihren eigenen Informationen zufolge über keinen Hinweis, dass das sowjetische Verteidigungspersonal wusste, dass es sich um ein Zivilflugzeug handelte, bevor sie es angriffen. Sie sind zur Schlussfolgerung gekommen, dass die
SU-15, welche die KAL 747 abschoss, sich unter und hinter dem Zivilflugzeug und nicht neben ihm befand, wie US-Offizielle zuerst annahmen. Im Klartext heisst dies, dass die Sowjets davon ausgingen, dass es sich um ein RC-135 Spionageflugzeug handelte. Ähnlich berichtet am 13.10.83 der L.W.-Moskaukorrespondent: "Die sowjetische Darstellung, -inzwischen vom CIA bestätigt-, dass auch diesmal das Flugzeug von den Jägern nicht als ziviles Jumbo identifiziert wurde, erscheint glaubhaft."
Diese Information, so die IHT, wirft ein ziemlich verschiedenes Licht auf den Zwischenfall.
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Diese Nachricht lag bereits am 12.September im Weissen Hause vor. Erst am 08/09.Oktober wurde sie veröffentlicht. Also über 4 Wochen später. Warum?
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Am 13.10.83 erwägt ein IHT-Kommentator die Möglichkeit, angesichts dieser neuen Version, dass die KAL 747 einen Spionageauftrag erfüllte, so wie die Sowjets dies behaupten. Würde sich dies herausstellen, würde dies eine moralische Katastrophe für die USA bedeuten, so der IHT-Kommentator.
Sylvie Dostert
SIND WIR DIE WASSERTRÄGER AMERIKAS?
Liebe "Forum"-Redaktion:
Ihr verurteilt den Abschuss einer südkoreanischen Passagiermaschine durch die sowjetische Luftverteidigung fast auf die Silbe genau mit den gleichen Kraftvokabeln wie die amerikanische Regierung: "Das barbarische Verbrechen, das die SU sich mit dem Abschuss eines zivilen Flugzeugs hat zuschulden kommen lassen, bestätigt uns einmal mehr, dass der Friedenswille des Sowjetregimes nicht höher einzuschätzen ist als jener Reagans und seiner Berater" (Forum Nr 67, Seite 31). Gleich anschliessend sprecht ihr von einem "abscheulichen Zwischenfall". Um eure Empörung noch zu unterstreichen, veröffentlicht ihr gleichsam als suggestiven Zusatz eine ausgesprochen dumm-dreiste Karikatur von Plantu aus der Tageszeitung "Le Monde" vom 3. September 1983. Zwei Tage nach dem Abschuss-Zwischenfall -inmitten der allenthalben überdrehten Attacken gegen die Sowjetunion-mag Plantus extreme Vereinfachungskunst noch erklärbar scheinen, weil sie der exakte Ausdruck eines kollektiven Gefühlsausbruchs ist. Aber welchen Stellenwert kann man einem solchen "Dokument" einen ganzen Monat nach dem Zwischenfall -Erscheinungsdatum eurer Zeitschrift- noch beimessen? Inzwischen sind neue, differenzierte Erkenntnisse publik geworden, die vor allem die Rolle der US-Regierung bei der Abschussaffäre in einem völlig veränderten Licht erscheinen lassen. Dazu einige Anmerkungen:
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So legitim und unverzichtbar der Protest gegen jeden Angriff auf das menschliche Leben ist, und zwar unabhängig von den jeweiligen Umständen, so wichtig ist andrerscits, bei einem weltpolitisch gesehen unwahrscheinlichen Ereignis wie dem Flugzeugabschuss nicht gleich unbedacht Partei zu ergreifen, sondern mit gebotener Skepsis zunächst einmal die Entstehungsgeschichte zu prüfen. Wie fahrlässig sich die westeuropäischen Medien in den amerikanisch-sowjetischen Propagandakrieg einspannen lassen, ohne eigene Kontrolle und Recherche, illustriert hierzulande beispielsweise eine Zeitung wie das "tageblatt", die einen Tag nach dem Abschuss über die ganze Breite der ersten Seite titelte: "Unglaublich! Entsetzlich!" Diese Zeitung hat ihre Publizistik immerhin (theoretisch) einer kritischen Analyse des kapitalistischen Systems verschrieben, also darf man erwarten, dass sie weltpolitisch bedeutsame Vorkommnisse nicht einfach emotional abkanzelt, sondern auch die Hintergründe beleuchtet. Doch auch im Innern des Blattes fand man tagelang nur von der "Associated Press" übernommene Hofberichte aus dem Weissen Haus, bebildert mit den effektvollen "Trauermienen" der Herren Shultz und Reagan, buchstäblich eine üppige Gratiswerbung für die amerikanische Interpretation des Zwischenfalls. In den gleichen Zusammenhang gehört, dass im aussenpolitischen Teil des "tageblatt" die amerikanische Interventionsarmee vor den Küsten des Libanon ständig nur als "Friedenstruppe" apostrophiert wurde, was keine Information ist, sondern Ideologie. Sicher ist, dass die schwerwiegende politische Klimaveränderung nach dem Flugzeugabschuss sich nicht mit einer Terminologie beschreiben lässt, die rationale Vorsicht von vorneherein ausschliesst.
