Politikwissenschaft

Aus dem Piper-Verlag

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  1. Pipers Handbuch der politischen Ideen Hrsg. Iring Fetscher und H. Münkler Band 5: Neuzeit: Vom Zeitalter des Imperialismus bis zu den neuen sozialen Bewegungen, Piper München 1987

Das vorliegende Buch ist nach denselben Prinzipien aufgebaut wie der vor einiger Zeit besprochene 4. Band: Die relevanten politischen Ideen, Strömungen und Bewegungen werden in kleinen Monographien von Spezialisten vorgestellt; sie werden in den Kontext ihrer politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen hineingestellt, und ihre Folgen werden ebenfalls erörtert. Dem Handbuch liegt keine einheitliche Interpretationslinie zugrunde, den einzelnen Autoren wurde in dieser Beziehung jede Freiheit gelassen.

Diese Prinzipien bedingen auch, wie zum 4. Band bereits gesagt, eine gewisse Einschränkung der möglichen Leserschaft auf ein schon weitgehend mit der Materie vertrautes Publikum von Studenten und Lehrern. Ihnen aber bringt das Buch solide geistige Nahrung, wie ein Blick auf die behandelten Themen zeigt: Imperialismus – Rassismus, Sozialdarwinismus, Antisemitismus – Die politischen Implikationen der katholischen Soziallehre – Weimarer Republik, Faschismus und Nationalsozialismus – Politische Ideen in der Dritten Welt während der Dekolonisation – Politische Philosophie und die Frauenfrage usw.

  1. Martin Kriele, Die demokratische Weltrevolution Serie Piper 486, Piper München 1987

Ein längeres Zitat aus der Einleitung zeigt besser als jeder Kommentar, worum es dem bekannten

und umstrittenen Rechtslehrer und Verfassungsrichter in seinem Buch geht: "Die Geschichte der demokratischen Revolution ist die Geschichte des Mündigwerdens des Menschen. An die Stelle des ‚Recht des Stärkeren‘ tritt die Achtung vor der Gleichberechtigung des anderen, an die Stelle von Willkür der Rechtszustand, an die Stelle von Vormundschaft die Selbstbestimmung, an die Stelle der Despotie die rechtlich gesicherte Freiheit. Sie ist die Geschichte der Beherrschung der tierisch-biologischen Natur des Menschen durch das Naturrecht, das heißt durch das Recht, das der Natur des Menschen gemäß ist, wenn wir im Menschen nicht nur ein triebhaftes und gewalttätiges, sondern ein zu vernünftiger Selbstbestimmung und zu friedlichem Zusammenleben fähiges Wesen erkennen. Wäre die menschliche Natur nur triebhaft und gewalttätig, wäre gerechtes Recht unmöglich, wäre sie friedlich und freundlich, wäre zwangsweise Rechtsdurchsetzung überflüssig. Da sie aber zwischen Gut und Bös schwankt, ist Fortschritt des Rechts möglich und zugleich nötig, um den Menschen vor Unterdrückung und gegenseitiger Vernichtung zu bewahren und um den Rechtsfrieden zu schaffen, in dem er seine besten Möglichkeiten entfalten kann. Das Recht, das den Menschen und den Völkern Freiheit zur Selbstgestaltung ihres Lebens gewährleistet und diese Freiheit zugleich so beschränkt, daß die andern Menschen und Völker die gleiche Freiheit genießen, ist die der Natur des Menschen allein gemäße Gestalt des Zusammenlebens. Das ist der Grund, weshalb der demokratischen Revolution eine natürliche Tendenz auf universale Ausbreitung über die ganze Menschheit innewohnt: sie ist die Weltrevolution schlechthin." (S.11-12)

Dieser Grundgedanke wird von Kriele entwickelt, historisch und systematisch, einerseits in An-

lehnung an Kant, andererseits an Hand der Menschenrechte. Man könnte gewissermaßen das ganze Buch ansehen als eine auf der Basis der Menschenrechte entwickelte Theorie der Demokratie.

Der Gegenpart kommt dabei dem realen Sozialismus zu als der von Kriele so genannten "antidemokratischen Gegenrevolution". Der Autor unterzieht die politische Philosophie und die Menschenrechtstheorie der Ostblockstaaten einer strengen, aber auf einschlägige Texte abgestützte Kritik. Desgleichen entgeht die westliche Friedensbewegung nicht seinen scharfen Attacken.

Das ganze Buch ist durchzogen von der im Untertitel zum Ausdruck kommenden Überzeugung, daß "die Freiheit sich durchsetzen wird".

POLITISCHE SYSTEME

JEAN SCHAACK

Der Autor legt, nach eigener Aussage, ein "Arbeitsbuch in deutscher Sprache" vor, das "sachlich und informativ, ohne Vorurteil oder vorgefaßte Meinung die zwei bedeutendsten politischen Systeme unserer Zeit, und zwar die liberalen Demokratien und die sozialistischen Volksdemokratien, zu erklären versucht".

Mit diesen Worten sind Anspruch und Grenzen zugleich des Unternehmens ausgedrückt. Man muß dem Autor bescheinigen, daß er seine eigenen Gestaltungsprinzipien tatsächlich beachtet hat. Klarheit und Objektivität sind die hervorstechenden Merkmale seines Buches.

Das gilt für den ersten Teil, in dem wir Begriffserklärungen vorfinden, die sehr brauchbar sind. Es

ist aber auch wahr für die zwei anderen Teile, in denen je eines der beiden heutigen politischen Systeme zur Darstellung gelangt. Die Neutralität des Autors zeigt sich u.a. darin, daß er an beide Systeme treffende, kritische Fragen stellt.

Auf zwei Grenzen des Buches wird vom Autor selbst hingewiesen: er behandelt weder die faschistischen Systeme, noch die politischen Systeme der Dritten Welt. Er stellt deren Untersuchung aber in Aussicht in einer späteren Veröffentlichung.

Es fragt sich, weshalb in diesem Band nicht eine ausführliche Darstellung zu finden ist der sozialdemokratischen Theorie bzw. des demokratischen Sozialismus. Zwar stellt der Autor einige "Vorläufer der Sozialdemokraten" kurz vor, und streift ebenfalls den Sozialismus als "notwendige Bewegung zur Erreichung eines freiheitlichen Staatssystems". Aber das alles ist sehr knapp gehalten und vor allem rein historisch erörtert. Es fehlt die Darstellung der heutigen, zeitgenössischen Sozialdemokratie, die immerhin die 70er Jahre unseres Jahrhunderts in Europa mitbestimmt hat, sowohl von der Regierungspraxis her gesehen, wie auch auf theoretischer Ebene.

Eigentlich ist sonst nur Gutes über dieses Buch zu berichten. Am Schluß sei jedoch eine Frage noch erlaubt: Als Arbeitsbuch oder Nachschlagewerk scheint mir das Buch sehr geeignet. Aber als Schulbuch? Ist da die aus der gewollten Objektivität erfolgende Leidenschaftslosigkeit (und trotz einiger Exkurse) Geschichtslosigkeit und Abstraktheit nicht ein entscheidendes Hindernis? Ich sehe insofern das Buch eher in den Händen des Lehrers, zu dessen Information, als in denen der Schüler

Hubert HAUSEMER

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