Vor allem Ramsch, mittelalt
Das Spielfilmangebot von RTL plus
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Das Spielfilmangebot von RTLplus
Vor allem Ramsch, mittelalt
Unter dem Titel "Billig, billig" veröffentlicht die Fachzeitschrift "medium" (Nr.3/85) eine Untersuchung des gesamten Spielfilmangebots von RTL plus im Jahre 1984. Hier eine kurze Zusammenfassung der Untersuchung von Uli Jung.
Grundlage der Analyse bildeten die 510 in "tele-cran" angekündigten Filme, die sich wegen aktueller Programmumstellungen und der freitäglichen Kino-Parade, bei der die Zuschauer einen von zwei angebotenen Filmen auswählen dürfen, geringfügig vom wirklich ausgestrahltem Programm unterscheiden. Über das Jahr betrachtet stellt sich die
Publikumsbeteiligung als Bluff heraus: fällt ein Film mehrere Male in der Kino-Parade durch, wie zum Beispiel Python 357, der dreimal abgewählt wurde, so wird er dennoch gesendet – ohne Konkurrenz und Publikumsbefragung.
Der Hauptteil der 510 Filme stellt die deutsche (Deutsches Reich + BRD) Produktion mit 216 Filmen, es folgt Italien mit 91, Frankreich mit 52, die USA mit 29 und Großbritannien mit 19 Filmen. Das gesamte osteuropäische Kino ist mit 10, das asiatische mit 6 Filmen vertreten. 300 Filme sind zwischen 5 und 25 Jahre alt.
20% der Filme (106) sind Komödien. Davon stammen 73 aus Deutschland, hauptsächlich aus der billigsten Produktion der 60er und 70er Jahre. Filme, deren zotiger Humor nicht mehr zu unterbieten ist. Als zweites Genre folgt der Krimi mit 92 Filmen, typischer Vertreter hier der mittelmäßige Gangsterfilm aus den 60ern nach dem Muster der Edgar-Wallace-Verfilmungen. Der Abenteuerfilm nimmt mit 75 Angeboten den dritten Platz in der Genreliste ein mit 22 italienischen Filmen, die meistens in der Antike spielen. Es folgt der Western mit 54 Filmen, unter denen sich nicht ein einziger klassischer Western befindet. Der Anteil der USA mit 6 Produktionen ist lächerlich gering, während auch hier Italien mit 32 Produktionen führt, deren Niveau meist unbeschreiblich ist. Dabei paßt der zynische Resimismus dieser Filme eigentlich nicht in das leicht lockere Programmkonzept. Als nächstes Genre folgen Horror- und Science-Fiction-Film (18 bzw. 8 Filme). Weiter 82 Angebote gehören der Kategorie "Sonstige" an. Sie ließen sich nicht zuordnen oder ihre Kategorie war nur vereinzelt vertreten. (Kriegsfilm, Revue…)
Bei so vielen Filmen müssen auch einige sehenswerte dabei sein: "Der Willi-Busch-Report" und "Jede Menge Kohle" seien hier als Vertreter des Neuen Deutschen Filmes genannt, der sonst fast nicht berücksichtigt wird: "Django", ein Klassiker des Spaghetti-Westerns, zwei Krimis von Melville…
Unter den Regisseuren fallen Namen wie Marcel Camus, André Clément, Duvivier, Tati, Bergmann, Altman, Peckinpah, Milius… auf. Zählt man die Filme von international bekannten, das will nicht sagen renommierten Regisseuren zusammen, erhält man genau 10%. Franz Antel und Franz Josef Gottlieb, deren Name fast Synonym für den Niedergang des deutschen Kinos ist, bestreiten hingegen alleine 5% des Gesamtangebots. Es lassen sich 10 Regisseure finden, die ihre Karriere im NS-Film machten (Veit Harlan, Karl Ritter, Luis Trenker…).
Wieviele Unterhaltungsfilme der Nazi-Zeit gesendet wurden, war schwer festzustellen, da in der Reihe
"der ältere deutsche Film" besonders häufig die Jahresangaben fehlten und die angegebenen Titel oft nicht in einschlägigen Filmographien zu finden waren. Die Programmgestaltung von RTL plus leistet der verbreiteten Ansicht Vorschub, daß diese Filme heute ohne Reflexion ihrer Produktionsbedingungen konsumierbar sind und verschleiert so deren politische Funktion. Unter diese "harmonischen" Filme gerät dann auch mal einer, der damals das Prädikat "künstlerisch und staatspolitisch wertvoll" trug und der, wie die Abenteuergeschichte "Germanin", offen anti-englische Ressentiments schürt.
Uli Jung schließt seine Untersuchung mit der Feststellung: "Vieles von dem, was sich bei RTL plus an die Fernsehöffentlichkeit wagt, können ARD und ZDF ihrem Publikum nicht zumuten … Erfrischend ist dieses Spielfilmangebot des kommerziellen Fernsehens gewiß nicht. Das Durchschnitts-Niveau ist eher peinlich… Der Anspruch von RTL plus sich über dem Unterhaltungsniveau von ARD und ZDF anzusiedeln, läßt sich im Spielfilmbereich nicht halten. Die breite Palette der deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kann RTL plus nicht bieten." Einzige Entschuldigung, der Etat von 20 Mio DM für 1984.
DISTRACTION, INFORMATION, PUBLICITÉ
| | RTL-TV | TMC | Canal Plus | TF1 | A2 | FR3 |
| — | — | — | — | — | — | — |
| DISTRACTION (1) | 75 % | 87 % | 94 % | 50 % | 50 % | 38 % |
| INFORMATION (2) | 21 % | 9 % | 3,6 % | 46 % | 47 % | 60 % |
| PUBLICITÉ (3) | 4 % | 4 % | 2,4 % | 4 % | 3 % | 3 % |
| ZONES DE DIFFUSION | Bassin lorrain (3 départements) | Provence-Côte-d’Azur (3 départements) | 11 régions (48 départements) (6) | ENSEMBLE DE LA FRANCE | | |
| POPULATION ÉQUIPÉE (4) | 1 034 000 | 1 574 000 | 1 000 000 | 38 217 000 | 38 194 000 | 38 077 000 |
| AUDIENCE GLOBALE (5) | 1 034 000 | 1 340 000 | 1 000 000 | 37 325 000 | 37 281 000 | 37 229 000 |
Le Monde 25/26 août 1985
Source : BIPE
(1) Fictions, jeux ou retransmissions sportives.
(2) Journaux, flashes d’actualité, magazines et documentaires, bandes annonces programmes.
(3) Publicité (spots et génériques de parrainages), bandes annonces des nouveaux films en salle.
(4) Téléspectateurs pouvant capter la chaîne sur leur récepteur.
(5) Personnes interrogées déclarant écouter au moins de temps en temps la chaîne.
(6) Prévu au 1er novembre 1985 : 87 % de la France.
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