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Wieso sollte die sowjetische Version des Zwischenfalls, dass nämlich die südkoreanische Passagiermaschine sehr bewusst zu Zwecken der Provokation über sowjetisches Hoheitsgebiet geschleust wurde, weniger glaubhaft sein als die amerikanische Behauptung, es handele sich beim Abschuss des Flugzeugs um einen "unmenschlichen, barbarischen Akt" ohne erkennbaren politischen Zusammenhang, der nur den "teuflischen" Charakter des kommunistischen Systems belege? Wenn schon das US-State Department ganz offiziell -wenn auch weit weniger lautstark- einräumt, dass ein amerikanisches Spionageflugzeug die südkoreanische Maschine förmlich eskortierte, ist dann die Theorie der gezielten Provokation nicht zumindest ebenso ernstzunehmen wie die These eines "sadistischen Mordkommandos"?
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Wenn man den Zwischenfall im sowjetischen Luftraum von der Wirkung her untersucht, kommt man der möglichen Ursache vermutlich leichter auf die Spur: unmittelbar nach dem Abschuss setzte die amerikanische Regierung eine geradezu ungeheuerliche Propagandamaschine in Bewegung, mit einem spektakulären und raffinierten Verurteilungs-Szenario, das ganz nach einer genau vorbereiteten Kampagne gegen die Sowjetunion aussah. Spontan wirkte die "Empörung" jedenfalls nicht. Ihre erstaunlich schnelle Vermittlung durch bestimmte amerikanische Medien lässt auf ein von langer Hand geplantes Manöver schliessen.
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Weiter gibt der Zeitpunkt dieses massiven antisowjetischen Propaganda-Coups zu denken: der Zwischenfall ereignete sich am 1. September, dem sogenannten "Weltfriedenstag", einem Tag also, an dem allein der psychologische Reizwert des Begriffs "Frieden" mit all seinen Gefühlskomponenten weit höher lag als sonst. Ein -nach Lesart der amerikanischen Regierung- "kriegerischer Akt" der
Sowjetunion an diesem Tag der Friedenssehnsucht musste rein atmosphärisch zum gewaltigen Eklat führen. Die entsprechenden Reaktionen blieben dann auch nicht aus.
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Zusammengekommenen zielen diese emotional überfrachten Reaktionen darauf ab, die "kriegerische Natur" des Sowjetsystems unter Beweis zu stellen, und zwar genau in dem Augenblick, wo weltweit das Vertrauen in die Friedensbereitschaft der USA nachlässt, und parallel der Sowjetunion (vor allem in Westeuropa) eine höhere Kreditwürdigkeit im Vergleich zu den Vorjahren zugestanden wird. Der 1. September 1983 war zugleich Stichdatum für eine breite Mobilisierung der westdeutschen Friedensbewegung gegen das Aufstellen neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in der BRD. Die Bandbreite der geplanten (und inzwischen durchgeführten) Aktionen dokumentiert einen steigenden Glaubwürdigkeitsverlust der USA in der Bevölkerung eines ihrer unabkömmlichsten atlantischen Partner. In diesem Zusammenhang betrachtet erscheint der Abschuss-Zwischenfall schon fast zwangsläufig als ein in extremis inszenierter Eingriff, um die antiamerikanische Stimmung in Westeuropa vorläufig einzudämmen.
