In Luxemburg brennen mittlerweile nicht nur die Adventskerzen, hier brennt auch das einzige öffentlich-rechtliche Radio. Nach dem Rücktritt Laurent Loschetters als Präsident des Verwaltungsrates spitzt sich der Konflikt zwischen Redaktion und Direktion weiter zu. Einer der Vorwürfe der sich gegängelt fühlenden Redaktion lautet, dass es eine zu starke Einmischung in ihre journalistische Arbeit gebe.

Eine von der Direktion erhobene Forderung lautet, den Blick auf die Quote zu richten! Ja, es wäre natürlich schön, wenn 100,7 seine Zuhörer*innenzahlen erhöhen könnte. Aber muss das überhaupt sein? Und muss das um jeden Preis geschehen? Leisten sich parlamentarische Demokratien nicht öffentlich-rechtliche Medien, um gerade dem Quotendruck, unter dem die Privaten stehen, entgehen zu können? Um die Bürger*innen mit demokratischen Grundbedürfnissen – umfassende Information, kritische Einordnung, unabhängige Berichterstattung – zu versorgen? Was, wenn der Preis der Quote in Verflachung, Emotionalisierung und Nivellierung des Profils besteht? Die neue Zusammenarbeit mit Delano in Form der Jim Kent Show lässt nichts Gutes erahnen. Natürlich ist es begrüßenswert, wenn der Sender auch englischsprachige Formate entwickelt, um neue Zuhörer*innenkreise zu bedienen. Dass ein Moderator auf Radio 100,7 im Schenkelklopferstil der privaten Morning Shows vor sich hin plaudert, dann aber ganz unironisch über die positiven Seiten von fast fashion nachdenkt (dadurch würde man schließlich Arbeitsplätze in Asien sichern), dürfte schwerlich im Sinne derjenigen sein, die vor fast 30 Jahren diesen Sender gegründet haben – und sicherlich auch nicht im Sinn der Redaktion und der Öffentlichkeit. Es brennt bei 100,7. Man wird sehen, wie die neu berufene Verwaltungsratspräsidentin Véronique Faber diese Feuer löschen wird.

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Von einem anderen „Großprojekt“, an dem seit 15 Jahren mit viel Einsatz gearbeitet wurde, ist nur noch die Asche übrig: Die neue Verfassung ist tot, lang lebe die Verfassung von 1868. Man darf gespannt sein auf die etwa 30 Änderungen, welche die Mehrheitsparteien im Schulterschluss mit der mittlerweile selbst ernannten Bürgerbeteiligungspartei CSV durchsetzen wollen. Der lang ersehnte Befreiungsschlag aber, ein wirklich ins 21. Jahrhundert passendes Grundgesetz, er wird nicht kommen.

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Und jenseits des Großherzogtums? Der Mensch ist dabei, die Welt einzubetonieren, zu verbrauchen, zu fluten und eben auch zu verbrennen. Sein Einfluss auf die Umwelt ist mittlerweile so entscheidend, dass wir von einem geologischen Zeitalter des Menschen, einem Anthropozän sprechen. Was das bedeutet, das beschreiben, analysieren und erklären unsere Autor*innen im Dossier dieser Ausgabe. Wir wünschen Ihnen eine erhellende Lektüre und, trotz alledem, eine ruhige Adventszeit und einen angenehmen Jahresausklang. Erholen Sie sich, denn im neuen Jahr gibt es viel zu tun.

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