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Place Boltgen in AL-ESCH

Stadtplanung in Esch-Alzette

Nach Jahren finanzieller Probleme und Bevölkerungsrückgang (teilweise unter die 25.000er Grenze) kennt Esch-Alzette seit etwa mehr als einem Jahr einen sehr starken Aufschwung, der eine neue Dynamik im Leben der Stadt ausgelöst hat:

  • Der Umbau des alten Stadtzentrum "Al Esch" ist zu 3/4 realisiert und kann als voller Erfolg angesehen werden. Die letzten 2 Bauphasen werden in ungefähr 2-3 Jahren abgeschlossen sein.

  • Genehmigung von mehr als 160 Wohnungen im ersten Halbjahr 1990.

  • Der Entscheid der ARBED, in Esch-Alzette ein administratives Gebäude für ungefähr 400 Beamten zu errichten.

  • Der Anschluß in nächster Zukunft der Stadt an das internationale Autobahnnetz.

  • Die Wiederentdeckung der urbanen Qualitäten von Esch-Alzette und das sich verbesserte Image der Stadt. "Esch bouge" ist nicht mehr nur ein Slogan.

Ich möchte in diesem Artikel die Probleme der Stadt Esch-Alzette aufzeigen und die Mittel, welche die Politiker und zuständigen Planer anwenden, um die Position von Esch-Alzette als Regionalzentrum und als wichtigsten Gegenpol zur Hauptstadt zu festigen und weiter auszubauen.

Wichtig ist es den Verantwortlichen, die Stadt als Gesamtheit zu sehen, daher auch die Idee, im Jahre 1987 mit der Erstellung eines Stadtentwicklungsplanes zu beginnen. Alle Funktionen des städtischen Lebens

(Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Freizeit, Oekonomie, Umwelt…) und ihre gegenseitige Beeinflussung sollen untersucht werden und daraus Konzepte und Handlungsanweisungen für die Zukunft entwickelt werden.

Wo stehen wir 1990 in punkto Stadtentwicklungsplanung?

Verschiedene administrative und technische Schwierigkeiten zwangen uns, sektorielle Planungen vorzuziehen (z.B. Verkehr, Grünplanung, ökonomisches Konzept…), ohne aber den ganzheitlichen Ansatz außer acht zu lassen. So z.B. macht der Verkehrsplan Aussagen über Verbesserung städtischer Räume, Strukturen und Wohnumfeldverbesserungen, im Landschaftsplan werden Reflexionen angestellt über Verkehrsalternativen und Wiederverwertung von Industriebrachen.

Was werden in den nächsten Jahren die Hauptstoßrichtungen des Escher Urbanismus sein?

Verkehr

Der Gesamtverkehrsplan von Professor Topp aus Darmstadt basiert auf der Idee, den Verkehr der städtischen Struktur anzupassen und nicht umgekehrt. Die Empfindlichkeit der Straßen (Zahl der Wohnungen, Vorhandensein von Schulen, Krankenhäusern, Altersheimen etc…) determiniert die Menge des aufzunehmenden Verkehrs. Das vorgeschlagene Schema sieht ein Ringkonzept vor (Bd Kennedy-Prince Henri-Bd G.-D.Charlotte-Route de Luxembourg), von dem die Innenstadt über Schleifen erschlossen wird. Die innere Stadt ist also für den ortsfremden Transitverkehr gesperrt.

Die einschneidendste Einzelmaßnahme ist der Vorschlag von Professor Topp, die Grand-rue in Höhe der Schule (Ecole Grand-rue) für den Verkehr zu sperren durch die Amenagierung eines städtischen Platzes -früheres Zentrum der Ortschaft Esch-Alzette um 1842. Durch diese Maßnahme wächst der historische Stadtkern wieder zusammen und wird den Bewohnern, Schulkindern und Fußgängern wieder zur Verfügung gestellt.

Weitere wesentliche Bestandteile des Verkehrsentwicklungsplans sind:

  • Konsequente Verkehrsberuhigung durch
  • Tempo-40-Zonen
  • Rückbau zu breiter Straßen durch Baumpflanzungen
  • Schaffung von Boulevards durch Umgestaltung der in die Stadt leitenden Hauptverkehrsachsen:

Rte de Luxembourg

Pénétrante de Lankelz

Bd Ch.de Gaulle etc…

  • Wesentliche Verbesserungen des ÖPNV (öffentlichen Personennahverkehrs) durch geplantes City-Bus-Netz.
  • Verbesserung der Parksituation vor allem für Innenstadtbewohner durch berechtigtes Anwohnerpar-

ken,

Schaffung von Quartiersgaragen etc…

  • Schaffung eines geschlossenen Radwegenetzes, da die Größe des Ortes und die topographischen Gegebenheiten für diese Verkehrsform ideal scheinen.