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Die zentrale Frage ist: sind die amerikanischen Geheimdienste imstande, 269 Zivilisten vorsätzlich ins Messer laufen zu lassen, wenn es das höhere politische Interesse verlangt? Die Antwort ist eindeutig: sie sind es. Die Unternehmungen des CIA und des Pentagon in den letzten dreissig Jahren, sei es in Mittel- und Lateinamerika, in Afrika oder in Asien, sind ein einziger blutiger Katalog mörderischer Einmischungen, bei denen zehntausende von Zivilisten geopfert wurden, ohne jegliche Rücksicht auf die jetzt so scheinheilig beschworenen "Menschenrechte". Selbstverständlich bestreiten die amerikanischen Geheimdienste, beim Abschuss-Zwischenfall auch nur im entferntesten mitgemischt zu haben. Die gleichen empörten Unschuldsbetreuungen waren 1973 nach dem Sturz der Regierung Allende in Chile zu hören. Doch siehe da: vor ein paar Jahren gestand der CIA in einer öffentlich abgelegten Generalsekretär (die wahrscheinlich mit internen Machtkämpfen zu tun hatte) -mit der "Verjährung" politischer Kriminalität spekulierend-, beim Putsch in Santiago Anstifter und Vollzugsgehilfe gewesen zu sein. Warten wir’s ab: der nächste Gang nach Canossa kommt bestimmt, und die Abschuss-Legende wird in ein paar Jahren voraussichtlich nach dem gleichen Muster wie die Chile-Affäre entschlüsselt.
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Es ist erstaunlich, mit welcher Kaltblütigkeit die amerikanische Regierung sich als universale Hüterin "moralischer" und "zivilisatorischer" Werte aufspielt, während sie gleichzeitig in El Salvador, Guatemala und Nicaragua vor Ort ein Genozid einleitet. Am Tag des Flugzeugabschusses operierten in diesen Staaten -wie bereits monatelang zuvor- amerikanisch gesteuerte Söldnertruppen gegen den erklärten Freiheitswillen der Völker. Die damit verbundenen Massenmorde sind weniger spektakulär als ein Flugzeugabschuss, sie lassen sich vor allem verheimlichen und bestreiten, weil sie aus dem Hinterhalt organisiert und mit einer massiven Nachrichtensperre zusätzlich vernebelt werden.
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Der Propagandadruck der USA überschreitet in den westeuropäischen Staaten jedes erträgliche Mass. Die Sowjetunion wird in unseren Breitengraden ausschliesslich nach Feindbildkategorien beurteilt. Das wiederum erklärt, dass jeder Legitimationsversuch der Sowjetunion als "zynische Lüge" und "kaltblütige Maskerade" fast automatisch denunziert
wird, wobei die völlig unkritische, streckenweise unterwürfige Haltung mehrerer kommunistischer Parteien Westeuropas -einschliesslich der luxemburgischen- gegenüber dem politischen Kurs Moskaus diesen Automatismus eher noch fördert und verstärkt (interessanterweise wird unterschlagen, dass die bürgerlichen Parteien in Westeuropa genau die gleiche unselbständige Beziehung zu den Vereinigten Staaten pflegen, die immer noch ohne jede Nüance als "Befreier" und "Friedensgaranten" vorgestellt werden). Die katholische Tageszeitung "Luxemburger Wort" vermittelt in ihren Leitartikeln und ausserpolitischen Kommentaren ein treffendes Bild dieser zielstrebig geschürten antisowjetischen Hysterie. Die tatsächlichen Verfehlungen und Widersprüche des Sowjetkommunismus werden -ohne Relativierung- allein mit der Absicht herausgestrichen, die USA von jeglichem Verdacht vergleichbarer Umtriebe reinzuwaschen.
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Gelegentlich verstrickt sich diese einseitige Darstellung der weltpolitischen Lage in ihren eigenen falschen Voraussetzungen. So anpaßnt beispielsweise das "Luxemburger Wort" seit längerem, die Sowjetunion wolle sich bei der westeuropäischen Friedensbewegung mit friedfertigem Gebahren anbiedern und so die traditionellen Beziehungen der Nato-Staaten zur "Schutzmacht" Amerika von innen aushöhlen. Gleichzeitig aber wird den Sowjets anlässlich des Abschuss-Zwischenfalls unterstellt, sie wollten vor der Weltöffentlichkeit den aggressiven und kriegerischen Charakter ihrer Staatsideologie vorführen. Entweder stimmt erstere These, und die Sowjets können und wollen sich keinen taktischen Fehler von Ausmass des Flugzeugabschusses leisten, oder die zweite Mutmassung ist richtig, und die Sowjets können und wollen die westeuropäische Friedensbewegung nicht mit verführerischen Schalmeien für ihre Zwecke gewinnen. Obwohl beide Thesen sich gegenseitig ausschliessen, werden sie beide im "Luxemburger Wort" mit gleichstarker Virulenz vertreten. Dies beweist, dass der propagandistische Zweck auch die untauglichsten Mittel heiligt.
