Was ist Kunst?
Wo liegt der Unterschied zwischen dem Künstler und dem Hobbymaler?
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Das was man macht, macht einem einfach Freude. Und ich wünsche mir, daß es auch andern Freude macht. Ich empfinde mein Kunstschaffen als etwas, das mein Leben schön und wertvoll macht. Das wünsche ich auch andern. Mehr will ich nicht.
Françoise MAAS-MEEUS
Ich weiß nicht, ob es eine allgemeingültige Antwort gibt und ob man überhaupt nach einer solchen suchen soll. Das Problem mit Definitionen ist, daß sie das unterschlagen, was Geheimnis ist in der Kunst, und genau darauf kommt es aber an. Was sind die Kriterien bei der Kunstbetrachtung? Sie haben etwas zu tun mit dem Innenleben des jeweiligen Betrachters. Und jeder Betrachter schafft in gewisser Weise das Kunstwerk, trägt zu seinem Bestehen und seinem Wert bei. Jeder Mensch hat eine individuelle Herangehensweise an ein Kunstwerk, und daß das Kunstwerk dies ermöglicht, darin besteht sein Wert. Doch Kunst als solche zu definieren, fällt mir schwer. Es gibt Leute, Theoretiker, denen das auf eine tiefschürfende, formale Art gelingt, andere gehen die Frage regelrecht philosophisch an. Aber das innere Ergriffensein hat mir noch keiner erklärt. Es gibt aber „Kunstkenner“, die ihre innere Flamme weitertragen können.
Roger BERTEMES
Ein Kunstwerk beinhaltet immer eine Aussage. Aber deren Inhalt hängt sehr stark vom einzelnen Künstler ab. Für mich war die Aussage immer eine sehr persönliche. Früher hatten meine Bilder deswegen auch Titel. Das habe ich aufgegeben. Jeder soll hineindenken, was er fühlt, auch wenn es etwas anderes ist als das, was ich mir selbst dabei gedacht habe. Anderen Künstlern kommt es primordial auf die Aussage an. Meine Malerei ist eher eine Gefühlssache, die aus dem Bauch kommt. Wenn ich Lust habe zu malen, male ich. Dann stelle ich mir keine langen Fragen über Krieg oder Leben. Allerdings, was ich morgens in der Zeitung gelesen habe, wühlt ganz sicher in mir und findet seinen Ausdruck in dem Bild, das ich an jenem Tage male.
Brandy
Wer sein Bild von der heilen Welt pflegen will, darf sich nicht mit Kunst auseinandersetzen. Kunst ist doch unruhiger als das satte Dahinleben. Wer ein Bild nicht versteht, muß es sich zwei-, dreimal anschauen. Dann beginnt die Auseinandersetzung damit. Es kommt dem Künstler nicht unbedingt darauf an, „verstanden“ zu werden. Auch beim Gespräch versteht der eine das Gesagte nicht unbedingt so, wie der andere es meint. Sicher begegnet man aber auch immer wieder Leuten, die von einem Bild fasziniert werden, bei denen man sofort merkt, daß
sie einen verstanden haben, daß sie auf derselben Wellenlänge sind.
Wenn man die Geschichte weiter zurückverfolgt, sieht man, daß Künstler immer Leute waren, die entweder Anerkennung fanden und für den Hof oder die Kirche gearbeitet haben und bezahlt wurden. Sie hatten also eine bestimmte Funktion. Näher in unserer Zeit ist der Künstler derjenige, der sich immer mehr von der Gesellschaft absondert und der dadurch versucht, der Gesellschaft einen Spiegel entgegenzuhalten. Um leben zu können, muß er dann zwar auch mal ein paar Stunden eine gesellschaftlich anerkannte Arbeit verrichten, z. B. als Kunstlehrer. Oder er will ausschließlich Künstler sein und lebt dann von der Hand in den Mund.
Wo liegt der Unterschied zwischen dem Künstler und dem Hobbymaler?
Kunst ist für mich kein Qualitätsprädikat. Es gibt gute, und es gibt schlechte Kunst. Es gibt authentische Kunst, ehrliche Kunst, avantgardistische Kunst, aber auch nachhinkende Kunst. Ich möchte nicht urteilen, ob ein Objekt Kunst ist oder nicht, sondern ob ich es gut finde oder ob es eine Ausstrahlungskraft besitzt.
