Robert Cormier: „Der Schokoladenkrieg“

Buchbesprechung

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‚Schatzinsel‘, so lautet der verheißungsvolle Titel der neuen Kinder- und Jugendbuchreihe des Fischer-Verlags. Stellvertretend für das breitgefächerte Angebot an anspruchsvoller Jugendliteratur sollen hier kurz drei Romane für Dreizehn- bis Sechszehnjährige vorgestellt werden.

Robert Cormier: Der Schokoladenkrieg

Fischer Schatzinsel 80012

3-596-80012-9

Zerstörte Klassensäle, Lehrer mit Nervenzusammenbruch, das alles ist an der Trinity High-School an der Tagesordnung. Obwohl jeder die Täter kennt, schweigen alle. Denn hinter den Aktionen stecken die ‚Scharfrichter‘, und alle haben Angst vor der mächtigen, geheimen Schülerorganisation, die von Archie Costello angeführt wird.

Gelegentlich wählt Archie Jugendliche aus und erteilt ihnen ebenso heikle wie originelle Aufträge, die diese prompt zu erledigen haben. Noch nie hat sich ein Schüler Archies Willen widersetzt. Diesmal fällt seine Wahl auf Jerry Renault, einen eher schüchternen und unbeliebten Jungen, der mit aller Kraft versucht, in der Footballmanschaft der Schule Fuß zu fassen. Er soll sich zehn Tage lang weigern, sich am alljährlichen Schokoladenverkauf zu beteiligen. Jerry führt den Auftrag aus, obwohl der Druck auf ihn immer größer wird, denn der Verkauf läuft dieses Jahr nur schleppend, so daß Bruder Leon sogar die Scharfrichter um ihre Unterstützung gebeten hat. Doch noch erstaunlicher ist Jerrys Verhalten, nachdem die zehn Tage abgelaufen sind: Er weigert sich nach wie vor, Schokolade zu verkaufen; selbst das Eingreifen der Schülerorganisation kann nun seinen Widerstand nicht brechen.

Dadurch wird natürlich die Autorität der gefürchteten, bislang scheinbar allmächtigen Scharfrichter ernstlich in Frage gestellt. Sie versuchen mit allen Mitteln, Jerrys Willen zu brechen, schrecken selbst vor Gewaltandrohung und Telefonterror nicht zurück…

Dieser amerikanische Roman, leicht und spannend zu lesen, zeigt, wie mächtig (Schüler)organisationen werden können, wenn niemand den Mut aufbringt, sich gegen sie zu wehren, zeigt aber auch, daß der Widerstand eines einzelnen viel auszurichten vermag. Schon allein aus diesem Grund lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.

Frising Martine, 16 Jahre, IVc 3 mod. lit

Gunter Preuß: Vertauschte Bilder

Fischer Schatzinsel 80011

3-596-80011-0

Der Roman schildert die letzten Monate der DDR. Hauptgestalt ist Isabell Krause, ein zwölfjähriges Mädchen.

Eigentlich wäre Isabell ein ganz normaler Teenager, wenn da nicht ihr Wille zur Veränderung wäre. Genährt wird dieser Wille durch ihre Bewunderung für Gavroche, den Pariser Straßenjungen aus ihrem Lieblingsroman von Victor Hugo: Gavroche besitzt den Mut, Widerstand zu leisten und für Veränderungen zu kämpfen.

Für Veränderungen in ihrer farblosen Heimatstadt Leipzig ist auch Isabell. Diese Veränderung tritt in Isabells Leben in Form eines Fotos von Erich Honekker, Staatsratsvorsitzender der DDR und Generalsekretär der SED. Versehentlich vertauscht Isabell in der Schule dieses Foto mit einem Foto von Stalin und löst damit einen Riesenskandal aus. Sie gerät dadurch zwar in große Schwierigkeiten, doch weckt sie auch die Aufmerksamkeit des achtzehnjährigen Henner, des Jungen, in den Isabell schon lange verliebt ist.

Henner nimmt Isabell mit zu einer Gruppe junger Freiheitskämpfer, hier erfährt sie zum erstenmal in ihrem Leben das Gefühl, gebraucht zu werden.

Auf einer Demonstration bringt Isabell die Leipziger Bevölkerung dazu, die Worte "Wir sind das Volk"

‚Schatzinsel‘, so lautet der verheißungsvolle Titel der neuen Kinder- und Jugendbuchreihe des Fischer-Verlags.

herauszuschreien, Worte, die vielen jahrelang die Kehle zugeschnürt haben.

Das Buch spiegelt das Chaos, das in der Gefühlswelt von Isabell herrscht, realitätsnah wider und gewährt dem Leser Einblick in Isabella geheimeste Gedanken.

Darüber vergißt der Autor, selbst Bürger der DDR, jedoch auch den historischen Hintergrund nicht, die friedlichen Demonstrationen des Jahres 1989, die schließlich – dank mutiger Menschen wie Isabell und Henner – zum Sturz des SED-Regimes und zum Fall der Berliner Mauer geführt haben.

