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Satire aus «natur» 10/85
SDI-Logik
Die Lektüre dieses Umweltmagazins wird mir in letzter Zeit sehr verleidet. Also, was dieser Hoimar von Ditfurth schreibt, der Bundeskanzler würde das wahrscheinlich Kloakenjournalismus nennen; und ich kann ihm da nur voll beipflichten. Dieser Ditmann von Hoifurth malt da Schreckensgebilde vom Untergang der Welt an die Wand, daß einem alles vergehen kann. Ich verstehe nicht, warum natur dieses ökoterroristische Zeug überhaupt druckt?
Dietmar von Klagenfurth hat immer noch nicht begriffen, daß die Waffenarsenale der Nato nur zur Verhinderung eines Krieges angesammelt werden. Je mehr Waffen die Nato zur Verfügung hat, desto besser können wir die Russen abschrecken. Das weiß doch heut jedes Kind!
Seitdem bei uns die Pershings aufgestellt worden sind, schlaf ich viel ruhiger, weil ich mich sicherer fühle. Der Frieden hat eine ganz neue Qualität bekommen. Dieses Gerede von der Abrüstung kann ich nicht mehr hören. Wenn man einmal logisch überlegt, kommt man zu dem Schluß, daß Abrüstung nur ein anderes Wort für Krieg ist. Und wer will schon Krieg? Nur Verrückte. Wenn Krieg also nur eine besondere Form von Abrüstung ist, so müssen wir gegen Abrüstung sein. Kapiert doch endlich, daß diese Abrüstungsfanatiker nichts anderes im Sinn haben als den Krieg. Deshalb war ich gegen Genf und bin es heute noch. Aufrüstung heißt Frieden, so einfach ist das. Deshalb bin ich für SDI.
Man möchte annehmen, daß dieser Atomar von Kriegfurth als Wissenschaftler logisch denken kann. Warum tut er es dann nicht? Er will uns doch allen Ernstes weiß machen, daß nach einem atomaren Schlagabtausch – zu dem es gar
nicht kommen wird, weil wir schneller sind – durch Brände die Rauchentwicklung so groß sein wird, daß die Sonnenstrahlen nicht mehr zur Erde dringen können.
Die größte Rauchentwicklung wird dabei im Ernstfall der Wald verursachen. Wer also gegen das Waldsterben ist, nimmt billigend eine Schwächung der Nato in Kauf, denn je mehr Wald in Brand gesetzt werden kann, desto nachteiliger wirkt sich das auf die Nato aus. Das muß man den Umweltschützern wie diesem Öko von Dietfroh mal hinter die Ohren schreiben. Was nützt uns denn ein intakter Wald, wenn er das Vordringen des Feindes begünstigt? Wenn der Wald also auf der Seite des Russen steht???
Aus dem gleichen Grunde bin ich auch gegen die Einführung des Katalysators. Denn zweifelsohne kommt es dadurch zu weniger Schadstoffen in der Luft. Da wir aber ohnehin immer – zumindest meist – Westwind haben, wird die schadstoffreiche Luft nach Osten geweht und dient so der Schwächung des Feindes. Es wird also darauf ankommen, woher der Wind weht, wenn wir zuerst zurückschlagen! Die Abschreckungstheorie scheint Hoidi von Piepfurth nicht geläufig zu sein. Ich hab mir erst neulich bei einem guten Burgenländer gedacht, daß alle Bereiche unseres Lebens von der Abschreckungstheorie durchdrungen sind. Der Wohnungsbau, der deutsche Schlager, Lebensmittel – hier haben wir den Vorteil, daß unsere Mägen schon daran gewöhnt sind – wohingegen der Feind unvorbereitet getroffen wird.
Jeder einzelne kann etwas tun und seinen Beitrag leisten für die Verteidigung. Ich zum Beispiel habe wieder das Rauchen angefangen. Aus folgender Überlegung heraus: Der Staat verdient über die Tabak-
steuer pro verkaufter Packung zwei Drittel vom Verkaufspreis, das macht ungefähr 2,65 Mark. Bei 6,5 Milliarden verkaufter Packungen jährlich macht das 17,2 Milliarden für die Staatskasse aus. Das wiederum entspricht einem Drittel vom Verteidigungshaushalt. Wer also gegen das Rauchen ist, der ist gegen den Verteidigungshaushalt, und wer gegen den Verteidigungshaushalt ist, der ist für den Kommunismus. Daraus folgt logischerweise: Alle Nichtraucher sind Kommunisten! Deshalb sollten alle rauchen, auch die Kinder, weil man kann ja nicht früh genug anfangen mit dem Antikommunismus. Die Zigarettenindustrie ist ein Bollwerk gegen die rote Gefahr. Jeder Deutsche muß sich überlegen, was ist schlimmer: Das bißchen Gesundheitsgefährdung oder der Russe? Krebs oder Kommunismus? So lautet die Kernfrage. Deshalb muß dieser Aufdruck auf den Zigarettenschachteln weg: „Der Bundesgesundheitsminister: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit.“ Dieser Satz ist staatszersetzend, weil er den Verteidigungshaushalt untergräbt. Statt dessen muß es heißen: „Der Verteidigungsminister: Rauchen sichert den Frieden!“ Ein weiteres Drittel für die Verteidigung kommt über die Alkoholsteuer und der Rest wird aufgefüllt durch die Benzinsteuer.
Raucher, Trinker und Autofahrer verteidigen also die Freiheit in vorderster Front. Das sollte sich dieser Hoimi aus Dingsda mal durch den Kopf gehen lassen! Aber das wird ein frommer Wunsch bleiben, weil verbohrte Menschen sind logischen Argumenten einfach nicht zugänglich.
Bruno Jonas, 32, Kabarettist, studierte Germanistik, Politologie und Philosophie. Auf die Frage: „Wie kamen Sie zum Kabarett?“ antwortet er: „Mit der U-Bahn und eigenständig geschriebenen Kabarett-Texten.“
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