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Nachdem "forum" als erstes Presseorgan von den Vorstellungen des Kulturministers R. Krieps über einen zweiten Nationalsender mit kultureller Ausrichtung berichtet hatte (Nr.95), trug der Minister Anfang April bei Gelegenheit der Debatten über die Lage der Nation seine Gedanken auch in der Abgeordnetenkammer vor (1.4.87). Zwei Tage später desavouierte allerdings Staats- und Informationsminister J. Santer, der bekanntlich in dieser Sache die Interessen des LW zu berücksichtigen hat (vgl. forum Nr.93-94), seinen Kulturminister beim wöchentlichen Pressebirieg nach dem Ministerrat (Journal, 9.4.87). Doch einmal mehr scheint in dieser Sache Santer nicht das letzte Wort zu behalten. Kein anderer als CSV-Fraktionspräsident Francois Colling stellte sich nämlich in seiner Schlußstellungnahme in der genannten Parlamentsdebatte hinter den Vorschlag des LSAP-Ministers: "De Minister vun der Kultur huet hei d’Iddi lanceiert – et as eng Iddi, déi schon öfters opkomm as, a vun där ech perseinlech net wäit ewech stin – fir en RTL 2 ze maachen, dee mer de sozio-kulturellen Organisationen zur Verfügung stellen. Dee Sender misst vun der Regierung bezuelt gin. Et géifen da Kontrakter gemaach gi mat deene verschidden Organisationen, déi hir Emissionen da kennte maachen. Dat wär fir d’Immigrés an och fir déi kulturell Aktivitäten do. Dat wär eng Chaîne nationale, culturelle, déi ganz ville Fuerderunge géif entgéintkommen."
Das LW hat denn auch die seine Projekten drohende Gefahr klar erkannt und Réf hat in einem gleichzeitig in "Télécran" und LW (29.4.87) erschienenen Artikel die Ansprüche der LW-Gruppe auf ein eigenes Netz von Lokalradios erstmals öffentlich angemeldet und einen zweiten Nationalsender, wie er Krieps und Colling vorschwebt, abgelehnt. Die einst von Santer propagierte Lösung im Sinne einer Einigung zwischen geschriebener Presse und RTL dürfte damit definitiv gestorben sein.
Colling machte in derselben Rede übrigens noch einen andern bemerkenswerten Vorschlag: "Mir wäre wahrscheinlich besser berode, wann d’Fraktions-presidenten net am Conseil d’Administration vun der CLT géife setzen. (…) Ech wollt dat opwerfen, besonnesch well a leschter Zäit d’Diskussioun emmer méi opkennnt: As et vernünfteg, dass en Deputéirten nach an engem Conseil d’Administration as oder net?" Und Astrid Lulling fügte hinzu: "An d’Buuergermeeschteren!" Die Vorstellungen des unabhängigen grünen Abgeordneten Jupp Weber, der vor einiger Zeit Ähnliches vorgetragen hatte, scheinen Früchte zu tragen.
m.p.
(Unser Dank geht an die CSV-Fraktion, die uns den Redetext von F. Colling zur Verfügung gestellt hat, da die Verteilung des Kammerberichts dieses Jahr wieder Monate Verspätung aufweist.)
RESISTENZLERFEHDE
Was in "forum" Nr.95 unter dem schlecht gewählten Titel "Historikerfehde" angeprangert worden war – nämlich die Verachtung bestimmter Resistenzlerkreise für wissenschaftliche Geschichtsschreibung -, findet seine Fortsetzung bei der Gestaltung des "Musée de la Résistance" in Esch/Alz. Allen bei Redaktionsschluß vorliegenden Informationen zufol-
ge wird bei der feierlichen Neueröffnung am 7.5. 1987 die erste Tafel leer bleiben. Nachdem es schon bei vielen andern Vitrinen Streit darüber gegeben hatte, ob didaktische Gestaltungsprinzipien oder die Sammlerwut bestimmter Widerstandsorganisationen den Vorrang haben sollten, kam es zum politischen Eklat, als die beauftragten Historiker Serge Hoffmann und Henri Wehenkel – Emile Krier und Paul Dostert hatten sich schon seit längerem zurückgezogen, weil sie die verbalen Attacken bestimmter Resistenzler (vgl. "forum" Nr.95) nicht mehr ertragen konnten – die Vitrine ! "Les libertés et l’indépendance en péril?" über die Vorkriegszeit fertiggestellt hatten. Da sie auch auf das Maulkorbprojekt hingewiesen hatten, entzog der "Conseil National de la Résistance" auf Initiative von Kommissar Aloyse Raths ihnen das Vertrauen, obschon ihr Entwurf zur Tafelgestaltung vom selben CNR abgesegnet worden war.