Joëlle Walch, 17 Jahre, IVe 2 Smod

Kurt Held: Die rote Zora und ihre Bande
Fischer Schatzinsel 80013
3-596-80013-7

Dieser Roman, hier zum erstenmal als Taschenbuch erhältlich, ist bereits 1941 in der Schweiz erschienen, wohin der Autor Kurt Kläber, der als Asylant in der Schweiz nur unter einem Pseudonym veröffentlichen durfte, bereits 1933 vor den Nazis geflohen war. Doch im Gegensatz zu manch anderem sog. Klassiker der Kinderliteratur wirkt der Roman um die rebellische Zora mit dem flammendroten Haaren und ihre Bande unerschrockener Uskoken keineswegs verstaubt.

Zwar liegt das friedliche, idyllische Fischerstädtchen Senj, wo Held seine Geschichte von der Auseinandersetzung zwischen den jugendlichen Außenseitern und den Wohlhabenden und Mächtigen angesiedelt hat, in Kroatien, einer Gegend also, die heute bekanntlich Schauplatz ernsterer, blutigerer Erwachsenenkämpfe ist, doch die Abenteuer und Streiche dieser Jugendlichen reißen auch heutige Leser noch mit.

Das sozialkritische Moment kommt dabei nicht zu kurz: Not treibt den zwölfjährigen Branko nach dem Tod seiner Mutter dazu, auf dem Markt einen Fisch zu stehlen. ‚Ich habe nicht gestohlen‘, versucht der Junge sich dann zu verteidigen, als er vom reichsten Mann des Dorfes wie ein Schwerverbrecher behandelt wird, ‚Ich hatte bloß Hunger.‘ Doch die alta Marija klärt ihn brutal auf: ‚Gerade das nennt man ja Diebstahl, du Dummkopf.‘ (S.63).

Genau wie Branko ist es auch den anderen Mitgliedern der Bande ergangen: Vernachlässigt, geschlagen, verstoßen, sind die Kinder gezwungen, um ihr Überleben zu kämpfen. Dabei setzen sie sich vermehrt auch für andere ein, denen Unrecht widerfährt: So helfen sie dem alten Fischer Goran, gegen die scheinbar allmächtige Fischereigesellschaft, die ihm seine Fanggründe und damit seine Unabhängigkeit nehmen möchte, wenigstens eine Schlacht zu gewinnen. Auf diese Weise finden die Kinder auch selbst

allmählich den Weg in die Gemeinschaft zurück. Ein versöhnliches Ende bahnt sich an, doch Zora wird wachsam bleiben: ‚Die Uskoken sind tot! Es leben die Uskoken!‘ (S. 552)

Ein Roman, prall gefüllt mit Abenteuern, spannend und lustig zugleich, der Leseratten – immerhin umfaßt er 552 Seiten! – an regnerischen Nachmittagen viel Freude bereiten dürfte.

M.-R. Wirtz

Jostein Gaardener: Sofies Welt
Hanser Verlag, München
3-446-17347-1

Sofies Welt ist ein Roman von Jostein Gaarder. Es ist ein sehr geistreiches und lehrreiches Buch. Vor allem aber erzählt es die Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart. Das Buch handelt von einem 14jährigen Mädchen namens Sofie. Sofie wohnt zusammen mit ihrer Mutter in einem Einfamilienhaus, das an den Wald grenzt. Sofie sieht ihren Vater nur selten. Er ist Kapitän auf einem Öltanker. Eines Tages findet Sofie einen Zettel im Briefkasten. Auf dem Zettel steht: "Wer bist du?" Sofie ist sehr verwirrt und versucht eine Antwort darauf zu finden. Sie bekommt mehrere solcher Zettel. Eines Tages findet Sofie jedoch einen größeren Umschlag mit drei maschinbeschriebenen Bögen. Sie ist sehr erstaunt. Ein Fremder unterrichtet sie in Philosophie. Sofie findet nun täglich solche Umschläge in ihrem Briefkasten. Ein Fremder berichtet in Form von Briefen über den Ursprung der Philosophie und erzählt über die Ansichten der größten Philosophen. Sofie versucht alles, um ihren Philosophielehrer kennenzulernen, es dauert jedoch einige Zeit bis er sich zu erkennen gibt. Es geschehen viele rätselhafte Dinge, die Sofie sehr verwirren.

Sofie’s Welt ist eines meiner Lieblingsbücher, weil es ein sehr gescheites und spannendes Buch ist. Es ist kein Buch, das man nur so oberflächlich liest, es bringt einen zum Nachdenken. Ich hielt Philosophie immer für zu kompliziert. Doch Jostein Gaarder beschreibt die Philosophie, die eigentlich eine sehr schwierige Materie ist, sehr einfach und verständlich für jeden. Erst durch dieses Buch wurde mir klar, wie wichtig es ist, sich über sein Leben und die Welt Gedanken zu machen. Nachdem ich diese Geschichte gelesen hatte, wußte ich, was Philosophie ist, und daß sie alles andere als langweilig ist. Durch dieses Buch habe ich eine Menge gelernt. Ich weiß nun, daß es wirklich wichtige Sachen im Leben gibt. Mich fasziniert die Art und Weise, wie Jostein Gaarder versucht, schwierige und komplizierte Dinge jedem verständlich zu machen. Ich werde dieses Buch sicher noch einmal lesen, und ich empfehle es wirklich jedem, denn es lohnt sich.

Marylène Gratia

Mich
fasziniert
die Art und
Weise, wie
Jostein
Gaarder
versucht,
schwierige
und
komplizierte
Dinge jedem
verständlich
zu machen.

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