Was geht’s ihn an?

Öber die (Mit-)Verantwortung des ganz normalen Mannes

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"Wenige Männer vergewaltigen Frauen.

Einige Männer mißbrauchen Kinder.

Viele Männer schlagen Frauen.

Die meisten Männer manipulieren und diskriminieren Frauen

Fast alle Männer schweigen dazu und unternehmen nichts und tragen damit zur Aufrechterhaltung dieser Zustände bei." (Spoden, 1991, S. 353)

Was geht’s ihn an?

Am liebsten gar nichts!

Und damit er sich nicht weiter beunruhigen muß, hat er sich ein Klischee vom "typischen Täter" zurechtgebastelt, das ihm neben der nötigen Distanz auch die Möglichkeit zur Projektion eigener Gewaltphantasien und Ängste bietet. Nach diesem Klischee handelt es sich beim Inzesttäter um einen halt – und arbeitslosen, alkoholkranken Tyrannen, der in einer von Kindern überfüllten Mietwohnung nicht nur seine

‚frigide‘ Alte prügelt, sondern sich auch an seinen Töchtern und Söhnen vergreift. Der muß doch verrückt sein! Dies ist ebenso unzutreffend, wie das Bild vom Vergewaltiger als einer fremden Person, einem kranken Monster. Der Täter kommt meist aus dem sozialen Nahbereich. In über 50 Prozent der Fälle kennen sich Täter und Opfer. Täter kommen auch aus einem soliden Elternhaus, sie sind auch sozial angepaßt, bekannt als überaus tüchtige, fähige Arbeitskräfte. Sie sind auch Pastor, Polizist, Arzt, Rechtsanwalt oder Psychologe. Als Ernährer ihrer Familie sind auch viele von ihnen nach außen beliebt und zeigen keinerlei Auffälligkeiten; manche haben Schuhgröße 43, manche…!

Unterstützung zur Begründung der eigenen Nicht-Betroffenheit erhält Mann dabei auch von pseudowissenschaftlichen Verlautbarungen (siehe Johannesmeier in Sexualmedizin 5/91). Beispielsweise

wurde Inzest zu Beginn als Begleiterscheinung proletarischer Verhältnisse angesehen. Als dann deutlich wurde, daß sexuelle Gewalt in allen Bevölkerungskreisen vorkommt, vermutete man psychische Störungen als Ursache und wurde nicht müde, immer neue Täterpersönlichkeiten zu kreieren, in denen ein übersteigerter Sexualtrieb, mangelnde Intelligenz oder ungenügende Impulskontrolle zu Klärungsversuchen herangezogen wurde.

Die feministische Forschung hat nun endgültig mit der Vorstellung vom Sittenstrolch als typischen Täter aufgeräumt. Vergewaltigung gehört unter bestimmten Bedingungen auch zum Verhaltensrepertoire normaler Männer. Eine unbequeme Erkenntnis! Für Frau bedrohlich, weil es den typischen Täter nicht gibt, sie ihn also auch nicht erkennen kann und somit in Anwesenheit des anderen Geschlechts (fast) immer mit dem Schlimmsten rechnen muß. Unbequem für Männer, weil sie hier pauschal in ihrer Geschlechtsrolle in Frage gestellt sind, die sie wohl irgendwie verändern sollten. Unbequem weil sie bei der Verteidigung ihrer unschuldigen Rolle, der Aufrechterhaltung des Status quo, zunehmend in Beweisnot geraten. Gehen die Argumente aus, müssen

Carlo Schmitz

dann Vorurteile, Halbwahrheiten, pseudowissenschaftliche Erklärungen etc. herhalten.

Im Rahmen des zur Verfügung stehenden Raumes möchte ich mich auf zwei solcher "Argumente" beschränken, die nicht nur in Laienkreisen zu hören sind, sondern auch von Fach-Leuten verbreitet werden und in Gerichtssälen, zur Ent-Lastung des Täters (und damit oft zur Be-Lastung des Opfers) herangezogen werden!

1) Das Opfer ist selber schuld!

