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Den zahlreichen, insbesondere päpstlichen Hirtenworten, die das Pflichtzölibat für Priester in der katholischen Kirche einschärfen, wollen Laien und Priester aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg einen "Herdenbrief der Katholiken an ihre Hirten" entgegensetzen, um den Papst Johannes Paul II. und alle anderen Bischöfe aufzufordern, das Zölibatsgesetz aufzuheben und für Priester Ehe wie Ehelosigkeit als mögliche Lebensformen vorzusehen. Die Initiatoren berufen sich auf das Entscheidungsprinzip der alten Kirche: Nichts ohne den Bischof, nichts ohne den Rat der Priester, nichts ohne Zustimmung des Volkes. In Luxemburg kann die Aktion "Herdenbrief Pflichtzölibat" erreicht werden über das Postfach 129 in L-9202 Diekirch.
m.p.
Volksbegehren gegen McDonald’s
Im Schweizer Kanton Schaffhausen, wo McDonald’s 1991 seine 17. Niederlassung in der Schweiz eröffnen will, haben die Ökologen 1356 Unterschriften gesammelt, um ein Volksbegehren zu initiieren mit dem Ziel, das kantonale Niederlassungsrecht für Gaststätten in dem Sinne abzuändern, daß wiederverwertbares Tischgeschirr verwandt werden müsse. Außer durch die negativen Folgen der Fast-food-Kost für die Dritte Welt (massive Abholzungen des tropischen Regenwalds zugunsten von Rinderweiden) belasten die Fast-food-Restaurants die Umwelt in Europa vornehmlich durch die energieaufwendige Produktion von Plastikgeschirr und Verpackungen sowie durch die von der gesamten
Gesellschaft zu finanzierende Beseitigung eines unnützen Müllbergs. In Sankt-Gallen hat inzwischen ein grüner Abgeordneter eine ähnliche Motion im Kantonalparlament eingebracht. In Lausanne hat die Eröffnung eines McDonald’s-Drive-in zu einer Leserbriefe-Kampagne in der Lokalpresse geführt. McDonald’s antwortete mit den üblichen Unschuldsbeteuerungen in Großanzeigen.
m.p./Le Monde, 24/11/1990
Les marchands de sommeil I
Vers la mi-novembre tous les quotidiens paraissant au Luxembourg ont publié une mise au point de la Bangkok Oriental s.à.r.l. concernant des articles de presse qui avaient dénoncé ses conditions "un peu spéciales" de location. Cette façon de riposter est peut-être à mettre en relation avec une autre affaire de marchand de sommeil, cette fois-ci à Esch/Alzette. Dans cette affaire, le tribunal requiert une amende de 20 000 F et une peine de prison d’un mois assortie du sursis … Je me demande si ces "tarifs" n’inciteront pas d’autres marchands de sommeil à se lancer sur le marché du logement, parce que les bénéfices nets mensuels réalisés (déduction faite de l’amende) sont encore très considérables.
sim
Les marchands de sommeil II
La maison 123 rue de Hollerich abrite 27 personnes. Ces personnes vivent dans 5 chambres et chacune paie un loyer de 10 000 F/mois, cela fait un revenu mensuel de 270 000 F/mois pour le propriétaire. Cette maison vétuste vient d’être rachetée par un promoteur immobilier. Les ha-
bitants ont été avertis par l’ancien propriétaire qu’ils devront quitter les lieux pour le 31 décembre 1990, parce qu’en janvier prochain l’immeuble fera place à un grand building. Etrange procédure de résiliation de bail!
La résiliation d’un bail à loyer ne peut être prononcée que par le tribunal et non par le simple affichage d’une feuille de papier sur la porte d’entrée de l’immeuble. Ce qui plus est, les 27 habitants sont tous des immigrés vivant sans leur famille au Luxembourg. Ils désirent tous passer les fêtes de Noël et de fin d’année avec leur famille dans leur pays, mais ne savent pas encore s’ils vont retrouver leur logement et leurs affaires à leur retour au Luxembourg le 10 janvier.
