Weder ist es die erste, noch die letzte Katastrophe ihrer Art. Ja, es wird ein DANACH geben. Wer von uns dabei sein wird, ist ungewiss. Die Spur der Verwüstung, die das Virus hinterlassen wird, zeichnet sich längst ab. Wir leiden unter Atemnot; unser Planet atmet auf. Der globale Kapitalismus scheitert; wer sich Mut und Klarheit des Denkens bewahrt hat, ahnte dies schon länger. Eine Krise jagte die nächste; keine wurde gelöst, alles nur vertagt, unsichtbar gemacht. Die tragischen Folgen wurden ausgelagert, auf andere Menschen, Länder, Kontinente, auf die noch ungeborenen Generationen einer kommenden Zeit. Die Zukunft soll’s richten, darin sind sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einig. MORGEN werden wir eine Lösung finden: Hilfs- und Überbrückungsgelder, Übergangstechnologien. Die goldene Zukunft rechtfertigt die Leiden der Gegenwart, so war es immer schon. Auf Kriege, Terroranschläge, Flüchtlingskrisen, Atomunfälle, Tsunamis, Hungersnöte, Öl-, Finanz-, Klimakrise, Virenausbrüche… erfolgte bisher immer die gleiche Reaktion: globalisierter Aufschrei, beispiellose Rettungs- und/oder Racheaktionen, und dann stets MEHR VOM SELBEN. Die vom Kapitalismus geformte Welt blieb sich treu, strebte so schnell wie möglich immer wieder zurück zur „Normalität“. Nichts gelernt.

Heute quält uns der Winzling Corona, nach dem anfänglichen Augenverschließen kam es ziemlich schnell zu: Shutdown, Grenzen abriegeln, Ausgangssperre, Kontaktverbot. In Sichtweite – gigantische Verschuldungswellen und das Tracking. Menschen und Nationen nutzen ihre Ressourcen, finanziell und organisatorisch, um sich und den ihren Platzvorteile zu sichern. Die Menschen hamstern, Politiker ergattern Schutzmasken und Geräte für ihr Land. Marktgesetze. Der Rest ist was für Philosophen, Geisteswissenschaftler, Künstler. Was humanistisch geboten wäre, ein Quantensprung in der Gestaltung unserer globalisierten Welt, eine Revolution der Bescheidenheit und Liebe, die Erschaffung einer Welt für alle, einer Leben schätzenden und schützenden Weltordnung, das steht mit Leuchtschrift am Himmel: Fangt an zu denken, tut was, und bürdet die Konsequenzen Eures Begehrens nicht anderen auf.

Aber kann das Virus das? Lehrt es uns das Denken? Wird es diesmal gelingen? Wir müssen uns der Erkenntnislage stellen, ausbrechen aus den Denk-, Handlungs- und Lösungsmustern der alten Zeit. Die einen brechen unter der Last der Verantwortung und der ins Unendliche wachsenden To-Do-Listen schier zusammen, die anderen sind zum Ausharren verdammt. Wer kann, nutzt die Zwangspause, um nach kreativen, menschenwürdigen Lösungen zu suchen, die die Welt im DANACH-Zeitalter gesünder, besser, heiler machen. Das Virus lehrt uns das Fürchten, das Virus lacht sich eins; es ist jetzt da, es wird bleiben. Es wird uns seine Verwandtschaft auf den Hals hetzen. Es ist an uns, alles, was uns bisher so „heilig“ war, dass wir unseren Planeten Erde und viele seiner Bewohner gnadenlos dafür bluten und sterben ließen, in Frage zu stellen: Was brauchen wir wie die Luft zum Atmen? Sind Menschen am anderen Ende der Welt auch Menschen? Wie definieren wir Reichtum und Armut – jetzt? Wer bezahlt am Abend die Rechnung? Gibt es eine Weltgemeinschaft? Wie wollen wir miteinander leben?

Petra Stober

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