Der CNR schrieb gar in einem Brief an Staatsminister J. Santer, der Widerstand habe erst am 10. Mai 1940 begonnen ("C’est le fait de l’invasion qui a déclenché la résistance du peuple luxembourgeois."), und droht mit dem Boykott der Eröffnungsfeier, falls seinen Wünschen nicht Rechnung getragen werde. Auch in den Resistenzlerorganisationen stieß diese Aussage keineswegs auf ungeteilte Zustimmung, bedeutete sie doch, daß in Luxemburg vor 1940 keiner die nazistische Gefahr hatte kommen sehen, und daß der Widerstand rein nationalistisch motiviert war und das ethisch oder ideologisch begründete Engagement für Freiheit und Demokratie, wie es eben auch schon 1937 bei der Anti-Maulkorb-Kampagne zum Ausdruck gekommen war, nichts damit zu tun hatte. Außerdem bedingt eine so enge Sicht, daß auch der LFB seine Vitrine raumen müßte, da er schon am 12.3.1940 gegründet wurde.
Die peinliche Selbstherrlichkeit und die nicht weniger peinlichen Zwistigkeiten zwischen Widerstandshelden mögen menschlich verständlich sein, der Sache ist damit nicht gedient. Daß das ganze Spektakel auch noch auf dem Buckel unschuldiger Historiker ausgetragen werden soll, läßt die moralische Größe der "Résistance" nicht wachsen.
m.p.
"POPULORUM PROGRESSIO" A VINGT ANS
La fameuse encyclique de Paul VI sur le développement des peuples a fêté le 26 mars dernier ses vingt ans. C’est à Pâques 1967 que Paul VI a lancé ce cri d’alarme qui pour déclencher une
prise de conscience à l’intérieur de l’Egise n’a
guère su changer l’évolution du cours de l’éco-
nomie mondiale. En 1967 le pape a déjà déploré
que "les peuples pauvres restent toujours pauvres
et les riches deviennent toujours plus riches" (§
57). A analyser les chiffres actuels de la répar-
tition de la richesse mondiale ce fossé n’a fait
que se creuser au cours des vingt années. Paul VI
avait pourtant bien su nommer le vrai coupable:
"(…) la règle de libre échange ne peut plus –
à elle seule – régir les relations internatio-
nales. Ses avantages sont certes évidents quand
les partenaires ne se trouvent pas en conditions
trop inégales de puissance économique (…) Il
n’en est plus de même quand les conditions de-
viennent trop inégales de pays à pays; les prix
qui se forment ‚librement‘ sur le marché peuvent
entraîner des résultats iniques. Il faut le re-
connaître: c’est le principe fondamental du li-
béralisme comme règle des échanges commerciaux
qui est ici mis en question" (§ 58). "(Ce systé-
me) considérait le profit comme motif essentiel
du progrès économique, la concurrence comme loi
suprême de l’économie, la propriété privée
des biens de production comme un droit absolu,
sans limites ni obligations sociales correspondan-
tes. Ce libéralisme sans frein conduisait à la
dictature à bon droit dénoncée par Pie XI comme
génératrice de ‚l’impérialisme international de
l’argent’" (§ 26). Ronald Reagan, Maggy Thatcher
et autres champions actuels du libre-échangisme
ne semblent guère avoir lu les enseignements de
Paul VI. Et que dire de certains éditorialistes
catholiques luxembourgeois qui célèbrent le cin-
quantenaire d’autres encycliques dans des perspec-
tives politiciennes à peine avouables, mais qui
semblent avoir oublié eux aussi cette vérité de
Paul VI que "le développement est le nouveau nom
de la paix"?
m.p.
BISCHOFSWEIHE UNTER POLIZEISCHUTZ
Am Sonntag, den 26.4.1987 mußte der Regensburger
Prof. Dr. Kurt Krenn von zwei Polizisten flankiert
in den Wiener Dom "getragen" werden, weil sich
"tote" Laien vor ihm zu Boden warfen, als er zum
Bischof geweiht werden sollte. Während der Wiener
Erzbischof H.-H. Groer in seiner Predigt gegen die
Rebellion der Laien (und vieler Priester) wetterte
und kühn die Behauptung wagte, dem Papst allein
stehe es zu, die Lehren des Konzils authentisch zu
interpretieren, verließen Hunderte von Gläubigen
den Dom mit zugeklebten Mündern: Laien haben in
der Kirche kein (Mit)spracherecht mehr.
