Menschen statt Mauern

Strafvollzug in Luxemburg

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Carlo Schmitz

Menschen statt Mauern

Strafvollzug in Luxemburg

Wir alle werden täglich mit Verbrechen konfrontiert: beim Lesen der Zeitung, im Radio, …doch betroffen macht dies uns in den wenigsten Fällen. Niemand in unserer Familie oder unserem Bekanntenkreis ist ein Verbrecher, und wenn dies doch einmal der Fall ist, dann war alles nur halb so schlimm. Es handelte sich dann nur um einen einmaligen Fehltritt, und eigentlich ist er ja ein guter Kerl, den man bitte nicht zu hoch bestrafen soll. Handelt es sich um einen Unbekannten, wurde ein Verbrecher geschnappt und verurteilt, so berührt uns dies wiederum nicht. Die Polizei, die Justiz haben ja für Ordnung zu sorgen und uns vor Verbrechen zu schützen. Die Welt, die sich hinter den Gefängnismauern von Schrassig verbirgt geht uns im allgemeinen nichts an. Hauptsache unsere kleine alltägliche Welt wird nicht berührt. Die Menschen, die im Gefängnis eingesperrt sind wissen schon warum. Sie sind nicht umsonst dort. Es sind Verbrecher. Wir wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Wir ereifern uns darüber, daß sie mit unseren Steuergeldern ernährt werden, wollen aber nicht

wissen, daß selbst wenn sie für Kost und Logis aufkommen wollten, sie angesichts von Durchschnittslöhnen (Akkordarbeit ausgenommen) zwischen 115 und 180 Franken am Tag, finanziell überhaupt nicht hierzu in der Lage sind (Etude comparative sur les pécules/salaires payés aux détenus dans 16 pays du Conseil de l’Europe, 27.12.1990). Wir müssen uns bewußt werden, daß das Verbrechen, die Kriminalität, uns alle angeht. Verurteilt im Namen des Volkes. Wir können morgen schon zum Opfer werden, oder zum Täter. Die Frage der Sicherheit vor Verbrechen und der hiermit zusammenhängenden gesellschaftlichen Verantwortung ist zu stellen. Niemand wird grundlos zum Verbrecher. Jeder Inhaftierte wird eines Tages entlassen und es dürfte jedem als sinnvoll erscheinen, wenn dieser Mensch sich wieder in die Gesellschaft eingliedern kann, einen Arbeitsplatz findet und ein straffreies Leben führt. Folglich ist es auch in unserem (Sicherheits)Interesse, wenn den Inhaftierten eine effektivere und erfolgreichere (Re)Sozialisierung geboten wird. Es gilt daher auch

Abstand von einer hauptsächlich repressiven Haltung zu gewinnen und einzuschen, daß eher mit einer verstärkter psycho-sozialer und edukativer Betreuung, verbesserter Berufsausbildung usw. den hohen Rückfallquoten beizukommen ist. Es gilt gemeinsam dazu beizutragen, dem Verbrechen weitestmöglich entgegenzuwirken, neue Wege zu beschreiten; hierbei auch unser Verhalten gegenüber von Ex-Inhaftierten zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Anstatt sie zu ächten und wie Aussätzige zu behandeln, sollten wir ihnen eine echte Chance einräumen und ihnen unterstützend die Möglichkeit geben, ihren Weg in der Gesellschaft zu finden. Dabei müssen wir uns bewußt sein, daß immer mit Rückschlägen zu rechnen ist. Aufgeben sollten wir nie. Schon gar nicht einen Menschen, auch wenn er auf einer anderen Seite der Mauer lebt.

