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Der Artikel von Hubert Hausemer leidet unter einem Grundmangel: er kann trotz aller angestrebter Objektivität und trotz des versöhnlichen Schlusses die Perspektive des theologischen Denkens nicht einen Augenblick loslassen. Deshalb kann er der atheistischen Position eigentlich nicht gerecht werden.

"…wer glaubt, durch die radikale Lösung des Theodizeeproblems, nämlich den Atheismus, sich des Problems des Übels entledigt zu haben, irrt sich gewaltig." (S.31) Das stimmt in der Tat, nur wer glaubt sowas wirklich? Hier wird ein Gegner montiert, den es vielleicht im 18. Jahrhundert gegeben hat. Kein Atheist glaubt heute mit dem Theodizee-Argument das Problem des Bösen gelöst zu haben; wenn er das tun sollte, ist er denkschwach, und mit solchen Gegnern lohnt eigentlich keine Auseinandersetzung.

Um es noch einmal klar und deutlich zu formulieren. Der Atheist gebraucht das Argument einzig und allein, – und das seit einigen Jahrhunderten mit großem Erfolg – um die Gottesvorstellung zu zerstören mit dem Hinweis auf ihre fundamentale Widersprüchlichkeit: ein all-gütiger, all-wissender und all-mächtiger Gott wird angesichts des Bösen vor dem Tribunal des Denkens zur Chimäre. Der Philosoph J.L. Mackie sieht im Problem des Übels sogar den Ansatz für einen Gegenbeweis des Theismus. (Das Wunder des Theismus, S. 239). Darin erschöpft sich für den Atheisten die Funktion der Theodizeefrage, die H. Heine einmal so formuliert hat:

Warum schleppt sich blutend, elend,
Unter Kreuzlast der Gerechte,
Während glücklich als ein Sieger
Trabt auf hohem Roß der Schlechte?

Woran liegt die Schuld? Ist etwa
Unser Herr nicht ganz allmächtig?
Oder treibt er selbst den Unfug?
Ach, das wäre niederträchtig.

Es geht also nicht an, die Theodizee-Frage kurzerhand auf den Menschen, den Kosmos, das Sein oder die Vernunft zu verschieben: in keinem dieser Bereiche wird nämlich ein Anspruch auf All-Güte; All-Macht oder All-Wissen erhoben. Gott als Objekt des Glaubens ist fundamental verschieden vom Sein,

dem Menschen oder dem Kosmos. Das Sein ist, wie es ist, der Mensch und der Kosmos ebenfalls, eine Dizze ist hier vollständig fehl am Platz. Diese Elemente sind vorhanden in ihrer Schlechtigkeit oder Gleichgültigkeit, man braucht nicht an sie zu glauben, man muß sie auch keineswegs rechtfertigen. Wofür denn? Man kann nur die Herausforderung des Daseins annehmen oder ablehnen, den Menschen kann man lieben, oder man hofft, daß er besser wird; man kann ihn auch hassen. Und was die Vernunft anbelangt, so braucht auch sie nicht gerechtfertigt zu werden, aus dem ganz einfachen Grund, weil es neben ihr kein anderes universelles Erkenntnismittel gibt. Dieses Mittel ist schwach und korrumpierbar, kann instrumentell werden und den Menschen tierischer als jedes Tier werden lassen. Aber wenn wir sie kritisieren, dann doch wieder in ihrem eigenen Namen! Zu rechtfertigen brauchen wir sie nicht, nur die Ergebnisse, die sie zeitigt, müssen immer wieder in Frage gestellt werden. Sie ist also eher als ein Prozeß zu deuten und nicht als eine gegebene fertige Größe.

Was die Sinnfrage anbelangt, mit der die diversen Dizzen vom Autor eingeführt werden, so ist darauf hinzuweisen, daß sie ein typisches Erbe des Christentums in nachchristlicher Zeit ist, daß sie aber keineswegs eine logisch notwendige Frage ist. (In der Antike etwa war sie in dieser Form nicht existent.) Die Art, in der sie hier verstanden wird, ist theologisch, ja teleologisch, insofern als der Sinn als erkennbares und anstrebbares Ziel verstanden wird, von dem her man Handlungsanweisungen bezieht, ja nach dem man sein ganzes Leben ausrichtet. Die Katechismusfrage "Wozu sind wir auf Erden?" wird mit dem Tode Gottes hinfällig. An der Sinnfrage ist ihr unterschwellig transzendentaler Verweischarakter problematisch.

Sinn kann sich aber durchaus auch aus dem Leben selbst in seiner Vielfalt und Entwicklung ergeben, vorgeben läßt er sich heute nicht. Wer sich aufs Leben einläßt, schafft Sinn. Auch ethisches Handeln muß nicht religiös, d.h. heteronom motiviert sein. Es orientiert sich dieses Handeln an den kulturellen und sozialen Normen der jeweiligen Gemeinschaft und ihrer historischen Entwicklung.

Jacques Wirion

10e Anniversaire du Kopplabunz

Centre de rencontre pour femmes
Treffpunkt für Frauen

samedi 4 juin 1994 de 20.00 à 22.00: Conférence: Le salaire familial: un piège?

Hedwige Peemans-Poullet de l’Université des Femmes, Bruxelles
au Foyer du Hall Victor Hugo, avenue Victor Hugo, Luxembourg-Limpertsberg

samedi 18 juin 1994 de 17.00 à 19.00: Table-Ronde: Hausfraenloun

participantes: Mady Delvaux, Lily Gansen, Ginette Jones, Agnès Krajl
modération: Dominique Schlechter

Sinn kann
sich aber
durchaus
auch aus
dem Leben
selbst in
seiner Vielfalt
und
Entwicklung
er-geben,
vor-geben
läßt er sich
heute nicht.

46 rue Michel Rodange
-2430 LUXEMBOURG/GARE
5m 22 07 14

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