Was war geschehen in dem ansonsten doch eher als
betulich bekannten Österreich? Auch die dortige
Kirche war bislang kaum durch Aufmüpfigkeit aufge-
fallen.
(Dessin de Plante paru en 1979.)
Die Ernennung Krenns, eines erzkonservativen Theo-
logen, zum Wiener Weihbischof für Wissenschaft,
Kultur und Kunst hatte sofort heftige Reaktionen
ausgelöst, kam sie doch so kurz nach der Brückier-
ung mit der überraschenden Ernennung des farblosen
Benediktiners und Marineverherrers H.-H. Groer als
Nachfolger des dialogfreudigen Kardinals Franz Kö-
nig. Der Wiener Priesterrat hatte mit einer einzi-
gen Gegenstimme den Papst gebeten, die Ernennung
Krenns zurückzunehmen. Selbst der Präsident der
österr. Bischofskonferenz, Erzbischof Berg von
Salzburg, zeigte sich öffentlich schockiert, erst
in der Presse davon erfahren zu haben. Von Konsul-
tationen war keine Rede gegangen. "Kirche ist Ge-
meinschaft" stand denn auch auf einem der Spruch-
bänder bei einer Demonstration, die während der
Bischofsweihe mehrere tausend Priester und Laien
aller Altersstufen vereinigte. "Kein Bischof ohne
Volk", forderte ein anderes. Die Prinzipien der
Kollegialität, wie das 2. Vatik. Konzil sie defi-
niert hatte, scheinen unter Johannes Paul II.
außer Kraft gesetzt. Die Ernennung ist auch ein
Affront für den Alterzbischof Kard. F. König, der
einer der Hauptverantwortlichen dafür gewesen war,
daß die offene pastorale Linie sich beim Konzil
durchsetzen konnte. Im übrigen hat Krenn schon in
Interviews gezeigt, daß er keine aktuellen österr.
Künstler, Musiker, Literaten auch nur mit Namen
nennen kann.
Österreichs Kirche stehen noch weitere Stürme ins
Haus. In Vorarlberg soll ein Opus-Dei-Mitglied Bi-
schof werden, auch hier gegen den erklärten Wider-
stand des jetzigen Stuhlinhabers und des Priester-
rates. Schlechte Aussichten für Luxemburg?
m.p.
"MIGROS" KÄMPFT FÜR PHILIPPINISCHE ARBEITER
Einer der wichtigsten Geschäftspartner der Luxem-
burger "Cactus"-Kette, die Schweizer Handelsgenos-
senschaft "Migros", hat jüngst gezeigt, daß auch
Einzelunternehmen mit Erfolg auf die Verbesserung
der Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt einwir-
ken können. 1981 hatten das Schweizer "Fastenop-
fer" (vergleichbar mit "Bridderlech Deelen") und
"Brot für Brüder" die Supermarktkette scharf ange-
griffen wegen der Ananas-Konserven der Marke "Del
Monte", die sie in ihren Regalen anbieten und die
unter unmenschlichen Bedingungen auf den Philippinen
produziert werden. Daraufhin war die Unterneh-
mensleitung den Vorwürfen nachgegangen und hatte
ihre Stichhaltigkeit feststellen müssen. "Migros"
intervenierte beim US-Konzern, der versprechen
mußte, in allen Betrieben in den Entwicklungslän-
dern für sozial und wirtschaftlich überdurch-
schnittliche Produktionsbedingungen zu sorgen.
Informationen der Zeitschrift "Publik-Forum"
(Nr.7/15.4.87) zufolge unternahmen jetzt Vertreter
von "Migros" und der Entwicklungshilfeorganisatio-
nen eine Reise, um diese Garantierklärung auf den
Philippinen zu überprüfen. In der Tat lag der Lohn
in den "Del Monte"-Betrieben 50% über dem gesetz-
lichen Mindestlohn. Auch die Sozialleistungen wa-
ren besser als bei anderen Arbeitgebern.
Die Verantwortlichen der Hilfswerke hielten fest,
daß sie mit ihrer Kritik an "Migros" eine Wirkung
erreichten, die weit über jene der üblichen
Dritte-Welt-Projekte hinausreicht, obschon der
finanzielle Einsatz niedriger war.
m.p.