In Zusammenarbeit mit INFO PRISON wollte "forum" ein Dossier über den Strafvollzug in Luxemburg zusammenstellen. Dabei wurden unseren Bemühungen von offizieller Seite Steine in den Weg gelegt. Die Bitte unserer Redaktion, die Strafanstalt von Schrassig besuchen zu dürfen und ein Gespräch mit inhaftierten Frauen führen zu dürfen, wurde von Herrn Pierre Schmit, "délégué du Procureur général d’Etat", abgelehnt. Bedienstete der Haftanstalt, mit denen wir ins Gespräch kamen, konnten uns nicht weiterhelfen, da sie Anweisung haben keine Informationen an die Presse zu geben. Die Mitarbeiter des

SCAS (Service central d’assistance sociale) zeigten sich sehr kooperativ. Das Vorhaben mit ihrer Hilfe einen möglichst systematischen Überblick über den Aufbau und die verschiedenen Modalitäten des Strafvollzugs (der mehr umfaßt als nur das Absitzen von Gefängnisstrafen in Schrassig) sowie über die Probleme, die sich aus ihrer Sicht stellen, zu liefern, scheiterte an diversen Hürden (mangelnde Mitarbeiter, Ferienzeit, Umzug, Mutterschaftsurlaub etc.). Wir werden später noch mal auf diese Fragen zurückkommen.

Trotz dieser widrigen Umstände können wir einige Aspekte des Strafvollzugs in Luxemburg beleuchten. Ein erster Beitrag von INFO-PRISON beschreibt die Isolationshaft in Schrassig. Danach geht die Rede von Arbeit und Lohn hinter Mauern und Patrick Bortuzzo von INFO-PRISON macht sich Gedanken zum Strafvollzug.

Welche Probleme stellen sich für Mütter, besonders von sehr jungen Kindern, wenn sie eine Gefängnisstrafe absitzen müssen? Mit ihnen haben zwei Soziologiestudentinnen im Rahmen einer Studienarbeit sprechen können. Sie haben uns diese zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Beitrag ist dem Problem der Minderjährigen im Gefängnis gewidmet. Abschließend berichtet Jeannot Krecké über den Stand des Gesetzesprojektes zur Erweiterung von Schrassig.

Schrassig en chiffres

Le CPL de Schrassig est en service depuis le 12 mai 1984.

Il occupe une superficie de 10 hectares, constitués de 5 pavillons de détention et d’un bâtiment central administratif.

Capacité d’accueil: 322 lits pour les hommes, 28 pour les femmes (cellules de 2 ou de 3 lits où l’on peut entasser jusqu’à 5 lits).

Chaque cellule mesure 11 mètres carrés.

Nombre de détenus: 343, 323 hommes et 20 femmes.

Personnel: 150 salariés.

7 à la direction et à l’administration, 13 dans le secteur technique, 3 dans l’enseignement, 1 dans le domaine artistique, 7 dans les soins, 119 dans la sécurité.

1 garde pour 2,84 prisonniers.

Sur les 343 détenus, 46% (158) sont des étrangers appartenant à 31 nationalités différentes.

13 détenus (12 hommes et 1 femme) sont des condamnés à perpétuité.

50% des détenus ont à purger des peines d’au moins 5 ans.

61 détenus sont enfermés pour des crimes de sang. 113 hommes (34,9%) et 7 femmes, pour toxicomanie: 85 trafiquants-consommateurs, 35 dealers, 84 cas d’héroïne, 23 de cocaïne.

Coût de la prison: 337 millions de LUF par an.
Coût d’un prisonnier: 2253 LUF par jour.

200 détenus (62%) travaillent régulièrement dans les 14 ateliers de production et les 12 services d’entretien.

Ils gagnent entre 100 et 180 LUF par jour, en fonction de leur qualification.

Masse salariale annuelle: 14,8 millions de LUF.

Les détenus ont le droit à 3 heures et demie de sport par semaine et 4 heures de visites par mois.

1 kilomètre de murs, de 5 à 7 mètres de haut, entoure le centre, placé sous la surveillance d’un système de caméra.

En huit ans, un seul détenu a réussi à s’enfuir du CPL de Schrassig.

(chiffres recueillis dans la presse du 7/02/1992)

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