- Gesellschaft
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Zivilcourage zeigen, um hate speech entgegenzuwirken
Zivilcourage zeigen, um hate speech entgegenzuwirken
Gewalt in Form von Worten
Jugendliche sind heute im Schnitt täglich drei Stunden online, das Netz ist omnipräsent.1 Die Anonymität im Netz führt oft zu einer Enthemmung des Verhaltens. Hemmende Faktoren, wie das Leid von Betroffenen direkt zu erfahren oder eine kritische Reaktion der Umwelt, fehlen tendenziell.
Hier setzt die No Hate Speech Movement-Kampagne an. Das Ziel besteht darin, die Akzeptanz von Hassreden zu reduzieren und damit ein humanes und lebenswertes Miteinander zu gewährleisten. Die Kampagne basiert darauf, dass die Menschenrechte selbstverständlich auch im Netz gelten, was offenbar nicht jedem bewusst ist. Jeder Mensch ist für seine Worte verantwortlich, aber eben auch für jene, die er nicht sagt. Worte können Gewalt sein, denn sie verkörpern Einstellungen in Bezug auf das soziale Umfeld und haben direkten Einfluss auf die Identität des Menschen. Ist die sprachliche Rückmeldung abwertend und aggressiv, dann ist dies ein Angriff auf die Person, auf ihren menschlichen Wert. Darüber hinaus werden über Sprache Machthierarchien hergestellt, durch die andere unterworfen werden oder sogar dauerhaften Schaden erleiden. Worte sind ein Mittel, um Menschen aus einer Gemeinschaft auszugrenzen. Das kann so weit gehen, dass ihnen emotional die Menschlichkeit aberkannt wird. Über Sprache wird somit ein Klima geschaffen, in dem die psychischen Hemmschwellen zur Gewaltausübung gegen bestimmte Menschengruppen gesenkt werden. Das Mitgefühl der breiten Masse sinkt.
Aggression gegen Einzelne oder Gruppen in Onlineräumen erfolgt oft über Sprache und kann bei Betroffenen emotionale Reaktionen bis hin zur klassischen Krise auslösen, abhängig vom Grad der Aggression. Je stärker die gefühlte Bedrohung und die empfundene Hilflosigkeit, desto größer ist zudem das Risiko, dass eine gesunde Bewältigung misslingt. Das Gefühl von Ohnmacht ist eine häufige Begleitung von hate speech. Der Faktor der Bedrohung ist allgegenwärtig, da dieser neben öffentlichen Demütigungen auch massive Gewaltankündigungen enthalten kann.
Wie soll ich mich verhalten?
Bei (jungen) Menschen, die im Netz direkt von sprachlicher Gewalt betroffen sind, können Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Scham und starker Verunsicherung ausgelöst werden. In dieser emotional belasteten Situation kann es hilfreich sein, sich an eine Organisation wie das KJT zu wenden. Es stehen fachlich differenzierte Dienste zur Verfügung, die helfen, wieder in die eigene Handlungsfähigkeit zu kommen.
Die Lösung des Problems
Auch Freunde und besorgte junge Menschen, die Diskriminierung und Verunglimpfung als Zuschauer im öffentlichen Raum erleben, wenden sich an das KJT. Sie haben oft Angst, selbst Zielscheibe der Verunglimpfung zu werden, wenn sie sich einmischen. Im gemeinsamen Gespräch findet manch einer die Ermutigung, für sich selbst und seine Freunde einzustehen. Die sogenannte „Zivilcourage“ wächst und die Welt online und offline wird lebenswerter und humaner. Das Postulat „Misch dich ein“, das dazu auffordert, gegen Ungerechtigkeiten wie Sexismus, Ausländerfeindlichkeit usw. zu argumentieren und die scheinbar sichere Zuschauerrolle zu verlassen, verändert die Welt. Cybermobbing und Cyberhass aktiv entgegenzutreten erfordert Mut. Es bedeutet, über den eigenen Schatten zu springen und sich zu exponieren. Anonyme telefonische Beratung kann helfen, genau hinzusehen und wahrzunehmen, was passiert, statt wegzusehen. Die Entscheidung, etwas zu unternehmen oder nicht, also sich „einzumischen“ oder „wegzusehen“, wird in Abwägung der persönlichen Nachteile des Gegen-den-Strom-Schwimmens getroffen. Diese Entscheidung muss letztlich aber jeder selbst treffen. Auch „bewertende“ Entscheidungen zu treffen, orientiert an menschlichen Grundwerten und persönlichem Gewissen, bedeutet erwachsen sein und werden. Zivilcourage in der Öffentlichkeit zeigen bedeutet Mitgefühl, Sinn für Gerechtigkeit, Gemeinsinn, Toleranz und Hilfsbereitschaft. Dieses Handeln geschieht in Situationen, in denen zentrale Wertüberzeugungen und soziale Normen, wie Menschenwürde, Menschenrechte oder die physische bzw. psychische Integrität einer Person verletzt werden. Wer bereit ist, trotz drohender Nachteile für die eigene Person für die Wahrung humaner und moralischer Werte einzutreten, handelt sozial verantwortlich.
1 https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/ JIM/2016/JIM_Studie_2016.pdf
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