Et de nouveaux logements pour eux, il n’y en a point! sim
Kirche fordert Rentengerechtigkeit
Angesichts der bevorstehenden Reform des Rentenwesens hat der "Groupe d’Etude et de Formation Sociale" (GEFoS), der sich aus Personen verschiedener kirchlicher Organisationen und Dienststellen zusammensetzt, ein Diskussionspapier veröffentlicht mit dem Titel "Rentengerechtigkeit – unsere Verantwortung!" (vgl. Journal, 25.10.1990; d’Wissbei, Nr. 14/1.12.1990). Die Autoren betonen Solidarität und Subsidiarität als Prinzipien der katholischen Soziallehre, die auch im Rentenbereich Anwendung finden müssen. Die Gemeinschaft, der Staat, soll erst eingreifen, wo die Entschädigung von Eigenleistungen (mittels Rente) zur eigenverantwortlichen Selbsthilfe nicht genügt. Mit anderen Worten: das Solidaritätsprinzip gilt vornehmlich zur Festsetzung einer Mindestrente. Private Zusatzversicherungen, wie sie zur Zeit von CSV- und DP-Seite befürwortet werden, wertet der GEFoS hingegen als Anzeichen einer wachsenden Individualisierung der Gesellschaft: "Das gesamtgesellschaftliche Solidaritätsprinzip verliert dabei an Bedeutung."
Während die "ethischen Gedanken" des GEFoS sich kritisch zu den Antikumulbestimmungen des Pensionssystems äußern, insofern sie eine Diskriminierung eines Teils der berufstätigen Frauen darstellen, vermißt man eine Aussage über die Grenzen der Solidarität, obschon diese Frage die aktuelle Rentendiskussion beherrscht: Gilt die Solidarität mit den nicht mehr arbeitsfähigen Mitmenschen (sei es
aus Alter oder Krankheit) nur innerhalb bestimmter Berufsgruppen oder für die gesamte Gesellschaft? In anderen Worten: Können Staats- und Privatbeamten sich auf christliche Solidaritätsprinzipien berufen, wenn sie sich weigern, die Solidarität auf die Arbeiter auszudehnen, also Kranken- und Alterskassen zu vereinigen, weil diejenigen der Arbeiter (angesichts deren härteren Arbeitsbedingungen leicht erklärbare) größere Defizite aufweisen? Der angeführte Grundgedanke der Gleichheit aller Menschen müßte jedenfalls in diesem Punkt präzisiert werden.
m.p.
Turbokuh auf der Wartebank
Der Milchsegen der Turbokuh wird sich voraussichtlich frühestens 1992 über die Verbraucher ergießen. EG-Agrarkommissar Ray Mac Sharry will das in der EG bestehende Moratorium für die Anwendung des gentechnisch hergestellten "r BST" um ein Jahr verlängern. Nachdem die US-Gesundheitsbehörde bereits vorletzte Woche einen gleichlautenden Beschluß getroffen hat, wird vermutet, daß das entscheidende EG-Gremium, der Agrarministerrat, bei seiner Sitzung am 10. Dezember dem Antrag der Kommission zustimmen wird. Das bestehende Moratorium läuft Ende des Jahres aus.
Das "r" im BST steht für gentechnisch rekombiniert. Damit soll dem Euter Dampf gemacht werden. 1985 wiesen US-Wissenschaftler nach, daß eine Kuh bis zu 25% mehr Milch gibt, wenn ihr das Hormon regelmäßig gespritzt wird. Vor allem vier US-Firmen waren an der Entwicklung von r BST maßgeblich beteiligt – Upjohn, American Cyanamid, Monsanto und Eli Lilly. Die beiden letzteren haben bei dem in der EG-Kommission angesiedelten "Ausschuß für Tierarznei-
mittel" einen Antrag auf Zulassung ihrer Produkte gestellt. Der Ausschuß hat beschlossen, die Entscheidung über die Zulassung von rBST auf Januar zu verschieven. Falls im Januar die Zulassung beschlossen wird, würde dies zu der absurden Situation führen, daß die Droge zwar zugelassen, ihre Anwendung aber verboten wäre. Die "technische Empfehlung" des Ausschusses sei rechtlich nicht bindend für die Mitgliedsstaaten, erklärte ein Vertreter der deutschen EG-Delegation. Für die Bundesrepublik, wo Bundestag und Bundesrat ein Verbot von gentechnologisch erzeugten leistungssteigernde Hormonen gefordert haben, würde dies jedoch bedeuten, daß zwar die Anwendung der Droge im Land selbst verboten, Importe von gentechnologisch hergestellter Milch aus anderen Ländern aber zugelassen wären. Dies allerdings widerspräche der im Rahmen des Binnenmarktes angestrebten Harmonisierung der Handels- und Produktionsbedingungen.