STRAHLEN
KOMPASS
Alles fürs Kind
Gemüse- und Menügläschen, Säfte
Früchtskampatt Birne mit Honig in Apfel, Alete (10.88) 30g, 50g
Früchtskampatt Erdbeere in Apfel, Alete (10/88) 30g
Kampett, Heidelbeeren in Apfel, Hipp (5.88) 30g
Menügläschen:
Kaltfleisch in Gemüse, Kartoffeln und Ei, Hipp (11.88) 30g
Rindfleisch in Tomaten und Eiersudeln, Hipp (8.88) 30g
Rindfleisch in Gemüse und Kartoffeln, Hipp (11.88) 30g
Rindfleisch in Gemüse-Allerlei und Eiersudeln, Hipp (11.88 und 8.88) 30g
Gemüseglächen:
Rahmsalnat, Alete (10.88) 2,70g
Rahmsalnat mit Kartoffeln, Hipp (10.88) 0,30g
Säfte:
Früchtsaft, Alete (10.88) 30g
Hafen Kinder-Saft Traube-Birne, Hipp (8.88) 0,30g
Holundersoft, Erlangen 51,90g
Holundersoft, Hersbrück 86g
Demeter Kindersaft, Beutelsbacher (10.88) 30g
Demeter Kindersaft, Beutelsbacher (12.88) 54,0g
Demeter Kindersaft, Beutelsbacher (2.88) 7,0g
0 = unterhalb der Nachweisgrenze, Werte:
Bezuperei pro Kilo/Liter, Quelle: AGDF,
Strahlentelen, Unabhängige Ärzte und Experten raten
zu Nahrungsmitteln mit höchstens 10 bis 20 Bq/kg
für Kinder.
Alles fürs Kind
Milchbrei
Alete, Micro-Brei (8/87) 1 Bq
Alete, Micro-Brei (12/87) 3 Bq
Alete, Schokalsdendrei (8/87) 0 Bq
Alete, Reisbrei (6/87) 2 Bq
Hipp, Vollkorn-Milchbrei (2/88) 6 Bq
Hipp, Schoko-Rud-Milchbrei (9/87) 2 Bq
Hipp, Früchte-Müsli + Joghurt 0 Bq
Hipp, Schoko-Müsli (10/87) 2 Bq
Hipp, Kindergrieß (30.9.87) 0 Bq
Humana Speckdendrung (12.1.88) 0,4 Bq
Humana, Orangen-Grießbrei (5.1.88) 0,8 Bq
Humana, Milch-Grießbrei (7.1.88) 0 Bq
Humana, Apfelbrei (11.3.88) 1 Bq
Humana, Schoko-Milchbrei (14.1.88) 1,3 Bq
Humana, Kindergrieß (22.12.87) 0 Bq
Humana, Früchtlebrei (18.3.88) 5 Bq
Milupa, Milch-Fertigbrei m. Früchten (1.3.88) 3 Bq
Milupa, Milchgrießbrei (17.3.88) 4 Bq
Milupa, Vollkermilchbrei (13.10.87) 14 Bq
Milupa, Hafen-Vollkorn mit Äpfeln (23.10.87) 1 Bq
Milupa, Hafen-Vollkorn m. Äpfeln (18.12.87) 14 Bq
Milupa, Hafen-Vollkorn (11.9.87) 40 Bq
Milupa, Schoko-Rud (9.4.87) 1 Bq
Milupa, mit Guthüchtern (6.4.88) 10 Bq
Milupa, Junior-Müsli-Milchbrei (15.1.88) 20 Bq
Quelle: AGDF, Radioaktivität, Bremen, Tel.
(4217/5803) – Strahlentelen, 1 Berlin 21,
Wilnsackersk. 15
Werte: Gesamt-Catsumbelastung pro Kilo / pro Liter
(Quelle: Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute, Horner Str. 28, 2800 Bremen 1,
Strahlentelen Berlin)
Unabhängige Ärzte und Experten raten zu
Nahrungsmitteln mit höchstens 30 bis 50 Bq/kg für
Erwachsene und mit höchstens 10 bis 20 Bq/kg für
Kinder, Stillende und Schwangere.
taz
Accusé par
« le Canard enchaîné »
Le CEA ne conteste pas
avoir rejeté du tritium
dans l’environnement
Le Commissariat à l’énergie atomique (CEA) a confirmé, dans la soirée du mardi 5 mai, qu’il avait bien effectué, le 15 octobre dernier un rejet d’une petite quantité de matière radioactive (7 000 curies de tritium) dans l’environnement, à la demande de la Communauté européenne. Cette expérience, faite depuis le centre d’études nucléaires de Bruyères-le-Châtel (Essonne) par la direction des applications militaires du Commissariat, visait à étudier, dans le cadre du programme mené par la CEE sur la fusion thermonucléaire contrôlée, la vitesse d’oxydation dans l’environnement de cet isotope radioactif de l’hydrogène dont la demi-vie est de douze ans.