Alle diese Maßnahmen, die zum Teil im Begriff sind realisiert zu werden, sollen zur Verbesserung der Wohnqualität eines jeden Escher Bürgers führen, deshalb muß das Gesamtkonzept auch politisch abgesichert werden, was es im Moment noch nicht ist.

Grünplan

Als weiterer Baustein des Stadtentwicklungsplanes (Step1.) liegt uns seit Februar 1990 der von dem Berliner Landschaftsplanerbüro Müller, Wehberg, Knippschild, erarbeitete Gesamtgrünplan der Gemeinde vor. Es ist im Rahmen dieses Artikels nur möglich auf punktuelle Vorschläge dieses sehr umfangreichen Dokumentes einzugehen.

Hauptschwerpunkte sind:

  • Schaffung, bzw. Verbesserung eines Grüngürtels um die Stadt, der folgende Grünzonen miteinander verbinden soll:

Parc Municipal – Schloßpark – Grünzüge entlang der Alzette und des zu renaturierenden Dipbaches – Bois Clairchêne – die zu vegetalisierende Schlackenhalde Terres-Rouges.

  • Abbau der Defizite der Stadtrandsituationen, vor allem im nördlichen Teil der Stadt (Lallange, Raemerich…). Der Ausprägung der Stadtränder – im Sinne der Verflechtung oder auch des Kontrastes – und der Ausformung der Stadteingänge kommt besonderes Gewicht zu.

Im Inneren der Stadt: Schaffung von zusätzlichen grünen Freiräumen, vor allem im Brillviertel, wo sich 2 Möglichkeiten direkt anbieten – der Parc Cockerill und die Entkernung des Blockinneren der Eglise Sacré-Coeur und des Hauses Meder.

Zusätzlich dazu sollen die bestehenden Alleen erhalten, bzw. restauriert werden und weitere Alleen- und Grünverbindungen geschaffen werden, um die einzelnen Freiräume miteinander zu vernetzen und deren Erreichbarkeit zu verbessern.

  • Das hohe Freizeitpotential des Galgenberges mit seiner näheren Umgebung (Stadtnähe – natürliche Ausstattung) wird mit der Entwicklung eines Freizeitparkes erschlossen. Folgende Einrichtungen werden geschaffen oder verbessert und mit Wanderwegen verbunden:

  • Parc Municipal (saniert) – Tiergehege (besser in die Umgebung integriert) – Kuppe des Galgenbergs wird in eine parkähnliche Landschaft umgewandelt – Waldschule – ökologisches Zentrum in früheren Ipreco -Gebäuden (zu schaffen) – "Ellergronn" als Naturschutzgebiet

  • Die ehemaligen Tagebaugebiete sollen im Rahmen

Esch-Alzette befindet sich im Moment in einem wichtigen Wandel und ist im Begriff, eine neue Identität zu suchen.

eines Pflegeprogramms wie folgt differenziert bearbeitet werden

  • Zone mit ungestörter Sukzession
  • Zone mit "lichtem Baumbestand"
  • Zone der Gebüsche
  • Zone der Trockenrasen.

Die Vorschläge des Grünplaners für den Stadtbereich müssen in Erwartung der Legalisierung der Landschaftspläne sukzessive in das Bautenreglement und in zu erarbeitende "plans d’aménagement particulier" integriert werden. Im Außenbereich können weitere Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden (z.B. ehemalige Tagebauegebiete) oder aber unter Landschaftsschutz gestellt werden.

Wohnen

Der sich täglich verstärkende Druck auf unsere Stadt als Wohnort ist bedingt durch folgende Situationen:

  • die momentan in Luxembourg herrschende Wohnungsknappheit.

  • die Wiederentdeckung der Stadt als Wohnort. Nach Jahren des Wegzuges aus der Stadt in die Dörfer zwischen Esch-Alzette und Luxemburg werden vor allem Städte wie Dudelange und Esch-Alzette im Süden wieder als Wohnorte bevorzugt wegen des Vorhandenseins eines städtischen Lebens mit allen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgeeinrichtungen und der Möglichkeit einer Identifikation mit einer Stadt von Profil.