Dabei gibt es verschiedene Varianten: Das Kind hat die Initiative ergriffen! Es war einverstanden – "schließlich sind keine Verletzungen zu sehen, sprich es hat sich nicht gewehrt, also…!" Oder – Grundtenor vieler Verteidigerstrategien – es wird behauptet, "daß sich kein Finger in eine Colaflasche und kein Faden in ein Nadelöhr einbringen lasse, wenn das Zielobjekt (sic!, HG) nicht stillhalte…" (zit. nach WEIS 1982, S. 53). "Gut, wenn das einmal passiert wäre, aber das ging ja über fünf (acht, zwölf) Jahre, wieso hat das Kind nie etwas gesagt? Also wollte es doch…!"

So kann nur "argumentieren", wer sich nie wirklich auf Inzestfamilien eingelassen hat. Hier werden Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, in denen sich Mütter und Kinder befinden, auf den Kopf gestellt. Die Dynamik des Inzests wird außer acht gelassen. Viele Mädchen und Jungen können nicht darüber reden; und wenn sie es tun, wird ihnen oft nicht geglaubt; Mütter wissen oft tatsächlich nichts und manchmal können sie nichts sehen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Und weiter, Kinder können sich gar nicht freiwillig für "Sex" mit Erwachsenen ‚entscheiden‘, weil sie die Folgen und die Bedeutung dieser Handlungen gar nicht übersehen können.

Selbst wenn ein Kind sich aufreizend und "verführerisch" verhält (manchmal ein Hinweis auf bereits erfolgten Mißbrauch!), liegt die Verantwortung eindeutig und uneingeschränkt beim Erwachsenen.

(Exkurs: In diesem Zusammenhang ist auch nochmal auf die sich hartnäckig haltende "Dampfkessels-theorie" hinzuweisen, die behauptet, der Mann stehe irgendwann einfach so unter Spannung, daß er nicht mehr anders kann, er muß sich dann einfach von dem Druck befreien. Übrigens haben Frauen die imaginäre "Natur des Mannes" stärker internalisiert als dieser selbst! So sind acht von zehn Frauen der Meinung, daß Männer sehr viel schwerer wieder aufhören können, wenn sie in einen Flirt verwickelt sind (WEIS 1982, S. 62). Das Zauberwort zur Entkräftung dieses Triebstaumodells (wenn es denn so sein sollte?) heißt: Masturbation! Um "Dampf abzalassen" muß ich doch niemanden vergewaltigen! Mann ist dafür verantwortlich, seine Sexualität in Grenzen zu halten, nicht Frau!)

Der Sexismus, der aus diesen "Überzeugungen" resultieren kann, wird deutlich, wenn man wie FINKELOR (1986, zit. nach ENGELFRIED 1990, S. 27) die Vergewaltigung durch Raubüberfall ersetzt. Stellen wir uns vor, ein gutgekleideter Herr zeigt bei der

Polizei einen bewaffneten Raubüberfall an und bekommt folgende Fragen gestellt:

"Warum gehen Sie am Abend allein spazieren? Glauben Sie nicht, daß Sie es selbst provoziert haben, beraubt zu werden? – Der Anzug, den Sie tragen, sieht teuer aus. Denken Sie nicht, daß es eine Ermutigung für jeden Dieb ist? – Sie sehen nicht so aus, als seien Sie verletzt, grün und blau geschlagen oder beschmutzt. Haben Sie versucht, sich zu wehren oder wegzulaufen? Soll man Ihnen glauben, daß Sie tatsächlich beraubt wurden? … Ist Ihnen so etwas früher schon mal passiert? Ja? Überlegen Sie mal, ob Sie vielleicht unbewußt den Wunsch haben, beraubt zu werden?…"

2) Die dysfunktionale Familie als Ursache für den sexuellen Mißbrauch

In der psychologischen Inzestforschung haben familiendynamische Ansätze Konjunktur. Grundgedanke ist, daß der Vater-Tochter-Inzest eine Art Überlebensmechanismus für eine bereits zerstörte Familie ist. Er ermöglicht den Familienmitgliedern, Spannung und Konflikte auszuhalten, ohne die eigentlichen Ursachen beseitigen zu müssen.