Cet essai, dont l’annonce a été faite, dès le 20 juin, aux maires de seize communes environnantes, puis publiée dans les bulletins municipaux, et dont la mise en œuvre fut expliquée en septembre dernier aux membres du conseil régional, a donné lieu, précise le CEA en réponse à un article du Canard enchaîné du mercredi 6 mai, à une exposition de 0,01 millirems pour les populations les plus proches. A titre de comparaison, la dose d’irradiation annuelle due aux rayonnements cosmiques et aux matériaux naturels est comprise entre 100 et 200 millirems.
Le Monde 7.5.87
Vergewaltigung in Luxemburg
In einem Leserbrief im "tageblatt" (21.3) teilt Dr. Molitor-Peffer die Zahl der Vergewaltigungen mit, die dem Planning Familial gemeldet wurden. Diese weichen stark nach oben ab von den 19 Fällen, die offiziell zur Anzeige gebracht wurden. Im Jahr 1986 wurden 77 Fälle von Vergewaltigung vom Planning zur Kenntnis genommen. Darunter waren 44 jugendliche Opfer unter 16 Jahren. Die jüngste 4 Jahre alt! "Darunter gab es", so schreibt Frau Molitor-Peffer in ihrem Leserbrief, "19 Fälle von Inzest".
Die in Berlin erscheinende "Tageszeitung" veröffentlicht dreimal in der Woche eine Liste mit den Cäsium-Werten einiger Hauptnahrungsmittel, aufgeschlüsselt nach Hersteller oder Herkunftsland (-region) und ggf. Haltbarkeitsdatum. Diese Daten werden jede Woche auf den neuesten Stand gebracht. Warum gibt es diese Form von Konsumentenberatung und -schutz nicht auch im Luxemburg?
Das Tor zur
Sünde
Weltwoche 12.3.87
Aids-Plakat in Zürich
Wie war das doch gleich, damals, als das ganze Malör begann mit uns Menschen? Als Eva den Versuchungen der Schlange erlag, die Frucht pflückte vom verbotenen Baum und sie Adam zu essen gab, der sie doch gar nicht hatte haben wollen… Es setzte die verdiente Strafe ab, die Vertreibung aus dem Paradies, und hatte Schmerzen im Gefolge und Tod. Schuld daran ist – ja, wer wohl? – Eva, die ewige Verführerin, das Tor zur Sünde.
So wurden die Menschen gelehrt, über Jahrhunderte hinweg, und die Menschen haben es geglaubt, bereitwillig die einen, zähneknirschend die andern. Und glauben es heute noch oder heute wieder, im Zeitalter von Aids, da Sünde und Tod eine neue
Foto: Reto Schneider
unheilvolle Verbindung eingegangen sind. Dies jedenfalls lässt ein Plakat vermuten, das dieser Tage im Auftrag des Stadtärztlichen Dienstes auf den Strassen und Plätzen Zürichs aufgestellt wurde: zur Aufklärung, Ermahnung und Abschreckung.
«Stop Aids» steht da mit grossem rundem Gummi-O vor netzbestrumpften Frauenbeinen und suggeriert einmal mehr, von wem Gefahr droht: von den Frauen, den käuflichen, denen Männer zum Opfer fallen, wehrlos, es sei denn, die täten’s inskünftig «mit». Denn, so das Plakat, «ohne ist unfair». Weiss Gott, aber unfair für wen? Wer verlangt’s denn «ohne», weil «mit» angeblich das Lustgefühl schmäler? Doch wohl kaum die Frauen, die mit der Lust handeln, ohne dabei Lust zu empfinden, und sich auf den gefährlichen Deal nur einlassen, weil’s der Kunde so will.
Dieses Bild – die Frau im Blickfang, die alte Eva, das Tor zur Sünde – kann nur ein Mann sich ausgedacht haben. Und hat sich dabei schön säuberlich ausgespart; das ewige Opfer der Frau. Klara Obermüller
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