  • die sich klar abzeichnende größere Lebensqualität in Esch-Alzette.

Was passiert in punkto Wohnungspolitik in Esch-Alzette im Moment?

Al-Esch zeichnet sich jetzt schon als gelungenes Beispiel einer Innenstadtsanierung ab. In ungefähr 2 Jahren, nach kompletter Renovierung des Viertels neben dem "Hôtel de Ville" werden etwas mehr als 1.000 neue Einwohner mitten im Zentrum wohnen, in einem verkehrsberuhigten, multifunktionalem Viertel (Wohnungen, Büros, Geschäfte, kulturelle und soziale Einrichtungen etc…) mit einer städtebaulich bewährten Struktur bestehend aus Block, Straßen und Plätzen, die sich nahtlos in die umgebende Stadtstruktur einpaßt. Die Neustrukturierung dieses Viertels konnte vor 5 Jahren nur mit Hilfe des Staates und der Gemeinde begonnen werden, in den weiteren Phasen wurde die Restrukturierung immer mehr Sache der Privatpromotoren unter Aufsicht der Gemeinde.

Ein Plan für das gesamte Al-Esch (innerhalb der Grenzen von 1842 – Rue du Fossé – Rue de Lux. – Rue du X Septembre) ist im Entstehen. Dort ist die Methode ähnlich wie in Al-Esch; auf gemeindeeigenen Terrains werden Pilotprojekte gestartet, die die Privatinitiative stimulieren sollen.

In der Innenstadt begrenzt durch den Bd Kennedy – Bd Prince Henri – Rue du Canal – Rue du Fossé – Rue

de Lux. – wird ähnlich vorgegangen:

Gemeindeeigene Gebäude werden modellhaft restauriert, das Wohnungsumfeld wird entscheidend verbessert (Verkehrsberuhigung, Baumpflanzungen etc…). Zusätzlich zu diesen Maßnahmen werden zahlreiche Gespräche mit Privateigentümern geführt, die diese motivieren sollen, z.T. leerstehende Gebäude zu sanieren und zu vermieten.

Die Politik der Gemeinde ist, zu versuchen zu allererst alle möglichen Baulandressourcen innerhalb der bestehenden Agglomeration für Wohnungsbau auszuschöpfen und dann erst Baulandneuerschließungen zu tätigen. Zur Zeit arbeiten wir an einem Planwerk mit folgendem Inhalt:

  • Auflisten
  • von verfügbarem Bauland (privat-öffentlich)

  • von besser ausnutzbaren Bauterrains

  • von leerstehender Bausubstanz

  • Verdichtungsmöglichkeiten in verschiedenen Vierteln

  • Erschließung von neuem Bauland (mit Prioritätenfolge)

  • Modernisierung und Restaurierung von Bausubstanz in öffentlicher Hand

  • Untersuchung von Möglichkeiten bei Modernisierung von Bausubstanz in privater Hand.

Diese Planung ermöglicht der Gemeinde eine Übersicht über alle Möglichkeiten des Wohnungsbaus auf Gemeindeebene und bietet eine wertvolle Entscheidungshilfe.

Eine erste Etappe der Neuerschließung von Bauland ist das Lotissement "Lankelzerweier" (26 Doppelhäuser + 60 Appartements), eine kleine Siedlung mit alleanartiger Erschließung, zentralem, baumbestandenen Platz mit Pergola und Pavillons, Wasserfläche in unmittelbarer Nähe von Sportkomplex und parkähnlichen Anlagen. Diese Siedlung, erster Baustein des "Nouvel Esch", gilt als Pilotprojekt und soll einen Ausblick geben, wie die Gemeinde sich vorstellt, die restliche Baulandreserve im Norden des Gemeindeterritoriums zu bebauen (ungefähr 10 ha). Diese Bebauung sollte außerdem neue Ansätze einer umweltverträglichen Stadtentwicklung aufzeigen.