Ich habe längere Zeit im „Kunsthaus“ im Rahmen des OGBL mit Erwachsenen gearbeitet. (Heute arbeite ich mit behinderten Kindern.) Das waren meistens sogenannte Hobbymaler aller Altersstufen. Ich stellte schnell fest, daß es dabei nicht darum ging, ihnen Zeichnen beizubringen. Die erste Voraussetzung, nämlich, daß einer gerne malt, ist ja beim Hobbymaler gegeben. Das Handikap bestand meistens darin, daß diese Menschen den Widersprüchen unserer Gesellschaft voll ausgeliefert sind, diesen Widerspruch aber nicht künstlerisch umzusetzen imstande sind. Sie haben oft einen harten Beruf, „wollen“ aber eine Vase mit Blumen malen. Mir ging es dann nicht darum, ihnen eine Technik beizubringen, wie sie die Blume möglichst naturgetreu zeichnen könnten, sondern ihnen zu helfen, an sich selbst zu arbeiten, um der Phantasie erst mal ein Fenster zu öffnen, damit das eigene Leben zum Ausdruck kommt. Viele dieser Menschen möchten zwar gerne malen, haben aber keinen Raum zu Hause, wo sie mal klecksen können. Ihr kreativer Wunsch scheitert an den eigenen Sauberkeitsvorstellungen, am „tapis plain“ in der Stube, an den Barrieren, die sie sich im Leben aufgebaut haben. Das ist das Problem der Hobby-
Kunst ist unruhiger als das satte Dahinleben.
maler. Sie hatten nie Zeit, um über sich nachzudenken. Kultur braucht Muße. Patricia LIPPERT
Als Hobbymaler würde ich eigentlich fast jeden bezeichnen, der nicht von seiner Kunst lebt. Selbst die meisten Kunstlehrer gehören dazu. Sie malen vielleicht 10 Bilder im Jahr. Sie stellen beim "Salon" des "Cercle artistique" alljährlich zwei Bilder aus und damit hat es sich. Eine gute Galerie im Ausland nimmt nur wirklich freischaffende Künstler. Zur Zeit versuchen eine ganze Reihe junger Artisten, sich als solche zu etablieren. Brandy
Jeder hat die Freiheit, seine Empfindungen zu Papier zu bringen, seine Freizeit mit Malen zu füllen. In einer zweiten Etappe stellt sich dann die Frage, ob er das Resultat seines Malens für sich behält oder ob er damit an die Öffentlichkeit tritt. Natürlich kann er sich bei dieser Entscheidung beraten lassen. Macht er den Schritt, setzt er sich der Kritik aus, nicht nur des einfachen Besuchers, auch des Fachmanns, der seine Meinung veröffentlicht. Die Anerkennung als Künstler ist sicher eine soziale Frage. Der Schritt in die Öffentlichkeit ist ja auch ein sozialer Schritt. Entweder kann der Maler über seine Werke eine Aus-
Aussage, ein Gefühl an andere vermitteln oder nicht. Seine Werke werden dann als esthetisch wertvoll anerkannt oder nicht. Das ist sicher eine Frage der gesellschaftlichen Anerkennung. Aber sogar unveröffentlichte Werke können Kunstwerke sein, die erst viel später als solche entdeckt werden. Es kommt auch vor, daß Kunstwerke einer bestimmten Epoche später als Kitsch bezeichnet werden. Die Beurteilungskriterien variieren natürlich in der Zeit.
Lucien KAYSER
Ech spillen e bässche Musék, mee ech gesi mech nèt als Muséker. D’Ausernansetzung beim Kënschtler as vill méi intensiv wéi beim Hobbykënschtler. Wann ech u méngem Auto e Platte ka flécken, sin ech nach laang kee Mécanicien. Et ënnerläit een och ganz anere Gesetzer. Ech maachen dat, wat ech maachen, net onbedéngt well ech dat schéin oder agréabel fanne, mee well ech dat maache muss. Deen een Aarbechtsprozess zitt onweigerlech deen anere mat sech. D’Konscht huet hir eege Logik. Déi meescht Hobbykënschtler brauche sech nèt mat esou Froen eremzeklappen. Et sin einfach zwou verschidde Welten.
Jean-Marie BIWER
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