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Wenn nun im katholischen Christenlager immer noch jemand meint, Papst Johannes Paul II. sei, was innerkirchliche Fragen angeht, so konservativ eigentlich nicht, er zeige sich doch sehr gesprächsbereit und werde im übrigen sicher noch lernen, der mag sich seine Argumente herholen, wo er will: aus dem, was der Papst seiner katholischen Herde zu befolgen ans Herz legt, kann er sie nicht.
Nun trifft es besonders die Kirchengemeinden hart. Laien dürfen — geht es nach dem Willen der römischen Zentrale — nunmehr weder predigen (was eine deutliche Begrenzung des Einflusses der Pastoral- und Gemeindereferenten bedeutet) noch im Gemeindegottesdienst die Kommunion austeilen (dies nur im Notfall, wenn kein Priester zur Verfügung steht). Frauen bleiben praktisch ganz vom aktiven liturgischen Geschehen ausgeschlossen, Mädchen dürfen noch nicht einmal Meßdienerinnen werden. Nicht neu ist die römische Aufforderung, während der Gottesdienste nur die vier amtlich vorgeschriebenen Hochgebetstexte zu verwenden. Auf Zielgruppen ausgerichteten Gottesdiensten wird damit weiterhin jede Möglichkeit genommen.
Das alles ist also das neue, bessere Verständnis dessen, was das Konzil wollte, wie der Papst immer betont!?
Wer meint, es gehe hier doch um ver-
gleichsweise zweitrangige Fragen, irrt. Rom ist dabei, per Dekret weltweit die vorkonziliare Kirche neu zu formieren: jene streng hierarchisch ausgerichtete,
sakralisierte Kleruskirche, in der Laien — Frauen allemal — allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz eben nicht die mit dem allgemeinen Priestertum aller
Gläubigen grundgelegten gleichen Rechte erhalten. Päpstliche Ermahnungen an das kirchliche Offizierskorps der Priester sind — ganz folgerichtig — bereits angekündigt; sie werden in einem eigenen Priesterdekret folgen.
Mit der jüngsten römischen Instruktion wurden nicht irgendwelche theologischen Spitzfindigkeiten angesprochen. Empfindlich getroffen ist der Lebensnerv vieler Gemeinden. Es nähert sich der Punkt, an dem Widerstand zur Christenpflicht wird. Ein Ausverkauf der Gemeinden, ein weiterer Auszug gutwilliger und bereiter Menschen aus den Gemeinden und damit der Kirche kann nicht einfach ruhig und resignativ hingenommen werden, nur weil Rom einem überholten, polnisch geprägten Kirchenbild huldigt, das zwar in seiner vom Wojtyla-Papst herausgestellten Christozentrik besticht, nicht aber in den Folgerungen daraus für die Praxis.
Wenn sich die Deutsche Bischofskonferenz nunmehr mit den päpstlichen Forderungen beschäftigt, dann wird sie hoffentlich die — würde den entmutigenden Weisungen widerspruchslos entsprochen — verheerenden Folgen für die Pastoral im Auge haben. In Lateinamerika wird man wahrscheinlich kurzerhand zur Tagesordnung übergeben — und die ist dort von vornherein eine andere.
Eine Basisbewegung der Gemeinden war noch nie so wichtig! Georg Stolze
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