Wirtschaftliche Entwicklung

Eine Stadt ist ein Ganzes mit einer gesunden Mischung aus den verschiedenen Funktionen, Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Erholung, Kultur etc… Wenn eine dieser Funktionen überhand nimmt, z.B. Wohnen, kann sich die Stadt zur Schlafstadt entwickeln und so eventuell andere Funktionen wie z.B. Kommerz weiter verkümmern lassen. Um dieses im Moment etwas negative Gleichgewicht in Arbeitsplatzhinsicht zu verbessern, hat die Gemeinde folgende Initiativen gestartet:

a) Die Rue de l’Alzette als regionales Einkaufszentrum von einem Einzugsgebiet von ungefähr 100.000 Einwohnern wird aufgewertet durch ihren Umbau in eine Fußgängerzone, die ihre Eigenart markiert

In ungefähr 2 Jahren, nach kompletter Renovierung des Viertels neben dem "Hôtel de Ville" werden etwas mehr als 1.000 neue Einwohner mitten im Zentrum wohnen.

dossier

sowohl durch die Gestaltung als auch ihre Funktion. Die Alzettestraße soll künftig eine differenzierte Verkehrsreglung erhalten:

  • in der Zeit von 8.00 – 14.00 Uhr ist die Straße für Anlieger und Kurzparker geöffnet
  • von 14.00 – 18.30 Uhr ist sie integrale Fußgängerzone
  • ab 18.30 Uhr ist sie für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr geöffnet.

Wichtiges Kriterium für die Gestaltung soll die Unverwechselbarkeit sein; Stahl, das Material auf das Esch-Alzette seinen Wohlstand gründete, wird einmal für die Markierung des Straßenraumes mit polierten Stahlschienen verwendet, zum anderen für die Gestaltung einer high-tech Straßenüberspannung als Beleuchtungs- und Werbeträger.

Diese neugestaltete Fußgängerzone soll unter anderem als attraktiver Gegenpol zum geplanten Cactus-Neubau in Lallange funktionieren.

b) Sehr positiv zu werten ist die Entscheidung der ARBED, ihr Hauptverwaltungsgebäude in Esch-Alzette anzusiedeln. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Stadt in ihren Reflexionen über ihre wirtschaftliche Zukunft die ARBED und das Ministère de l’Economie mit hinzugezogen hat.

Ein spezialisiertes Studienbüro hat erst kürzlich begonnen eine allgemeine Strategie der wirtschaftlichen Entwicklung von Esch-Alzette auszuarbeiten mit folgenden Schwerpunkten:

  • Analyse der bestehenden ökonomischen Struktur der Stadt und Verbesserungsvorschläge
  • für ausgewiesene Flächen auf dem Gemeindegebiet soll parallel dazu versucht werden, durch möglichst viele Kontakte und Verbindungen hochwertige Betriebe mit wenig Anspruch auf Fläche und einer großen Zahl von Arbeitskräften anzusiedeln. Dabei kann es sich aber auch z.B. um Bildungs- und kulturelle Einrichtungen handeln, die ohne Probleme auch im städtischen Raum an geeigneten Stellen eingeplanzt werden können.
  • Des weiteren werden auch die bestehenden Industriebrachen in die Überlegungen einbezogen. So

z.B. kann sich die Brache "Terres Rouges" nach der Umsiedlung der Firma Calumite aus dieser Zone zu einer hochwertigen "zone d’activités" entwickeln, da ja jetzt schon am Rande von "Terres Rouges" hochwertige Firmen wie Telindus und Laborlux zu finden sind, die vorgesehenen Aktivitätszonen "Nonnewissen" und "Zaepert" (ungefähr 20 ha) sollen sich städtebaulich in die gesamte Stadtstruktur als gleichwertige Stadtviertel integrieren und nicht als notwendiges Übel anhängen, also Quartiere mit Straßen, Alleen, Plätzen und Grünzonen, die sich harmonisch in die Stadt integrieren. Desweiteren sollen die Gebäude, die diese öffentlichen Räume definieren, auch die architektonische Qualität besitzen, die immer mehr Firmen als Aushängeschild für ihre Betriebe sehen.

Stadtbild

Die Eigenart der Stadt, ihre Identität, ihre "Persönlichkeit" ist im Zeitalter der technisch und ökonomisch geprägten Gleichmacherei das eigentliche und wichtigste Kapital einer Stadt von der Größe von Esch-Alzette. Das Bewahren dieser Identität ist unter ökonomischen und ganz praktischen politischen Gesichtspunkten, und nicht nur unter abgehobenen kulturellen, intellektuellen Betrachtungsweisen eine der vorrangigsten Aufgaben der Stadtverwaltung.

