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Seinen ‚Bericht zur Lage der Nation‘, den Staatsminister Pierre Werner am 23.3.1982 in der Abgeordnetenkammer vortrug, schloss der Regierungschef mit folgenden Worten: ‚Fir dass fir onst Land dat Bescht erauskéim, wier et ze begréissen, wann deen Effort de rénovation nationale, morale et matérielle, vun alle Bänken an désem Parlament gedroe géing gin a jiddereen positiv matschaffe géing. An dofir schléissen ech ewéi e Sonndeg op der Televisioun mat engem Appell un all Lëtzebuerger zur Besonnenheet, zur Objektivitéit, zum Realismus an zu engem staarken Solidaritéitsgefill am Geescht vun der Lëtzebuerger Aart an dem Lëtzebuerger Modell.‘ (Chambre des Députés, Compte rendu No 18/81-82, col. 2774).

Sein Parteikollege Nic. Mosar, CSV-Fraktionsvorsitzender, griff in der Debatte das Stichwort auf: ‚D’Lëtzebuerger hun et nach ëmmer verstan, sech a schwéierer Zäit op dat ze besënnen, wat hir Originalitéit ausmècht an hiirt Zesummengehéieregkeetsgefill stäerkt, nämlech op dat, wat de Staatsminister viru kuurzem esou treffend d“Lëtzebuerger Art‘ genannt huet. A leschten Enns geet et eis alleguer dach ëm dat Ziel, ëm d’Ziel Lëtzebuerg an d’Lëtzebuerger Aart ze erhalen .(…)‘ (ibid.,No 20/81-82, col.2977).

Die ‚forum‘-Redaktion merkte auf nach solchen Reden. Ofters schon war ihr das Stichwort entgegengehalten worden in der Diskussion um das Ausländerwahlrecht: ‚Da geet gläich ons ganz national Identitéit verluer!‘

Keiner hatte bislang allerdings diese nationale Identität zu definieren gewagt, Werner und Mosar wohlweislich auch nicht.

Da nun aber zur gleichen Zeit der Falkland-Konflikt seine heisse Phase erreicht hatte, war jedem klar, wie schnell nationalistische Appelle verheerende Folgen haben können, selbst bei schwindend geringem Einsatz, zumindest in den Augen

Aussenstehender. Aber für Margret Thatcher war die nationalistische Welle eine willkommene Ablenkung von der in Grossbritannien bekanntlich katastrophalen Arbeitslosigkeit, und in Argentinien war dieselbe nationalistische Parole die willkommene, wenn nicht provozierte Gelegenheit, von den bekannten Menschenrechtsverletzungen durch das Militärregime abzulenken.

Solche Zusammenhänge ahnend beschloss die ‚forum‘-Redaktion dem Begriff ‚Lëtzebuerger Aart‘ oder ’national Identitéit‘ auf die Schliche zu kommen. Wir legten die Frage zuerst einer Reihe von Personen vor, die aus diesem oder jenem Grund uns kompetent schienen, eine Definition geben und ihre Hintergründe ausleuchten zu können. So kommen zu Wort Georges ALS (Statistiker und Wirtschaftswissenschaftler), Alain ATTEN (Historiker, Sprachwissenschaftler und Folklorespezialist), Aloyse BISDORFF (KPL-Abgeordneter), Jean MISCHO (früheres Mitglied der luxbg. Vertretung bei den europäischen Institutionen), Lex ROTH (Kulturreferent und Präsident der ‚Aktioun Lëtzebuergesch‘). Gilbert TRAUSCH gibt uns einen historischen Abriss über die Entstehung eines luxemburgischen Nationalbewusstseins. Guy REWENIG nimmt die ‚Aktioun Lëtzebuergesch‘ und ihren Sprachpurismus unter die Lupe.

Was es nun mit dem zwar noch versteckt, aber doch auf vielen Ebenen wieder auflebenden Gerede von nationaler Identität politisch gesehen auf sich hat und welche Haltung wir dazu einnehmen, versucht die Redaktion im abschliessenden Beitrag zu klären.

Wie kaum ein anderes Dossier dürfte dieses also Reaktionen bei jedem Luxemburger hervorrufen. Wir hoffen, dass die unreflektierten Phrasen, die leicht in fremdenfeindliche Auslassungen ausarten, nun seltener werden und eine vertiefte Diskussion eines für die Zukunft lebenswichtigen Problems auf (mehr als ‚forum‘)-breiter Basis weitergeführt werden kann.

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