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Wenn es stimmt -wie ihr schlussfolgert-, dass mit dem Abschuss-Zwischenfall vor allem die "Labillität derzeitiger ‚Sicherheits‘-Systeme" unter Beweis gestellt wurde (und sehr vieles spricht in der Tat für diese Annahme), so muss man vor allem auch die Frage stellen, wie diese Unberechenbarkeit entsteht und was sie verstärken kann. Wenn erwiesenermassen mit zunehmender Hochrüstung auch der psychologische Druck wächst, dem die Verwalter der Waffenapparate ausgesetzt sind, und wenn Kurzschlussreaktionen immer wahrscheinlicher werden, weil die entsprechende Technologie selbst unberechenbar wird, kann man sich leicht ausmalen, dass eine wissentliche Verschärfung des psychologischen Drucks die Kriegsgefahr ungemein erhöht. Was aber haben die Amerikaner im Anschluss an den Luftzwischenfall versucht? Sie haben es -übrigens nicht zum erstenmal- mit allen Mitteln darauf angelegt, die ohnehin verunsicherte sowjetische Führung vollends in die politische und moralische Isolation zu treiben. Wer so wahnwitzig die letzten Verständigenschancen zwischen zwei hypersensiblen Militärmächten zerstört, kann für sich nicht den Anspruch auf Friedfertigkeit erheben. Er führt Krieg mit den Mitteln der psychologischen Destabilisierung. Wir können von Glück reden, dass die Rechnung der Reagan-Administration auch bei theoretischen Verbündeten auf entschiedenen Widerstand stiess.
Mit freundschaftlichen Grüssen
Guy Rewenig
Soo…
freuen
wir
uns
über
Lesebriefe!
AN DEN HERRN CAMPAGNA UND DIE REDAKTION DES "FORUM MAT PUBLIC" (Leserbrief zu Nr. 65-66 vom 2.7.83, betreffend "Jugend an Politik-Fragebogenaktion und Kommentar")
Die Lektüre dieses Artikels ist geradezu eine Herausforderung zu einer persönlichen Stellungnahme. Und auch wenn unterzeichnete Artikel nur die Meinung des Autors wiedergeben, möchte ich es dennoch nicht unterlassen, einige Vorwürfe an die Redaktion selbst zu richten.
Zunächst zu den Fragen selbst, die in dieser Form wohl von der ganzen Redaktion gebilligt wurden. Sie sind, von Objektivität keine Spur, äusserst subjektiv in ihrem Inhalt und erlauben als solche von vorne herein keine ernsthafte Analyse des Themas "Jugend an Politik". Was haben nämlich suggerierende Begriffe, wie "Friedensbewegung", "Manifestationen", "Dritte Welt", "Umwelt", "Grüne Partei" und "Manipulation", die heute alle einen gewissen Nachgeschmack haben, in einer doch wohl als neutral gewollten Fragebogenaktion zu suchen? Nicht etwa, dass ich diesen gewichtigen Problemen unbeteiligt oder uninteressiert gegenüber stünde, aber in einem solchen Fragebogen sind sie einfach fehl am Platze. Ebensogut hätte man, wenn man schon solche Themen anspricht, der Ausgeglichenheit halber, über den Schwangerschaftsabbruch, das Problem der Altenversorgung, die Integrierung von Behinderten oder andere sehr interessante Bereiche Fragen stellen können. Aus der von Ihnen veranstalteten Fragebogenaktion ist es jedenfalls völlig sinnlos, irgendwelche gültigen Konsequenzen zu ziehen. Darüber hinaus erscheint es mir, im Zusammenhang einer Befragung von Kindern und Jugendlichen, als eine Pervertierung des eben durch die Gesellschaft definierten Begriffes "Politik", wenn man in einer Frage (Siehe Frage 3) von zwei verschiedenen Politiken redet, die doch gerade in den idealistischen Vorstellungen des Jugendlichen ein und dasselbe sein sollten. (Auch wenn ich gestehe, dass dies im politischen Alltag oft nicht der Fall zu sein scheint.)