Michael Bullard/taz v. 29.11.90
Schrassig News
Die Zeitschrift "Kontakt", die von Insassen der Schrassiger Haftanstalt redigiert wird, protestiert in einem Kommuniqué gegen die Isolationshaft:
(…) Seit Dienstag 15.10.90 befinden sich zwei Inhaftierte aus der Frauenabteilung Schrassig auf dem Isolierbloc E (der Männerabteilung). Wir wollen an dieser Stelle nicht über die Ursachen, die zu dieser Isolationshaft führten, debattieren, sondern nur einfach die Frage aufwerfen ob man an verantwortlicher Stelle wirklich der Meinung ist Drogensucht durch Repression und Isolation bekämpfen zu können? Kritik an diesem Isolationsbloc hat es in der Vergangenheit genug gegeben, wir wollen ebenfalls
nicht auf die negativen Folgen einer solchen Strafvollzugsform zurückkommen, sondern einfach ein paar Punkte in Frage stellen. Wie kommt es eigentlich, daß in unserm sonst doch eher puritanischen Strafvollzug plötzlich Frauen auf eine bisher reine Männerabteilung strafverlegt werden und ist diese überhaupt für einen Frauenstrafvollzug ausgelegt? (…)
In unserer letzten Ausgabe (Kontakt Nr. 21) haben wir unseren Unmut zu dieser Situation wiedergegeben, die im krassen Gegensatz zu einem humanen Strafvollzug steht, und deutlich gegen die Menschenrechte verstößt. Wir wollen unseren Vorwurf, sowie unseren Appell an die verantwortlichen Stellen nochmals wiederholen, von der Isolationshaft abzutreten wie dies unsere Nachbarländer ebenfalls erkannt haben und tun.(…)
Wir erinnern uns, in unserer letzten Delegationssitzung mit der Anstaltsleitung fiel ein denkwürdiger Satz: "Die Anstaltsleitung versucht alles Mögliche um den Inhaftierten ihren gezwungenen Aufenthalt so angenehm und würdig als möglich zu gestalten." Doch dazu, dürfte wahrhaft keine Isolationshaft gehören.
World Music auf RadAU
Die SendereiheMalinye bringt jeden Donnerstag Abend von 22.00 bis 23.30 auf RadAU Lëtzebuerg (95,0 oder 102,3 MHz) musikalische Beiträge aus allen Regionen der Erde. Für die fünf Donnerstagige im Januar sind folgende Sendungen vorgesehen.
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Januar: Ritmo Latino ist dem brasilianischen Komponisten und Interpreten Milton Nascimento gewidmet
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Januar: Babylonia, Trio Codona, Colin Walcott, Don Cherry und Nana Vasconcelos
Le Monde
Brasiliens Kirche kehrt zur Inquisition zurück
Engagierte Kirchenleute in der nordostbrasilianischen Millionenstadt Recife sehen schweren Zeiten entgegen. Denn Mitte Oktober ist hier die katholische Kirche zur Inquisition zurückgekehrt. Mit vierzig Militärpolizisten stürmte der Generalvikar des hiesigen Erzbischofs, Dom José Cardoso, die Kirchenräume in einer Armensiedlung am Rande der nordostbrasilianischen Millionenstadt. Der Chef der Erzdiözese Recife und Olinda hatte die Ordnungskräfte beauftragt, die einfache Kirche auf dem "Morro da Conceicao", dem Hügel der Empfängnis, mangels Schlüssel aufzubrechen und einzunehmen.
Seit zehn Monaten nämlich kursierten diese Schlüssel in den Händen von Gemeindemitgliedern des 40 000-Einwohner-Viertels. Ende 1989 hatte der konservative Erzbischof den Pfarrer des "Morro", den bekannten Befreiungstheologen Reginaldo Veloso, all seiner Sakramente enthoben und einen polnischen Nachfolger eingesetzt. Veloso, der Mitglied mehrerer Beiräte der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) ist, hatte die Nachricht über das Fernsehen erfahren. Das aber ließen die Gläubigen sich nicht gefallen, zelebrierten seither die Messen teils eigenständig oder mit Veloso und gaben trotz mehrfacher Aufforderungen die Schlüssel nicht her.
