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Rektorenrecycling?
Das vom Hochschulministerium entworfene Universitätsgesetz liegt vorerst im Staatsrats, und eine Abstimmung im Parlament ist noch nicht in Sicht. Dennoch brodelt es allenthalben an den Luxemburger Hochschulen, die in der Universität aufgehen sollen, werden doch wichtige Posten zu besetzen sein. Da soll es das hohe Gremium der Sieben geben, das die Geschicke der Universität lenkt. Und vor allem wird da der mit vielen Vollmachten ausgestattete Rektor sein. Schon werden hinter vorgehaltener Hand Namen gehandelt.
Hieronymus
von Busleyden
Wer wollte als MinisterIn nicht gerne eine Universität gründen? Die Freude daran währt allerdings meist nur kurz. Denn eine Hochschule kostet nun einmal Geld, und das in der Regel nicht zu knapp. Dann versammelt sie zwangsläufig einen ganzen Haufen renitenter Gestalten:
Studenten, die in unruhigen Zeiten schon mal rudelweise, laut und autoritätsfern durch neu gepflasterte Fußgängerzonen ziehen, und Professoren, die tatsächlich glauben, eine Universität sollte anders aufgebaut sein als ein Ingenieurbüro oder das Liegenschaftsamt, und dreist behaupten, ohne Autonomie und akademische Freiheit sei keine kreative Forschung und keine erfolgreiche Lehre von ihnen zu erwarten.
Schließlich gibt es diverse Industrieverbände, Handelskammern und Bankenvereinigungen, die in der Universität eine verlängerte Schulbank sehen, von der sie in kürzester Zeit perfekt ausgebildete, mehrsprachige und möglichst billige Spezialisten erwarten, deren Lehr- und Prüfungsplan sie am liebsten gleich selbst einrichteten. Mit altehrwürdigen Universitätsordnungen ist das aber kaum zu machen, denn sowohl Robert de Sorbon als auch Wilhelm von Humboldt haben es doch sehr an Einsicht in die Nöte der Kreditinstitute mangeln lassen.
Es rumort also gewaltig in universitären Senaten, und in den Ministerien wird an Hochschulmodellen gebastelt, die dem modischen Neoliberalismus dienlich sein können. Starke Rektorate sollen her, strategisch agierende Kuratorien, am besten mit Nobelpreisträgern besetzt und selbstredend hoch dotiert, industriegeschwängerte Beiräte. Und wie gut, dass es das Internet gibt: Die Universitätsverfassungen der ganzen Welt stehen den Regierungsräten zur Verfügung und liefern nötige Versatzstücke für geschmeidige Grundordnungen, deren einziger, aber doch nicht ganz unerheblicher Makel ihre Realitätsferne und mangelnde Bodenhaftung ist.
Steinherr nimmt Auszeit und kassiert
Zwischen der Universität Bozen und ihrem Rektor erfolgt nach wochenlangem Führungsstreit eine einvernehmliche Trennung. (…) Der Münchner tritt ab 1. Februar als Rektor zurück und nimmt sich als Professor bis Juni 2004 eine Auszeit. Diese allerdings wird von der Universität voll bezahlt. (…) Der Unirat ersparte sich eine peinliche Amtsenthebung, die ein Nachspiel vor Gericht gehabt hätte. (…)
Für Schmunzeln sorgte Steinherrs ironische Entschuldigung für Angriffe auf Dekan Gerwald Wallnöfer, dessen berufliche Qualifikation er in Frage gestellt hatte. „Sie müssen meine Ignoranz entschuldigen. Ich wusste nicht, dass in Italien das Croce-Gesetz es Personen erlaubt, Universitätsprofessoren zu werden, die es anderswo nie werden könnten“, so Steinherr. Benedetto Croce habe mit 16 Jahren seine ersten wissenschaftlichen Studien veröffentlicht und internationalen Ruhm erreicht. Als er mit 31 Jahren Professor werden wollte, aber nicht die nötigen Titel dafür hatte, erließ der König ein eigenes Gesetz. Es erlaubt, einen Universitätslehrstuhl zu übernehmen, sofern man 30 Jahre alt ist und bedeutende wissenschaftliche Arbeiten vorlegt. „Insofern habe ich die ganze Zeit Croce beleidigt, was mir völlig fern lag“, so Steinherr.
Dolomiten 3.12.2002
Hinter dem Pseudodym Hieronymus von Busleyden – dem Namen des aus einer Arloner Schöffenfamilie stammenden Mitglieds des Großen Rats von Mechelen, der 1517 das Collegium Trilingue an der Universität Löwen gründete – steckt eine Gruppe von Professoren an Luxemburger Hochschulen.
Dass es dabei öfter in die Hose geht, erhöht offenbar den Reiz, sich an außergewöhnlichen Gebilden zu versuchen. Und natürlich wollen wir es uns nicht nehmen lassen, auch auf diesem Gebiet mit einem Luxemburger Modell aufzuwarten, um das uns die Welt einmal mehr beneiden wird. Noch bevor die Uni Lëtzebuerg das Licht der Welt erblickt, hoben wir bereits drei spezialisierte Institute aus der Taufe, darunter eine Finanzschule, jener ESMT in Berlin nicht unähnlich. Mit großem Getöse angekündigt, muss letztere mittlerweile beim bankrotten Berliner Senat um Zuwendungen antichambrieren.
Und dann die Universität! Die Referenzen, bei denen die Autoren der Gesetzesvorlage zugeben, sich inspiriert zu haben, flößen selbst gestandenen Akademikern heilige Ehrfurcht ein: Mannheim, Limerick, Bozen… Bei der ersten kupferten sie wohl das im Internet frei zugängliche Organigramm ab, von der zweiten sollen sie den Präsidenten als Ghostwriter verpflichtet haben. Von der dritten ist allerdings Unerfreuliches zu berichten. Nicht nur, dass ihr Aufbau noch um etwas verworrener aussieht, als der des hiesigen Gesetzesvorschlags, nein: Nach einem handfesten Krach haben die Dekane der Universität Bozen gegen den Rektor geputscht und Magnifizienzen kurzer Hand den Stuhl vor die Tür gesetzt.
Allerdings, so berichtet die südtiroler Tageszeitung Dolomiten vom 3.12.: Der Rektor „nimmt Auszeit und kassiert.“ Von Summe einer in sechsstelliger Euro-Höhe ist die Rede.
Der Rektor wurde wohl aus vielen Gründen gegangen. Dass er zu wenig im Haus präsent sei, warf man ihm unter anderem vor. Als er Ende letzten Jahres nicht zur Diplomverleihung kam, meinte der Präsident der regierenden SVP: „Wenn ich das sehe, muss ich sagen, dieser Rektor hat hier echt nichts mehr verloren.“ (Dolomiten 2.12.02).
Alfred Steinherr, so heißt der Mann, der so nebenbei noch Zeit hat, in führender Position an der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg tätig zu sein, steht nach seinem unrühmlichen Bozener Abgang wieder für Höheres zur Verfügung. Wen wundert es da noch, dass gewöhnlich gut informierte Kreise bereits wissen wollen, der deutsche Wirtschaftswissenschaftler sei ernsthaft als Gründungsrektor der Uni Lëtzebuerg im Gespräch.
Steinherr war in Bozen auch durch sarkastische Kritik an Universitäts-Mitarbeitern aufgefallen, die seiner Meinung nach Qualifikationsmängel aufwiesen (vgl. nebenstehenden Kasten). Da ließe sich doch sicher auch in Luxemburg manches machen.
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