Dann zur Auswertung und zum Kommentar. Ich kenne Herrn Campagna nicht, und weiss nicht welche Zeitungen er normalerweise liest. Aber in unserer, glücklicherweise noch relativ freien westlichen Welt, ist es unter bedeutenden Zeitungen üblich, Reportagen und Analysen möglichst objektiv und deutlich vom Kommentar getrennt zu verfassen und abzudrucken. Dass eine Analyse unweigerlich von der Persönlichkeit dessen, der sie durchführt, beeinflusst wird, ist selbst mir klar; dennoch lobe ich mir das ehrliche Bemühen um eine möglichst grosse Objektivität. Davon ist aber in der Auswertung von Herrn Campagna keine Spur. Im Gegenteil, er versteht es sehr geschickt, die Aussagen von Kindern, die sich im nachhinein nicht mehr wehren können, unter dem Deckmantel einer sogenannten "Analyse" mit seinen lächerlichen, propagandistischen Phrasen zu kommentieren. Begriffe, wie "Kapitalismus" und "Desinteresse der westlichen Welt" sprechen wohl für sich! Wie aber konnte die Redaktion der Zeitung dies zulassen? Das hat mit Mei-
nungsfreiheit nichts mehr zu tun, dies sind schwerwiegende, grobe Fehler, die einen dazu verleiten, Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Zeitung zu hegen.
Nachdem diese Vorwürfe sowohl an die Redaktion, als auch an Herrn Campagna selbst gerichtet sind, beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen ausschliesslich auf die "persönliche" Meinung von Herrn Campagna.
Und wenn ich von "persönlicher" Meinung des Autors spreche, dann ist das eigentlich schon sehr schmeichelhaft für diesen. Die Lektüre dieses propagandistischen Pamphletes war unangenehm genug. Aber ich bekenne mich uneingeschränkt zum Grundsatz der ehemaligen Zeitschrift "Public", jedem das Recht auf seine eigene Meinung zuzugestehen und diese ungeschminkt als Leserbrief oder freien Beitrag zu veröffentlichen, wenn er vom Autor in eigener Verantwortung unterschrieben war, auch wenn dies manchmal äusserste Überwindung gekostet hat. Diese Toleranz wird immer dann auf das Höchste herausgefordert, wenn eine Meinung veröffentlicht werden soll, die das freiheitliche System zerstören will, in dem man lebt und zu dem man sich bekennt. Aber die ehemalige "Public"-Redaktion hat sich immer konsequent daran gehalten. Und dies ist eine Leistung, auf die nicht jede Zeitung zurückblicken kann, schon gar nicht im Ostblock, aber auch hier in den sogenannten "westlichen" Staaten nicht.
Ich möchte deshalb nur das falsche analytische Vorgehen, die Formfehler von Herrn Campagna kritisiert haben, ohne "seine" gesellschafts-politischen Themen zu kommentieren, zu denen ich mich, wie unschwer zu erraten sein wird, mitnichten bekenne. Ich möchte es aber, der Vielseitigkeit, der in Ihrer Zeitung vertretenen Meinungen halber, nicht unterlassen, die Kehrseite der Medaille grob zu skizzieren:
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Es gibt durchaus Jugendliche und Erwachsene, die ihr Leben an Jesus Christus orientieren und Gott zu ihrem Lebensinhalt machen.
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Für viele Menschen sind Religiosität, Kultur und Moral, nicht aber die Emanzipation im Materialismus oder die Umverteilung der Produktionsverhältnisse, Kriterien und Wegweiser menschlichen Zusammenlebens.
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Manche Leute lehnen es ab, wenn jemand ihnen seine Meinung aufzwingen möchte oder wenn man ihre, glücklicherweise unvorbelasteten Kinder, die sich nicht wehren können, in der Schule den vorgefertigten Meinungen der Erwachsenen "zum Abschuss" freigibt.
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Diese Menschen sind auch für soziale Gerechtigkeit und gleiche Rechte für alle. Sie sind aber der Meinung, dass es andere Wege gibt, die eher zum Ziel führen als die eines "dialektischen Materialismus". Für sie ist der Mensch gerade nicht das "Tier, das sich selbst produziert", sondern von Gott geschaffen, von ihm erwählt und zu ihm hinaufsteigend. Daraus erwächst ihre Kraft und ihre Hoffnung. Sie können somit ohne zu verzweifeln erkennen, dass sie selbst nicht perfekt sind und wissen, dass man die menschliche Gesellschaft unmöglich nach dem sozialistischen Modell organisieren kann: solange jeder sich selbst am nächsten ist, muss dies unweigerlich im totalen Chaos enden. Die Welt krankt nun eben einmal am Menschen selbst und nicht an den Produktionsverhältnissen. Wer an Gott glaubt und weiss, dass alle Kinder Gottes sind, braucht nicht zu verzweifeln.
Und zu diesen Menschen gehöre ich. Und ich weiss, dass es sehr viele gibt, die dazu gehören.
KOCH Armand
Bettembourg
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