Angefangen hatten die Probleme des Befreiungstheologen 1985, als der damalige Erzbischof Dom Helder Camara, der sein Erzbistum in zwanzig Jahren zu einer "Kirche der Armen" gemacht hatte, in den Ruhestand ging. …
Rom verordnete der Diözese einen Nachfolger, der weder praktische Seelsorge noch den armen Nordosten Brasiliens kannte: der strenge Kirchenrechtler José Cardoso Sobrinho hatte dreißig Jahre in der Weltkirchenzentrale gearbeitet.
Cardoso begann sogleich, unterwürfige Pfarrer einzusetzen. Wer an politischen Veranstaltungen der "Partei der Arbeiter" (PT) teilnahm oder politische Aufklärungsarbeit in den Slums leistete wurde vermerkt. … Reihenweise wurden Kirchenleute entlassen. Selbst Demonstrationen konnten den konservativen Patriarchen nicht umstimmen. Im vergangenen Jahr rief der sogar zweimal die Militärs zur
Hilfe. Beide Male hatten Landarbeiter, Frauen und Kinder im erzbischöflichen Palais gegen die Ablösung von Geistlichen in ihren Gemeinden protestiert. Aber auch ganze Einrichtungen entließ Cardoso aus der Kirche. Die Kommission "Pastorale des Landes" traf es auf dem Höhepunkt von Landkonflikten 1988. Per Gericht hatte sie erreicht, daß brachliegende Ländereien von Großgrundbesitzern enteignet werden sollten. Als Landlose sich ansiedeln wollten, wurden sie von Bewaffneten, den "pistoleiros" vertrieben. In dieser Situation verloren die Pastoralmitarbeiter den Schutz der Kirche.
Und der ist in Brasilien angesichts der erstarkenden Todesschwadronen viel wert. Ohne diesen Schutz hätte auch der Chef der "Kommission Gerechtigkeit und Frieden" in Recife im Frühjahr 1988 kaum überlebt, als Unbekannte ihn entführten und grausam folterten. Doch den Statthalter Roms hinderte das nicht, auch aus dieser Kommission, die für die Rechte der Slumbewohner streitet, alle engagierten Mitarbeiter zu entlassen.
Höhepunkt des Feldzuges war allerdings Ende 1989 die Schließung der Theologischen Hochschule Recife (ITER), weltweit bekannt für ihre Rolle bei der Verbreitung der Befreiungstheologie. … Der Kirchenkampf ist in Recife in vollen Zügen. Aber das ist nur ein Beispiel für den Konflikt, den die Konservativen der katholischen Kirche seit Jahren mit der "Theologie der Befreiung" suchen. Regelmäßig reist der Chef der Glaubenskongregation des Vatikans, Kardinal Joseph Ratzinger, nach Brasilien und sammelt die konservativen Bischöfe um sich. Ratzinger, so seine Kritiker, wolle "den Zentralismus wieder verstärken, was bedeutet, den Diözesen graduell die Autonomie zu nehmen". Damit will Rom auch die Macht über die 150 000 Basisgemeinden wiedergewinnen. … Die Tageszeitung "Folha de Sao Paulo" urteilte, daß von 37 Erzbistümern die Hälfte wieder dem konservativen Spektrum angehört. Vor Jahren hatte man von einer dreigeteilten Macht zwischen Fortschrittlichen, Konservativen und der neutralen Mitte gesprochen. …
Uwe Pollmann
taz 4.12.90
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Januar: Mediterraneando: Musik von der Insel Korsika. Traditionelle Klänge im zeitgenössischen, aber authentischen Gewand
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Januar: Afroasia: vorgestellt wird die reiche musikalische Produktion der Insel Madagaskar. Neben traditionellen Klängen kommen auch junge urbane Gruppen zu Wort
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Januar: Ritmo Latina mit einem der Giganten der Salsa-Musik: Ruben Blades. Bei ihm steht nicht nur tanzbare Musik im Vordergrund, sondern auch sozial engagierte Texte.
Männer
Weitere Sendung auf RadAU: "Bewegte Zeiten für Männer". Es diskutieren: Claudette Majerus, Josiane Kartheiser, Fari Kablipour, Gilbert Graf.
Donnerstag, 3. Januar 19.30 – 21.00 auf RadAU Lëtzebuerg (95,0 oder 102,3 MHz)
International Herald Tribune, 29.1.1990
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