Plädoyer für eines der letzten Feuchtgebiete im oberen Syrtal

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Mit Freude konnte man am 16. Januar d.J. im „Luxemburger Wort“ lesen, daß die Gemeinde Bartringen ein wertvolles Feuchtgebiet gerettet hat.

In der Tat, Feuchtgebiete, so klein und unbedeutsam sie auch dem Laien erscheinen, bleiben unersetzliche Lebensräume für eine Vielfalt von Lebewesen. Man findet in ihnen seltene Pflanzen, Insekten, Reptilien, Säugetiere, usw. Für viele bedrohte Vogelarten stellen sie den Brutplatz, für Zugvögel den Rastplatz. Außerdem bilden Feuchtgebiete natürliche Wasserreserven der Natur und tragen zu einem ausgeglichenen Landschaftsbild bei. So z.B. hält Klaus Peter Bruns, ehemaliger niedersächsischer Landwirtschaftsminister, es auch für nötig, den Umfang der Naturschutzgebiete von gegenwärtig 1,5 auf 8-10% der Bodenfläche auszudehnen und Ufersäume, Feldraine und kleine Feuchtgebiete in ihrem natürlichen Zustand zu belassen oder wieder in diesen Zustand zu überführen. Er ist sich bewußt, daß das zu Nutzungsbeschränkungen führt.

Im oberen Syrtal gibt es zwischen Übersyren und Niederanven nur noch zwei größere Restbestände von Feuchtgebieten in Form von Schilfwiesen. Beide Bestände sind im „Plan sectoriel concernant la Protection de l’Environnement“ als äußerst schützenswert eingetragen. Doch beide sind nun direkt bedroht. Das Schilfgebiet bei Übersyren wird voraussichtlich der Autobahn Luxemburg-Trier weichen müssen. Das letzte Feuchtgebiet, gelegen „im Acker“ bei Niederanven, wird durch den geplanten Bau eines Einkaufszentrums gefährdet.

Im Schilfbestand von Oberanven/Niederanven, der sich über mehrere Hektare ausdehnt, wurden in den letzten zwei Jahren an die 700 Vögel beringt. Dazu gehören 500 Rauchschwalben aus den Höfen der Herren Mangen, Peter, Bamberg, Schummers und Bertrang, wo sie mit Sicherheit identifiziert werden konnten. Die 1979 und 1980 in anderen Höfen und Häusern der benachbarten Dörfer beringten Jungvögel konnte man 1981 in diesem Schilfgebiet wiederentdecken. Aus einer von der LLEPO durchgeführten Studie geht hervor, daß sich im Schilfgebiet Oberanven/Niederanven sogar Schwalben aus Contern und Schrassig einstellten. Auch wurden Bachstelzen, Hänflinge, Rohrammern, Goldammern, Bekassinen und sogar Rohrsänger festgestellt. Letztere sind typisch für den Schilfbestand von Oberanven/Niederanven. Da die meisten Vögel Insekten vertilgen, steht ihre Nützlichkeit

keit außer Frage. Sie brauchen den Schilfbestand zum Überleben.

Die Wichtigkeit dieses Naßbiotops war den Autoren des Bebauungsplans bekannt. Er sollte Teil der Erholungszone werden. Für das Lehrpersonal bot er die Möglichkeit zum Studium der Naturkunde an Ort und Stelle. Bis jetzt hat die Gemeinde sehr wenig zur Rettung des Schilfbestandes unternommen. Der Bau des Einkaufszentrums in unmittelbarer Nähe wird die verschiedenen Vogelarten verdrängen, zudem wird er den Schilfbestand sehr stark gefährden, denn Verkehrsschwierigkeiten werden früher oder später den Bau einer Zu-

gangsstraße zum Einkaufszentrum zur Folge haben.

Dieser interessante und wichtige Biotop sollte aber zum Wohle zukünftiger Generationen geschützt und erhalten werden. Die Entscheidung über den Bau eines Einkaufszentrums „im Acker“ sollte deshalb erst dann gefällt werden, wenn gültige Lösungen für die Verkehrsprobleme und die Erhaltung des Schilfbestandes vorliegen.

Ligue Luxembourgeoise pour l’Étude et la Protection des Oiseaux in: L.W., 34. 4. 1984

Grün vor der Haustür

Das alte Schema, Bäume entlang den Straßen zu setzen, steht einem modernen Konzept gegenüber. Die „Grüne Innenerschließung“: Der Städter gelangt direkt von seinem Haus ins Grüne.

Luftverbesserung durch Grünflächen

Bei austauscharmen Wetterlagen zeigt sich die ökologische Wirkung von Grünflächen. Ohne sie (links) strömt als Folge der aufsteigenden Warmluft der Flurwind in das Stadtzentrum, wo sich ein Tief bildet. Grünflächen teilen den Luftkreislauf in zahlreiche kleinere Kreisläufe, reinigen dabei die Luft und geben kühle, sauerstoffreiche Luft an die angrenzenden Gebiete ab (rechts). Grünanlagen, die sich kreisförmig durch die Stadt ziehen, sind dabei besonders wirksam.

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