Diese Überlegung führte zu einer Ausweisung von 4 Gebieten auf dem Stadtgebiet, darunter die gesamte Innenstadt, als "secteurs de protection du patrimoine architectural et urbain".

Diese Ausweisung setzt die bisherige, der bebauten Struktur total unangepaßte Reglementation außer Kraft. In der Übergangszeit bis zur kompletten Ausarbeitung eines "plan d’aménagement particulier" beurteilt eine Kommission von Experten jedes Bauvorhaben in diesen Zonen. Die Gebäude werden in diesen Sektoren aufgrund einer genauen Analyse in verschiedene Gruppen unterteilt:

  • absolut schützenswerte Häuser
  • erhaltenswerte Gebäude, aber verbesserungswürdig
  • Häuser ohne hervorragende Qualität, aber Bestandteil eines Ensembles
  • Häuser, die abgerissen werden können, aber wo der Neubau genauen Kriterien unterliegt.

Erste Phase von "Le Nouvel ESCH"

Ziel der Gemeinde ist es, z.B. für die gesamte Innenstadt einen Idealplan zu entwerfen, der einen genauen Gabarit für jede bebaute und bebaubare Parzelle vorsieht, im Gegensatz zu einem abstrakten, willkürlichen Bautenreglement, das uniforme Gebäudchöhen, Dachneigungen und Gebäudetiefen für ganze Zonen vorsieht.

Ein anderes wichtiges Anliegen der Gemeinde ist die Bewahrung der zum Teil sehr qualitätvollen Innenräume der Blockbebauung des Zentrums, die sehr oft die Funktion von grünen Oasen inmitten der dichtbebauten Innenstadt darstellen; diese Blockinnenräume könnten nach dem alten Reglement komplett überbaut werden.

Auch der öffentliche Raum der Stadt, Straßen, Plätze sind sehr stadtbildwirksam und müssen erhalten und verbessert werden: die für Esch-Alzette typischen baumumrandeten Stadtplätze (Hôtel de Ville, Remparts, Stalingrad, J.Jaurès etc…) sind gestalterisch zu verbessern und müssen größtenteils für die Einwohner zurückgewonnen werden (nicht mehr nur Parkplätze).

Zusammenfassend können wir feststellen, daß sich Esch-Alzette im Moment in einem wichtigen Wandel befindet und im Begriff ist, eine neue Identität zu suchen. Vorraussichtlich und hoffentlich wird Esch-Alzette eine Stadt der Arbeit bleiben, auch wenn Arbeit einen anderen Inhalt hat als zur Zeit des Aufbaus der Eisenindustrie; aber auch eine Stadt mit "Persönlichkeit", in der es sich gut wohnen läßt, eine der einzigen, wirklich urbanen Wohnmöglichkeiten in Luxemburg.

Zwei persönliche Bemerkungen zum Schluß:

  • in einem Land, das auf europäischem Niveau hinsichtlich des Bruttosozialprodukts vergleichbar ist mit dem Land Baden-Württemberg z.B., darf dessen zweitgrößte Stadt nicht existenzielle Finanzprobleme haben, während farblose Randgemeinden der Hauptstadt Probleme haben, sich auszudenken, wie sie die öffentlichen Gelder investieren sollen.

  • eine Teilnahme an einer Konferenz in Caen bot mir die Möglichkeit, Hérouville, ein früherer Vorort von Caen und dessen Bürgermeister kennenzulernen.

Hérouville, eine Ansammlung von "Grands Ensembles" in den 50er Jahren, ist im Begriff sich zur eigenständigen Stadt zu mausern (Centre-ville, Théâtre, Markthalle, Kino, Centre commercial etc…): Die "Tour de l’Europe", ein geplantes Bauwerk, Koproduktion von 4 namhaften Architekten Europas, hat Hérouville auf europäischem Niveau bekannt gemacht.

Dieses Beispiel müßte die Verantwortlichen der Stadt Esch beflügeln:

Eine Stadt wie Esch-Alzette mit historischer Vergangenheit, sehr starker Identität und einer dynamischen Bevölkerung müßte desto mehr die Möglichkeit haben sich zu behaupten, und ein sehr starkes, regionales Zentrum zu bleiben. Der Glaube der Verantwortlichen an die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt und an ihre Anpassung an die neuen Gegebenheiten ist ein entscheidender Punkt.

Jean Goedert

Architecte de la Ville d’Esch-sur-Alzette

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