Inzest ist dann ein Symptom, ein Signal dafür, daß die Familie sich in einem kranken Gleichgewicht befindet. Der familientherapeutische Ansatz ist Teil der umfassenderen Systemtheorie, deren Grundgedanke – stark verkürzt dargestellt – ist, daß nicht individuelle Persönlichkeitsfaktoren zu Krisen führen, sondern daß Störungen erst im System der (familiären) Beziehungen entstehen.

Die Gefahr dieses Ansatzes, bei dem Begriffe wie "Täter" und "Opfer" hinfällig werden, ist die Abschaffung der Schuldfrage. Jetzt sind alle oder keiner schuld; alle haben ein Interesse am Mißbrauch gehabt und unbewußt/bewußt zu einem System von Regeln, Normen und Mythen beigetragen, in dem die Ausbeutung gedeihen konnte. Aus der Perspektive der Mütter und Kinder wird damit die Schuldfrage wieder eingeführt; der Täter fühlt sich entschuldigt! Das darf – hauptsächlich, aber nicht allein im Interesse der Opfer – auf keinen Fall passieren! Die Machtverhältnisse innerhalb bestimmter Systeme dürfen nicht geleugnet werden.

Bei oberflächlich informierten Laien und konservativen Familienpolitikern könnte zudem der Eindruck entstehen, nur in zerrütteten, asozialen Familien ist "so etwas" möglich, nicht jedoch dort, wo die treusorgende Mutter mit ganzem Herzen für ihre Familie da ist. Doch Vorsicht! Auch die nach draußen ehrenwerte, anständige Familie kann sich in einem "krankhaften" Gleichgewicht befinden. (Zur Situation der Mutter siehe MOLITOR-PEFFER in diesem Dossier.)

Um nicht falsch verstanden zu werden: die Systemtheorie hat neben anderen Disziplinen auch die Psychologie enorm bereichert. Wer sie allerdings im Zusammenhang mit Inzest und sexueller Gewalt anwendet, sollte die folgenden Voraussetzungen akzeptieren: (a) Der Wunsch und die Sicherheit des

Kindes haben absolute Priorität, d.h. der Mißbrauch darf auf keinen Fall – wie z.B. in England geschehen – unter dem Deckmantel der Therapie weitergehen. (b) Der Täter muß gegenüber Mutter und Opfer eindeutig und unmißverständlich die Verantwortung für das Geschehen übernehmen. (c) Die Bedeutung der Geschlechtsrollen sowie die herrschenden Macht – und Abhängigkeitsverhältnisse werden explizit in den therapeutischen Prozeß einbezogen. (Zum letzten Punkt siehe z.B. WALTER, CARTER, PAPP & SILVERSTEIN 1991.)

Natürlich gibt es Ursachen und neben dubiosen auch plausible Erklärungsansätze für das männliche Verhalten. Aber ich glaube, was Frauen zu Recht daran stört, ist, daß diese von Männern immer lieber als Entschuldigung und Ausrede benutzt werden. Zusätzlich bleibt dann oft der üble Beigeschmack, daß irgendwo doch die Frau (ob als Mutter, Ehefrau, Tochter) selber schuld ist. Was Frauen erwarten – und das ist für die Opfer so ungemein wichtig – ist, daß Männer endlich die Verantwortung für dieses Verhalten übernehmen und unmißverständlich und eindeutig sagen "Die Schuld liegt bei mir!" (… und nicht bei einem überdimensionalen Sexualtrieb oder meiner ablehnenden Mutter oder meiner "frigiden" Frau oder meiner frühreifen Tochter, diesem Luder, und auch nicht in "den gesellschaftlichen Verhältnissen"!) All das sind und bleiben faule Ausreden! Erst wenn ein eindeutiges Bekenntnis zu Verantwortung zu hören ist, verlieren die Ursachenanalysen und Erklärungsmodelle ihren Rechtfertigungs – und Verharmlosungscharakter – verschiedene würden gar nicht erst "gedacht", geschweige denn geschrieben werden; glaubhaft werden sie allerdings erst, wenn sie begleitet sind von konkreten Verhaltensänderungen des Mannes, ansonsten handelt es sich um Lippenbekenntnisse, die Verschleierungsbemühungen um eine subtile Variante bereichern.

Was können Männer tun, die ihre Verantwortung wahrnehmen?

Der MANN, der von betroffenen Mädchen erfährt, schaltet eine kompetente FRAU ein und hält sich zurück.

Der MANN, der sich betroffen fühlt, versucht das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu begreifen, setzt sich mit seiner Geschlechtsrolle auseinander, fängt bei sich selbst in seiner Beziehung zu Frauen an, toleriert keine Anmache oder Diskriminierung von Frauen an seinem Arbeitsplatz, in Vereinen oder öffentlichen Verkehrsmitteln und Plätzen.

Der MANN, der es ernst meint, bringt das Problem an die Öffentlichkeit. Dabei nennt er die Dinge beim richtigen Namen und wirkt allen Verschleierungsversuchen entgegen; es handelt sich nicht um ein Kavaliersdelikt! Die Kernfrage beim sexuellen Mißbrauch ist nicht, daß es im Gegensatz zum "Gesunden" kranke Perverslinge gibt, die sexuell auf Kinder abfahren, sondern die, daß Machtinhaber das NEIN nicht akzeptieren und Gewalt an Abhängigen und Ohnmächtigen ausüben.

Was Frauen erwarten – und das ist für die Opfer so ungemein wichtig – ist, daß Männer endlich die Verantwortung für dieses Verhalten übernehmen und unmißverständlich und eindeutig sagen "Die Schuld liegt bei mir!"

Sexuelle Gewalt ist ein Männerproblem, ein Teil von Männerherrschaft. MANN kann sich da nicht raushalten: dies wäre gleichbedeutend mit Unterstützung und Billigung.

Auch der MANN, der mit Kindern, Mädchen wie Jungen, arbeitet kann einen wesentlichen Beitrag zur Prävention leisten. Gerade in der pädagogischen Beziehung zum männlichen Erzieher kann das Mädchen erleben und erlernen, wie es sein NEIN und sein Recht auf (sexuelle) Selbstbestimmung wirkungsvoll durchsetzen kann. Voraussetzung dafür ist natürlich, daß der Erzieher sein Verhalten genügend reflektieren kann; zusätzlich bietet die Interaktion des Erziehers mit KollegInnen eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Modellernen.

Erziehung darf aber nicht in anti-sexistisches Verhaltenstraining für Jungen ausarten; Ziel muß vielmehr eine parteiliche, emanzipatorische Jungenarbeit sein, die sich in Forschung und Praxis mit der Sozialisation von Jungen in unserer Gesellschaft befaßt, und die Gefühle von Angst und Unsicherheit hinter "Verhaltensauffälligkeiten" wie Rücksichtslosigkeit, Hyperaktivität oder Aggression zu verstehen versucht.

Der MANN, der über die Täter zu richten hat, macht sich sachkundig, reflektiert seine persönlichen Einstellungen zu dem Thema, respektiert den Opferschutz und trägt Sorge und Verantwortung dafür, daß das Kind im System der Rechtssprechung nicht zum "Täter" gemacht wird. Er wird alles tun, um sekundäre Traumatisierungen zu vermeiden. Er weiß auch, daß Strafe aus therapeutischer Sicht häufig kontraindiziert ist; andererseits muß die Tat im Vergleich mit anderen Deliken entsprechend "gewürdigt" werden, z.B. im Vergleich mit Eigentumsdelikten.

Der MANN, der Politik macht, hat in fast jedem Ressort entscheidenden Einfluß auf die strukturellen Rahmenbedingungen, die das Geschlechterverhältnis entscheidend mitbestimmen. Um nur einige Stichworte zu nennen: Jobsharing, Quotierung, Erziehungsurlaub, Erziehungs- und Bildungswesen, Medienpolitik. "Wenn die Gesellschaft Handlungen verurteilt, die die sexuelle Integrität des Individuums erniedrigen, wird das Opfer ermutigt, Anzeige zu er-

statten, weil es fühlt, daß Autoritäten auf seiner Seite sind" (HEDLUND 1991). Fühlt der Volksvertreter sich damit überfordert, kann er auch ganz konkret Politik machen, indem er beispielsweise Projekte in der Mädchen – und Jungenarbeit, in der Sexualerziehung, in der Männergruppenarbeit, bei therapeutischen Projekten mit (sexuellen) Gewalttättern, im Elterntraining, in der psychosozialen Trennungs – und Scheidungsberatung gezielt und intensiv fördert.

Alle Männer müssen sich fragen (und von Frauen fragen lassen), wie und warum (besser wozu?) sie in ihrem Berufs- und Privatbereich tagtäglich zur Aufrechterhaltung und Verfestigung dieser Machtstrukturen sowie spezifischer Rollenbilder (Frau als Objekt /Frau und Kind als Eigentum des Mannes) beitragen. Solange MANN nicht wenigstens damit beginnt, über seinen mehr oder minder direkten Beitrag zu einem Problem nachzudenken, dessen Verursacher ER in über 95 Prozent der Fälle ist, muß er sich pauschalisierende Angriffe von Frauen wohl gefallen lassen.

Sexuelle Gewalt ist ein Männerproblem, ein Teil von Männerherrschaft. MANN kann sich da nicht raushalten: dies wäre gleichbedeutend mit Unterstützung und Billigung.

Helmut GEHLE, Dipl.-Psych., Dipl.-Päd., Psychotherapeut, Planning Familial

Literatur:

ENGELFRIED, C., Vergewaltigung. Was tun mit den Männern? Bestandsaufnahme und Analyse eines Männerproblems aus Frauensicht. Braunschweig: Holtzmeyer, 1990.

HEDLUND, E., Wie betrachten sexuelle Gewalttäter ihr Verbrechen?, in: JANSHEN, D. (Hrsg.), Sexuelle Gewalt, Frankfurt: Zweitausendeins, 1991 S. 336-344.

SPODEN, C., Gewalt als Zeichen von Schwäche und Verzweiflung. Hilfsansätze für Täter, in: JANSHEN, D., 1991, S. 352-356.
WALTERS, M., CARTER, B., PAPP, P. & SILVERSTEIN, O., Unsichtbare Schlingen. Die Bedeutung der Geschlechtsrollen in der Familientherapie. Eine feministische Perspektive, Stuttgart: Klett-Cotta, 1991.

WEIS, K., Die Vergewaltigung und ihre Opfer, Stuttgart: Enke, 1982.

Carlo Schmitz

Der liebe,
überall beliebte,
treusorgende Vater,
immer für die Familie da,
für die vielen Kinder,
für seine Frau,
überall Harmonie.
Nur einmal,
an einem heißen Nachmittag,
seine frühreife 14 Jährige,
neben ihm im Auto,
der kurze Minirock,
nur das eine Mal,
griff er ihre Beine entlang –
hinauf.
Nur eine schwache Minute?
Nie wird darüber ein Wort gesprochen,
die Mutter würde es auch nicht glauben.
Phantasiert die Tochter?
Nichts wirklich Schlimmes
war geschehen.
Und doch –
alles war für das Mädchen ge-

schehen.

Diese eine Minute hatte ihr
Leben verändert.

Seit dem Tag war ihr Leben
anders.

Nie mehr konnte sie das vergessen!

Woher nimmt sich ein Vater
solche Rechte?

Wie kann ein Vater das,
was er beschützen sollte,
für sich benutzen
und dabei ein Leben zerbrechen?

Wie kann ein Mensch,
mit dem Leben eines anderen
ja, seines eigenen Kindes
so respektlos umgehen?

Eine Unschuld zu benutzen,
ein Kind – sein Kind,
für das ganze Leben belasten.
Was geht in solchem Vater
vor?

Karin Jahr

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